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    >>Neue Rechtschreibung: Bern will Moratorium

    Bern – SDA/baz – Am 31. Juli endet die 7-jährige Übergangsfrist zur neuen Rechtschreibung - teilweise. Wie in Deutschland sollen nur die «unstrittigen» Neuerungen obligatorisch werden. Der Kanton Bern allerdings will sogar ganz verschieben.

    «Der Regeltext für die Rechtschreibung, wie er 1996 beschlossen und 2004 leicht modifiziert worden ist, ist ab 1.8.2005 verbindliche Grundlage für den Rechtschreibunterricht an den Schulen». So informierte die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK am 29. Juni die Kantone, die ihrerseits die Lehrer dahingehend unterrichten müssen.

    Auf den Brief der EDK reagiert hat der Kanton Bern: In einem Schreiben mit Datum vom 15. Juli schlägt er der EDK vor, die bisherige Übergangsregelung weiterzuführen, und zwar so lange, bis die umstrittenen Bereiche vom Rat der deutschen Rechtschreibung defintiv geregelt worden sind.

    Bern hofft auf weitere Mitstreiter

    Die von der EDK vorgeschlagene Regelung sei «nicht praxistauglich» und schaffe weitere Verunsicherung bei Lehrerschaft und Schülern, sagte Johannes Kipfer, Vorsteher der Abteilung für Volksschule in der bernischen Erziehungsdirektion auf Anfrage.

    Dem Kanton Bern sei jedoch nicht an einem Alleingang gelegen, sagte Kipfer. Nach seinem Kenntnisstand hätten auch andere Kantone ähnliche Bedenken geäussert.

    Keine Vorbehalte hat offenbar der Kanton Zürich: Die EDK-Empfehlungen würden mit Beginn des kommenden Schuljahres umgesetzt, sagte Martin Wendelspiess, Leiter des Zürcher Volksschulamtes auf Anfrage. Die noch bestehenden Ausnahmen seien zu wenig gewichtig, um deshalb von den internationalen Vereinbarungen abzuweichen.

    Die EDK wollte am Mittwoch auf Anfrage noch nicht Stellung nehmen. Sowohl das Generalsekretariat in Bern wie das Sekretariat von EDK-Vorsteher Hans Ulrich Stöckling in St. Gallen sagten, sie hätten den Brief noch nicht vorliegen.

    Teilmoratorium

    Nach dem Willen der EDK sollte ab 1. August wie in 14 deutschen Bundesländern ein Teilmoratorium gelten: Bei Zeichensetzung, Worttrennung am Zeilenende und Getrennt-/Zusammenschreibung, sowie im Überschneidungsbereich zwischen Getrennt-/Zusammen- und Gross-/Klein-Schreibung gelten die alten Schreibweisen nach wie vor nicht als Fehler.

    Definitiv geregelt sind nur die Laut-Buchstaben-Zuordnung, Bindestrich und Gross-/Klein-Schreibung, sofern sie nicht das Problem Getrennt-/Zusammen-Schreibung tangiert.

    Richtig ist falsch und falsch ist richtig

    Im Bereich Getrennt/Zusammenschreibung - der mithin zu den schwierigsten gehört - hat der Rat für Rechtschreibung im Juni bereits Änderungsvorschläge vorgelegt, die eine Rückkehr zur alten Schreibweise bedeuten. Die Empfehlungen des Rats müssen noch von den zuständigen politischen Stellen genehmigt werden.

    Der Rat empfiehlt beispielsweise, wieder wie vor 1996 «eislaufen» und «kopfstehen» zu schreiben, wie er auf http://www.rechtschreibrat.com informiert. Dabei wäre laut der nun amtlich gültigen «Neuregelung 2004» (www.ids-mannheim.de/reform, Stichwort «Service») - «Eis laufen» und «Kopf stehen» gültig.

    Lehrer sind also verpflichtet, «nottun» als falsch zu markieren, obwohl die Schreibweise aller Wahrscheinlichkeit nach wieder richtig sein wird, sobald die politischen Gremien die Vorschläge des Rats genehmigt haben werden.

    Zahlreiche Moratoriumsbefürworter

    Diese nicht nur pädagogisch problematische Situation hat nicht erst der Kanton Bern erkannt: Bayern und Nordrhein-Westfalen haben ein Moratorium beschlossen, bis der Rat für deutsche Rechtschreibung alle Bereiche bereinigt hat - voraussichtlich also bis Ende 2006.

    Bereits im Juni hatten auch die drei Akademien der Künste in Berlin, München und Dresden Einspruch gegen die definitive Einführung erhoben. Es sei «fahrlässig, Partiallösungen mit Amtsgewalt zu fixieren», monierten sie.

    Noch deutlicher formulierte es der «Sprachkreis Deutsch» SKD in Bern: «Die neue Rechtschreibung, die ausschliesslich für die Schule entwickelt wurde, ist am Ort ihrer Bestimmung nicht handhabbar: die Reform der Rechtschreibung ist gescheitert», schreibt der St. Galler Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann im Mitteilungsblatt des SKD.<<

    http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=34DB6DD5-60CF-2062-F46B2BE84E86A08C

    Detlef Lindenthal

    20.07.2005 20:24   Warburger-Appell.de  »  Schweizer Moratorium auch in Warburg   Beitrag einzeln




    Austrittserklärung an die GEW Hamburg sowie an den GEW-Bundesvorstand - Jochen Stüsser-Simpson (PDF, 56K)

    Warburger Appell

    19.11.2004 13:47   Warburger-Appell.de  »  Briefe   Beitrag einzeln

    Brief an den Ministerpräsidenten Stoiber
    Hans-Jürgen Grosser, OStR

    Gymnasium Marianum, Warburg
    Privatanschrift: Eichenweg 10, 34414 Warburg
    Tel.: 05641-50534; Fax: 05641-740322
    E-Mail: Warburger-Appell@web.de
    Internet: www.Warburger-Appell.de
    Warburg, den 05. Oktober 2004

    Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Stoiber,

    wir sind eine Gruppe von über 100 Deutschlehrern, die unter Berufung auf eine parallele Initiative von Schweizer Kollegen im Juni dieses Jahres an die Kultusminister appelliert haben, die „neue“ Rechtschreibung nicht verbindlich einzuführen. Die Presse hat darüber berichtet (vgl. u.a. DIE WELT vom 3. Juni 2004, S. 4).

    Inzwischen ist überdeutlich geworden, daß die amtliche deutsche Rechtschreibung nicht konsensfähig ist.

    Die Reform ist in allen wesentlichen Punkten gescheitert. Der frühere Reformer Prof. Dr. Horst Haider Munske, dessen Aufsatz „Lob der Rechtschreibung“ in der F.A.Z. vom 4. Oktober noch einmal die einschlägigen Argumente gegen die Reformbestrebungen zusammenfaßt, erklärte schon zu einem früheren Zeitpunkt:
    „Alle Fehler lassen sich am Ende auf das untaugliche, undemokratische Verfahren zurückführen.“ Ohne Parlamente und ohne Gesetze seien schwere „Einschnitte in die Schriftkultur und in unser Alltagsleben“ verordnet worden. Dagegen kann nur eins helfen: Alles auf Anfang. So ähnlich sieht dies wahrscheinlich auch Ihr Kollege Christian Wulff, den wir deshalb unterstützen wollen.
    Vor allem müssen wir Sie, verehrter Herr Ministerpräsident, darauf hinweisen, daß die Zufriedenheit an den Schulen eine glatte Lüge ist.
    Die meisten unserer Kollegen (zumindest an den Gymnasien) durchschauen den Unfug. Sie müssen bis August 2005 alles gelten lassen, was den bewährten oder den neuen Regeln entspricht. Die Schüler profitieren von diesem Durcheinander, weil ihnen weniger Fehler angestrichen werden – aber auf Kosten ihres Sprachgefühls. Außerdem wächst die Kluft zwischen dem, was die Schüler lernen, und dem, was sie lesen, weil alle namhaften Schriftsteller nicht mitmachen und immer mehr Verlage zur klassischen Rechtschreibung zurückkehren.

    Die Rücknahme der Reform muß nichts kosten, denn die traditionelle Rechtschreibung des 20. Jahrhunderts ist noch allgemein bekannt, auch die Schüler begegnen ihr täglich. Schulbücher in reformierter Schreibweise können turnusgemäß aufgebraucht werden.
    Die jetzt beginnende Kompromißsuche (neu: „Kompromisssuche“) ist unserer Ansicht nach nicht sinnvoll. „Kompromiß“ klingt zwar gut, bedeutet aber nichts anderes als „schon wieder eine Rechtschreibreform“.
    Da zudem keine ausreichende Akzeptanz zu erwarten ist, halten wir die Reform für verfassungswidrig!

    Damit wir alle uns wieder (noch) wichtigeren Dingen zuwenden könne, hoffen wir darauf, daß Sie und ihre Ministerpräsidentenkollegen im Interesse unserer Schüler sowie unserer Sprache aufgrund neuerer Einsichten das überflüssige Reformexperiment schnellstmöglich beenden.

    Mit freundlichem Gruß
    Hans-Jürgen Grosser


    Dominik Schumacher

    06.10.2004 08:30   Warburger-Appell.de  »  Briefe   Beitrag einzeln


    Brief an den Ministerpräsidenten Stoiber von Hans-Jürgen Grosser (PDF, 52K)
    Warburger Appell

    05.10.2004 18:21   Warburger-Appell.de  »  Briefe   Beitrag einzeln

    genauer Zähler
    Mit der Erfahrung des Zählereinbaues für die Unterschriftenliste (PDF-Datei) der niedersächsischen Volksinitiative haben wir heute auch für den Warburger Appell die Voraussetzungen eingebaut, um zählen zu können, wie oft genau der Datensatz mit dem Warburger Appell aufgerufen wird. Während bisher die Forentechnik die Aufrufe der Leitthemen zählt, wird nun zusätzlich der Aufruf des einzelnen Datensatzes beachtet, also auch in Suchergebnissen oder in Aufrufen der neuesten Nachrichten.
    Die Techniker
    Norbert Lindenthal

    01.09.2004 16:32   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Was die Reformer jetzt als Weiterentwicklung der Sprache verkaufen,
    ist im neuen Duden bei der Getrennt- und Zusammenschreibung in Wirklichkeit die allmähliche Rückkehr zur alten Rechtschreibung. Nur werden jetzt die Bedeutungsunterschiede beider Varianten unterschlagen. Dadurch wird hier die Rückkehr zur vollständigen alten Rechtschreibung immer leichter. Kluge Schüler merken selbst, daß die am wenigsten Umstellaufwand hatten, die gleich weiter alt geschrieben haben. Der nächste Duden 2005 wird sich bei der GZS der alten Rechtschreibung noch mehr nähern, bis der angeblich völlig unlogische und ungeregelte alte Zustand wieder erreicht ist.
    Aber ohne die heftigen und andauernden Proteste der Reformgegner wäre das nicht erreicht worden und wird es auch nicht weitergehen.
    Fritz Koch

    23.08.2004 19:07   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    neue-oz.de Neue Osnabrücker Zeitung
    24.08.2000 (Achtung: 2000!)

    Kreis Emsland

    „Rückkehr zur alten Schreibweise wäre für Schüler eine Katastrophe“

    Lingen (ao)
    ,,Eine Rückkehr zur alten Schreibweise wäre für die Schulen eine Katastrophe", kommentiert Hermann-Josef Pieper, Kreisvorsitzender des Verband Bildung und Erziehung (VBE), die wieder aufkeimenden Diskussionen über die Rechtschreibreform. Seit zwei Jahren lernen die Schüler nach den neuen Regeln zu schreiben. Schulleiter, Lehrer und Elternvertreter aus dem Altkreis Lingen sprechen sich vehement gegen eine erneute Änderung der Regeln aus, erklärten sie auf Anfrage unserer Zeitung.

    ,,Ich bin der Meinung, dass den Kindern das Schreiben durch eine ganze Reihe von Regelungen erleichtert wird", resümiert Hans Reinert, Schulleiter der Grundschule Lengerich, zwei Jahre nach Einführung der Rechtschreibreform. Genau kann Reinert aber nicht sagen, ob seine Schüler nun weniger Fehler machen. Aber viele Regelungen seien den Jungen und Mädchen verständlicher als die alten Regeln, zum Beispiel die jetzt erlaubte Trennung von ,,st". Keine Probleme sieht der Schulleiter darin, dass die Grundschüler eine andere Schreibweise erlernen als ihre Eltern. ,,Es kommt höchstens mal vor, dass ein Schüler als Ausrede sagt, ein Wort müsse jetzt so nach der neuen Rechtschreibung geschrieben werden, wenn die Eltern bei den Hausaufgaben einen Fehler entdecken", lacht Reinert.

    Anders sieht das der Vorsitzende des Stadtelternrates Lingen, Udo Segelke. Die Eltern könnten ihren Kinderen bei den Hausaufgaben nicht mehr helfen. ,,Sie müssen sich erst mühevoll in die neuen Regeln einarbeiten. Dabei wissen die Lehrer oft selbst nicht, was wie geschrieben wird", kritisiert Segelke. Er habe die Rechtschreibreform von Anfang an abgelehnt, aber jetzt zu den alten Regeln zurückzukehren, sei auch falsch. ,,Unsere Kinder dürfen nicht zu den Experimentierfeldern unserer Politiker werden", warnt der Elternratsvorsitzende.

    Nicht nur die Eltern mussten sich in den letzten zwei Jahren mit der neuen Schreibweise ihrer Kinder vertraut machen. Auch die Jungen und Mädchen an höheren Schulen sollten sich von ihrer alten Schreibweise verabschieden und umlernen. Wie die Umstellung gelungen ist, diskutierte Inge Hartmann zu Beginn des neuen Schuljahres mit ihren Deutschkollegen vom Franziskusgymnasium Lingen. ,,Erfolg ist die falsche Bezeichnung für die Rechtschreibreform", meint die Lehrerin. Es gebe sicherlich einige Vereinfachungen zum Beispiel bei der Zeichensetzung. Insgesamt sei die Reform in sich nicht logisch aufgebaut und beinhalte viele Ungereimtheiten, die selbst Erwachsene nicht nachvollziehen könnten. ,,Wie soll ich den Schülern etwas als Fehler anstreichen, was ich selbst jedes Mal erst nachschlagen muss?" fragt sich Frau Hartmann.

    Eine Rückkehr zur alten Schreibform lehnen die Deutschlehrer vom Franziskusgymnasium aber ab, berichtet Frau Hartmann. Die neuen Regeln müssten pragmatisch gehandhabt und die Verwirrung nicht noch vergrößert werden. Ob die Gymnasiasten nun weniger Fehler machten, könne sie nicht beurteilen, weil bislang noch beide Regelungen gelten würden. ,,Die meisten Schüler haben sich auf die neue Rechtschreibung umgestellt, ein paar Mutige bleiben noch bei der alten", hat sie festgestellt. Auch die Leiterin des Lingener Johanneum, Adelheide Röttgers, lehnt eine ,,Reform der Reform" ab. Das würde das Chaos nur noch vergrößern. ,,Insgesamt tun sich die Schüler bei der Umstellung weniger schwer als die Erwachsenen", meint die Studiendirektorin.

    Das sieht auch Regierungsschuldirektor Heiner Reinert so: ,,Es hat sich rechtlich nichts geändert", betont er, dass Lehrer und Schüler keine erneuten Regelungen für die Orthographie fürchten müssten. Die Schulen würden heute mit Materialien für die neue Rechtschreibung ins neue Schuljahr starten. Bis 2005 würde die alte Schreibweise zwar angestrichen, aber nicht als Fehler berechnet. ,,Die Lehrer müssen heute vielleicht häufiger nachschlagen, was richtig und falsch ist", meint der Schuldirektor. Aber eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung würde erhebliche Kosten verursachen, weil alle Materialien und Bücher dann erneuert werden müssten.

    Für eine Weiterentwicklung der Sprachregeln spricht sich Hermann-Josef Pieper vom VBE aus. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler es mit den neuen Regeln noch nicht so genau nehmen und zwischen den Schreibweisen hin und her springen. Die Mängel der Rechtschreibreform wie bei der ,,Getrennt- und Zusammenschreibung" könnten auf Dauer ausgemerzt werden. ,,Auf diese Weise wird die deutsche Sprache langsam weiterentwickelt wie das schon immer der Fall war", schlägt der Realschullehrer vor.
    Dominik Schumacher

    23.08.2004 17:38   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Re: Re: Sprachliebhaber?
    Zitat:
    Weiterhin wird die Vertauschung der Buchstaben umso schwerer wiegen, je ...weniger der Sprachgebrauch den gewohnten Mustern entspricht. ... Als Beleg dafür, daß man zum Textverständnis keine korrekte Schreibung brauche, kann die Studie allerdings kaum herhalten.

    Eine Studie soll das übrigens nicht sein, sondern ein Witz der Neuschreibbefürworter.

    Sie haben das richtige Stichwort geliefert: Muster.
    Das durch das Netz geisternde Schreibbeispiel verändert zwar die Reihenfolge der Buchstaben, hält aber die für das Wort charakteristischen inneren Bindungen bei. Das ist bei dem nachfolgend von mir eingeführten zweiten Beispiel - mit nur einem einzigen falschen Buchstaben im Wort - eben nicht mehr der Fall:

    Beispiel 1: 'Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was ... (innere Bindung bleibt erhalten)

    Beispiel 2 mit Buchstabenfehler: 'Gmieß enair Sutode epeir elcnihcesn Uvikisterät, ilt es nxhit watihcg in wlöcehr Rnemlogheie doe Bstrchuebn in enyim Wrkt sqid, das eznuige was ...“ (innere Bindung wird durch Buchstabenfehler zerstört)

    Die "Studie" eignet sich also hervorragend für zwei Dinge:

    1. Dem Leser bekannt zu machen, daß unser Gehirn in der Schreibung Sprache als Wortmuster wahrnimmt;
    2. zu beweisen, daß falsche Buchstaben das Wortmuster zerstören, wodurch der Wortsinn nicht mehr erkannt wird,
    3. schlußfolgern zu können, daß Buchstaben für unser Gehirn bei der Worterkennung Bedeutungsträger sind.

    Deshalb darf man eben an der Schreibung nicht einfach so herumpfuschen. (Für die Grammatik gilt das auch: siehe Beitrag "Medaille im liegend Schießen"!)



    Monika Chinwuba

    22.08.2004 22:27   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Fhnieebhntkbeliareoreci
    [ierebahbeilkinhcetneroF] Und nun stellen wir fest, daß dieses Leitthema für Nachrichten im Schulbereich vorgeplant war. Wer denkt sich denn mal ein, Leitthemenabschnitte an einen anderen Ort (d. h. andere Leitthemenzugehörigkeit [threadid]) stellen zu können. Auch bräuchten wir das Aufscheinen von Beiträgen gleichzeitig an anderer Stelle, statt Zitieren.
    Dominik Schumacher

    22.08.2004 22:09   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Re: Sprachliebhaber?
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Monika Chinwuba
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Elke Philburn
    Gut, dann lautet der Satz meinetwegen:

    sind sie sharpbableicher?


    Das Beispiel verfolgt nicht das gleiche Prinzip.

    Es könnte heißen:

    Sraphcleibhbear

    Dann kann man es wieder lesen.


    Man kann natürlich verschiedene Schwierigkeitsgrade einbauen, je nachdem wie weit man die Buchstaben von ihrer usprünglichen Position entfernt. Weiterhin wird die Vertauschung der Buchstaben umso schwerer wiegen, je komplexer Wörter und Satzbau sind und je weniger der Sprachgebrauch den gewohnten Mustern entspricht. Im Englischen kommt noch hinzu, daß die Wörter im Schnitt kürzer sind und dementsprechend weniger (oder überhaupt nicht) verfremdet werden. Als Beleg dafür, daß man zum Textverständnis keine korrekte Schreibung brauche, kann die Studie allerdings kaum herhalten.
    Elke Philburn

    22.08.2004 21:24   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Re: Sprachliebhaber?
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Monika Chinwuba
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Elke Philburn
    Gut, dann lautet der Satz meinetwegen:

    sind sie sharpbableicher?


    Das Beispiel verfolgt nicht das gleiche Prinzip.

    Es könnte heißen:

    Sraphcleibhbear

    Dann kann man es wieder lesen.


    Aber auch nur mühsam. Wenn die Reihenfolge der Vokale noch mehr durcheinandergerät und die Aufeinanderfolge der Buchstaben weniger ungewöhlich ist, fällt es noch schwerer:

    Spielbarbachher

    Das Wort besteht aus lauter Einzelteilen, die einzeln gewohnte Wortbilder sind: Spiel-bar-bach-her. Eine Umstellung der Reihenfolge im Geiste fällt daher noch schwerer, weil man bei den Wortbildern schon kognitiv eingerastet ist.
    Christian Melsa

    22.08.2004 21:08   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Sprachliebhaber?
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Elke Philburn
    Gut, dann lautet der Satz meinetwegen:

    sind sie sharpbableicher?


    Das Beispiel verfolgt nicht das gleiche Prinzip.

    Es könnte heißen:

    Sraphcleibhbear

    Dann kann man es wieder lesen.


    Monika Chinwuba

    22.08.2004 20:28   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Sprachliebhaber?
    Sharpableicher verfolgt nicht das gleiche Prinzip.

    Das Beispiel müßte heißen:

    Spacrhleibhbaer!

    Dann kann man es wieder lesen.
    Monika Chinwuba

    22.08.2004 20:22   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln


    Gut, dann lautet der Satz meinetwegen:

    sind sie sharpbableicher?
    Elke Philburn

    22.08.2004 19:28   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    genau
    Die Grundbedingung hatte ich so verstanden, daß
    1. der erste Buchstabe beibehalten wird,
    2. der letzte Buchstabe beibehalten wird,
    3. die Buchstaben zwischen erstem und letztem durcheinandergeraten, aber nicht gegen andere ausgetauscht werden.
    Norbert Lindenthal

    22.08.2004 19:13   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln


    Daß die Buchstabenfolge für die Lesbarkeit keine Rolle spiele, ist ein Mythos. Beispiel:

    dins eis harpsraberleich?

    Dieser kurze, einfache Satz müßte demgemäß völlig problemlos zu entziffern sein.
    Elke Philburn

    22.08.2004 18:52   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Das hatten wir schon mal
    Ein weiterer Einwand ist, daß man diese entstellten Wörter nur "lesen" kann, weil man assoziativ die zugrunde liegenden richtigen rekonstruiert.
    margel

    22.08.2004 14:05   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät
    Karin Pfeiffer sagte:
    Schon ein einzelner Buchstabe kann dabei eine große Rolle spielen. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein „Lid“ oder ein „Lied“ meine, ob ich von der „Mine“ oder der „Miene“ schreibe, ob ich „weg“ oder „Weg“ sagen will. (Zitat Ende)

    Die Neuschreiber benutzen für die These, daß es nicht wichtig ist, wie ein Wort geschrieben wird, gerne eine Aussage in untenstehender Buchstabenfolge:

    'Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist daß der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen.
    Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.'

    Um diesen Unsinn zu entlarven, genügt es, nur _einen einzigen_ Buchstaben in den Worten zu verändern. Das sieht dann wie folgt aus:

    'Gmieß enair Sutode epeir elcnihcesn Uvikisterät, ilt es nxhit watihcg in wlöcehr Rnemlogheie doe Bstrchuebn in enyim Wrkt sqid, das eznuige was
    ......."

    Die Behauptung, "der Rest kann ein totaler Blödsinn sein", ist so schnell widerlegt. Der eine falsche Buchstabe verändert den Sinn so, daß man den Satz nicht mehr lesen kann.
    Verständnis bildet sich nun einmal über Bedeutungsgruppen, seien sie aus Lauten oder Schriftzeichen zusammengefügt. Wortverständnis wird durch die Folge der Bedeutungszeichen gesetzt. Ein Beispiel aus Neuschriebland, wie der gewählte Buchstabe den Sinn ändert: AUFWÄNDUNG von gegen die Wand gelaufen / Aufwendung von Wendung durchführen, neue Seiten aufschlagen; GRÄULICH von Grauen als hervorgebrachtes unheimliches Gefühl (richtig: grauselig, gruselig, graulig, auf jeden Fall mit -ig als inhaltshervorbringendes Merkmal - subjektive Beurteilung), greulich mit 'e' als Bestimmung eines tatsächlich schrecklichen Zustands (mit -lich als inhaltsentscheidendes Merkmal - objektive Feststellung).

    Fazit: eine logisch zu verändernde Rechtschreibung basiert auf den Bedeutungselementen. In der Schreibung werden diese im Deutschen hervorragend durch bestimmte Buchstaben und Zeichenabfolgen angezeigt. Gerade die deutsche Sprache bildet durch ihre Art und Weise der Wortzusammensetzung für die Anwendung logischer Bedeutungselemente eine hervorragende Grundlage. Ein chinesischer Mathematikprofessor sagte mir einmal: Deutsch ist Mathematik. Ich würde sagen: Jede Sprache ist Lautphysik, jede Schriftsprache die Organisation ihrer Lautstrukturen. Bei dem willkürlichen Eingriff in die Sprachevolution sollte man sich tunlichst die Auswirkungen für das Verhalten überlegen, und diese dann kommunizieren. Braucht ein Foto heutzutage nicht mehr den Konsens wie ehedem das Photo? Soll ein Kosteneinsatz des Beauftragten zum verlorenen Aufwand führen (Aufwändung) oder zur ersatzpflichtigen Aufwendung?
    Monika Chinwuba

    22.08.2004 10:10   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Interview
    Interview 20.8.2004  Karin Pfeiffer Engagierter Unterricht - Katalog des Stolz Schulbuchverlags 

     

    Beliebigkeit hat in der Pädagogik nichts zu suchen

    Claudia Ludwig im Gespräch mit Karin Pfeiffer

    Karin Pfeiffer:
    Frau Ludwig, Sie sind Vorsitzende des Vereins „Lebendige deutsche Sprache e.V.“ und setzen sich in dieser Eigenschaft für die Rückkehr zur klassischen Rechtschreibung nach Konrad Duden ein. Was sind Ihre Beweggründe?

    Claudia Ludwig:
    Als Lehrerin habe ich 16 Jahre lang Englisch und Deutsch unterrichtet und dabei im einen wie im anderen Fach auch besonders auf die Rechtschreibung geachtet, denn sie ist wichtig, wenn es um die Bedeutung von Wörtern geht. Schon ein einzelner Buchstabe kann dabei eine große Rolle spielen. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein „Lid“ oder ein „Lied“ meine, ob ich von der „Mine“ oder der „Miene“ schreibe, ob ich „weg“ oder „Weg“ sagen will. Gleich 1996 habe ich mich intensiv mit dem Regelwerk der „neuen“ Rechtschreibung auseinandergesetzt -

    Pfeiffer:
    Was nicht allzu viele von uns getan haben, wenn wir ehrlich sind -

    Ludwig:
    Genau das ist der Punkt. Also ich habe die „neuen“ Regeln mit den „alten“ verglichen und bin dabei auf Unglaubliches gestoßen.

    Pfeiffer:
    Jetzt machen Sie uns neugierig.

    Ludwig:
    Es heißt doch immer, die „neue“ Rechtschreibung komme mit wesentlich weniger Regeln aus als die „alte“, sei also leichter darstellbar und leichter lernbar. Gerade das aber stimmt nicht. Die Reformer haben wortwörtlich die einzelnen Regeln der „alten“ Rechtschreibung übernommen, ihnen aber keine Zahl gegeben, sondern sie als Unterpunkt zu einer anderen Regel aufgelistet. Auf diese Weise kann man natürlich schnell die Zahl der Regeln verringern, obwohl nun in einer Regel mindestens zwei oder drei enthalten sind ...

    Pfeiffer:
    ... was natürlich niemand erwartet hat. In gutem Glauben an die Seriosität der neuen Regeln versuchte auch ich, mir diese anzueignen. Doch irgendwie fühlte ich mich immer irritiert.

    Ludwig:
    Vor der Reform gab es 171 reine Orthographieregeln. Der Duden 2000 verzichtet auf Doppelanführungen, enthält aber trotzdem 169 orthographische Regeln - also gerade einmal zwei weniger als vor der Reform! Innerhalb dieser 169 Regeln sind viele der vorher unabhängigen Punkte zu einer Nummer zusammengefaßt worden - wieder andere fehlen komplett. De facto haben wir also weitaus mehr Regeln als vorher. Mich hat das alles sehr geärgert.

    Pfeiffer:
    Ärgern allein hilft nicht, man muß handeln. Also haben Sie als Frau der Tat gehandelt. Was haben Sie unternommen?

    Ludwig:
    In erster Linie habe ich Aufklärung betrieben. Dabei stellte ich zu meinem großen Erstaunen fest, daß gerade die Befürworter den Inhalt der Reform gar nicht kannten. Tatsächlich habe ich nicht einen getroffen, der die „neue“ Rechtschreibung wirklich beherrschte. Am Ende der Diskussion stand immer das Argument, man sehe es als großen Vorteil an, daß nun jeder so schreiben könne, wie er wolle. Dazu fällt mir dann wirklich nichts mehr ein.

    Pfeiffer:
    Nun ist die Reform der Rechtschreibung mit dem Argument eingeführt worden, den Schülern das Schreiben zu erleichtern. Ist wenigstens dieses Ziel erreicht worden?

    Ludwig:
    In keiner Weise. Das Gegenteil ist eingetreten: wir alle tun uns heute beim Schreiben viel schwerer, und die Zeitungen sind voller Fehler. Die Einheitlichkeit der Schreibung ist verlorengegangen, wir haben keine Orthographie mehr, sondern viele verschiedene Orthographien wie zuletzt vor mehr als 100 Jahren. Das betrachte ich nicht als Fortschritt.

    Pfeiffer:
    Aus Grundschulen hört man oft, die neuen Regeln würden von den Kindern leicht gelernt, deshalb sei man mit der Reform zufrieden.

    Ludwig:
    Mit den eigentlichen Problemen der Rechtschreibung hat man in der Grundschule kaum etwas zu tun. Von Belang ist allenfalls die neue s-Schreibung, aber auch die hat ihre Tücken. Nach „alter“ Rechtschreibung gab es eine leicht zu merkende Regel, die wirklich half: „ss am Schluß bringt Verdruß“. Auch konnten die Kinder sich merken, daß ein s-Laut, sofern man ihn nicht trennen konnte, als ß verschriftlicht wurde: es-sen, aß, küs-sen, Kuß, und so weiter. Was war daran so schwierig? Die meisten Fehler wurden bei der Schreibung von daß und das gemacht. Und dieses Problem hat sich mit der Reform nicht erledigt, sondern eher verschärft.

    Pfeiffer:
    Weil „dass“ und „das“ graphisch schlechter zu unterscheiden sind als „daß“ und „das“

    Ludwig:
    Richtig. Wir lernen ja vor allem auch optisch, durch das Lesen. Und da war das auffällige „Buckel-ß“ einprägsamer. Wer viel liest, schreibt auch besser. Aber noch einmal zurück zu der s-Schreibung. Die Kinder lernen heute, daß ß nach langem Vokal, ss nach kurzem Vokal geschrieben wird. Diese Regel führt in die Logikfalle.

    Pfeiffer:
    Logikfalle?

    Ludwig:
    Diesen Begriff habe ich geprägt. Es fällt doch allgemein auf, daß die Schreibung der s-Laute immer uneinheitlicher wird. Man legt die Regel falsch aus. Der Grund dafür ist einfach: Die Regeln „Doppel-s nach kurzem Vokal“ und „ß nach langem Vokal und Doppellaut“ beziehen sich ausschließlich auf Wörter, die in „alter“ Rechtschreibung mit ß geschrieben werden. Die Kinder lernen keine Hauptregel, sondern eine „Unterregel“, für die man die „alte“ Rechtschreibung beherrschen muß. Die Logik der neuen s-Regel erschließt sich daher nur den Erwachsenen, nicht den Kindern, denn die schreiben jetzt, völlig regelkonform aber falsch: Hinderniss, Ausweiß, Hinweiß, du bisst, Kisste.

    Pfeiffer:
    Rechtschreibreform - schlechtes Abschneiden der deutschen Schüler bei der PISA-Studie, was die Leseleistung betrifft: Sehen Sie da Zusammenhänge?

    Ludwig:
    Kinder werden nun seit Jahren mit verschiedenen Schreibweisen in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften usw. konfrontiert. Das macht natürlich unsicher. Unsicherheit führt über kurz oder lang zu Frustration und Vermeidungsverhalten.

    [...]

    Pfeiffer:
    Frau Ludwig, wir danken Ihnen für das Gespräch!

    FriAug2017:21:33CEST2004


    – geändert durch Klaus Kolbe am 23.08.2004, 03.20 –
    Norbert Lindenthal

    21.08.2004 21:13   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln

    Spiegel
    10. August 2004

    SCHULEN

    Lehrerverband sieht kein Schlechtschreib-Chaos

    Viele Schüler und Lehrer sind sauer, weil sie das Gerangel um die neue Rechtschreibung ausbaden müssen. Der Deutsche Lehrerverband allerdings hält eine Rückkehr zu den alten Regeln für "zumutbar".

    [Bild]
    DPA
    Rechtschreibreform: Vorwärts, rückwärts, hü und hott

    In der Grundschule haben Schüler die alte Rechtschreibung gelernt, sich dann an die neuen Regeln gewöhnt und müssen nun vielleicht die Rolle rückwärts üben - was Lehrer die Haare raufen lässt, will Schülervertretern erst recht nicht einleuchten. So hält der Landesschülerrat Sachsen-Anhalt gar nichts von einer Rückkehr zu den herkömmlichen Schreibweisen: "Bei allem Idealismus und Verständnis für den Unmut über die neue Schreibung bitten wir inständig darum, wenigstens dieses Mal die Schülerinnen und Schüler nicht zum Spielball der Reformen zu machen und daran zu denken, welche katastrophalen Auswirkungen sich für uns in den Schulen ergeben würden, wenn dieser Schritt gegangen würde", heißt es in einer Stellungnahme des Landesschülerrats.

    Der Deutsche Lehrerverband indes kann keine Indizien für eine Katastrophe erkennen. Ein Stopp der Rechtschreibreform sei "durchaus" Lehrern und Schülern zumutbar, sagte Verbandspräsident Josef Kraus der "Bild"-Zeitung: "Von den 700 Wörtern Grundwortschatz, den Viertklässler schriftlich beherrschen müssen, brauchen sie gerade einmal 20 Wörter neu zu lernen." Ein "viel größeres Chaos gibt es, wenn wir weiter eine Orthographie lehren, die außerhalb der Schule immer weniger praktiziert wird".


    DDP
    Auch bei Rechtschreibung konservativ: Josef Kraus

    Kraus bezeichnete die von Schulbuchverlagen genannten Umstellungskosten in Höhe von rund 250 Millionen Euro als "aufgebauscht". Ein Austausch der Literatur sei kein Problem, da viele Bücher "sowieso nach fünf bis sechs Jahren zerfleddert" seien und ausgetauscht werden müssten. Kraus sagte: "Es kommen keine gigantischen Kosten auf Eltern und Kommunen zu." Es solle aber eine Übergangsfrist bis 2010 geben.

    Eine generelle Rückkehr zu den Schreibweisen vor der Reform wäre "für einige Verlage sicherlich existenzbedrohend", sagte Rino Mikulic, Sprecher des Verbandes der Bildungsmedien. Mikulic rechnet aber nicht mit einer Kehrtwende, sondern mit einem Kompromiss und sieht in einer schleichenden Nachbesserung der Rechtschreibregeln für die Schulbuchverlage kein großes Problem.
     
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    Josef Kraus trat Befürchtungen entgegen, Schüler könnten durch die Umstellung schlechtere Noten bekommen: "Kein Kind wird einen Nachteil haben, kein Schüler deshalb sitzen bleiben." Die Lehrer würden voraussichtlich über 2005 hinaus nur Fehler anstreichen, die in beiden Schreibweisen falsch seien.

    Ganz anders schätzt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Debatte ein und wirft den Gegnern der neuen Rechtschreibung vor, den generellen Reform-Unwillen auszunutzen. "Es ist bemerkenswert, mit welcher Arroganz und Hochnäsigkeit die Reformgegner über eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen hinwegsehen, die bereits nach den neuen Regeln die deutsche Rechtschreibung erlernt haben - und dies ohne größere Probleme und durchaus mit mehr Gewinn an der Klarheit der Sprache", sagte der rheinland-pfälzische VBE-Vorsitzende Johannes Müller. Deutschland sei "nach Pisa zum zweiten Mal auf dem besten Weg, sich bildungspolitisch international zu blamieren", denn die deutsche Sprache gehöre "nun einmal nicht nur den Deutschen". Müller forderte Planungssicherheit für die Schulen.


    AP
    Erfreut sich besonderer Beachtung in der "Bild": Doris Ahnen

    Die Abteilung Attacke der "Bild"-Zeitung geht derweil die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen frontal an. Die SPD-Politikerin ist derzeit Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und eine der schärfsten Kritikerinnen der Verlage, die eine Rückkehr zu den alten Regeln angekündigt haben.

    Im Zuge ihrer Kampagne gegen die neue Rechtschreibung verdienten "Bild"-Redakteure sich ein paar Fleißkärtchen, indem sie Ahnens Grußworte und Pressemitteilungen aus den Jahren 2001 bis 2004 flöhten - und siehe da, man fand einige Rechtschreibfehler und dokumentierte sie prompt. Dass auch Texte aus einem Bildungsministerium nicht völlig fehlerfrei sind, ist nicht weiter überraschend. Aber das Springer-Blatt drechselte daraus die schöne Zeile: "Das üben wir noch mal, Frau Schlechtschreib-Ministerin!".

    Jochen Leffers
    Norbert Lindenthal

    20.08.2004 00:03   Warburger-Appell.de  »  Schul- und Lehrer-Nachrichten   Beitrag einzeln