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Sigmar Salzburg
14.09.2012 08.55
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… und ‚Reform‘-Deutschland fördert den Verfall seiner Grammatik

Bewerbungen

Schlechte Grammatik – kein Job!


Wer die Regeln seiner Muttersprache nicht beherrscht, ist für jede Aufgabe zu schludrig – selbst wenn er gar nicht schreiben muss. Davon ist der US-Unternehmer Kyle Wiens überzeugt. Im Gastbeitrag erklärt der bekennende Pedant, warum er Bewerber per Grammatiktest aussiebt.

Wenn Sie glauben, dass ein Apostroph einer der zwölf Jünger Jesu war, werden Sie nie im Leben für mich arbeiten. Wenn Sie meinen, dass ein Semikolon ein Doppelpunkt mit einer Identitätskrise ist, werde ich Sie unter keinen Umständen einstellen. Wenn Sie Kommata über den Satz verteilen mit der Präzision einer Schrotflinte, schaffen Sie es vielleicht ins Foyer, bevor wir Sie höflich aus dem Gebäude begleiten…

Grammatik ist für alle Unternehmen wichtig. Natürlich verändert sich Sprache andauernd. Doch diese Tatsache ändert nichts an der großen Bedeutung von Grammatik. Gute Grammatik ist Glaubwürdigkeit, und das gilt insbesondere im Internet. In Blogs, auf Facebook, in E-Mails oder auf Unternehmenswebseiten haben Sie nichts außer Ihren Worten. Ihre Sprache ist eine Projektion von Ihnen. Wenn Ihre Texte voller Fehler sind, werden Menschen ihre Schlüsse daraus ziehen…

Wenn jemand mehr als 20 Jahre braucht, um einfachste grammatikalische Regeln zu verstehen, dann ist das keine Lernkurve, mit der ich leben kann. Auch im harten Wettbewerb um die besten Köpfe würde ich deshalb einen großartigen Programmierer nicht einstellen, der Probleme mit dem Schreiben hat.

Grammatik zeugt von mehr als der Fähigkeit einer Person, sich an den Schulstoff zu erinnern. Ich habe festgestellt: Menschen, denen weniger Fehler im Grammatiktest unterlaufen, machen auch weniger Fehler, wenn sie etwas ganz anderes tun als Schreiben – etwa Waren einräumen oder Bauteile mit Etiketten versehen…

Wie bei gutem Schreiben und guter Grammatik liegt auch beim Programmieren der Teufel im Detail. Tatsächlich geht es bei unserem Geschäftsmodell ausschließlich um Details.
Ich stelle Leute ein, denen diese Details wichtig sind. … Schludrig ist der, der Schludriges tut.

Das ist der Grund, warum ich unseren Bewerbern einen Grammatik-Test vorlege. Grammatik ist mein Lackmus-Test. So gut wie alle Bewerber behaupten, detail-orientiert zu sein – ich bringe sie dazu, es zu beweisen.

Hat der Autor Recht? Auf der Webseite des „Harvard Business Manager“ wird die Frage kontrovers diskutiert…

spiegel.de 14.9.2012

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Sigmar Salzburg
10.09.2012 16.39
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Nicht alles glauben, was im Spiegel steht!

Hamburger Staatsoper
Stardirigent Nagano wird Generalmusikdirektor


Nagano wurde 1951 in Morro Bay im US-Bundesstaat Kalifornien geboren. Seine Mutter unterrichtete ihn zunächst in Bratsche, Klarinette und an der lautenähnlichen japanischen Koto.
kha/dpa/dapd

spiegel.de 10.9.2012

Das Instrument hat keine Ähnlichkeit mit einer Laute, weder einer japanischen (Shamisen) noch einer chinesischen (Pipa), sondern es folgt dem Prinzip einer Zither.


Wikipedia

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Sigmar Salzburg
05.09.2012 06.19
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Hü und Hott im ‚Spiegel‘

Ernährung Bio-Lebensmittel kaum gesünder als normale Produkte
Weniger Pestizide, weniger Antibiotika – aber nicht gesünder: Forscher haben Hunderte Studien über Bio-Lebensmittel analysiert. Doch auch danach lässt sich die Hoffnung vieler Verbraucher, mit Bioprodukten ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun, wissenschaftlich kaum erhärten.

spiegel.de 3.9.2012

Gab es Proteste der Bio-Lobby?

Biolebensmittel: Nicht gesünder, nur besser
Viele essen Biolebensmittel, um ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Tatsächlich sind die Produkte jedoch kaum gesünder als andere Lebensmittel, wie eine aktuelle Studie zeigt. Vier Gründe, warum sich der Gang in den Bioladen trotzdem lohnt.

spiegel.de 4.9.12

Wenn weniger Pestizide und Antibiotika in den Bio-Lebensmitteln sind, dann sind sie gesünder.

Heute muß man immer fragen, ob hinter „Forschungsergebnissen“ nicht Interessen-Gruppen stecken. Jahrelang galt Kaffee als schädlich. Dann zeigten angeblich Forschungsergebnisse, daß es geradezu lebensnotwendig sei, täglich Kaffee zu trinken. Man müsse „die Jugend an den Kaffee heranführen“, sagte der Kaffeeröster Darboven vor Jahren in einer Fernsehquasselsendung. Am auffälligsten waren damals „Forschungsergebnisse“, nach denen Bananen gut für die Magenschleimhaut seien , aber sie müßten unreif gegessen werden. United Fruit, ick hör dir trapsen!

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Sigmar Salzburg
28.08.2012 19.00
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Manchmal 'unangepasst'

Was dem Althistoriker Christian Meier verweigert wurde, gewährt der „Spiegel“ den Blödel-Infantilisten von „Titanic“ freiwillig: Die Wiedergabe in bewährter Rechtschreibung – teilweise.

„Titanic“ und der Papst
Halleluja, jetzt auch noch ein Prozess!


Klamauk vor Gericht: … „Wir werden als Redaktion gesammelt anreisen, um an dem Prozess als Beobachter teilzunehmen“, kündigte der Chefredakteur des Satiremagazins, Leo Fischer, am Dienstag an. Außerdem werde die Redaktion bei dem Verfahren am Freitag das Gespräch mit Kirchenvertretern und Journalisten suchen und sich einen Tag vor dem Prozess symbolisch an den Michel ketten.

Die Zeitschrift ziehe optimistisch in das Verfahren, erklärte der Chefredakteur: „Der Prozeß gegen Pussy Riot hat die Welt für Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch entfesselte Autokraten sensibilisiert. Wir haben Vertrauen in die westliche Justiz und glauben fest daran, daß wir nicht in Plexiglaskäfigen ausgestellt werden.“ …

Bei dem Prozess prallen Welten aufeinander: auf der einen Seite Papst Benedikt XVI., der persönlich gegen das Cover vorging und auf der anderen Seite die Satirezeitschrift, die kaum Tabus kennt und immer wieder auch die Missstände in der katholischen Kirche anprangert…

Die Redaktion kämpfe aber auch für die Satire- und Meinungsfreiheit, beteuerte er. „Wäre es uns nur um den wirtschaftliche[n] Erfolg gegangen, hätten wir es auf dem Verbot beruhen lassen können. Aber wir wollen, dass die Menschen den Titel wieder kaufen und lesen können.“ …

spiegel.de 28.8.2012

Warum aber redet Fischer mal reformiert und mal traditionell?

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Sigmar Salzburg
23.08.2012 10.06
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Eine Katastrophe nach der anderen

Waldsterben
Artensterben
Vogelsterben
Fischsterben
Höfesterben
Ladensterben
Berufesterben
Gebührensterben


Schavan stemmt sich gegen das Gebühren-Sterben

Nur noch zwei Bundesländer kassieren 500 Euro pro Semester – und auch dort sind die Studiengebühren umstritten.


spiegel.de 22.8.2012

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Sigmar Salzburg
21.08.2012 20.07
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Im Wartezimmer gelesen

Spiegel 13.8.2012, Hohlspiegel
Aus der ,Allgemeinen Zeitung Mainz‘: „Es gebe keine Gefahr durch Sprachprobleme im OP, weil neu eingestellte Schwestern kein Deutsch sprächen, so die Klinikleitung.“

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Sigmar Salzburg
17.08.2012 11.10
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Kulturkampf um Zwickel und Heyse-ss

Zwickel im Schritt

Kampf den Nackedeis: Vor 80 Jahren versuchte der Berliner Beamte Franz Bracht, die Freizügigkeit an den Stränden Preußens per Gesetz zu verbieten. Sein „Zwickelerlass“ wurde zum peinlichen Beleg für die Regulierungswut der Politiker, Bracht selbst aber ging gnadenlos baden …

Da taumelte die Weimarer Republik am Rande des Abgrundes, schwer gebeutelt von der Wirtschaftskrise – und was tat die preußische Regierung? Erfand den Zwickel! Verschwendete ihren juristischen Hirnschmalz an die ordnungsgemäße Verhüllung der primären Geschlechtsmerkmale badender Bürger! Die Sommerloch-Polit-Posse des Jahres 1932 war geboren – und Bracht wurde zum Gespött einer ganzen Nation...

[Die Posse wiederholte sich 63 Jahre später, nur nicht ganz so lustig: Während Deutschland einer Wirtschaftskrise entgegentaumelte und die Wiedervereinigung kostspieliger als erwartet wurde, war die größte Sorge der Politiker und Verfassungsjuristen die Durchsetzung der ss-Zwickel in deutschen Texten:

Simonis läßt nicht locker
... Die Kieler Regierungschefin übernimmt während der Lübecker Ministerpräsidentenkonferenz vom 25. bis zum 27. Oktober den Vorsitz des Ländergremiums. Während ihrer einjährigen Amtzeit will sie sich für eine Lösung der Konzentration im privaten Rundfunk einsetzen. Als weitere Probleme sieht sie die verschobene Rechtschreibreform und den wachsenden Schuldenberg im Bundeshaushalt. (Welt 23.10.1995)

Zwar wurden auch die Kultusminister Zöllner, Wernstedt, Zehetmair und Schavan zum Gespött der Nation, aber aus „Staatsräson“ wurde die „Rechtschreibreform“ weiter durchgesetzt. 1932 konnte die SPD allerdings noch zwischen Sinn und Unsinn unterscheiden:]


Im preußischen Landtag … tobte infolge des sogenannten Zwickelerlasses von 1932 … ein regelrechter Kulturkampf … Berühmt wurde die Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Alex Möller, später Finanzminister in der Bundesrepublik:

„Naive Leute haben im Sommer dieses Jahres geglaubt, Reichsregierung und Reichskommissare würden sich den Kopf darüber zerbrechen, wie in diesem Winter sieben Millionen Arbeitslose ernährt und bekleidet werden sollen. Die Herren Reichskommissare aber haben sich den Kopf darüber zerbrochen, wie im Sommer die Badenden ausreichend bekleidet werden könnten.“

… Zwar war ihnen zweifelsohne auch die zu Beginn des Jahrhunderts immer freizügigere Bademode ein Dorn im Auge. Doch pochten die reaktionären Vertreter des Preußischen Landtages vor allem auf Paragraph eins des Zwickelerlasses, der das Nacktbaden rigoros unter Strafe stellte: jenes Phänomen, das während der Weimarer Republik zum populären Freizeitvergnügen geworden war.

… Und auf Hiddensee machten bereits im Sommer 1932 Polizisten Jagd auf Badegäste – ein besonders übereifriger Beamter zwang einen Badenden gar zum Handstand, um nachzuschauen, ob der Zwickel an Ort und Stelle saß…

einestages.spiegel.de 17.8.2012

In der Zeit fuhr auch meine Mutter mit der Familie ihres Arbeitgebers regelmäßig zum Baden ins FKK-Gelände, und sie erzählte folgende Begebenheit: Eines Tages tauchte ein uniformierter Polizist auf, verhaftete die vorschriftswidrig Unbekleideten und wollte sie abführen. Unterdessen war aber der Bach, den er überquert hatte, so angeschwollen, daß er entweder Hose und Stiefel hätte ausziehen müssen oder nur unwürdig durchnäßt seine Amtshandlungen hätte fortsetzen können. Also befahl er den Nackten, ihn durch das Wasser zu tragen, was sie mit einem gewissen Triumph dann auch taten.

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Sigmar Salzburg
01.08.2012 06.01
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Weiche, Knochenmann!

Ärger mit dem Schulskelett


Fast jeder kennt aus der Schule einen Herbert – ein Skelett, das in der Ecke steht. Herbert aus Sachsen ist was Besonderes: Seine Knochen sind echt. Das finden manche Schüler grässlich.

Organhandel ist in Deutschland schließlich verboten und auch Knochen sind Organe. Und daraus besteht Herbert, denn er ist ein echtes Menschenskelett und stand bis vor kurzem in einer Schule.

Als Herbert bei ihm in der Verwaltung landete, wusste Koffinke zunächst nicht, was er mit ihm anfangen sollte. Er erwog den Verkauf, doch dagegen steht Paragraf 18 des Transplantationsgesetzes, der wohl auch im Fall von Herbert greifen könnte, dachte Koffinke…

Als die „Sächsische Zeitung“ Ende Juli von Herbert und seiner drohenden Beerdigung hörte, druckte sie erst einen, dann noch einen Bericht. „Was wird aus Herbert?“, fragte sie. Danach griff eine Nachrichtenagentur das Thema auf, andere Medien berichteten, inzwischen verliert Koffinke vor Angeboten fast den Überblick.

Dienstag'morgen habe er kurz in sein Postfach geschaut, sagt er. Etwa 30 E-Mails von Interessenten habe er gezählt, potentielle Abnehmer gibt es genug. Koffinkes Sorge allerdings war offenbar unbegründet. Laut Strafrechtsprofessor Andreas Hoyer von der Uni Kiel gilt das Organhandelsverbot nämlich nicht für menschliches Unterrichtsmaterial. In Paragraf 17 des Transplantationsgesetzes steht, ein Handelsverbot gelte nur für Organe, die zur Heilbehandlung weitergegeben werden. Da Herbert nur zum Anschauen ist, wäre der Verkauf also kein Problem.

Koffinke allerdings hat sich schon anders entschieden. Aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen will er Herbert lieber verschenken als verkaufen. Wer sich Herbert würdig erweist, wird Koffinke sich noch gut überlegen.

spiegel.de 31.7.2012

Über unser Schulskelett habe ich meinen Abituraufsatz geschrieben: „In unserer Biologiesammlung hängt ein echtes Menschenskelett. Die Schüler nennen es vertraulich mit einem Spitznamen. Welche Gedanken bewegen Sie beim Anblick dieses Skeletts?“ Ich war wohl der einzige, der dieses skurrile Thema gewählt hatte. Da unser Deutsch-As Heidi ihr Thema verfehlte, kam ich damit an die Spitze.

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, daß vierzig Jahre später sechzehn oberste Kulturaffen unsere schönen deutschen „ß“ dezimieren würden – ich hätte ihn für verrückt erklärt.

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Sigmar Salzburg
29.05.2012 08.23
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Nach Stux- und Stussnet

Experten enttarnen neue Cyberwaffe

IT-Experten haben einen neuen Computerschädling identifiziert, der noch gefährlicher sein könnte als Stuxnet: Der Virus Flame soll bereits seit Jahren aktiv sein und hochsensible Daten sammeln – Tausende Rechner im Nahen Osten, in Iran und Nordafrika sind demnach befallen…
Eine iranische Agentur für Datensicherheit teilte über ihre Webseite mit, Flame habe eine „enge Verbindung“ zu Stuxnet …
Der 2010 entdeckte Wurm Stuxnet war für Industrieprogramme entwickelt worden – damals ein Novum. Er hatte er vor allem Industrie-Anlagen wie Kraftwerke oder Chemiefabriken, auch in Deutschland, befallen…

Stuxnet sorgte für erhebliches Aufsehen, weil er bis in die Urananreicherungsanlagen Irans verfolgt werden konnte… Er sollte unbemerkt in die iranischen Computer eindringen und dort die Steuerungschips der Zentrifugen manipulieren, in denen Uran angereichert wird. Da Iran etwa zum Zeitpunkt des Auftretens von Stuxnet Tausende Zentrifugen ersetzen musste, scheint dieser Plan aufgegangen zu sein.

Wer die Entwickler von Stuxnet waren, ist bis heute nicht geklärt. Experten gehen aufgrund der Komplexität der Software und des nötigen Hintergrundwissens davon aus, dass sie von staatlichen Organisationen entwickelt worden ist.

spiegel.de 28.5.212

Die Entwickler des ähnlich wirksamen Virus „Stussnet“ sind dagegen bekannt: Eine Gruppe von unterbeschäftigten Germanisten, beauftragt von staatlichen Organisationen und gefördert von profitierenden Wirtschaftskreisen. Millionen von Büchern mußten ersetzt werden, Millionen von Rechnern wurden mit einer zwangsmissionierenden Korrektur-Software infiziert, Millionen von Gehirnen, vor allem von Schulkindern, wurden umprogrammiert oder verunsichert. Der wirtschaftliche und kulturelle Schaden dürfte weit höher sein als der von „Stuxnet“ angerichtete.

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Sigmar Salzburg
02.05.2012 14.39
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Piraterie in Schleswig-Holstein

Der „Spiegel“ macht seit Monaten ein großes Buhei (lt. Duden aus dem Niederländischen oder Rheinischen) um die Piraten, die nun auch noch zu „guten“ Populisten ernannt werden.

Im Jahr 2000 hatte ich als Parteiloser für die „Statt Partei“ kandidiert – neben Wirtschaftsfachleuten und bereits bewährten Kommunalpolitikern. Die einzige Erwähnung im „Spiegel“ fand in der Aufzählung der antretenden Parteien statt:
14.2.2000

Die Freibeuter in Schleswig-Holstein haben neben ein paar jungen Gesichtern vor allem ältere Politik-Engagierte angezogen, frühere Grüne, kämpferische Datenschützer – und Bürgerrechtler wie Hans-Heinrich Piepgras.
„Ich war 2007 der erste Pirat im Kreis Pinneberg“, betont er. Es habe ihn zornig gemacht, wie die Bürgerrechte seit dem 11. September 2001 immer weiter eingeschränkt worden seien.

[Nicht seit dem 17. September 1999 ?]

Und da ist die ehemalige Parteichefin der Grünen, Angelika Beer. Sie brach mit der Partei, warf ihnen Machtkalkül vor und dass sie nach innen nicht mehr demokratisch seien…

[ … und nach außen auch nicht, wie der gleiche Tag zeigte.]

Und im Eifer [?] haben sie viele Inhalte von anderen Landesverbänden übernommen. Das machen auch andere Parteien. Nur fiel es bei den Piraten besonders auf, weil sie Forderungen aufnahmen, die auf ihr Bundesland überhaupt nicht passten.
spiegel.de 2.5.2012

Mehr als 40 Prozent des Wahlprogramms seien demnach durch das Prinzip „Copy and Paste“ zu Stande gekommen...

Ausgerechnet beim Kernthema Bürgerbeteiligung zeigen sich die Piraten im Norden schlecht informiert: „Zum Unterschreiben von Volksbegehren müssen sich die Bürger in amtlichen Eintragungsräumen einfinden“, heißt es im Programm der Schleswig-Holsteiner. Stimmt nicht. Im Norden können Volksbegehren auch in „nicht-amtlichen Räumen sowie anderen Örtlichkeiten“ stattfinden.
spiegel.de 13.4.2012

Die Örtlichkeiten der Unterschriftenleistung waren 1998 ein wichtiger Streitpunkt mit der Regierung. Da waren die jungen Piraten wohl noch in der Vorschule, und die ehemaligen Alt-Grünen haben es verdrängt.

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Sigmar Salzburg
23.02.2012 08.46
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‚Schmierentheater’

Präsidentendebatte bei Anne Will

Im übrigen ¹) war man sich mehr oder minder einig, dass nicht alles, was der einstige Beinahe- und nun Bald-Präsident je gesagt hat, auf die Goldwaage gelegt werden dürfe, ob es nun Sarrazin oder die Integration betreffe. „Zeit“-Chef Giovanni di Lorenzo äußerte den Gedanken, dass schließlich das Amt auch den Menschen präge und nicht nur dieser das Amt. Jedenfalls sei Gauck einer, mit dem sich trefflich streiten lasse, „einer, der sich was traut“…

So wurde denn aus dem Dissens beinahe wieder ein Konsens – auf den Punkt gebracht von di Lorenzo durch das leicht pathetische Bekenntnis, er finde die Kritik an Gauck ebenso gut wie diesen selbst, dessen Ernennung durch die fünf Parteien einen „Siegeszug für die Demokratie“ bedeute…

spiegel.de 23.2.2012

¹) Verbotene traditionelle Rechtschreibung.

Der Chef der schreibreformgeilen „Zeit“ ist wohl von allen guten Geistern verlassen: Dann müßte ja die Allparteien-Annullierung des Volksentscheids gegen die Rechtschreibreform noch mehr als „Siegeszug für die Demokratie“ gelten. Der Bestseller-Philosoph David Precht fand da die richtigeren Worte: „Schmierentheater“.

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Sigmar Salzburg
30.01.2012 08.59
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Spiegel-Spott

Geheimdienst-Affäre bei Jauch

Staatsfeinde unter sich

Verfassungsschutz aufgepasst! Die ARD lässt Menschen zu Wort kommen, die die Abschaffung des Geheimdienstes fordern ¹). Hat Günther Jauch eigentlich schon eine Akte beim Bundesamt? Nein? Dann wird es Zeit. Und nicht nur für ihn.

Sehr geehrter Verfassungsschutz,

es tut uns leid, aber Sie müssen jetzt handeln. Dringend. …

Als Ersten [Mann im BfV?] müssen Sie sich leider Ihren ehemaligen Chef Peter Frisch vornehmen. Als Ex-Präsident des Amtes hat er es fertiggebracht, Dienstgeheimnisse zu verraten. Er wollte das gar nicht. Er hatte wirklich im Rahmen seiner Möglichkeiten redlich versucht, sich schützend vor Sie zu stellen. Er hat verraten, dass Sie ein „politischer Geheimdienst“ sind, also vom Dienstherrn aus der Politik gesteuert.
Er erklärte außerdem, wie einer der rechtsradikalen Mörder Sie zu einem Bombenversteck führte und Sie dann erstaunt feststellen mussten, als Sie ihn dann doch noch verhaften lassen wollten, „dass er sich in sein Auto gesetzt hat und weggefahren ist“. Dumm gelaufen, das…

Tja, und Frau Vera Lengsfeld, da müssen Sie jetzt ganz vorsichtig sein. Die Frau wurde von ihrem eigenen Mann in der DDR bespitzelt und ist sehr erfahren. … Sie ist so schlau zu glauben, dass von der rechten Szene wohl nicht mehr viel übrig bliebe, wenn man alle Verfassungsschutz-Leute dort abzöge. Das war Verrat von Staatsgeheimnissen….

Ach ja, der Dietmar Bartsch, Fraktionsvize der Linken und Möchtegern-Vorsitzender … Erst nannte er den Frisch Fritsch, was eine spöttische Verniedlichung sein sollte. Dann verwechselte er die „Opfer des Stalinismus“ mit den „Opfern des Faschismus“, was keinem aufgefallen ist, aber für einen aufrechten Linken eigentlich katastrophal….

Bleibt noch Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung“. Wir sagen das ungern als Konkurrenzblatt: Aber der hat so viel Kluges gesagt, dass seine Aussagen ab Morgen Pflichtlektüre bei Ihnen sein sollten: „Das Verfassungsgericht ist der eigentliche Verfassungsschützer.“ „Die Endredaktion des Verfassungsschutzes ist beim Innenminister.“ „Das Amt braucht eine Reform an Haupt und Gliedern.“ „Der Verfassungsschutz ist ein Kind des Kalten Krieges.“ „Der Kapitalismus ist nicht vom Grundgesetz geschützt, sonst müssten sie auch den Papst beobachten.“ „Wenn der Verfassungsschutz nichts gewusst hat von den rechtsextremen Mördern, ist er überflüssig, wenn er es geahnt hat, aber nichts getan, dann ist er gefährlich.“

spiegel.de 30.1.2012

¹) [Die Welt:] Die meisten Fernsehzuschauer dürften zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ausgeschaltet haben – und die auf Bartsch angesetzten Spitzel können einem Leid tun, wenn sie sich diese Sendung als Dienstpflicht ansehen mussten. welt.de 30.1.12


Siehe auch hier.

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Sigmar Salzburg
20.01.2012 11.16
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Vor dem Schreibreformschub der …

… Vitaminschub für den Volkskörper

Die Nazis waren begeisterte Vitaminanhänger. Die erst wenige Jahre zuvor entdeckten lebenswichtigen Stoffe sollten, so die damalige Ideologie, „den Volkskörper von innen stärken“, berichtet der Historiker Heiko Stoff. „Die Nationalsozialisten waren überzeugt davon, dass der Erste Weltkrieg auch deshalb verloren wurde, weil die Bevölkerung durch Mangelernährung geschwächt war. Ein zweites Mal sollte das nicht passieren.“

… Doch selbst beim Pharmakonzern Roche, der 1934 als erste Firma mit der synthetischen Produktion von Vitamin C begann, bestanden von Anfang an Zweifel, ob dieses Vitamin wirklich jemand braucht. Klar, es kann Seefahrer vor Skorbut bewahren. Aber ein Massenmarkt versprach sich der Pharmakonzern davon zunächst nicht.

Noch 1936 berichteten Roche-Mitarbeiter, dass die Spezialisten unter den Ärzten die Vitamin-Therapie schlicht ablehnten, 80 Prozent würden über den „Vitamin-Fimmel“ sogar lachen. In einem firmeninternen Schreiben hieß es damals, dass zunächst "überhaupt erst das Bedürfnis“ nach Vitaminen geschaffen werden müsse. Regelmäßig werde Vitamin C nur eingenommen, „wenn etwas Hokuspokus gemacht“ werde.
Zum Glück für Roche waren in Deutschland die Nazis an der Macht – die auf genau diesen Hokuspokus abfuhren.

spiegel.de 19.1.2012

Die Nazis sind noch auf ganz anderen Hokuspokus abgefahren. Man darf nicht vergessen: Diese damals noch junge Partei hatte als erstes außer etlichen Extremisten auch Spinner aller Art, Esoteriker, Völkische, Germanentümler, Gottsucher, Okkultisten, Ökofreaks, Sozialromantiker etc. angezogen – wie heute bei den Grünen, Violetten oder Piraten, vor allem in ihren Anfängen. So ist neben der Rasse„forschung“ und den Germanenkulten u.a. die Pseudowissenschaft Homöopathie stark durch Heinrich Himmler gefördert worden. Auch notorische Schreibreformer sahen ihre Stunde gekommen, wurden aber wegen fehlender „Kriegswichtigkeit“ bis nach dem „Endsieg“ vertröstet. Erst später, nach fünfzig Jahren Lobbyarbeit, konnten die Reformer eine Mehrheit der maßgeblichen Kulturpolitiker zu dem Glauben übertölpeln, daß der „Volkskörper“ eine Rechtschreibreform braucht. – Peter Eisenberg:

„Nach dem Krieg wurde der Verein von einem Teil der übriggebliebenen Personen mit einem Teil der übriggebliebenen Vereinsziele unter der Bezeichnung 'Gesellschaft für deutsche Sprache GfdS' neu gegründet. Nach wie vor diente und dient sich der Verein politischen Institutionen zur sprachlichen Hilfestellung an. ( über die GfdS)

80 Prozent der Deutschen lachten über den Schreibreform-Hokuspokus – mußten aber bald sehen, daß mit der Schülergeiselnahme ein Massenmarkt erzwungen wurde – der nichts als Nutzlosigkeit und Verwirrung produziert.

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Sigmar Salzburg
01.12.2011 14.14
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Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin

Christa Wolf ist tot

Sie galt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit und als die große Chronistin von DDR und deutscher Teilung. Nun ist Christa Wolf im Alter von 82 Jahren gestorben.

spiegel.de 1.12.2011

Dem Frankfurter Appell zur Rechtschreibreform, in dem die „Beendigung des Experiments Rechtschreibreform“ gefordert wird, sind im Verlauf der Frankfurter Buchmesse weitere 150 namhafte Persönlichkeiten des literarischen Lebens beigetreten, unter ihnen die Autoren Volker Braun, Robert Gernhardt, Durs Grünbein, Bodo Kirchhoff, Georg Klein, Alexander Kluge, Martin Mosebach, Sven Regener, Rüdiger Safranski, Urs Widmer und Christa Wolf sowie die Verleger Dr. Hans Dieter und Wolfgang Beck, Matthias Bischoff (Eichborn), Daniel Keel (Diogenes), Michael Klett, Michael Krüger und Klaus Wagenbach. (11.10.2004)

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Sigmar Salzburg
04.11.2011 14.51
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Spiegel v. 11.10.2004 (fehlte hier noch)

RECHTSCHREIBREFORM

Letzte Chance

Von Hage, Volker; Knaup, Horand; Schmitz, Christoph; Schreiber, Mathias

Niederlage für die Kultusfunktionäre: Die ungeliebte Rechtschreibreform wird überprüft. Ein Rat aus Schriftstellern, Journalisten und Sprachwissenschaftlern soll Korrekturen einarbeiten.

Die Sitzordnung im weiträumigen Büro des Regierenden Bürgermeisters von Berlin war locker, der Ton von Anfang an rau. „Es kann nicht sein, dass da einer einfach ausschert“, polterte die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD). Der so attackierte niedersächsische Regierungschef Christian Wulff (CDU) keilte aus seinem Couchsessel zurück: „Das ist hier doch alles Parteipolitik.“ Parteipolitik? „Das lasse ich mir von Ihnen nicht gefallen“, dröhnte wiederum der Sozialdemokrat Peer Steinbrück, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Wie immer bei ihren vierteljährlichen Treffen hatten sich die 16 Ministerpräsidenten zum Kamingespräch hinter verschlossene Türen zurückgezogen. Kaum waren sie unter sich, schoss die Phonzahl in die Höhe. „Bleiben Sie bei der Wahrheit“, blaffte der Mecklenburger Harald Ringstorff (SPD) den Kollegen Wulff an. Der konterte: „Sie können nicht von mir verlangen, dass ich das zurücknehme.“

Anlass für die ruppige Auseinandersetzung war Wulffs Ankündigung, sein Land werde, auch wegen der verunglückten Rechtschreibreform, aus der Kultusministerkonferenz (KMK) austreten. Das Bürokratenwerk ist ihm wie Millionen Bürgern und Hunderten Schriftstellern, Sprachwissenschaftlern und Verlagsoberen schon lange ein Gräuel: „Sie stiftet nur Verwirrung.“ Jede Nichteinigung, so appellierte der Bayer Edmund Stoiber (CSU) am Donnerstagabend an die Streithähne, führe zu einer Blamage und damit Schwächung aller.

Widerwillig ließen sich auch Reformfreunde wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für einen Kompromiss gewinnen. Die neue Rechtschreibung wird zum 1. August 2005 eingeführt. Aber: Vorher prüft ein „Rat für deutsche Rechtschreibung“, dem Gegner und Befürworter angehören, welche Neuerungen wirklich Verbesserungen bedeuten.

Auch auf der Frankfurter Buchmesse war der Streit um die Orthografie, neben dem überraschenden Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek, das Topthema. Die einen hofften auf eine Renaissance des Bewährten, andere witterten ein Täuschungsmanöver der Politik.

„Ich erwarte von dieser neuen Entwicklung Gutes, auch wenn sich die Befürworter einer schlichten Rückkehr zum Bewährten nicht durchsetzen konnten“, sagte Martin Walser. „Ganz auf null zurück – das geht wohl nicht. Dass man jetzt die Reform reformieren will, und zwar wegen der Kritik an ihr energischer als ursprünglich geplant, ist doch ein Zeichen von Lebendigkeit.“

Skeptischer äußerte sich der Schriftsteller Bodo Kirchhoff: „Wir können jetzt nur noch auf einen Aufstand der Buchstaben hoffen. Die Politik betrachtet Sprache als ein Vereinfachungsinstrument zur Durchsetzung eigener Interessen. Daher ist es logisch, dass sie in einen Gegensatz zu allen tritt, für die Sprache vor allem ein Ausdrucksmittel ist.“

Nach jahrelangem Reformstreit ist der bizarre Disput um Fremdwörter und Trennungen, Getrennt- und Zusammenschreibung in eine neue, möglicherweise entscheidende Phase getreten. Ein 36-köpfiges Gremium aus Pädagogen und Germanisten, Verlagsleuten und Literaten soll das umstrittene Regelwerk bis zum Stichtag im August noch einmal überprüfen.

Allerdings: „Wenn der Rat mit seiner Entscheidung nicht fertig wird“, sagt ein einflussreicher Ministerpräsident, „steht auch der Einführungstermin wieder zur Disposition.“

Abgerissen ist der Protest gegen die von Ministerialen und Sprachexperten ausgetüftelte und 1998 eingeführte Reform nie. „Ich kenne niemanden, der Ketchup nach den neuen Regeln schreibt“, grummelte der Saarländer Peter Müller (CDU) im Kreis der Ministerpräsidenten. „Warum wir gerade jetzt, im Zeitalter der Globalisierung, mit der Eindeutschung beginnen“, stöhnt Stoiber, „versteht kein Mensch.“

Die großen Zeitungsverlage sind gespalten. Soeben kehrten die meisten Blätter aus dem Verlag Axel Springer zur alten Schreibweise zurück. Die „FAZ“ hatte die Neuerungen nach kurzer Erprobung verworfen. Das Verlagshaus Gruner + Jahr wiederum akzeptierte die Reformregeln weitgehend. Der SPIEGEL kündigte jüngst die Rückkehr zur alten Schreibweise an, sollte es nicht zu substanziellen Veränderungen kommen.
Große Schriftsteller wie Hans Magnus Enzensberger haben ihr Entsetzen über die Reform („nur noch ein Trümmerhaufen“) eindringlich zu Protokoll gegeben, ebenso der Deutsche Elternverein. In der vergangenen Woche auf der Buchmesse unterzeichneten rund hundert Autoren eine Resolution gegen das Diktat der Kultusbürokratie, darunter Enzensberger, Günter Grass, Siegfried Lenz und Ulla Hahn.

Tatsächlich stiftete die Reform eher Verwirrung als Klarheit. Was früher ein „frischgebackener“ Ehemann war, ist heute ein „frisch gebackener“. „Feuer speiend“ und „Hilfe suchend“ ist Pflicht, „heilbringend“ aber möglich. Es gibt den „Fotografen“ und die „Grafologie“, aber weiterhin den „Philosophen“. Kaum weniger kunterbunt sind die Trennungsregeln und die Kommasetzung ausgefallen. Was vorher nur ein „vielversprechender Politiker“ war, ist heute auch ein „viel versprechender Politiker“.

Wer so genannte Experten an der Sprache „herumfummeln lässt“, so der Schriftsteller Günter Kunert, „wird mitschuldig daran, dass wir Deutschen auch im Denken immer mehr absacken“. Dass es vor allem darauf ankomme, dass Schüler möglichst wenige Fehler machten, sei ein schlichter Denkfehler: „Es kommt doch gerade darauf an, dass möglichst viele Schüler ihr Gehirn so anstrengen, dass sie die Sprache, wie sie ist, beherrschen.“

Eine letzte Chance, zumindest den schlimmsten Aberwitz zu eliminieren, bietet der nun beschlossene Rechtschreibrat. Mitreden dürfen viele: 18 Mitglieder aus Deutschland, jeweils 9 aus Österreich und der Schweiz. Wobei allerdings offen bleibt, warum 18 Deutsche 82,5 Millionen Bundesbürger repräsentieren, während 9 österreichische Delegierte 8 Millionen Österreicher und 9 Schweizer knapp 5 Millionen Deutsch sprechende Schweizer vertreten.

„Plural“ geht es auf deutscher Seite auch bei der Auswahl der Vertreter zu: 16 sollen es sein, vom Institut für Deutsche Sprache, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung über den Dudenverlag und die Verbände der Journalisten, Zeitungs- und Zeitschriftenverleger bis zum deutschen PEN-Zentrum und zum Germanistenverband.
Jeder Verband hat einen Sitz, zwei Sitze bekommen lediglich das Institut für Deutsche Sprache und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Eine gerechte Sache, viele kommen zu Wort. Aber sind es am Ende nicht zu viele?

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit meldete vergangenen Freitag Zweifel an, ob ein solcher Groß-Rat überhaupt „konsensfähig“ sei. Akademie-Präsident Klaus Reichert hält das Gebilde gar für einen „unbeweglichen Elefanten“. Reichert ist noch gar nicht sicher, ob er im Rat überhaupt mitwirken will.

Als größtes Handicap könnte sich erweisen, dass viele Verbände nicht in der Lage sind, einen Standpunkt zu definieren, weil sich Gegner und Befürworter im eigenen Verein erbittert gegenüberstehen. Im Rat können sie aber nur mit einer Stimme auftreten, was leicht zu einem Minimalkonsens verleiten kann.

Der Dichter Durs Grünbein hat bereits alle Hoffnung fahren lassen: „Ich bin in dieser Angelegenheit Fatalist – ich habe keine Hoffnung mehr, dass wir zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Ich schreibe zwar weiter, wie ich will. Aber mein Kind wird mich bald lesen wie einen Autor aus der Mörike-Zeit.“

Politiker, die immer mit Kompromissen leben müssen, sehen das naturgemäß weniger düster. Der deutsche Bundeskanzler, den im fernen Hanoi die Nachricht von der Einsetzung des Sprachrats ereilte, gab sich entspannt. Gerhard Schröder ist zwar kein Freund der auch von ihm als merkwürdig empfundenen Neuerungen, akzeptiert sie aber notgedrungen, weil sie mittlerweile an den Schulen gelehrt werden. Allerdings tue er sich mit jeder Form von Rechtschreibung schwer, gab er bereitwillig zu. Er diktiere eben schon zu lange fast alle Texte. Als Ministerpräsident von Niedersachsen hatte er Autogrammkarten mit den Worten „Frohe Weinachten“ verteilt, was ihm umgehend ein Kooperationsangebot des Legastheniker-Verbands einbrachte.

Am vergangenen Donnerstag, beim Eintrag in das Gästebuch der Gedenkstätte für Mahatma Gandhi in Neu-Delhi, erging es ihm nicht viel besser. Er verewigte sich mit einem Hermann-Hesse-Zitat, leichte Unsicherheiten bei der Groß- und Kleinschreibung sowie das scharfe "ß" der alten Rechtschreibung inklusive: „Damit das mögliche entsteht, muß immer wieder das unmögliche versucht werden.“

VOLKER HAGE, HORAND KNAUP, CHRISTOPH SCHMITZ, MATHIAS SCHREIBER

[Bild]• Edmund Stoiber, Peter Müller, Christian Wulff, Peer Steinbrück, Heide Simonis, Wolfgang Böhmer, Ole von Beust am 7. Oktober.



Spiegel 11.10.2004

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