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Unwichtige Geschichtsfälschungen
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Sigmar Salzburg
26.07.2009 08.15
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Ein einig Volk von Rechtschreibstümpern?

Gestern erfuhr ich bei einem Klassentreffen, daß mein früherer Musiklehrer, Hermann Wagner, ein 1978 erschienenes Buch geschrieben hat,
„Das Jahr danach, 1945 -1946“,
in dem er kulturelle Neuanfänge, vor allem in Ostholstein, beschreibt. Neugierig geworden, fahndete ich im Internet und fand in einer Sammlung von biographischen Notizen zu Mathias Wiemann, dem großen Schauspieler und Rezitator, auch Abschnitte aus diesem Buch.

Ich bin sicher, daß Hermann Wagner eine solche „Rechtschreibung“ nie verwendet hat:

[In einem Lager mit deutschen Kriegsgefangenen:]

» ... Nach der Lesung am See war nun gewiß noch Außerordentliches zu erwarten, aber ob das heutige Wagnis glücken würde schien mir fraglich. Allerdings: Ein Urteil konnte ich mir kaum erlauben, denn ich hatte Goethes Werk bisher im Theater nicht erlebt ........... «
»M.W. beginnt, nachdem er wieder mit den Beinen festen Stand gesucht hat und, den Brustkorb mächtig hebend, Luft geholt hat. Merkwürdig, dass mich hier bei dem grössten Erlebnis, das ich durch ihn hatte, meine Erinnerung fast gänzlich in Stich läßt, während anderes, Geringeres bewahrt wurde. Ich weiss nur noch, das Ungeheuerliches auf mich niederging.


[usw.]

http://www.dieterleitner.de/w2bioglang_6_teil_45_50.htm

__________________
Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
22.07.2009 21.30
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Wieder von Tuten und Blasen keine Ahnung

So tönt Bachs Alphorn
Johann Sebastian Bach schrieb eine Motette für Instrumente, von denen heute niemand mehr weiß, wie sie sich angehört haben. Nun haben Forscher mit Hilfe von Hightech-Software den Sound aus längst vergangenen Jahrhunderten rekonstruiert – und ein sonderbares Bach-Horn nachgebaut….
… Begleitet wurde der vierstimmige Chor von einem trompetenähnlichen Kornett, drei Posaunen und zwei Litui. Es war eines der letzten Male, dass der Klang eines Lituus in der Öffentlichkeit vernommen wurde. Danach geriet das Krummhorn mit einem Kesselmundstück in Vergessenheit – und damit auch sein Klang.

spiegelde 22.7.09

Das deutsche Wort „Klang“ soll wohl aussterben. Ein „Kornett“ ist ein Blechblasinstrument, wie es etwa Louis Armstrong spielte. Gemeint ist hier auf deutsch ein „Zink“, ital. „Cornetto“, eine Holztrompete mit Grifflöchern. Schon Goethe übersetzte dies Wort in seiner deutschen Fassung der Cellini-Biographie etwas hilflos mit „Hörnchen“. „Krummhorn“ verwirrt, denn es ist ein altes Windkapselnstrument mit sehr geringem Tonumfang. Es wurde aber zur Bachzeit in lateinischen Texten auch als „Lituus“ bezeichnet. Was nachgebaut wurde, ist ein Instrument, das Prätorius 1619 „Hölzern Trommet“ nennt und nach dem Maßstab etwa zwei Meter lang ist. Der altrömische „Lituus“ war aus Blech und am unteren Ende aufwärts gebogen.

Warum aber ist „Albhorn“ trotz der Augstschen Vereinfachungsetymologie immer noch nicht zulässig? Wo doch Übereifrige schon nie dagewesene „Gämshörner“ blasen. Bald werden auch wohl alle Orgelregister neu beschriftet – es ist einfach zu Kotzen.

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Sigmar Salzburg
22.07.2009 19.21
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Ehrung für Israel-Kritikerin stürzt Köhler in Erklärungsnot
… Ebenfalls entsetzt sind die beiden jüdischen Publizisten Ralph Giordano und Arno Lustiger. …
So schwer es ihm auch falle: Er plane, seine Auszeichnungen, das Große Verdienstkreuz und das Bundesverdienstkreuz „für den Fall zurückzugeben, dass Felicia Langer das Bundesverdienstkreuz nicht aberkannt wird“. Von Lustiger hat Köhler am Dienstag ein ähnliches Schreiben bekommen.…

Spiegel online 21.7.09

Giordano hatte aber, wie aus dem heute faksimilierten Brief bei spiegel.de hervorgeht, geschrieben:

Angesichts des konkreten Falles sehe ich mich jedoch zu etwas gezwungen, was mir nur schwer, sehr schwer aus der Feder geht – den Entschluß, meine Auszeichnungen für den Fall zurückzugeben, daß Felicia Langer das Bundesverdienstkreuz nicht aberkannt wird.

Diese Verfälschung ist deswegen irreführend, weil der Verdacht aufkommen kann, der Reformverächter Giordano sei nun doch zu Kreuze gekrochen oder habe sich gegenüber dem Bundespräsidenten „amtlich korrekt“ verhalten wollen.

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Sigmar Salzburg
05.06.2009 17.26
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Literaturkritik 27.5.09

In „Tribut an Freud“ schildert Hilda Doolittle ihre Arbeit mit dem Gründungsvater der Psychoanalyse
… Neben „Schrift an der Wand“ enthält der Band mit „Advent“ auch das Tagebuch Doolittles, das sie während der Arbeit mit Freud führte und in dem sie sich über die Methoden und die Schlussfolgerungen des Meisters deutlich kritischer äußert, sowie 21 Briefe beziehungsweise Postkarten Freuds, die sich in Doolittles Nachlass fanden. Diese werden in der jeweiligen Originalsprache (Deutsch beziehungsweise Englisch) dargeboten; auf jene Briefe, die Freud auf Englisch verfasste, folgt deren deutsche Übersetzung. Warum man es allerdings für nötig hielt, die Orthografie der Briefe zu „moderniser[en]“, wird ein editorisches Enigma bleiben.
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13145
Hilda Doolittle (Hg.): Tribut an Freud ...
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Michael Schröter.
Urs Engeler Editor, Basel 2008.

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Sigmar Salzburg
05.06.2009 09.23
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Grabrede gefälscht?

[Das Heyse-ss/ß-System wurde nur ein Jahrzehnt vor 1902 in Österreichs Schulen gelehrt und dann erst wieder durch die „Rechtschreibreform“ ab 1996 exhumiert. Wenn es außerhalb dieses Rahmens auftritt, besteht der dringende Verdacht, daß jetztzeitliche Fälscher oder gar Fälscherbanden am Werk waren. Immerhin werden nun nur noch Buchstaben ausgetauscht und nicht ganze Leichname, wie möglicherweise im Falle Rosa Luxemburg.]

DIE ZEIT, 04.06.2009 Nr. 24

Grabrede für Rosa Luxemburg
Jahrzehnte lag sie unbeachtet im Archiv, jetzt wird sie erstmals veröffentlicht: Die Totenrede, die Paul Levi, Anwalt und Geliebter Rosa Luxemburgs, am 13. Juni 1919 bei deren Beerdigung hielt


Liebe Genossen und Genossinnen!
Nach fünf Monaten bringen wir hier zur Erde, was von Rosa Luxemburg zur Erde gehört. Fünf Monate treibt der Körper auf der Welt umher, gehasst noch im Tode, geschändet noch im Tode, verflucht noch im Tode von denen, die sie gemordet haben.
Aber der tote Körper steht auf, und auf steht mit ihm der Fluch, der dreifache Fluch für die, die das getan haben. Der Fluch, nicht für die, die vorgeschoben sind, nicht für die Henker, der dreifache Fluch gilt denen, die den Mord veranlasst haben und heute noch in den Ministersesseln sitzen.

[In diesen Tagen wurde oft genug wiederholt, daß Rosa Luxemburg von rechten Freicorpskämpfern ermordet wurde, aber ebenso oft unterdrückt, daß dies mit Rückendeckung der damaligen SPD-Regierung geschah]

Der dreifache Fluch gilt denen, die nach der Schande eines Krieges von fünf Jahren noch eine tausendfach größere Schande verübt haben.
[…]
Nicht mit gedämpftem Trommelschall können wir die Tote zur Erde betten. Wie über dem Reitergrab als letzter Gruß der Klang der Retraite erklingt, so müssen wir der Toten heute zurufen den Gruß, von dem wir wissen, Millionen und Abermillionen auf der weiten Welt werden ihn aufnehmen.
Wir senden heute dieser Toten als letzten Gruß den Gruß der proletarischen Welt, den Gruß der Internationale, den Gruß vom Leben, den Ruf: »Es lebe die Weltrevolution.«

Quelle: Archiv der sozialen Demokratie, Friedrich Ebert Stiftung; NL Levi, Box 142, Mappe 285

http://www.zeit.de/2009/24/Grabrede

[Selbstverständlich ist auch das Zitat des Mordtruppanführers Pabst aus Klaus Gietingers Buch „Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung der Rosa L.“ bei Wikipedia ss-verfälscht:

„Daß ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte (mit Ebert im Hintergrund) und auch meine Offiziere schützen mußte, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin... Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, daß ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.“]

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Sigmar Salzburg
03.06.2009 05.55
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Auf keine Texte ist mehr Verlaß!

Die Wikipedia-Mischung von Nachlässigkeit und Reformfälschereifer erstaunt immer wieder, hier im Zitat Lessings über Goethes „Werther“:

„Wenn aber ein so warmes Produkt nicht mehr Unheil als Gutes stiften soll: meynen Sie nicht, daß es noch eine kleine kalte Schlußrede haben müsste? Ein Paar Winke hinterher, wie Werther zu einem so abentheuerlichen Charakter gekommen; wie ein andrer Jüngling, dem die Natur eine ähnliche Anlage gegeben, sich dafür zu bewahren habe. Denn ein solcher dürfte die poetische Schönheit leicht für die moralische nehmen und glauben, dass der gut gewesen seyn müsse, der unsre Theilnehming so stark beschäftiget. Und das war er doch wahrlich nicht. [...] Also, lieber Göthe, noch ein Kapitelchen zum Schlusse; und je cynischer, je besser! (26. 10. 1774 an den Literaturhistoriker J. J. Eschenburg)“
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Leiden_des_jungen_Werther

Wenn mir auch der volle Orignaltext nicht zu Verfügung steht, erinnere ich mich doch nicht an Dass-Deutsch in Lessings Briefen. Richtiger wird der Ausschnitt sein, wie Fritz J. Raddatz am 13.02.1981 ihn in der ZEIT zitierte:

Also, lieber Göthe, noch ein Kapitelchen zum Schluße; und je cynischer je besser!“

http://www.zeit.de/1981/08/Ein-Buerger-ein-Radikaler

… oder noch wahrscheinlicher: Vera Lind – „Selbstmord in der frühen Neuzeit“, 1999 :

»Also lieber Göthe, noch ein Kapitelchen zum Schluße, und je cynischer je beßer!« forderte Lessing ...

Lind Selbstmord

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Sigmar Salzburg
30.05.2009 14.53
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Nichts bleibt verschont

Unter großem Trara und unter der Mitwirkung der Bildungsministerin Erdsiek-Rave wurde vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag ein Portal „GeZeiten“ eröffnet, in dem angemeldete Bürger Erlebnisberichte veröffentlichen können. Dazu muß man dem Verlag jegliche Verwertungsrechte einräumen, einschließlich der redaktionellen Änderung (was sicher auch die Rechtschreibung einschließt).

Ein Blick in die Briefe eines Wilhelm Christian Wilkens aus der Zeit des Kriegsendes zeigt den munteren Fälschergeist, der die Redaktion und ihre Helfer beflügelt. Dabei kann man über die Schreibfertigkeiten des Schreibers nur spekulieren. Eine gewisse ss-Verwirrung ist nicht auszuschließen, da zur Kriegzeit oft, gerade beim Militär, ß-los geschrieben wurde. Jedoch fehlen die zugehörigen ss nach Langvokal ganz, und das systematische Heyse-ß war allgemein unbekannt. Nach der neuen Orthographie-Chronometrie wurde die Fälschung mit 70 prozentiger Wahrscheinlichkeit nach 2006 hergestellt, da das große „Du“ nicht angetastet ist: Aber sonst ist den Fälschern eine besondere Kenntnis und Gründlichkeit nicht nachzusagen:

25. Februar 1946
Wenn ich auch überzeugt bin dass Deine Zeit mehr in Anspruch genommen ist, die Werkstatt endlich einmal unterzubringen und mit ihr zum Arbeiten zu kommen, so glaube ich doch, dass Zeit für ein paar Zeilen an mich gewesen wäre. Ich habe noch einmal an Lungwitz in demselben Sinne wie an Stams geschrieben, da ja, weil ich nichts von Dir hörte. angenommen werden kann, daß dieser Brief verloren_ging….
Vor etlichen Tagen schrieb ich an Hauke … Ich hoffe, daß mein Brief ankommt. Welche Nachricht hast Du von zu Hause? Kann S. gut an?
In der Hoffnung, dass Dich dieser Brief zu einem kurzen Bericht veranlassen wird, bin ich mit herzlichen Grüßen Dein WW

5. März 1946
Heute morgen gingen Deine beiden Briefe bei mir ein...
Als Letzte gingen wir aus den Kessel St.Loo und retteten uns am 24.8. nach Rouen …
Ich selbst konnte in meiner alten Branche einstweilen nichts mehr werden, wegen völligen Fehlens irgendwelcher Materialien: zurzeit bin ich mäßig bezahlter Geschäftsführer einer Selterwasserfabrik |sie stellten u. a. Heißgetränke aus einem grässlichen roten künstlichen Sirup her, aus dem Mutti uns „Rote Grütze“ kochte.
Grüß bitte recht herzlich Deine Frau von mir. Ich freue mich, dass Ihr so schnell wieder zusammengefunden habt und dass nun dieses Zusammenkommen gekrönt wurde durch das Erscheinen eines Buben.


gezeiten.shz.de


P.S.: Versuchsweise habe ich meine erste Auseinandersetzung mit dem Kieler Kultusministerium dort eingesetzt – reformresistent.
– geändert durch Sigmar Salzburg am 01.06.2009, 13.44 –

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Norbert Lindenthal
14.04.2009 13.28
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Und er schrieb:

Heute ist wohl mein letzter Morgen …

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Sigmar Salzburg
14.04.2009 09.24
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Focus und DPA fälschen weiter.

Focus.de 7.4.09

Landshut-Bluttat

Franz Josef N. hatte das Blutbad im Landshuter Gericht lange geplant. In einem Abschiedbrief, der FOCUS-Online vorliegt, erklärt er sein Motiv …
„Heute ist wohl meiner letzter Morgen. Ich fühle mich nicht als Mörder, wenn es passiert. Ich werde diese Menschen für den jahrzehntelangen Terror bestrafen. Ich zahle dafür den höchsten Preis: mit meinem Leben. So geht es nicht mehr weiter. Wenn man Angst vor der Post haben muss, da fast täglich Anwalts, Gericht- oder Post von der Staatsanwaltschaft kommt. Und wir haben niemals etwas Unrechtes getan.“

Das beigegebene Bild des Briefes zeigt jedoch, daß der Täter herkömmlich „muß“ geschrieben hat und außerdem „etwas unrechtes“.

http://p3.focus.de/img/gen/E/c/HBEce9wd_Pxgen_r_Ax480.jpg

Es darf nicht daran erinnert werden, daß die Schreibung mit „ß“ ist immer noch gültig und weit verbreitet ist.

Dafür zeigt die wohl mit Autokorrektur geschriebene maschinenschriftliche „Erklärung des Täters, datiert auf den 1.4.2009“ die staatkonformen ss-Zeichen. Verbessert wurde im Focus-Text nur „meine Krebskranke Frau“ geändert – ein Fehler, der sicher eine verunsicherte Zusammenziehung der Reformerzeugnisse „Krebs erregend“ und „Krebs krank“ ist.


http://p3.focus.de/img/gen/h/K/HBhKN02X_Pxgen_r_700xA.jpg

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Sigmar Salzburg
22.03.2009 12.09
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Heysifizierung

Die „Essesssucht“ der staatlichen Reformpolitik hat dazu geführt, daß man sich auf die Wiedergabe alter Texte nicht mehr verlassen kann. Korrekturautomaten und Unterwerfungseifer erzeugen ein unentwirrbares Konglomerat von „alter“, „ganz alter“ und „neuer“ Rechtschreibung – ein Rückfall in vorwissenschaftliche Zeiten. Ein gerade gefundenes Beispiel:

Die Pavane kommt ursprünglich aus Spanien, wie Prätorius in seiner Aufzeichnung „Syntagma musicum“ im Jahre 1619 schreibt. Weiter beschreibt er „Inmaßen man siehet, dass er mit sonderlichen, langsamen, zierlichen Tritten und spanischer gravitet formieret werden muss.“

http://www.weg-musik.de/Menuett/Florians_Recherche/Florians_Recherche.htm

Der Satz im Original sieht so aus:

Inmaſſen man ſihet, daß er mit ſonderlichen / langſamen / zierlichen Tritten und Spaniſcher gravitet formiret werden muß.

Der Ersatz des langen „s“, das im üblichen Zeichensatz fehlt, ist noch verständlich. Für die „Heysifizierung“ alter Texte gibt es jedoch keine Entschuldigung.

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Sigmar Salzburg
13.03.2009 17.22
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Das Wort zum Frieden ... in der richtigen Rechtschreibung

Google News meldet:

APIC – ‎11.03.2009‎
Die Presseagentur Kipa dokumentiert den Brief in einer gekürzten Fassung und in der vom Papst benutzten alten deutschen Rechtschreibung. ...

domradio – nachrichten – ‎11.03.2009‎
Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert den Brief in einer gekürzten Fassung und in der vom Papst benutzten alten deutschen Rechtschreibung. ...

Nun dürfen die Leser der DOMRADIO-Seite also doch noch die Papstworte in der richtigen Rechtschreibung lesen. Nicht die KNA hatte gefälscht, sondern DOMRADIO.

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Sigmar Salzburg
13.03.2009 07.52
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Kotau der Bischöfe vor der Kultusministerkonferenz

Auf der Internetseite des Vatikans steht weiterhin die jüngste Verlautbarung des Papstes in seiner kultivierten traditionellen Rechtschreibung:
Benedikt XVI, Vatikan

Die Deutsche Bischofskonferenz macht jedoch, ehe sie den Text des Papstes veröffentlicht, zuvor noch den Kotau vor der deutschen Kultusministerkonferenz und schreibt alles aufs ss-Deutsch um:
Deutsche Bischofskonferenz

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Sigmar Salzburg
12.03.2009 07.59
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Papst-Brief

Der gestern bekanntgewordene Brief des Papstes (in traditioneller Rechtschreibung) zeigt wieder einmal die Bereitschaft der Zeitungen und Medien zur „harmlosen“ Quellenfälschung.

FAZ und WELT bringen das Schreiben in originaler Rechtschreibung.
faz.net; welt.de

Die „Wiener Zeitung“ („Papst-Brief im Wortlaut“) bringt nur kurze Ausschnitte in „dass-Deutsch“.
Printausgabe vom Donnerstag, 12. März 2009
wienerzeitung

Desgleichen die Deutsche Welle
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4090849,00.html

Focus zitiert nach der FAZ, besteht aber gleichfalls auf „dass“.
focus.de

Das gilt auch für das „Domradio.de“. Dort zitiert man nach der KNA (Katholische Nachrichtenagentur). Wo es geht, meidet man die „ss“:
Zugleich beklagt das Kirchenoberhaupt, dass „auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten“…. Um so mehr danke er „den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen …
http://www.domradio.de/aktuell/artikel_51302.html

Die sich sonst seriös gebende „Süddeutsche“ schreibt den Papstbrief ganz dreist einfach um:
Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, dass die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson.
http://www.sueddeutsche.de/politik/712/461338/text/

Dem schließt sich auch der „Stern“ mit seinen sparsameren Zitaten an:
". Es betrübe ihn dabei, "dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten“.
stern.de

Die katholische Tagespost wiederum meidet zu reformierende Zitate:
die-tagespost.de

Die „Reform“ ändert an dem Brief des Papstes fast fünfzig „ß“. Davon sind 56 Prozent „daß“ – verwirrend und um nichts erleichternd. Die übrigen Schluß-ß sind gute deutsche Tradition, die nie jemand Schwierigkeiten bereitet hat, aber deren Änderung nun die unterwürfigen Medien zu lächerlichsten Eiertänzen verführt.

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Sigmar Salzburg
10.02.2009 08.49
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BRIEFSCHREIBER THOMAS BERNHARD

Der SPIEGEL rezensiert ein neues Hörbuch, das den Briefwechsel zwischen dem Verleger Unseld und dem Dramatiker Thomas Bernhard wiedergibt:
„Holzhacken ist mir lieber als Schreiben“

Gute Geschäfte zu machen, das gab Bernhard kokett zu, sei für ihn „wenigstens so schön ... wie Schreiben“. Als sich sein Roman „Verstörung“ 1968 zum Ladenhüter entwickelte, stichelte er gegen Unseld: "Dass ein so großer und so guter Verlag wie der Ihre aber nicht mehr als 1800 Exemplare verkaufen hat können, ist so absurd, dass das kein Mensch glaubt, wenn ich das sagte. Denn selbst wenn ich ganz allein mit meinem Rucksack durchs Land ginge, verkaufte ich in vier Wochen sicher mehr.“ … Als Unseld nur 2000 Mark zahlen wollte, drohte er subtil: „Ich brauche etwas zum Leben, also: Wenn ich nichts habe, muss ich, wie jeder andere Mensch auch, arbeiten gehen. Dagegen habe ich nichts, im Gegenteil: Holzhacken oder Ähnliches ist mir die längste Zeit lieber als Schreiben, aber dann kann ich auch nicht daran denken, den Roman, an dem ich arbeite, weiterzubringen und so fort.“ Unseld beugte sich.
Spiegel online 9.2.09

Ein Blick in zugängliche Facsimiles von Originalbriefen des Dichters zeigt: Selbstverständlich verwendete er handschriftlich wie auch maschinenschriftlich unsere übliche traditionelle Rechtschreibung. In seltenen Fällen, wo wohl die ß-Type fehlte, fndet man die ß-lose Schreibung. Das Heyse-System, das vor 1900 einige Jahre in Österreich propagiert wurde, benutzte er nicht. Für die Spiegelfälscher bleibt nur die Behauptung, sie hätten die Texte nach Gehör aufgeschrieben. Wie es in der Suhrkamp-Ausgabe selbst gehandhabt wird, ist nicht ersichtlich.

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Sigmar Salzburg
30.01.2009 07.51
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Kannibalisches

Eine Ära ging zu Ende und mit ihr das Interesse an Rezepten wie jenen des Briten John Keogh. Bei „Schwindel“ empfahl der 1754 verstorbene Prediger beispielsweise pulverisiertes menschliches Herz. Dosis und Art der Anwendung: „Ein Quäntchen am Morgen – auf nüchternen Magen.“
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,604175,00.html

Das Original (in Latein oder Manx? – der ausgestorbenen Sprache der Insel Man) liegt uns nicht vor. Gemeint ist aber zweifellos die kleinste Gewichtseinheit Quent(chen), deren Kenntnis durch die verdummende „Rechtschreibreform“ ausgelöscht werden soll.

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