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Sigmar Salzburg
06.11.2014 06.49
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Christian Demand

Die Invasion der Barbaren
Warum ist Kultur eigentlich immer bedroht?


zu Klampen • ESSAY

Herausgeber: Anne Hamilton;
Hardcover, 208 Seiten
Format: 11.5 x 18.5 cm
Erscheinungstermin: September 2014
ISBN 9783866744066 – 18,00 €

Man lasse sich nicht durch den Verlags-Neuschreib und die erste dass-Kontamination im Vorwort abschrecken:

Vorwort

Im Dezember 1772 wandte sich der Maler Sir Joshua Reynolds, Präsident der Royal Academy in London, mit einer feierlichen Ansprache an die versammelten Studenten, die der alljährlichen Verleihung der Akademiepreise entgegenfieberten. Die Botschaft des hochangesehenen Porträtisten an den aufstrebenden Nachwuchs fiel nicht sehr ermunternd aus. Mit der Malerei, murrte Reynolds verdrießlich, gehe es bekanntlich schon seit langem nur noch bergab. So wie er die Lage beurteile, sei es eher unwahrscheinlich, dass sie jemals wieder das hohe Niveau eines Raffael oder Michelangelo erreichen werde. Dennoch könne es die Akademie auch künftig keinem jungen Künstler ersparen, diese unerreichbaren Vorbilder hingebungsvoll zu studieren und zu kopieren, um ihnen auf diese Weise wenigstens so nahe wie möglich zu kommen. Man kann sich die betretenen Mienen der Anwesenden vorstellen.

Heutige Kunststudenten würden sich derartige Thesen vermutlich überhaupt nicht erst anhören. Schon seit mehr als 100 Jahren gilt die Vorstellung, daß man als Künstler irgend etwas durch die mühselige Nachahmung tradierter Formen oder das Befolgen akademischer Regeln zu gewinnen habe, geradezu als abwegig. Zwar existieren Kunstakademien nominell noch immer, doch deren Präsidenten legen in der Regel großen Wert auf die Feststellung, daß Studenten dort nicht mit der Aufarbeitung der Vergangenheit gequält, sondern in völliger Freiheit zu »assoziativem, surrealem, alogisch vernetztem Denken« angeleitet würden. Das ist nur konsequent, hat die Moderne doch dereinst mit aller Tradition gebrochen, und zwar ein für allemal. So jedenfalls steht es heute in den Schulbüchern: Romantiker, Realisten, Impressionisten, Kubisten, Dadaisten, Surrealisten etc., deren Werke heute den Stolz der Museen der westlichen Welt ausmachen, hätten in keiner Akademie ihrer Zeit reüssiert, während die Produktion, die dort geschätzt wurde, heute bestenfalls in den Depots verschimmelt. Die künstlerischen Leitwerte Innovation, Individualität, Originalität haben sich also offensichtlich bewährt. Wer es als Künstler zu etwas bringen will, muß folglich in erster Linie »authentisch sein«, wie es im Branchenjargon so schön heißt, und »eine eigene Position entwickeln«.

Anmerkung: Nichts übrigens gegen die alten Akademien. Wie wir selbst um 1975 im Kunstbetrieb sehen konnten, standen die abstrakt und tachistisch ausgebildeten Künstler dumm da, als wieder Gegenständlichkeit gefragt war.

Siehe auch SPON.

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Sigmar Salzburg
17.10.2014 12.28
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Hans Magnus Enzensberger

Tumult

Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
287 Seiten, 21,95 Euro

Auch die Einführung auf der Verlagsseite ist in tradioneller Rechtschreibung verfaßt:

Autobiographischer Rückblick auf ein Jahrzehnt des Tumults
Der russische Roman: die Beziehung zu Maria Makarowa


Wie konnte in tausend Tagen so viel passieren?

Wer sich nach einem halben Jahrhundert wiederbegegnet, muß auf Überraschungen gefaßt sein. Hans Magnus Enzensberger hat sich auf dieses Abenteuer eingelassen: Ein zufälliger Kellerfund gab den Anlaß für eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

1963 führt den Autor eine erste Reise nach Rußland, und unverhofft wird er zum Gast auf Chruschtschows Datscha in Gagra. Das Ergebnis ist ein genaues Porträt des Mannes und der sowjetischen »Tauwetter«-Politik dieser Zeit. Drei Jahre später durchreist Enzensberger die UdSSR vom äußersten Süden bis nach Sibirien. Auf diesem Parforce-Ritt nehmen die Verwicklungen des »russische Romans«, der konfliktreichen Beziehung zu seiner zweiten, russischen Frau, ihren Anfang. 1968/1969 gerät der Dichter dann in eine Phase des politischen und privaten Tumults. Mitten im Vietnam-Krieg folgt er einer Einladung an die Wesleyan University, aber schon nach wenigen Monaten lockt das Cuba der Revolution. Doch sind die Fraktionskämpfe der außerparlamentarischen Opposition in Berlin nicht so weit entfernt, als daß der Dichter nicht auch auf diesem Schauplatz zum Akteur würde…

Wie aber sieht mit dem zeitlichen Abstand von 50 Jahren der alte Enzensberger den jungen? Die Antwort auf diese Frage gibt ein lebhaftes Streitgespräch, in dem beide sich ihrer Haut zu wehren wissen. Ein letztes Kapitel unter dem lapidaren Titel Danach gilt dem Abschied von den »politischen und privaten Obsessionen der 60er Jahre«. Hier gedenkt Enzensberger auch der Verlierer und derer, die ihm nahestanden. Gewidmet ist das Buch »Den Verschwundenen«.

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Sigmar Salzburg
06.10.2014 17.55
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Peter Scholl-Latour

Der Fluch der bösen Tat
Das Scheitern des Westens im Orient


Propyläen Verlag (12. September 2014)
368 Seiten 24,99 Euro

S. 17
Ich bin mir bewußt, daß ich mich mit dieser Einführung dem Vorwurf des Antiamerikanismus aussetze. Aber wir erliegen spätestens seit dem zweiten Irak-Feldzug einer umfassenden Desinformation, die in den USA, Großbritannien und Israel durch perfekt organisierte Institutionen betrieben wird und im Grunde ebenso ernst zu nehmen ist wie die allgegenwärtige Überwachung durch die NSA. Wieder einmal erweist sich Helmut Schmidt, der angesehenste Staatsmann Deutschlands, als einsamer Rufer in der Wüste, wenn er sich in der Bild-Zeitung darüber wundert, daß »manche der westlichen Politiker und viele Medien zur Zeit ganz anders schreiben, als die Deutschen denken. Die Deutschen«, so stellt der Alt-Bundeskanzler fest, »sind bei weitem friedfertiger als die Leitartikler in der ›Welt‹, der ›FAZ‹, der ›Bild‹ und auch meiner eigenen Zeitung, der ›Zeit‹.«

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Sigmar Salzburg
03.10.2014 06.09
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Peter Kropotkin

Ethik
Ursprung und Entwicklung der Sitten.

Mit einem Vorwort von Michael Schmidt-Salomon.
336 S. kart. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2013.
18,- Euro. ISBN 978-3-86569-160-6

Aus der Rezension bei fgw: Fürst Pjotr Kropotkin (1842 – 1921) ist den Nachgeborenen eigentlich nur noch als einer der geistigen Köpfe des politischen Anarchismus bekannt. Daß der an Darwin geschulte Geograph auch Evolutionstheoretiker war, dürfte nur noch wenigen bewußt sein. Völlig unbekannt aber ist wohl heute und hierzulande, daß sich Kropotkin aufgrund seiner wissenschaftlichen Forschungen immer stärker ethischen Fragen zugewandt hatte.

In seinem – Todes bedingt – unvollendet gebliebenen Spätwerk „Ethik“ zeigt Kropotkin auf, wie eine evolutionäre, humanistische Ethik zu begründen ist... Es wurden bereits in den frühen Stammesgesellschaften weltweit verbindliche, ungeschriebene, Gesetze formuliert. Als oberstes das des Verbotes des Brudermordes, d.h. des Mordes in der eigenen Sippe. Kropotkin benennt weitere weltweite Lebensregeln und resümiert:


„Dabei ist es natürlich, daß der Mensch, dank der Sprache, die die Entwicklung des Gedächtnisses unterstützte und die Überlieferung schuf, viel verwickeltere Lebensregeln, als die Tiere sie haben, ausarbeitete. Mit dem Erscheinen der Religion, wenn auch in der rohesten Form, trat in die menschliche Ethik ein noch neues Element, das ihr eine gewisse Festigkeit verlieh und nachher zum Träger der Vergeistigung und eines gewissen Idealismus wurde.“ (S. 85)

Auf Anfrage:„... wir haben die Rechtschreibung der Originalübersetzung nicht auf Reform umgestellt, nur heute nicht mehr geläufige Wörter ausgetauscht.“ Gunnar Schedel (Alibri Verlag)

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Sigmar Salzburg
18.09.2014 13.43
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Thomas Hettche

Pfaueninsel
Roman

Erschienen am: 21.08.2014
Kiepenheuer & Witsch
352 Seiten, gebunden

Die junge Königin stand einen Moment lang einfach da und wartete, daß ihre Augen sich an das Halbdunkel des Waldes gewöhnten. Gerade eben noch hatte sie auf der sonnigen Wiese Ball gespielt, jenes englische Spiel mit den hölzernen Hämmerchen, das dem König so sehr gefiel. Auch die Tapeten für ihr Schloß in Paretz stammten von einem Engländer, er hatte seine Manufaktur im Scheunenviertel, und das Billard in Paretz war direkt aus London geliefert worden.

Thomas Hettche, 1964 am Rand des Vogelsbergs geboren, lebt in Berlin. Sein Romandebüt »Ludwig muß sterben« wurde 1989 als Geniestreich gefeiert. Danach erschien unter anderem »Der Fall Arbogast« (2001), ein Bestseller, der in zwölf Sprachen übersetzt worden ist. »Woraus wir gemacht sind«, 2006 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zuletzt veröffentlichte Hettche den hochgelobten Roman »Die Liebe der Väter« (2010) und den autobiographischen Essayband »Totenberg« (2012).

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Sigmar Salzburg
28.08.2014 13.11
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Carlo Ginzburg

Der Käse und die Würmer
Die Welt eines Müllers um 1600
Aus dem Italienischen von Karl F. Hauber.
Wagenbach Taschenbuch 2011, 7. Auflage
208 Seiten, 11,90 €



Verlagswerbung:
Carlo Ginzburg rückt hier erstmals die Mentalität und das Weltbild eines Individuums ins Zentrum. Ein zentrales Buch der neueren Geschichtsschreibung.
Das Buch erzählt die Geschichte des Müllers Menocchio, der 1584 vor der Inquisition bekennt: »Ich habe gesagt, dass, was meine Gedanken und meinen Glauben anlanget, alles ein Chaos war, nämlich Erd’, Luft, Wasser und Feuer durcheinander. Und jener Wirbel wurde eine Masse, gerade wie man den Käse in der Milch macht, und darinnen wurden Würm’, und das waren die Engel.«
Ginzburg nimmt die Erzählungen des Müllers nicht nur ernst, sondern er rekonstruiert mit ihnen eine ganze Vorstellungswelt: die der vermeintlich illiteraten Unterschicht...


Keine Angst! Das Buch ist 1990 als Wagenbach-Taschenbuch erschienen und wurde auch noch in der 7. Auflage unverändert in der ästhetischen Kulturrechtschreibung gedruckt. Lediglich auf S.139 ist zu lesen:

Sieben oder acht Jahre vorher ... hatte Menocchio ausgerufen: »Wenn Christus Gott gewesen wäre, wäre er einer gewesen ..., der sich ans Kreuz hätte schlagen lassen.« »Er äußerte sich nicht darüber, was Christus gewesen ist«, fügte der Wirt hinzu, »aber ich verstand, daß er sagen wollte, Christus sei ein Tollpatsch gewesen, um dies häßliche Wort zu sagen...«

(Man sieht, wie notwendig eine Reform der herkömmlichen Tolpatsch-Schreibung war!)

Domenico Scandella, genannt Menocchio, geboren etwa 1530, Müller in Montereale in Friaul, konnte lesen, reden und seine eigenen Gedanken zur Religion nicht für sich behalten. Diese sind in den gut erhaltenen Prozeßakten des Inquisitionstribunals dokumentiert, das ihn 1584 zu lebenslänglich Kerker verurteilte. 1586 wurde er unter Auflagen begnadigt, aber 1598 wieder von der Inquisition ergriffen:

Das Oberhaupt der katholischen Welt, der Papst Clemens [der Milde] VIII. in Person, wandte sich zu Menocchio hinab, der ein krankes Glied am Leibe Christi geworden war, um seinen Tod zu fordern. In den gleichen Monaten ging in Rom der Prozeß gegen den ehemaligen Mönch Giordano Bruno zu Ende...

Widerstand gegen so starke Pressionen zu leisten war unmöglich: Und kurz danach wurde Menocchio getötet. Wir wissen es mit Sicherheit aus der Aussage eines gewissen Donato Serotino, der am 6. Juli 1601 dem Kommissar des Inquisitors von Friaul sagte, er habe sich in Pordenone befunden, kurz nachdem »durch das Inquisitionsgericht ... Scandella hingerichtet worden« war...

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Sigmar Salzburg
14.06.2014 07.41
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Peter Sloterdijk

Die schrecklichen Kinder der Neuzeit
Ein Schwarzbuch über die Zukunft

Was treibt die Menschheit voran? Entwickelt sie sich von Niederem zu Höherem? Orientiert sich Fortschritt an Lehren aus der Geschichte? Ist Geschichte als Progression der und in der Freiheit zu begreifen?

Suhrkamp (erscheint: 16.06.2014)
Gebunden, 489 Seiten, 26,95 €


Vorbemerkung
Von Erbe, Sünde und Moderne
Der Mensch ist das Tier, dem man die Lage erklären muß. Hebt es den Kopf und blickt es über den Rand des Offensichtlichen, wird es vom Unbehagen am Offenen bedrängt. Unbehagen ist die angemessene Antwort auf den Überschuß des Unerklärlichen vor dem Erschlossenen...

suhrkamp.de

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Sigmar Salzburg
12.04.2014 06.57
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Sibylle Lewitscharoff

Killmousky
Roman

Suhrkamp 2014 – 19,95 €
[Ein Katzenkrimi]

Er lag im Bett. Bis vor kurzem katte Killmousky neben ihm geschlafen. Es war eine ganze Weile her, genauer gesagt, es hatte sich in einer Sonntagnacht im Mai 2011 zugetragen: der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, wie es am Schluß von Casablanca heißt...

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Sigmar Salzburg
29.03.2014 09.34
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Akif Pirinçci

Deutschland von Sinnen
Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer

Manufactum 2014
Lichtschlag in der Edition Sonderwege
Klappenbroschur, ca. 278 Seiten, 17,80 €
ISBN 978-3-944872-04-9

1969 sind meine Eltern mit uns Kindern und einem Pappkoffer in der Hand in dieses Land gekommen. Die Türkei bot uns nichts, keine Chance, keine erste und keine zweite, einfach gar nichts. Wir waren so arm, daß wir uns am Ende nicht einmal mehr Holz oder Kohle zum Heizen für den Winter leisten konnten. Wir empfanden es als unfaßbares Geschenk, daß Deutschland uns aufnahm. Hätte man uns gebeten, wir hätten ihm auf den Knien gedankt. Aber das tat man nicht. Man gab uns nur zu verstehen: Arbeitet, geht zur Schule, macht etwas aus eurem Leben, ihr seid uns nichts schuldig, außer vielleicht, daß ihr ein produktiver, kreativer und bereichernder Teil dieses Landes werdet...

In der Süddeutschen ist am 22.3. schon ein wohlwollender Bericht erschienen, der sicher nicht so ausgefallen wäre, wenn der Autor Sarrazin geheißen hätte. Das obige Zitat wurde dort in die „leichter erlernbare“ neue Rechtschreibung übersetzt.

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Sigmar Salzburg
28.03.2014 07.05
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Hannah Bethke

Das politische Denken Arnold Brechts
Eine transatlantische Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts

Duncker & Humblot, Berlin 2013
ISBN-13: 978-3428139989, EUR 98,90

Arnold Brecht (1884–1977) ist in der heutigen sozialwissenschaftlichen und historischen Forschung weitgehend in Vergessenheit geraten. Als überzeugter Demokrat und Beamter in der höheren Verwaltung der Weimarer Republik mußte er 1933 nach New York emigrieren, wo er eine Professur für Politikwissenschaft wahrnahm. Die Autorin fragt nach den Grundzügen und Leitmotiven im politischen und wissenschaftlichen Denken Brechts und verfolgt dabei das Ziel, sein Werk systematisch zu erschließen und es wissenschaftsgeschichtlich, biographisch und historisch-politisch zu kontextualisieren. Dabei werden Fragen des Beamtenrechts und der Verwaltungsgeschichte ebenso erörtert wie die Debatte über die Wertfreiheit in den Sozialwissenschaften; auch rechtstheoretische Themen, der Prozeß »Preußen contra Reich« im Jahr 1932, Brechts Haltung zur Schuldfrage nach 1945 und sein Wirken im Kontext der Emigrationsforschung werden ausführlich untersucht.

Hannah Bethke, geb. 1980, studierte Politikwissenschaft und Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg. 2012 wurde sie an der Universität Leipzig mit einer Arbeit über Arnold Brecht promoviert. Seit dem Wintersemester 2010/11 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Greifswald.

Siehe auch ihren Beitrag zum Verfall der Schreibfertigkeiten der Studenten in FAZ.net 27.3.2014, gekürzt hier bei Elternverein.

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Sigmar Salzburg
24.03.2014 08.16
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Christian Morgenstern

Alle Galgenlieder
illustriert von Hans Ticha

edition Büchergilde, 368 Seiten, 28 €

So wie von Ticha illustriert, hätte Morgenstern sich vielleicht seine Figurenwelt vorgestellt. Kongenial, wie Ticha den Nachtwindhund das Neumondweib jagen, das Vierviertelschwein tanzen und das Perlhuhn seine Perlen zählen läßt. Und endlich sehen Sie, wie Palmström von einem Kraftfahrzeug überfahren wird – was aber nur ein Traum sein darf, denn Sie kennen ja sicherlich die zum geflügelten Wort emanzipierten Schlußzeilen des Gedichts: »Weil, so schließt er messerscharf,/ nicht sein kann, was nicht sein darf.«

Klaus Nilius in Ossietzky 6/14, ebenfalls in der richtigen Rechtschreibung.

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Sigmar Salzburg
10.03.2014 06.57
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Peter Scholl-Latour

Die Welt aus den Fugen
Betrachtungen zu den Wirren der Gegenwart
Propyläen 2012
400 Seiten

Vielleicht muß man am Rande der Wüste Gobi vor den Ruinen der Paläste des Karakorum stehen, wo die Großkhane der Mongolen einst ihre Allmacht zelebrierten, um sich des unvermeidlichen Erschöpfungsprozesses, der fatalen Folgen der überdimensionalen Ausdehnung bewußt zu werden, der zunächst die ermatteten europäischen Kolonisatoren, dann die vergreiste Führungsmacht der Sowjetunion erlagen, während manche Auguren der USA im Hinblick auf den eigenen Niedergang von bangen Ahnungen heimgesucht werden.

Peter Scholl-Latour wurde am Sonntag 90 Jahre alt .

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Sigmar Salzburg
05.02.2014 17.46
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Martin Mosebach

Das Blutbuchenfest
Roman
Carl Hanser Verlag 2014
448 Seiten; 24,90 Euro.

Neuntes Kapitel
Die Würde im Dunkeln bewahren
Markus gar hielt es für angemessen, daß Herr Breegen ihren Freund Sascha Wereschnikow so respektierte, wie sie selbst das tat, und nicht auf ihn herabsah, bloß weil Sascha nicht wußte, daß sie auch Breegens Geliebte war. Männer hatten das manchmal an sich: jemanden zu verachten, weil man mit dessen Frau schlief. Im übrigen hatte er noch nicht ein einziges Mal mit ihr im buchstäblichen Sinne geschlafen, weil er sie meist am Nachmittag besuchte und höchstens einmal fünfzehn Minuten einnickte, wenn er sich nach dem anstrengenden Liebesgeschäft entspannte...

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Sigmar Salzburg
30.01.2014 08.04
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Akif Pirinçci

Deutschland, Deutschland, unter alles
(Auszug aus Akif Pirinçcis im März 2014 erscheinenden Buch “Deutschland, Deutschland, unter alles”) ...

Es ist Punkt sechs Uhr morgens am fünfzehnten November im Jahre 2030 in einer mitteleuropäischen Großstadt. Natürlich besitzt das Land einen Namen, und zwar Deutschland, und auch der Name der Stadt ist bekannt. Doch die ursprünglichen Namen sind nicht nur aus dem allgemeinen Bewußtsein getilgt, sondern es ist bei Androhung von Peitschenhieben verboten, sie in der Öffentlichkeit auszusprechen, weil sie nicht muslimisch klingen und zwangsläufig eine Beleidigung des Propheten darstellen. Seltsamerweise keine Folge durch die Einführung der Scharia, sondern der Ausweitung der Antidiskriminierungsgesetze aus dem Jahre 2023 durch die EU. Es ist eines der frostigsten November, den man in Eurabia erlebt hat. Die Temperatur schwankt zwischen zwei Grad Celsius am Tag und Minus sechs in der Nacht.

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Nicht immer konnte der Autor seine gewohnte Rechtschreibung, wie man sie von seinen persönlichen Veröffentlichungen kennt, auch bei den Verlagen durchzusetzen. Ob es diesmal gelingt, bleibt abzuwarten.

Nachtrag am 29.3.14: Das Buch ist inzwischen erschienen, aber unter dem Titel „Deutschland von Sinnen“. Die zitierte Passage steht auf S. 68.

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Sigmar Salzburg
19.12.2013 14.34
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Rüdiger Safranski

Goethe
Kunstwerk des Lebens

Biographie
Carl Hanser Verlag 2013

Aus der Vorbemerkung
Goethe ist ein Ereignis in der Geschichte des deutschen Geistes – Nietzsche meinte, ein folgenloses. Doch Goethe war nicht folgenlos. Zwar hat die deutsche Geschichte seinetwegen keinen günstigeren Verlauf genommen, aber in anderer Hinsicht ist er überaus folgenreich, und zwar als Beispiel für ein gelungenes Leben, das geistigen Reichtum, schöpferische Kraft und Lebensklugheit in sich vereint. Ein spannungsreiches Leben, dem einiges in die Wiege gelegt war, das aber auch um sich kämpfen mußte, bedroht von inneren und äußeren Gefahren und Anfechtungen. Was immer wieder fasziniert, ist die individuelle Gestalt dieses Lebens. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Heute sind die Zeiten nicht günstig für die Entstehung von Individualität. Die Vernetzung aller mit allen ist die große Stunde des Konformismus. Goethe war mit dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben seiner Zeit aufs innigste verbunden, aber er verstand es, ein Einzelner zu bleiben...

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