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Sigmar Salzburg
01.05.2015 12.59
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Selma Lagerlöf

Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden

Vollständig aus dem Schwedischen übersetzt von Thomas Steinfeld und von ihm mit einem umfänglichen Essay versehen. Bereichert mit den Abbildungen von Bertil Lybeck aus der schwedischen Ausgabe von 1931
(Die Andere Bibliothek, Band 359)
Gebundene Ausgabe – 7. November 2014
Kindle Edition EUR 14,99
Gebundene Ausgabe ab EUR 114,00

Leseprobe

Der Wichtel

Sonntag, der 20. März

Es war einmal ein Junge. Er war vielleicht 14 Jahre alt, lang und schlaksig und flachshaarig. Viel taugte er nicht: Am liebsten schlief oder aß er, und am zweitliebsten trieb er Unfug.

Jetzt war es Sonntagmorgen, und die Eltern des Jungen waren dabei, sich zurechtzumachen, um zur Kirche zu gehen. Der Junge aber saß im Hemd auf der Tischkante und dachte, wie gut es sei, daß Vater und Mutter beide fortgingen. So könne er ein paar Stunden machen, was er wollte. »Dann kann ich Vaters Gewehr herunterholen und ein bißchen schießen, und es redet mir keiner hinein«, sagte er zu sich selbst.
Doch beinahe war es, als ob Vater die Gedanken des Jungen erraten hätte. Denn gerade als er auf der Schwelle stand, zum Gehen bereit, hielt er inne und wandte sich ihm zu. »Da du nicht mit Mutter und mir in die Kirche gehen willst«, sagte er, »finde ich, daß du zu Hause wenigstens die Predigt lesen kannst. Verspricht du, daß du das tust?« »Ja«, sagte der Junge, »das kann ich wohl tun.« Aber er hatte natürlich nicht vor, mehr zu lesen, als wozu er Lust hatte.

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Sigmar Salzburg
21.04.2015 08.35
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Angela Pabst

Kaiser Augustus
Neugestalter Roms

Reclam 2014
280 S. 2 Ktn.
Geb. mit Schutzumschlag. Format 12,2 x 19,5 cm
ISBN: 978-3-15-010988-5
19,95 Euro

Leseprobe

Der Mann mit den vielen Namen

Eine Gebrauchsanleitung zu diesem Buch

Wer sich mit Kaiser Augustus befassen möchte, findet sich gleich zu Beginn seiner Arbeit mit einem ungewöhnlichen Problem konfrontiert. Tatsächlich liegt bei dieser Person nämlich der mehr als seltene Fall vor, daß ein Mensch keinen einzigen (!) seiner Namensbestandteile über sein ganzes Leben hin geführt hat. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, daß in Rom bis zu drei Namensbestandteile von Geburt an zur Verfügung standen… Damit ist bereits einer der Schwerpunkte der folgenden Darstellung angedeutet. Im wesentlichen verfolgt sie drei Ziele: Zum einen soll eine Annäherung an den Menschen Augustus versucht, sollen einige seiner Charakterzüge herausgearbeitet, die Merkmale seiner Persönlichkeit bestimmt werden. Bei einer Gestalt der Geschichte versteht es sich von selbst, daß sie hierbei auch als Kind ihrer Zeit zu betrachten ist. Dies soll zweitens mit einer Orientierung über Arbeitsmethoden der Forschungsdisziplin der Alten Geschichte einhergehen, die es auch der Leserschaft außerhalb der Fachwissenschaft ermöglicht, den Weg nachzuvollziehen, auf dem wir heute Erkenntnisse über den vor 2000 Jahren verstorbenen Kaiser gewinnen können...

Prof. Dr. Angela Pabst (* 1957 ) ist Althistorikerin an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg

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Sigmar Salzburg
20.03.2015 19.27
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Christian Meier

Der Historiker und der Zeitgenosse
Eine Zwischenbilanz


Siedler Verlag, München 2014
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
224 Seiten, 12,0 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-8275-0048-9
€ 16,99

Leseprobe

Abschiedsvorlesung
19. Juli 2012,
Ludwig-Maximilians-Universität München

Génoito d’an pan en toi makroi chronoi, alles kann passieren (oder auch entstehen) im Laufe einer langen Zeit. So liest man es bei Herodot, dem Vater der Historie (5, 9,3).
Alles treibt die lange, unzählbare Zeit (ho makros kanarithmetos chronos) hervor aus dem Verborgenen, und das ins Licht Getretene verbirgt sie wieder. Nichts, was man nicht zu erwarten hätte. So heißt es bei Sophokles im Aias (646ff.), etwa eine halbe Generation zuvor.
Und etwa 200 Jahre davor hatte Archilochos (74 D.) gedichtet; nichts sei aëlpton, also unerwartbar, unmöglich, seit Zeus die Mittagszeit in Nacht verwandelt und der hellen Sonne Licht sich verbergen ließ. Kalte Angst beschlich da die Menschen.
Alle drei Aussagen laufen auf das gleiche hinaus: Man muß, zumindest im Laufe der Zeit, mit allem rechnen. Die Anlässe, die die Autoren zu dieser Art Feststellung bringen, sind unterschiedlich. Archilochos hatte gerade eine Sonnenfinsternis erlebt…

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Sigmar Salzburg
18.03.2015 10.24
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Alexander Demandt

Der Baum
Eine Kulturgeschichte


2., überarbeitete und erweiterte Aufl. 2014, 470 S.
50 s/w- und 45 farb. Abb.
Preis: € 29.90
978-3-412-22217-8

Die Bedeutung des Baumes ist so vielschichtig wie die Anzahl der Jahresringe. Als Naturdenkmal prägt er Landschaften, ist wichtiger Rohstoff und gilt als Symbol für das Leben. In Mythen, heiligen Schriften, Märchen, in der Musik, der Literatur, der Bildenden Kunst, der Philosophie, in allen Kulturen und Zeiten kommt dem Baum eine überragende Bedeutung zu. Darüber hinaus ist er mit zahlreichen Bräuchen verbunden: der Baum, der zur Geburt eines Kindes gepflanzt wird, der Maibaum, der Weihnachtsbaum.

Der Historiker Alexander Demandt behandelt Baum, Wald und Holz in den Religionen, im Brauchtum und Schriftgut, im Denken und Reden und auf allen Gebieten der Literatur und der Kunst von der Antike bis zur Gegenwart. Das materialreiche Buch ist die lange erwartete, erweiterte und vertiefte Neubearbeitung seines Standardwerks „Über allen Wipfeln. Der Baum in der Kulturgeschichte“ (2002).

http://www.boehlau-verlag.com/978-3-412-22217-8.html

Leseprobe.pdf

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Sigmar Salzburg
07.03.2015 09.25
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André Müller sen., Peter Hacks

Der Briefwechsel 1957–2003
herausgegeben von Kai Köhler und Johannes Oehme
,
Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2015,
ca. 1120 Seiten, ca. 49,99 Euro,
erscheint voraussichtlich Ende März.

An Müller 10.6.2000
Liebster André, wie das Wetter hier ist, weißt Du; denn jedes Wetter erreicht uns mit eintägiger Verzögerung aus der Eifel [...] Ich habe über den Briefwechsel nachgedacht. Das Herausgabeprinzip kann nur sein: keine Silbe fälschen, keinen Buchstaben verrücken. Weglassungen von Beleidigungen dieser oder jener unserer Freundinnen sind als Weglassungen zu kennzeichnen. Ein Problem bleibt die Rechtschreibung, und ich schlage vor, in dem Punkt für Dich und mich getrennte Verfahren anzuwenden und auszuweisen. Ich, der ich den Anspruch erhebe, deutsch zu schreiben, bleibe in Rechtschreibung und Zeichensetzung unverändert, einbegriffen meine Fehler. Du, dem das alles völlig wurst ist, sollst durchgehend ins Deutsche übersetzt sein, aber – so schlage ich vor – als Zeichen Deiner souveränen Willkür mögest Du dulden, daß sämtliche Eigennamen so dastehn, wie Du sie schreibst, und die richtige Schreibweise in Klammern dahinter.[...]
[Peter]

jungewelt.de 7.3.2015 (sonst leider seit Okt. 14 in der häßlichen ss-Reformschreibung)

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Sigmar Salzburg
06.03.2015 20.02
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Thomas Brasch

»Die nennen das Schrei« – Gesammelte Gedichte
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Martina Hanf und Kristin Schulz


Erschienen: 9.2.2015 Suhrkamp
Klappenbroschur,
1029 Seiten 28,00 €
ISBN: 978-3-518-42453-7

Inhalt
Thomas Brasch, Dichter, Dramatiker, Filmschaffender und Übersetzer, ist eine der markantesten Figuren der jüngeren deutschen Literatur. Vom Widmungs- und Gelegenheitsgedicht über Ballade und Lied bis hin zu Stückcollagen und Fototext – die Gesammelten Gedichte ermöglichen es zum ersten Mal, sich ein umfassendes Bild seines im Verlauf von 40 Jahren entstandenen lyrischen Werks zu machen...
Leseprobe

Lt. Wikipedia wurde nach Braschs Tod bekannt, daß er 1976 durch Anetta Kahane (damals IM der DDR-Staatssicherheit, jetzt Vorstand Amadeu Antonio Stiftung) denunziert wurde: „Zu den Feinden der DDR gehören in erster Linie Klaus Brasch und Thomas Brasch.“

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Sigmar Salzburg
15.01.2015 15.59
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Esther Kinsky

Am Fluß
Matthes & Seitz Berlin 2014
Gebundene Ausgabe EUR 22,90

1

König


In der Zeit vor meiner Abreise aus London begegnete ich dem König. Ich sah ihn abends, im türkisen Dämmer. Er stand am Eingang des Parks und schaute nach Osten, dorthin, wo bereits ein tiefes dunstiges Blau aufstieg, während in seinem Rücken der Himmel leuchtete. Aus dem Schatten der Büsche am Tor kam er mit kleinen lautlosen Schritten an den Rand der Rasenfläche, über der um diese Tageszeit die vielen Raben des Parks aufgeregt kreisten.

Der König streckt die Hände aus, und die Raben sammelten sich um ihn. Manche ließen sich kurz flügelschlagend auf seinen Armen, seinen Schultern und Händen nieder, stiegen wieder auf, entfernten sich ein Stück, kamen zurück. Vielleicht wollte oder mußte jeder einzelne Vogel ihn einmal berühren. So, von den vielen Vögeln umgeben, begann er die ausgestreckten Arme in leichte Schwing- und Kreisbewegungen zu versetzen, als wohnte in ihnen eine Erinnerung an Flügel...

Rezension in der FAZ:

Esther Kinskys Roman „Am Fluß“ Räbinnenschnäbel und andere famose Worte
Mit diesem Buch steht sie auf der Longlist des Deutschen Buchpreises: Esther Kinskys Roman „Am Fluß“ etabliert mit einem Schlag nicht nur eine neue Sprache, sondern auch ein altes Genre.
Katharina Teutsch faz.de 30.08.2014

Frau Teutsch zitiert nur den Titel in richtiger Rechtschreibung.
Das Titelblatt selbst verwendet je nach Ausgabe die Schreibweise „Am Fluß“ oder „Am Fluss“.

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Sigmar Salzburg
22.11.2014 15.02
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Michael Klonovsky

Aphorismen
und Ähnliches

Karolinger Verlag
Wien u. Leipzig 2014
125 Seiten, gebunden
ISBN 978 3 85418 159 0
EUR 18,90/CHF 27,50

karolinger.at

Vorbemerkung
Eckard Henscheid begründete seine Vorhalte gegenüber der Gattung Aphorismus einmal damit, es sei ihm suspekt, daß der Sentenzenmacher nach jedem seiner Sätze gewissermaßen stolz und beifallheischend in die Runde schaue. Aus diesem Dilemma führt auch über die vorliegende Sammlung kein Weg, nur soll eine Einschränkung von vornherein angemerkt werden: Der Autor nimmt keinerlei Originalität für sich in Anspruch. Seine Aphorismen reagieren entweder auf alltägliche Belästigungen durch die Plagegeister der egalitaristischen Welttendenz oder verlängern altbekannte Gemeinplätze auf dem Umweg einer Neuformulierung in die Gegenwart...


Damit die Trottel dieses Planeten ihre Trivialitäten endlich in Echtzeit austauschen können, mußte der technische Genius des Menschen einen erstaunlichen Höhenflug absolvieren.

Wenn die Schimpansen sprechen könnten, würden sie wohl als erstes ihre Gleichstellung fordern.

Täglich bringt der Kampf gegen die Syntax neue Helden hervor.

„Burn out“, das paßt allenfalls auf Dresden im Februar 1945.

Verbrechen, lehrt der bundesrepublikanische Katechismus, haben soziale Ursachen, sofern sich bei den Tätern keine rechte Gesinnung auftreiben läßt.

Die Reformierung einer ehrwürdigen Institution hat in der Regel zur Folge, daß sie schneller veraltet.

Siehe auch hier.

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Sigmar Salzburg
21.11.2014 07.21
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Bernd Schirmer

Der letzte Sommer der Indianer
Edition Schwarzdruck,
260 Seiten, 23 Euro

Wie Kulturbündler über DDR-Grenzen ritten
Gransee (MZV) 333 nummerierte Exemplare, die ersten verkauft, im Anschluss signiert. Bernd Schirmers „Der letzte Sommer der Indianer“ erlebt eine Neuauflage – 20 Jahre nach der Ersterscheinung im Eulenspiegel-Verlag.

„Dank meines Freundes Marc Berger“, sagt Schirmer. Bergers Verlag in Gransee gibt die Edition Schwarzdruck heraus, eine Reihe mit bekannter und weniger bekannter Literatur, seit 25 Jahren. Schirmer nennt sich und seinen Freund Berger konventionell. Der eine druckt noch mit Blei, der andere schreibt, wie er es gelernt hat.

Und Schirmer – ein Mann mit besonderem Humor – meint es durchaus ernst, wenn er von den unglaublichen Fehlern spricht, die bei der Rechtschreibreform gemacht worden sind. Er bleibt also weitgehend bei der alten. „Um die Verlage nicht zusätzlich zu verwirren, lasse ich im Anschluss ein Rechtschreibprogramm durchlaufen.“ Und dennoch: In der Neuauflage des „letzten Sommers der Indianer“ findet man es noch, das „daß"...

„Der letzte Sommer der Indianer“ ist die Geschichte einer Gruppe junger Leute, die im DDR-Kulturbund organisiert als Rothäute die Wochenenden verbrachten. Tomahawkwerfend und im Tipi kampierend erlebten sie ihre Jugend. Es ist die Geschichte einer Dreierbeziehung zwischen Grüner Pfeil, Einsamer Wolf und Schwellender Knospe. Zwei von ihnen später verheiratet und mit zwei Kindern gesegnet, die in Schirmers Roman ebenfalls einiges zu sagen haben. Der unterlegene Indianer ging in den Westen und kehrte als erfolgreicher Bierbrauer und Cowboy zurück.
Als überaus unterhaltsam empfand auch das Publikum der Eremitage am Mittwoch die Textpassagen, die Schirmer vortrug...
Märkische Online Zeitung14.11.2014

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Sigmar Salzburg
15.11.2014 12.10
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Michael Tomasello

Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Schröder
Erschienen: 06.10.2014 Suhrkamp
Gebunden, 252 Seiten, 32 Euro

Im Original erschienen unter dem Titel A Natural History of Human Thinking (Harvard University Press).

Vorwort

Dieses Buch ist eine Fortsetzung von – oder besser ein Prequel zu – Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens, das 2002 in deutscher Übersetzung erschien. Es hat aber auch einen etwas anderen Fokus...

Der Fokus liegt jetzt also weniger auf der Kultur als einem Prozeß der Weitergabe, sondern mehr auf der Kultur als einem Prozeß sozialer Koordination – und tatsächlich argumentieren wir hier dafür, daß moderne menschliche Kulturen durch einen früheren Evolutionsschritt ermöglicht wurden, bei dem Menschen ihr Auskommen fanden, indem sie sich mit anderen in relativ einfachen Akten gemeinschaftlicher Nahrungssuche koordinierten. Die spezifische Fokussierung auf das Denken bedeutet, daß dieses Buch nicht einfach nur dokumentiert, daß Menschen auf eine solche Weise an geteilter Intentionalität teilhaben, wie es ihre nächsten Primatenverwandten nicht tun. Das wurde an anderer Stelle geleistet. Vielmehr untersucht es darüber hinaus die zugrundeliegenden Denkprozesse, die daran beteiligt sind...

Der Zwangsgebührensender Deutschlandfunk täuscht die Leser darüber hinweg, daß das Buch in der traditionellen Rechtschreibung erschienen ist: „Der rangniedere Schimpanse versteht nicht nur, was der andere Affe sehen oder nicht sehen kann. Er begreift auch, was der ranghöhere Affe weiß oder nicht weiß: Das dominante Tier kann die Bananen zwar aktuell nicht sehen, weiß aber, dass sie da sind.“

Auch die kurze Rezension bei Spektrum retuschiert das verräterische „daß“: Bis vor zirka 200 Jahren herrschte die Auffassung vor, dass Menschen sich von Tieren durch auf Sprache gestütztes Denken unterscheiden. Laut dem amerikanischen Anthropologen Michael Tomasello rührt das daher, „dass es in den ersten paar tausend Jahren der abendländischen Zivilisation keine nichtmenschlichen Primaten in Europa gab...“

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Sigmar Salzburg
06.11.2014 06.49
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Christian Demand

Die Invasion der Barbaren
Warum ist Kultur eigentlich immer bedroht?


zu Klampen • ESSAY

Herausgeber: Anne Hamilton;
Hardcover, 208 Seiten
Format: 11.5 x 18.5 cm
Erscheinungstermin: September 2014
ISBN 9783866744066 – 18,00 €

Man lasse sich nicht durch den Verlags-Neuschreib und die erste dass-Kontamination im Vorwort abschrecken:

Vorwort

Im Dezember 1772 wandte sich der Maler Sir Joshua Reynolds, Präsident der Royal Academy in London, mit einer feierlichen Ansprache an die versammelten Studenten, die der alljährlichen Verleihung der Akademiepreise entgegenfieberten. Die Botschaft des hochangesehenen Porträtisten an den aufstrebenden Nachwuchs fiel nicht sehr ermunternd aus. Mit der Malerei, murrte Reynolds verdrießlich, gehe es bekanntlich schon seit langem nur noch bergab. So wie er die Lage beurteile, sei es eher unwahrscheinlich, dass sie jemals wieder das hohe Niveau eines Raffael oder Michelangelo erreichen werde. Dennoch könne es die Akademie auch künftig keinem jungen Künstler ersparen, diese unerreichbaren Vorbilder hingebungsvoll zu studieren und zu kopieren, um ihnen auf diese Weise wenigstens so nahe wie möglich zu kommen. Man kann sich die betretenen Mienen der Anwesenden vorstellen.

Heutige Kunststudenten würden sich derartige Thesen vermutlich überhaupt nicht erst anhören. Schon seit mehr als 100 Jahren gilt die Vorstellung, daß man als Künstler irgend etwas durch die mühselige Nachahmung tradierter Formen oder das Befolgen akademischer Regeln zu gewinnen habe, geradezu als abwegig. Zwar existieren Kunstakademien nominell noch immer, doch deren Präsidenten legen in der Regel großen Wert auf die Feststellung, daß Studenten dort nicht mit der Aufarbeitung der Vergangenheit gequält, sondern in völliger Freiheit zu »assoziativem, surrealem, alogisch vernetztem Denken« angeleitet würden. Das ist nur konsequent, hat die Moderne doch dereinst mit aller Tradition gebrochen, und zwar ein für allemal. So jedenfalls steht es heute in den Schulbüchern: Romantiker, Realisten, Impressionisten, Kubisten, Dadaisten, Surrealisten etc., deren Werke heute den Stolz der Museen der westlichen Welt ausmachen, hätten in keiner Akademie ihrer Zeit reüssiert, während die Produktion, die dort geschätzt wurde, heute bestenfalls in den Depots verschimmelt. Die künstlerischen Leitwerte Innovation, Individualität, Originalität haben sich also offensichtlich bewährt. Wer es als Künstler zu etwas bringen will, muß folglich in erster Linie »authentisch sein«, wie es im Branchenjargon so schön heißt, und »eine eigene Position entwickeln«.

Anmerkung: Nichts übrigens gegen die alten Akademien. Wie wir selbst um 1975 im Kunstbetrieb sehen konnten, standen die abstrakt und tachistisch ausgebildeten Künstler dumm da, als wieder Gegenständlichkeit gefragt war.

Siehe auch SPON.

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Sigmar Salzburg
17.10.2014 12.28
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Hans Magnus Enzensberger

Tumult

Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
287 Seiten, 21,95 Euro

Auch die Einführung auf der Verlagsseite ist in tradioneller Rechtschreibung verfaßt:

Autobiographischer Rückblick auf ein Jahrzehnt des Tumults
Der russische Roman: die Beziehung zu Maria Makarowa


Wie konnte in tausend Tagen so viel passieren?

Wer sich nach einem halben Jahrhundert wiederbegegnet, muß auf Überraschungen gefaßt sein. Hans Magnus Enzensberger hat sich auf dieses Abenteuer eingelassen: Ein zufälliger Kellerfund gab den Anlaß für eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

1963 führt den Autor eine erste Reise nach Rußland, und unverhofft wird er zum Gast auf Chruschtschows Datscha in Gagra. Das Ergebnis ist ein genaues Porträt des Mannes und der sowjetischen »Tauwetter«-Politik dieser Zeit. Drei Jahre später durchreist Enzensberger die UdSSR vom äußersten Süden bis nach Sibirien. Auf diesem Parforce-Ritt nehmen die Verwicklungen des »russische Romans«, der konfliktreichen Beziehung zu seiner zweiten, russischen Frau, ihren Anfang. 1968/1969 gerät der Dichter dann in eine Phase des politischen und privaten Tumults. Mitten im Vietnam-Krieg folgt er einer Einladung an die Wesleyan University, aber schon nach wenigen Monaten lockt das Cuba der Revolution. Doch sind die Fraktionskämpfe der außerparlamentarischen Opposition in Berlin nicht so weit entfernt, als daß der Dichter nicht auch auf diesem Schauplatz zum Akteur würde…

Wie aber sieht mit dem zeitlichen Abstand von 50 Jahren der alte Enzensberger den jungen? Die Antwort auf diese Frage gibt ein lebhaftes Streitgespräch, in dem beide sich ihrer Haut zu wehren wissen. Ein letztes Kapitel unter dem lapidaren Titel Danach gilt dem Abschied von den »politischen und privaten Obsessionen der 60er Jahre«. Hier gedenkt Enzensberger auch der Verlierer und derer, die ihm nahestanden. Gewidmet ist das Buch »Den Verschwundenen«.

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Sigmar Salzburg
06.10.2014 17.55
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Peter Scholl-Latour

Der Fluch der bösen Tat
Das Scheitern des Westens im Orient


Propyläen Verlag (12. September 2014)
368 Seiten 24,99 Euro

S. 17
Ich bin mir bewußt, daß ich mich mit dieser Einführung dem Vorwurf des Antiamerikanismus aussetze. Aber wir erliegen spätestens seit dem zweiten Irak-Feldzug einer umfassenden Desinformation, die in den USA, Großbritannien und Israel durch perfekt organisierte Institutionen betrieben wird und im Grunde ebenso ernst zu nehmen ist wie die allgegenwärtige Überwachung durch die NSA. Wieder einmal erweist sich Helmut Schmidt, der angesehenste Staatsmann Deutschlands, als einsamer Rufer in der Wüste, wenn er sich in der Bild-Zeitung darüber wundert, daß »manche der westlichen Politiker und viele Medien zur Zeit ganz anders schreiben, als die Deutschen denken. Die Deutschen«, so stellt der Alt-Bundeskanzler fest, »sind bei weitem friedfertiger als die Leitartikler in der ›Welt‹, der ›FAZ‹, der ›Bild‹ und auch meiner eigenen Zeitung, der ›Zeit‹.«

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Sigmar Salzburg
03.10.2014 06.09
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Peter Kropotkin

Ethik
Ursprung und Entwicklung der Sitten.

Mit einem Vorwort von Michael Schmidt-Salomon.
336 S. kart. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2013.
18,- Euro. ISBN 978-3-86569-160-6

Aus der Rezension bei fgw: Fürst Pjotr Kropotkin (1842 – 1921) ist den Nachgeborenen eigentlich nur noch als einer der geistigen Köpfe des politischen Anarchismus bekannt. Daß der an Darwin geschulte Geograph auch Evolutionstheoretiker war, dürfte nur noch wenigen bewußt sein. Völlig unbekannt aber ist wohl heute und hierzulande, daß sich Kropotkin aufgrund seiner wissenschaftlichen Forschungen immer stärker ethischen Fragen zugewandt hatte.

In seinem – Todes bedingt – unvollendet gebliebenen Spätwerk „Ethik“ zeigt Kropotkin auf, wie eine evolutionäre, humanistische Ethik zu begründen ist... Es wurden bereits in den frühen Stammesgesellschaften weltweit verbindliche, ungeschriebene, Gesetze formuliert. Als oberstes das des Verbotes des Brudermordes, d.h. des Mordes in der eigenen Sippe. Kropotkin benennt weitere weltweite Lebensregeln und resümiert:


„Dabei ist es natürlich, daß der Mensch, dank der Sprache, die die Entwicklung des Gedächtnisses unterstützte und die Überlieferung schuf, viel verwickeltere Lebensregeln, als die Tiere sie haben, ausarbeitete. Mit dem Erscheinen der Religion, wenn auch in der rohesten Form, trat in die menschliche Ethik ein noch neues Element, das ihr eine gewisse Festigkeit verlieh und nachher zum Träger der Vergeistigung und eines gewissen Idealismus wurde.“ (S. 85)

Auf Anfrage:„... wir haben die Rechtschreibung der Originalübersetzung nicht auf Reform umgestellt, nur heute nicht mehr geläufige Wörter ausgetauscht.“ Gunnar Schedel (Alibri Verlag)

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Sigmar Salzburg
18.09.2014 13.43
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Thomas Hettche

Pfaueninsel
Roman

Erschienen am: 21.08.2014
Kiepenheuer & Witsch
352 Seiten, gebunden

Die junge Königin stand einen Moment lang einfach da und wartete, daß ihre Augen sich an das Halbdunkel des Waldes gewöhnten. Gerade eben noch hatte sie auf der sonnigen Wiese Ball gespielt, jenes englische Spiel mit den hölzernen Hämmerchen, das dem König so sehr gefiel. Auch die Tapeten für ihr Schloß in Paretz stammten von einem Engländer, er hatte seine Manufaktur im Scheunenviertel, und das Billard in Paretz war direkt aus London geliefert worden.

Thomas Hettche, 1964 am Rand des Vogelsbergs geboren, lebt in Berlin. Sein Romandebüt »Ludwig muß sterben« wurde 1989 als Geniestreich gefeiert. Danach erschien unter anderem »Der Fall Arbogast« (2001), ein Bestseller, der in zwölf Sprachen übersetzt worden ist. »Woraus wir gemacht sind«, 2006 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zuletzt veröffentlichte Hettche den hochgelobten Roman »Die Liebe der Väter« (2010) und den autobiographischen Essayband »Totenberg« (2012).

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