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Dominik Schumacher
11.06.2004 13.51
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bis 20040613


Solinger Tageblatt, 5. Juni 2004, Seite 30 (Kultur)

Wenn neue Schulbücher schon wieder veraltet sind

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes rät seinen Kollegen: Über Schreibfehler großzügig hinwegsehen

Von Anja Clemens

Düsseldorf. Befürworter und Gegner der Rechtschreibreform werden noch lange vortrefflich darüber streiten, ob die Schüler in Deutschland einem nun „Leid tun“ oder „leidtun“ sollen. Denn wenn die neue Rechtschreibung nach dem Willen der Kultusministerkonferenz (KMK) am 1. August 2005 endgültig in Kraft tritt, stehen auch die Schüler vor vollendeten Tatsachen Schreiben sie nach alten Regeln, gilt das als Fehler – und fließt damit unweigerlich in die Benotung ein.

Das wäre nun nicht der Rede wert, wenn das amtliche Regelwerk seinem amtlichen Anspruch auch wirklich genügen würde. Doch die Ur-Fassung der Zwischenstaatlichen Kommission hat bereits so viele schleichende Änderungen und Anpassungen erlebt, dass die Schulbuchverlage schon lange nicht mehr auf der Höhe der aktuellsten Rechtschreibung sind. Da die KMK gestern erneut „kleine Änderungen“ abgenickt hat, enthalten vermeintlich neue Bücher weitere falsche Schreibweisen. Die Kommission sieht darin kein Problem. Letztlich gehe es ja nur um „Präzisierungen“ und das „Ausbügeln von Schwachstellen“, heißt es. Alle neuen Schulbücher könnten weiter benutzt werden.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, kann dieser Argumentation indes nichts abgewinnen. „Die Kinder bekommen immer mehr Varianten vorgesetzt“, kritisiert der Verbandschef. Das Hauptproblem sei immer noch, dass 80 Prozent der Bevölkerung an der alten Schreibweise festhalte. „Die Eltern drücken ihrem Nachwuchs ein veraltetes Buch in die Hand, und auch viele Autoren stellen sich nicht um!“ Die Rechtschreibung werde damit beliebig. „Bei den Kindern verfestigt sich die Vorstellung: So eindeutig ist das alles gar nicht, sagt Kraus. Den Lehrern bleibe nichts anderes übrig, als großzügig über Fehler hinwegzusehen. „Wenn Experten in jahrelanger Arbeit nicht in der Lage waren, logische Regeln aufzustellen, kann man das nicht die Schüler büßen lassen.“

Die KMK ist an dem Wirrwarr nicht unschuldig. Denn schon in der Erprobungsphase hatte sie verkündet, Schulbücher nach altem Muster nicht mehr genehmigen zu wollen. So standen die Verlage in der Pflicht, noch interpretationswürdige Regeln schnell umzusetzen. Bisweilen schossen sie da übers Ziel hinaus. Sie tilgten zum Beispiel Kommata, die nach wie vor verbindlich sind, und trieben die neue Getrenntschreibung bis zum Exzess. Zu einer Umkehr sehen die Verlage keine Notwendigkeit. Sprache sei ein lebendiger Prozess, der nicht künstlich konserviert“ werden könne, wiegelt der Branchenverband VdS Bildungsmedien Kritik ab. Doch schwerer wiegen dürfte das Kostenargument: Angesichts der bundesweit massiven Kürzungen bei der Lernmittelfreiheit und der klammen Kassen öffentlicher Haushalte können es sich die Schulträger nicht leisten, rund 40 500 allgemeinbildende Schulen mit neuen Büchern auszustatten – die vielleicht sowieso bald wieder überholt wären.

Ein Elend, das nicht enden will

Die Reform der Rechtschreibung bleibt ohne Korrektur. Und auch Hoffnung ist nicht in Sicht.

Von Eberhard Fehre

Düsseldorf. Die Kultusministerkonferenz hisst die weiße Fahne und kapituliert vor der deutschen Sprache. Aus der nie geliebten und stets nur widerwillig übernommenen Verantwortung für die umstrittene Rechtschreibreform von 1998 schlich sich die Politik gestern, indem sie das erneut reformierte Regelwerk zum 1. August 2005 verbindlich einführte, aber gleichzeitig die „Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung“, der wir und der Rest der deutschsprachigen Welt diese Jahrhundertreform verdanken, auflöste. Zurück bleibt verbrannte Erde, für die nun niemand mehr verantwortlich gemacht werden kann.



Am Anfang schon stand, glaubt man dem Bericht 1. Mos. 11, eine folgenreiche Reform mit Langzeitwirkung: Die babylonische Sprachverwirrung als Strafe menschlicher Überheblichkeit. „Der Turmbau zu Babel“, ein Gemälde Pieter Breughels d. Ä. von 1560.

Es scheint an der Zeit, jede Hoffnung auf eine akzeptable Korrektur der widersprüchlichen und in Teilen sogar widersinnigen Reform zu begraben. Dabei ,zielt die Kritik der Wissenschaft und fast aller namhaften deutschen Autoren nur auf einen sehr kleinen Teil der Reform. Dieser kleine Toll aber – er betrifft fast ausschließlich die Groß- und Kleinschreibung sowie die Getrennt- und Zusammenschreibung – ist ein großes Ärgernis.

Ob man die Konjunktion „dass“ nun so oder wie zuvor „daß“ schreibt, ist tatsächlich Jacke wie Hose. Der Streit darüber lohnt nicht. Das aber kann man von den vielen neuen Formen der Getrennt- und Zusammenschreibung nicht mehr sagen. Hier wird nicht nur das Sprachgefühl verletzt, sondern allzu häufig auch der Sinn entstellt. „Alleinstehende“ – seit der Reform finden wir das Wort in der Form „allein Stehende“. Doch dieser Begriff bezeichnet ja nicht „Stehende“, die zufällig mal allein oder zusammen herumstehen. Ein „allein Stehender“ wird auf dem Hauptwort betont und ist deshalb grundverschieden vom „Alleinstehenden“, der auf dem Wortteil „Allein“ betont wird. Das gilt für viele tausend Zusammensetzungen, darunter auch die mit „wohl“. Heute müssen wir „wohlunterrichtet“ stets getrennt schreiben. Aber es ist ein gravierender Unterschied zwischen der Behauptung: „Der Minister war wohlunterrichtet“ und der Aussage: „Der Minister war wohl unterrichtet“. Im ersten Fall wird dargestellt, dass der Minister bestens Bescheid wusste, im zweiten Fall klingen Zweifel am tatsächlichen Wissensstand an. Wenn wir die Sätze sprechen, machen wir den Bedeutungsunterschied ganz selbstverständlich durch die Betonung klar. In der verordneten Schriftform geht diese Differenz und damit der Sinn verloren.

Auf die breite Kritik reagierte die „Kommission“ nach fünf Jahren (!) schließlich damit, dass sie jetzt die bewährten Formen ab 2005 als „Varianten“ wieder zulässt. Beide Formen stehen gleichberechtigt nebeneinander, ganz so, als ob beide beliebig austauschbar wären. Von Systematik, begründbarer Regel und Logik keine Spur. Das Regelwerk verkommt zum Dschungel.

Doch die „Reformkommission“ verweigerte jede sachliche Diskussion darüber: Zuletzt musste sogar die „Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung“, in diesen Fragen gewiss nicht ohne jede Kompetenz, erleben, dass ihr nicht einmal zugehört wurde. Die von der Politik eingesetzte Kommission war einer offenen Diskussion schlicht nicht gewachsen. Was sie nun als „größere Freiheit“ feiert, gilt den Kritikern zu Recht als Verlust jeder festen Regel.

Nun hat die Politik die „Kommission“ aufgelöst, deren unglückliches Werk aber in Kraft gesetzt. Ein „Rat für deutsche Rechtschreibung“, unter Einbeziehung der Kritiker, soll an ihre Stelle treten. Welchen Sinn das haben soll, bleibt rätselhaft. Denn die Politik hat Fakten geschaffen – und dann die Flucht ergriffen. Man mag dies beklagen, aber verantwortlich für diese Lage sind diejenigen, die glaubten, ein in Jahrhunderten gewachsenes Gebäude am Reißbrett völlig neu erfinden zu müssen. Das konnte nicht gut gehen.

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DS
04.06.2004 15.14
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bis 20040611



Mehr Fehler in den Diktaten

Marianer starten Protest-Initiative

Warburg (WB). Die Erkenntnis, dass die von den Kultusministern der Länder in den Schulen verordnete Rechtschreibreform äußerst mangelhaft ist und nicht weiter umgesetzt werden sollte, hat gleich in mehrfacher Hinsicht eine Achse Warburg-München entstehen lassen.

Aufgrund einer Lehrerinitiative in der Schweiz, die dort ein Moratorium zugunsten der tradierten Rechtschreibung initiiert, haben der am Warburger Gymnasium Marianum unterrichtende Studiendirektor Hans-Jürgen Grosser und der Münchener Studiendirektor Erwin Doetsch (Max-Planck-Gymnasium) zu einer Spontan-Aktion anlässlich der nächsten Sitzung der Kultusministerkonferenz aufgerufen.
Unabhängig davon hat der Münchener Rechtsanwalt Dr. Johannes Wasmuth, der einmal Schüler des Gymnasium Marianum war, eine Initiative von renommierten Professoren der Rechtswissenschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ins Leben gerufen, die von den zuständigen Parlamenten eine Rücknahme der Rechtschreibreform und eine Entlassung der Rechtschreibkommission verlangen.
Die Lehrerinitiative, an der sich innerhalb eines Tages über 100 Deutschlehrer unterschiedlicher Schultypen beteiligt haben, widerspricht entschieden der Darstellung der Kultusminister, die Rechtschreibreform sei problemlos eingeführt worden und stellt fest, dass sich die Zahl der Rechtschreibfehler in Diktaten und Aufsätzen erhöht hat.
Sie führt dies auf die komplizierteren Regeln der Neuschreibung zurück und fordert, die Rechtschreibreform durch unabhängige Experten überprüfen zu lassen.

Gegen die Schreibreform


Wesentlich härter gehen die Rechtswissenschaftler, darunter Persönlichkeiten wie der Präsident des Verfassungsgerichtshofs von Berlin, Professor Sodan, oder der ehemalige Vizepräsident des Bayerischen Senats, Professor Schumann, mit der Neuschreibung und der Reformkommission ins Gericht.
Dem Reformvorhaben wird – gestützt auf ein sprachwissenschaftliches Gutachten des Germanisten Professor Theodor Ickler – ein hohes Maß an Unprofessionalität bescheinigt. Die Neuschreibung folge weitgehend frei erfundenen Regeln, die sich insbesondere auf komplexere Texte negativ auswirkten, gegen elementare Grundsätze der Grammatik, der Phonetik und der Semantik verstießen, die Lesbarkeit erschwerten, zahlreiche Begriffe eliminierten, wegen ihrer rund 1000 Anwendungsbestimmungen nicht erlernbar seien und der deutschen Sprachgemeinschaft und ihrem Ansehen im Ausland nachhaltig Schaden zugefügt hätten.
Betont werden daneben die wirtschaftlichen Interessen der Kommissionsmitglieder an der Fortführung der Rechtschreibreform und die »mafiaähnlichen Verhältnisse«, mit denen tatsächliche Fachkenner aus der Kommission verdrängt wurden.
Fazit der Rechtswissenschaftler: Der Neuschrieb ist nicht reformierbar. Die Parlamente werden aufgefordert, ihrer Verantwortung gegenüber dem Kulturgut Sprache gerecht zu werden.
Vielmehr soll sich die Rechtschreibung auf der Grundlage der tradierten Regeln ohne Manipulationen durch eine nicht qualifizierte Kommission entwickeln können.


 

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DS
04.06.2004 15.13
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bis 20040604

Schweiz:
zurück

 

 

2.6.2004  

- sda –   Der Bund, Bern 

 

Lehrer wollen zu alter Rechtschreibung zurück

Eine Gruppe von Schweizer Gymnasiallehrkräften ruft die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) zu einem Moratorium bei der 1996 eingeleiteten Rechtschreibereform auf.

Lanciert wurde der Aufruf vom »Arbeitskreis Ortographie« St. Gallen und vom Verein »Sprachkreis Deutsch« in Bern. Zu den Erstunterzeichnern gehören neben acht Mittelschulehrern der Schriftsteller Adolf Muschg und der Basler Sprachwissenschafter Rudolf Wachter, wie die Organisationen heute Dienstag mitteilten.

Die EDK wird in dem Schreiben dazu aufgefordert, zur Reform »eine echte Anhörhung durchzuführen«. Die Regeln von 1996 dürften erst nach einer gründlichen Prüfung verbindlich werden. Diese dürfe nicht von der mit der Umsetzung der Rechtschreibereform betrauten Reformkommission durchgeführt werden.

Unterschriftensammlungen laufen

Der Kommission und ihrem Beirat werfen die Unterzeichner des Aufrufs wirtschaftliche Verflechtungen mit den Interessen der Wörterbuchverlage vor.

Bei insgesamt 150 Schweizer Mittelschulen werden zur Zeit weitere Unterschriften gesammelt, wie Peter Zbinden vom Sprachkreis Deutsch auf Anfrage sagte. Danach soll der Aufruf noch im Juni der EDK unterbreitet werden.

Lanciert wurde der Aufruf vor dem Hintergrund eines anstehenden Entscheides in Deutschland zur Rechtschreibereform: Am Donnerstag und Freitag entscheiden laut der Mitteilung die deutschen Kultusminister darüber, ob die neuen Regeln wie geplant ab Schuljahr 2005/2006 für die Schulen verbindlich erklärt werden.

 

 

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Deutschland:
Zusammenarbeit mit der Schweiz
 

 

 

2.6.2004  

Heike Schmoll  FAZ, Nr. 126 / Seite 4 

 

„Rechtschreibreform bleibt“

Ahnen verteidigt neue Regeln / Akademie: Keine Verbesserung

FRANKFURT, 1. Juni. Die Konferenz der Kultusminister (KMK) wird die Rechtschreibreform in keinem Fall zurücknehmen. Dies sei den Schülern, die schon die neuen Regeln gelernt hätten, auf keinen Fall zuzumuten, sagte die Präsidentin der KMK, die rheinland-pfälzische Kultusministerin Ahnen (SPD) dieser Zeitung. Außerdem müsse die internationale Zusammenarbeit mit Österreich und der Schweiz erhalten werden. Durch das neue Regelwerk sei nur die vor allem in den Schulen gewünschte „Systematisierung“ vollzogen worden, sagte Frau Ahnen. Weder Lehrer noch Schüler hätten mit der Rechtschreibreform Schwierigkeiten.

Der „Rat für deutsche Rechtschreibung“, den die KMK an diesem Donnerstag in Mainz beschließen wird, solle die weitere Sprachentwicklung beobachten. Sie habe ein großes Interesse daran, daß der Rat pluralistisch zusammengesetzt sei, ihm also auch Kritiker und nicht an der Entwicklung der Reform beteligte Sprachwissenschaftler angehörten. Die Gespräche mit der Zwischenstaatlichen Kommission für Rechtschreibung und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die der Generalsekretär der KMK, Thies, moderiert hat, hätten immerhin zu leichten Änderungen geführt, auch wenn kein Kompromiß erzielt worden sei, bekräftigte Frau Ahnen.

Unterdessen hat der Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Uwe Pörksen, der ihrer Sprachkommission angehört gegenüber dieser Zeitung festgestellt, daß die Akademie den umstrittenen 4. Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission mit seinem Zusatzteil „weder in den Grundsätzen noch in deren Ausführung“ für eine Verbesserung hält. „In manchen Teilen stellt der Bericht sogar eine Verschlechterung gegenüber dem amtlichen Regelwerk dar“, sagte Pörksen. Die KMK indes hatte behauptet, die Akademie habe Teile des vierten Kommissionsberichts als Fortschritt erkennen können. Die Akademie widersprach. Dieser „Fortschritt“ betreffe nur wenige Einzelpunkte des Berichts, etwa die Zulassung von Variantenschreibungen. Die von der Akademie innerhalb der Gespräche mit Kommission und KMK vorgelegte Neuformulierung des amtlichen Regelwerks, die zur Diskussion stand und mit dem Scheitern der Gespräche endete, betreffe nur den besonders unzulänglichen Paragraphen 34, die Getrennt- und Zusammenschreibung. Es dürfe jedoch nicht der Eindruck entstehen, als beschränke sich die Kritik der Akademie nur auf diesen Teil der Neuregelung.


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Heide Kuhlmann: Orthographie und Politik

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Dominik Schumacher
01.06.2004 22.38
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bis 20040601

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Mädchenfüralles

http://www.welt.de/data/2004/05/25/282335.html:

Schulbuchverlag fordert Ende der Rechtschreibreform


Zum ersten Mal hat ein Schulbuchverlag die neue Rechtschreibung öffentlich kritisiert und an die Kultusministerkonferenz (KMK) appelliert, zur „funktionierenden herkömmlichen“ Rechtschreibung zurückzukehren. In „Offenen Briefen“ an die KMK und die VdS Bildungsmedien Frankfurt/M. wenden sich die Inhaber der Stolz Verlags GmbH Düren vor allem gegen die Behauptung, die Reform habe „Erleichterungen“ für die Schüler gebracht: „Die meisten Lehrer, welche die Reform anfangs begrüßt haben, stellen nunmehr ernüchtert fest, dass Schülern, vor allem und gerade auch in der s-Schreibung – dem ,Herzstück der Reform“ – vermehrt Fehler unterlaufen. Nicht wenige Erwachsene, darunter auch professionelle Schreiber und Pädagogen, wissen selbst nicht mehr, wie man richtig schreibt. Aus verschiedenen ‚Strassen‘ in Deutschlands Orten erreichen uns Briefe, deren Schreiber sich höflich und mit ‚freundlichen Grüssen‘ verabschieden.“ Für die Verlage entsteht nach Ansicht des Verlegerpaares Peter Stolz und Karin Pfeiffer-Stolz ein unhaltbarer Zustand. „Spätestens im nächsten Jahr“ werde auf Grund pausenloser Überarbeitungen des Reformwerkes „ein Großteil der jetzt aufgelegten Druckwerke wieder ‚veraltet‘ sein“. Die Dürener Verleger fragen: „Wer kommt für die Kosten der erzwungenen Nachbesserungen auf?“ In Schulen räume man derweil Schülerbibliotheken leer und werfe tadellose Bücher auf den Müll, weil deren „veraltete“ Rechtschreibung den Schülern nicht mehr zugemutet werden könne: „Ein Akt unsinniger, in seiner Art einmaliger Barbarei.“  gur

Heide Kuhlmann: Orthographie und Politik

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Dominik Schumacher
24.05.2004 19.44
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J.-M. Wagner
05.04.2004 16.16
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Rechtlicher Hinweis: Das Landgericht Hamburg hat mit Urteil vom 12.05.1998 entschieden, daß man durch die Ausbringung eines Verweises (engl. link) die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann – so das LG – nur dadurch verhindert werden, daß man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert.

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J.-M. Wagner
26.03.2004 15.26
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Zuordnung zur Stammseite

Der Verweis auf die Arbeit von Heide Kuhlmann sollte besser von der „Meldungs eins“ getrennt und zu dem darüber befindlichen „festen“ Inhalt (»Sinn und Unsinn selbst erkennen«) hinzugefügt werden – natürlich weiterhin (wie schon jetzt) durch einen Querstrich davon abgesetzt. Dann muß man diesen Verweis nicht bei jeder Änderung der Meldung per Hand übernehmen, und dann kann er auch nicht verschwinden, falls das einmal vergessen werden sollte.

[Wie man sieht, ist der Schnutenfilter noch nicht ganz ausgereift: Oben steht „«)“, und da gehört keine Schnute hin. – Nachtrag: Ah, danke; jetzt funktioniert es richtig!]
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Jan-Martin Wagner

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DS
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Wolfgang Wrase
22.03.2004 09.13
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Schlimmer als Engleutsch ...

Ich empfehle sehr, bei diesem wichtigen Link den Untertitel „Zur Genese eines irrationalen Diskurses“ wegzulassen. Sonst werden an prominenter Stelle irrationale Aversionen gegen den Diskurs generiert, zu dem wir hier einladen.

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J.-M. Wagner
21.03.2004 22.25
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Hinweis: Der folgende Verweis führt auf Seiten, für deren Inhalt die Rechtschreibreform.com-Redaktion nicht verantwortlich ist.

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Dominik Schumacher
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Dominik Schumacher
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Forum des Monats:
Zukünftige Perspektiven der Kulturpolitik in Bayern
Podiumsdiskussion mit Thomas Goppel


Moderation: Walter Flemmer
Dienstag, 20.1.2004, Beginn 19 Uhr
Bayerische Akademie der Schönen Künste, Max-Joseph-Platz 3, 80539 München

Dr. Thomas Goppel hat die Leitung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst übernommen. Die bayerische Kulturpolitik der nächsten Jahre wird seine Handschrift tragen. Auch in schwierigen Zeiten und mit verordnetem Sparprogramm will der Freistaat entsprechend der Bayerischen Verfassung an der Tradition der Kulturförderung festhalten – trotzdem werden neue Positionsbestimmungen nötig sein.
Die Bayerische Akademie der Schönen Künste bietet das geeignete Forum zur Diskussion aktueller kulturpolitischer Fragen. Im »Forum des Monats« werden die Kulturjournalisten Sabine Dultz (Münchner Merkur), Hannes Hintermeier (FAZ), Volker Isfort (AZ) und Andreas Zielcke (SZ) den Minister zu anstehenden Entscheidungen und Perspektiven befragen. Die Moderation übernimmt Walter Flemmer, Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und langjähriger stellvertretender Fernsehdirektor und Kulturchef des Bayerischen Rundfunks. Die Diskussion wird von BR-alpha aufgezeichnet.

P.S.: Die Bayerische Akademie der Schönen Künste hat den Appell der Akademiepräsidenten an die Kultusminister, die Rechtschreibreform 2005 nicht endgültig in Kraft treten zu lassen, mit unterzeichnet. Zu den aktuellen kulturpolitischen Fragen, die mit Thomas Goppel diskutiert werden sollen, gehört auch die von seinem Amtsvorgänger Hans Zehetmair inzwischen als »größter Fehler meiner Amtszeit« bezeichnete Rechtschreibreform. [WL]
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DS
24.12.2003 06.03
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Faxaussendung vom 14.12.2003, 8.00 Uhr

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Dominik Schumacher
14.12.2003 08.19
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Fehlkonzept Rechtschreibreform

Heftvernissage des Novemberheftes

Freitag, 12. Dezember 2003, 18.00 – 20.00 Uhr
Galerie Römerapotheke
Langstraße 136
CH-8004 Zürich
Telefon / Fax 0041 43 317 17 80
gallery@roemerapotheke.ch
www.roemerapotheke.ch

Gleichzeitig mit der Vernissage für Brigitt Lademanns „Bildungssuppe“
(Beispiele daraus sind im Novemberheft abgebildet)


Pressemitteilung

Rechtschreibung ohne Kopf

Die Präsidenten der folgenden Institutionen:

Akademie der Künste, Berlin
Akademie der Wissenschaften in Göttingen
Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Bayerische Akademie der Schönen Künste
Bayerische Akademie der Wissenschaften
Sächsische Akademie der Künste
Sächsische Akademie der Wissenschaften

haben an die Kultusminister aller deutschen Bundesländer, an die Kulturministerkonferenz der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, die Bundesministerin für Bildung und Forschung der Bundesrepublik Deutschland, an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Republik Österreich und an den Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft am 12. November 2003 den folgenden gemeinsamen Brief geschrieben:

Die von den staatlichen Instanzen der deutschsprachigen Länder am 1. Dezember 1995 beschlossene und am 1. August 1998 in Kraft gesetzte Rechtschreibreform hat schwerwiegende Eingriffe in die deutsche Schriftsprache und nicht nur in diese vollzogen. Denn gesprochene und geschriebene Sprache stehen in einer so engen Wechselwirkung miteinander, daß ein Eingriff in die letztere, vor allem, wenn er Wortbildungsprozesse betrifft, Auswirkungen auf das gesamte Sprachempfinden hat.

Die Tatsache, daß die administrative Vollmacht der mit der Reform verbundenen Verordnungen sich auf Schulen, Behörden und andere Institutionen des staatlichen Lebens beschränkt, ändert nichts daran, daß sie, über Staats- und Ländergrenzen hinweg, die ganze Sprachgemeinschaft betreffen. Obschon es außerhalb von Schulen und Behörden dem einzelnen freisteht, zu schreiben, wie er will, und auch jeder Verlag und jede Redaktion die Freiheit eigener Regelsysteme in Anspruch nehmen kann, erzeugt einerseits die orthographische Normierung des Schreibens und Druckens durch automatische PC-Programme, andererseits die Durchsetzung der neuen Schreibweisen durch die künftigen Schulabgänger einen Gleichschaltungsdruck, der die Verantwortung der staatlichen Entscheidungsträger für die gesamte Schriftsprache – und nicht nur innerhalb des staatlichen Machtbereichs – deutlich macht.
Daß die Vorbereitung der Reform unter Ausschluß der deutschen Literatur – von Schriftstellern, Journalisten, Verlegern – vonstatten ging und die schreibend und lesend Betroffenen auf die Tragweite der sprachlichen Eingriffe erst aufmerksam wurden, als die Mechanismen zwischenstaatlicher Vereinbarungen längst in Gang gesetzt waren, macht einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, daß sich die politisch Verantwortlichen vor dem endgültigen In-Kraft-Treten der neuen Schreibweisen mit berufenen Vertretern aus Wissenschaft und Literatur über eine Reform der Reform verständigen, im Interesse der Sprache und frei von jenem Prestigedenken, das ein als verbesserungsbedürftig Erkanntes nur deshalb festhält, weil es einmal mit erheblichem Aufwand auf den Weg gebracht wurde.

Die Rechtschreibverordnungen des Jahres 1995 haben die deutsche Schriftsprache auf einen Prüfstand gestellt. Als ein am grünen Tisch eingeschränkter Fachkreise projektiertes Vorhaben konnte sie nichts anderes als ein Experiment sein, auf das die Probe öffentlichen Gebrauchs zu machen war; sich zu diesem Experimentcharakter zu bekennen bedeutet nicht, das Experiment für überflüssig zu erklären. Es wird sinnvoll gewesen sein, wenn seine Ergebnisse im Licht einer fünfjährigen Praxis vorurteilsfrei ins Auge gefaßt werden. Die daraus erwachsenden Folgerungen werden den Vorteil haben, bei Jüngeren und Älteren das Sprach- und Schreibbewußtsein geschärft zu haben, wenn man sich zur Revision jener Vorschriften entschließt, die sich als überflüssig oder schädlich herausgestellt haben.

Zur Entlastung derer, die für das Design der Reform verantwortlich waren und selbst vielfach erst anhand der neuen Wörterbücher der Tragweite und der Widersprüchlichkeit ihrer Verfügungen innewurden, läßt sich geltend machen, daß diese vielleicht nur in einem so umfassenden Großversuch auf Sinn und Nutzen geprüft werden konnten. Dabei hat sich ergeben, daß die für den Schulunterricht erhofften Vereinfachungen weitgehend ausgeblieben sind. Alte Regeln, die oft nur deshalb kompliziert schienen, weil die Duden-Redaktionen sich jahrzehntelang dazu verleiten ließen, aus Maßgaben und Richtlinien eine Fülle als bindend ausgegebener Einzelfallentscheidungen abzuleiten, statt in Zweifelsfällen dem Sprachgefühl des Schreibenden den Spielraum eigener Entscheidung freizugeben, – alte Regeln haben sich vielfach als einfacher erwiesen denn die scheinbaren Vereinfachungen, die an ihre Stelle traten. Rechtschreibung nicht induktiv aus der erprobten Übereinkunft von Schreibenden und Lesenden erwachsen zu lassen, sondern deduktiv, von oben herab, zu konstruieren – mit diesem Grundfehler war die Reform von Anfang an behaftet; ihn zu revidieren sollten die staatlich Verantwortlichen denselben Mut und dieselbe Souveränität aufbringen, wie sie sie an Erlaß und Durchsetzung der Reform gewandt haben.

Für diese Revision gibt es zwei Wege. Den einen hat der als Kompromißvorschlag angelegte Entwurf der Rechtschreibkommission der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung beschritten. „Unser Vorschlag“, erklärt er einleitend, „geht angesichts der Lage von der Neuregelung aus und übernimmt von ihr nicht nur, was sinnvoll, sondern auch, was ohne nennenswerten Schaden hinnehmbar ist“. Dazu zählt diese Vorlage insonderheit die Abschaffung des ß nach Kurzvokalbuchstaben. Sie benennt als nicht hinnehmbar jenen Teil der Reform, der mit der Auflösung eigenständiger Wortverbindungen (Univerbierungen) durch ein – im einzelnen inkonsequent gehandhabtes – Gebot der Auseinanderschreibung einen sprachlichen Eingriff vollzogen hat, der sich achtlos über Sinn- wie über Betonungs-unterschiede hinwegsetzt und in der Praxis mehr und mehr dazu führt, daß auch jene Wortverbindungen, die die Reform unangetastet ließ, in Frage gestellt werden, bis hin zur willkürlichen Abtrennung bloßer Vorsilben. Schon stößt man in relevanten Drucksachen auf Schreibweisen wie „Flächen deckend“ statt dem reformdudengerechten „flächendeckend“ und „vor gelagert“ statt „vorgelagert“; wer schreibend zwischen einem frisch gebackenen Brötchen und einem frischgebackenen Ehepaar nicht mehr unterscheiden kann und darf, der wird bald dahin kommen, sich über alle Zusammenschreibungen hinwegzusetzen (hinweg zu setzen!). Am Ende stünde eine Anglisierung der deutschen Schriftsprache, die deren von langer Hand gewachsener Eigenart umfassend Gewalt antäte. Aber auch die Antiquarisierung, die sich als eine andere Tendenz der Reform herausstellte, mit Großschreibung bei adverbialen Bildungen („zu Grunde“, „im Allgemeinen“), Apostrophen bei Namensadjektiven („Goethe’sches Gedicht“) oder der zuletzt im Barock zulässigen Abtrennung einzelner Vokale („A-bend“, „E-sel“), bedeutet ein gewaltsames Zurück-schrauben sinnvoller und eingebürgerter schriftsprachlicher Entwicklungen.

Die Übernahme des Vorschlags der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung durch die staatlichen Instanzen wäre gegenüber der derzeitigen Situation ein bedeutender Fortschritt; sie wäre eine wichtige Maßnahme auf dem Weg zur Wiederherstellung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung. Doch verdienen ernsteste Beachtung auch jene Argumente, die die Rückkehr zu der im Duden von 1991 kodifizierten Orthographie für den einfacheren und sach-, nämlich sprachgemäßeren Weg halten. Er wäre kostensparend (nach Reform-Duden: Kosten sparend), insofern die entsprechenden Druckvorlagen und Schreibprogramme nicht neu gefertigt werden müßten; sie sind alle abrufbereit. Bei einer großzügig bemessenen Übergangsphase wären Verlage, die schon nach den neuen Regeln verfahren, kaum benachteiligt; in den Schulen würde, nun mit anderer Prioritätssetzung, die bisher ja immer noch geltende Koexistenz der beiden Systeme noch für einige Zeit aufrechterhalten, was, richtig angeleitet, Komplikationen beheben und eine Schärfung des orthographischen Bewußtseins befördern würde.

Eine solche ebenso sprachgerechte wie praktikable Lösung bedürfte von seiten der staatlichen Instanzen jenes Freimuts im Umgang mit der eigenen Entscheidung, wie ihn der langjährige bayerische Kultusminister Zehetmair erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt aufgebracht hat. Aber dieser Freimut würde sich lohnen, und nicht nur als die kostengünstigere Variante. Er würde die Folgerung aus der durch einen Großversuch erhärteten Tatsache ziehen, daß es verfehlt ist, Fragen der Sprachkultur übers Knie staatlicher Verfügungen zu brechen. Was Wilhelm v. Humboldt im absolutistischen Preußen „die Grenzen der Wirksamkeit des Staates“ nannte, wäre aus freier staatlicher Einsicht auf einem wichtigen Feld bekräftigt.

Mit freundlichen Grüßen

(gez.) Prof. Dr. Adolf Muschg, Präsident der Akademie der Künste, Berlin
(gez.) Prof. Dr. Herbert W. Roesky, Präsident der Akademie der Wissenschaften in Göttingen
(gez.) Prof. Dr. Clemes Zintzen, Präsident der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz
(gez.) Prof. Dr. Dieter Simon, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
(gez.) Prof. Dr. Wieland Schmied, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
(gez.) Prof. Dr. Heinrich Nöth, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
(gez.) Prof. Dr. Gotthard Lerchner, Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften
(gez.) Prof. Dr. Ingo Zimmermann, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste
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Dominik Schumacher

übrigens heiße ich wirklich Norbert Lindenthal

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