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Warum Deutsch so leicht zu lernen ist:
Der Schritt fahrende Mann fährt Schritt.
Der Schrittfahrende ist am Schrittfahren.
Das war einfach, aber jetzt über Kreuz:
Der Schrittfahrende fährt Schritt.
Der Schritt fahrende Mann ist am Schrittfahren.
In der Schule habe ich Deutsch nie gemocht; das lag wohl an den Lehrern. Nur einer konnte gut erklären, der war auch Griechisch- und Lateinlehrer. Jetzt amüsiert mich diese Sprache, denn sie ist ein wirkliches und deshalb erhaltenswertes Unikat, was Wortbildung, Grammatik und Rechtschreibung betrifft (die Wortwurzeln sind natürlich indogermanisch).Henning Upmeyer Sonntag, 10.11.2002
Die bereiwillig spendenden Schülereltern
Als man den Schülereltern erzählt hat, die reformierte Rechtschreibung sei einfacher und fehlerfreier, haben sie sofort viel Geld für neue Bücher gespendet.
Wenn man ihnen erklären würde, die bisherige Rechtschreibung sei doch leichter und fehlerfreier, würden sie sofort wieder viel Geld für neue Bücher spenden.
(Selbst schuld, daß sie die alten nicht für alle Fälle vorsichtshalber aufgehoben haben.)
Die Schülereltern glauben alles, was angeblich für ihre Kinder gut sein soll. Der Ernstfall, die Benotung nur noch nach den neuen Regeln, wurde ja noch nicht geprobt.
Im übrigen: Bestimmen eigentlich die Lehrer mehrheitlich, was das ganze Volk tun soll?Henning Upmeyer Sonntag, 10.11.2002
Nachdruck des letzten vorreformerischen Dudens
Falls er als Fan-Artikel Liebhaberpreise erbringen würde, könnte man der Chinesen-Mafia einen guten Geschäftstip geben: Sie könnte ihn in China photomechanisch vom Original nicht unterscheidbar nachdrucken lassen und über Polen oder die Slowakei einschmuggeln.
Klassisches Beispiel für photomechanischen Nachdruck: August Leskien, Handbuch der altbulgarischen (altkirchenslavischen) Sprache. Ein wichtiges Lehrbuch für Slavisten.
Klassisches Beispiel für Bücherschmuggel: Nachdem der russische Zar in Litauen die lateinische Schrift verboten hatte, wurde die litauische Literatur in Polen in lateinischer Schrift gedruckt und durch Bücherträger eingeschmuggelt. Ein ertragreiches Geschäft.Henning Upmeyer Freitag, 8.11.2002
Wer ist in Deutschland die Öffentlichkeit?
Darüber sollte dringend öffentlich nachgedacht werden.
In Bezug auf die Rechtschreibreform haben sich als angebliche Öffentlichkeit bereits selbst disqualifiziert:
die meisten Zeitungen, das Fernsehen, ausnahmslos alle Politiker (ausnahmslos, seit Frau Hildegard Hamm-Brücher ihnen nicht mehr das Grundgesetz um die Ohren schlagen kann), die meisten Wissenschaftler, viele Schriftsteller, usw.Henning Upmeyer Donnerstag, 7.11.2002
Griechisch-deutsches Wörterbuch von 1884
Griechisch-deutsches Wörterbuch von Karl Jacobitz und Ernst Eduard Seiler, Dritte sehr vermehrte und mehrfach umgearbeitete Auflage, Leipzig, 1884, Verlag der J. C. Hinrichsschen Buchhandlung, 2006 Seiten
Fraktur-Ligaturen:
ch; ck; ff; fl; ll; ss aus zwei Lang-s; st aus Lang-s und t; ß eindeutig als sz aus Lang-s und z; tz.
Das z hat in der Ligatur mit t eine kleinere Unterlängen-Schleife als als Einzelbuchstabe und in der Ligatur mit Lang-s keine Unterlängen-Schleife. Alle diese z stehen in der gleichen Höhe.
Auffällige Schreibweisen in den deutschen Texten:
interessirt, copirt, synkopirt, integrirend, basirt, etymologisiren,
Verständniß, Verzeichniß, Bedürfniß,
Inconsequenzen, Citate, Doppelconsonant, Commentator, Proceß, Accent,
zuvörderst,
seltner,
theuere,
noch sonst Jemand,
ist Folgendes zu erwähnen,
ohne Weiteres,
bei Seite geworfen,
zu Theil geworden, nicht mehr Theil nehmen,
Dagegen sind die Eigennamen eingereiht worden, jedoch nur, in so weit als sie sicher stehen ...,
die gelesensten Autoren,
das Durchgeseihete,
Willkühr,
Jede Menge Dativ-Endungs-e,
daß-Sätze mit dem Konjunktiv,
Erweiterte Infinitivsätze sind nicht durch Komma abgetrennt.Henning Upmeyer Donnerstag, 31.10.2002
Sprachgebrauch nach der Rechtschreibreform
Ich denke, daß Germanistikprofessoren sich beim Thema Rechtschreibreform nicht für die Lehrbarkeit der deutschen Sprache interessieren, sondern für die Veränderung der Sprache durch äußere Einflüsse. Daher bringt es etwas, wenn man den Professoren Nachweise bringt für negative Veränderungen des Wortschatzes und des Satzbaues durch die Rechtschreibreform und sie diese Veränderungen öffentlich dokumentieren, vielleicht in Form einer Vorlesung Sprachgebrauch nach der Rechtschreibreform. (Beispiel: Es gibt nur noch die Bezeichnung warm laufen statt der bisher allgemein bekannten ganz verschiedenen Betriebszustände warmlaufen und warm laufen.)
Z.B. untersucht Prof. Horst Dieter Schlosser an der Uni Frankfurt (der Unwort-Sammler) die Einflüsse der jeweiligen Zeit und Regierungsform auf die Alltagssprache der Bevölkerung und hält darüber Vorlesungen, im Sommersemester 2002 über Sprachgebrauch unter der NS-Diktatur. Auch in diesem Fall gab es zur Vorlesung ein gutes Skriptum. Prof. Schlosser vergibt Prüfungsthemen über die Auswirkungen der Rechtschreibreform und hat eine Magisterarbeit darüber schreiben lassen.
Aus alledem läßt sich ein Gesamtbild zusammenfügen über die schädlichen Nebenwirkungen der Rechtschreibreform, die nur die Schreibschwierigkeiten der Schüler heilen sollte.
Die Abteilung Horch und Guck der Reformgegner sollte auch die Unis beobachten und dort Informanten anwerben.Henning Upmeyer Mittwoch, 30.10.2002
Die Adjektivgruppe wieder...bar, wobei für ... einige Verbstämme eingesetzt werden können
Aus Fleischer/Barz, Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache:
Das Suffix -bar
Mit dem Suffix -bar (aus dem alten Verbaladjektiv vom ahd. Verb beran tragen, -bari, mhd. -baere) fungiert heute das produktivste Modell deverbaler Adjektivbildung. Es bereichert die Möglichkeiten passivischer Ausdrucksweise und ist in erster Linie ein Modell zur Bildung syntaktischer Alternativkonstruktionen, weniger zur Bereicherung des Wortschatzes.
Folgende Adjektivschreibungen habe ich im Duden, Bertelsmann und Wahrig und in Prof. Icklers Wörterbuch, Kritischem Kommentar und Die sogenannte Rechtschreibreform nicht gefunden:
Oder sind weiterhin beide bedeutungsverschiedene Schreibweisen erlaubt?
wiederaufarbeitbar oder wieder aufarbeitbar?
wiederaufbaubar oder wieder aufbaubar?
wiederaufbereitbar oder wieder aufbereitbar?
wiederaufführbar oder wieder aufführbar?
wiederaufnehmbar oder wieder aufnehmbar?
wiederaufrichtbar oder wieder aufrichtbar?
wiederbelebbar oder wieder belebbar?
wiederbeschaffbar oder wieder beschaffbar?
wiederbeschreibbar oder wieder beschreibbar?
wiedereinführbar oder wieder einführbar?
wiedereingliederbar oder wieder eingliederbar?
wiedereinsetzbar oder wieder einsetzbar?
wiedererkennbar oder wieder erkennbar?
wiedererlangbar oder wieder erlangbar?
wiedererweckbar oder wieder erweckbar?
wiedererzählbar oder wieder erzählbar?
wiederfindbar oder wieder findbar?
wiedergewinnbar oder wieder gewinnbar?
wiedergutmachbar oder wieder gutmachbar?
wiederherrichtbar oder wieder herrichtbar?
wiederherstellbar oder wieder herstellbar?
wiedeholbar oder wieder holbar?
wiederinstandsetzbar oder wieder instandsetzbar?
wiederverkaufbar oder wieder verkaufbar?
wiederverwendbar oder wieder verwendbar?
wiederverwertbar oder wieder verwertbar?
wiederwählbar oder wieder wählbar?Henning Upmeyer Dienstag, 29.10.2002
Die neue Getrenntschreibung: mißverständliche Gerätebeschreibung: wieder beschreibbar oder wiederbeschreibbar?
Aus: TV TODAY DVD SPECIAL, DVD-Recorder:
... das DVD+RW-Format ...: Die Scheiben sind wieder beschreibbar ...
... das DVD-RAM-Format ...: Die DVD-RAM-Discs sind ebenfalls wieder beschreibbar ...
... das DVD-RW-Format ...: Die Rohlinge können mehrfach bespielt werden ...
... die DVD-R- und DVD+R-Formate ...: Die Discs sind nur einmal beschreibbar ...
Die Scheiben sind wieder beschreibbar ...
Waren sie es schon früher mal und dann nicht mehr und sind es jetzt wieder?
Den Sinn aus dem Zusammenhang erkennen heißt jetzt wohl, den ganzen Artikel erst zu Ende lesen müssen, um einen Satz am Anfang richtig zu verstehen. Der Leser wird versitzflächt.
In der Technik sind bedeutungsunterscheidende Unterscheidungsschreibungen notwendig.
Die Hersteller sollten mögliche Mißverständnisse im eigenen Interesse ausschließen.
Wäre wiederbeschreibbar nach dem neuesten Duden wieder erlaubt?Henning Upmeyer Montag, 28.10.2002
Montag, 28.10.2002
Die Steigerung zusammengesetzter Adjektive: Eine Aufgabe für eine deskriptive Grammatik
Deutsche Schulgrammatik von 1952:
Die Steigerung der Adjektive, die aus Adverb + Partizip zusammengesetzt sind:
a) Wenn die Teile eines zusammengesetzten Adjektivs eng miteinander verschmolzen sind und dadurch ein neuer Begriff entstanden ist, wird das Grundwort gesteigert.
b) Ist die Verbindung der beiden Teile lockerer, so wird derjenige Teil gesteigert, dessen Begriff eine Steigerung erfahren soll.
c) Gelegentlich schwankt der Gebrauch.
Der Kleine Duden, Deutsche Grammatik, von 1988:
Wenn zusammengesetzte Adjektive gesteigert werden, erhält nur ein Bestandteil die Steigerungsendung -er bzw. -st.
Der erste Teil, das Bestimmungswort, wird gesteigert, wenn beide Glieder noch ihre eigene Bedeutung bewahrt haben.
Dagegen wird das Grundwort in die Steigerungsform gesetzt, wenn die Zusammensetzung einen einheitlichen, neuen Befriff bildet.
Aber wer ist berechtigt, festzustellen, ob ein einheitlicher, neuer Begriff entstanden ist?
Die Wörterbuchmacher, die nur die Rechtschreibung festhalten sollen?
Die amtliche neue Rechtschreibung hat sich zur Aufgabe gemacht, gewachsene einheitliche neue Begriffe durch die Getrenntschreibung wieder zu zerstören.
Die Linguisten, die die Wortbildung beobachten und dokumentieren?
Die neue Rechtschreibung sabotiert diese Forschungsarbeit.
Die Grammatiker, weil die Steigerung ein Gebiet der Grammatik ist?
Auch hier pfuscht die neue Rechtschreibung hinein.
Also muß der mehrheitliche Sprachgebrauch entscheiden.
Daraus folgt, daß auch die Weiterentwicklung der Grammatikregeln sich nach dem mehrheitlichen Sprachgebrauch richten sollte.
Dazu ist eine deskriptive Grammatik des aktuellen mehrheitlichen Sprachgebrauchs nötig.
Das ist die nächste notwendige große Aufgabe.
Dabei wird sich auch herausstellen, daß viele alte Zöpfe gar nicht mehr im Sprachgebrauch sind und höchtens noch im Schulunterricht existieren, weil Deutschlehrer noch darauf bestehen.Henning Upmeyer Montag, 21.10.2002
Eindeutschen von angelsächsischen Fremdwörtern
Warum sollen wir in die germanische Sprache Deutsch die englschen normannofranzösischen Schreibweisen -le, -our, -ough usw. statt der amerikanischen -el, -or, -u usw. übernehmen?
Die normannofranzöschischen Schreibweisen wurden den Engländern durch die Eroberer aufgezwungen und sind nur die letzten Reste von deren Sprache, die nicht einmal richtiges Französisch, sondern nur der damalige Dialekt der Normandie war.
Die Amerikaner haben diese Schreibweisen richtigerweise germanisiert. Danach sollten wir uns richten.Henning Upmeyer Freitag, 18.10.2002
Das Chaos durch die ß / ss - Problematik ist geplant! Warum nun, das steht hier...
Das Chaos durch die ß / ss - Problematik ist geplant!
Warum, ganz einfach. Es gibt eine Regel, die besagt,
dass alles behindert werden soll, was im Lande des Feindes gut ist.
Diese Regel ist eine von 10 Regeln, die Johann Adam Weishaupt
( 1748 Ingolstadt ? 1830 Gotha ), der Gründer der Illuminati aufstellte
und ein Herr Rothschild übernahm.
Deshalb musste die unsinnige Rechtschreibreform auf Anweisung von Leuten realisiert werden,
die mehr Verwirrungen als Erleichterungen uns und vor allem unseren Kindern beschert hat.
Wie schreibt man Fluß, mit ß, mit ss, das ist die Frage und das ist gewollt.
Erstens, um die Verlage zu fördern, die gewissen Leuten ausnahmslos gehören.
Zweitens, um Humankapital zu vergeuden und damit die Wirtschaftskraft zu schwächen.
Drittens, hochbezahlte Professoren und Lehrer zu binden und deren Schaffenskraft lahmzulegen.
Wer mehr zu der Destabilisierung unseres Landes erfahren möchte, der möge hier, unter
http://www.bund-fuer-echte-demoktatie.de
oder
http://www.bfed.de
im Internet nachlesen, warum wir für eine echte Demokratie kämpfen.
Norbert Steinbach, 56 Jahre, Dipl. Ing. für Nachrichtenwesen aus Vellmar bei Kassel,
Tel.: 0561 / 820 20 277, info@bfed.de
.
Norbert Steinbach ( 56 ) Spohrstrasse 9, 34246 Vellmar bei Kassel info@bfed.de Mittwoch, 16.10.2002
Zeitungen
Brauchen wir Zeitungen mit so schlechtem Deutsch?
Muß man mit ihnen gar Mitleid haben?
Vielleicht überleben die mit dem guten Deutsch. Ich würde es ihnen wünschen.H. U. Montag, 14.10.2002
Aus Politik und Zeitgeschichte
Allen, die sich für Bildungssysteme interessieren, sei die neueste Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament vom 14. Okt. 02 Aus Politik und Zeitgeschichte empfohlen:
Teile:
Die PISA-Studie: Konsequenzen und Empfehlungen für Bildungspolitik und Schulpraxis
Die Halbtagsschule in Deutschland: Ein Sonderfall in Europa?
Aufbruch in Rheinland-Pfalz: Zum Stand des geplanten Ausbaus der Ganztatagsschule
Ganztagsschule mit Tradition: Frankreich
Finnisches Bildungswesen und Familienpolitik: ein leuchtendes Beispiel?H. U. Montag, 14.10.2002
Wem gehört die Sprache?
Die Sprache gehört dem Volk und den Dichtern.
Die Wissenschaftler dürfen sie nur untersuchen, aber nicht verändern.Henning Upmeyer Sonnabend, 12.10.2002
Allgemein bildende Schulen = Schullektüre-Ausschlüsse
So wird der Unterschied zwischen den früheren allgemeinbilden Schulen und den jetzigen allgemein bildenden Schulen ganz deutlich:
Allgeinbildend bedeutete, daß früher die bedeutende zeitgenössische Literatur in der Schule wenigstens in charakteristischen Auszügen gelesen und besprochen wurde.
Allgemein bildend bedeutet, daß jetzt die bedeutende zeitgenössische Literatur, die nicht auf Reformschreibung umgstellt werden darf, in der Schule auch nicht mehr in Auszügen gelesen werden darf und folglich auch nicht mehr besprochen werden kann.
Deutsche Schüler müssen dann erst von ausländischen Schülern über die zeitgenössische Literatur aufgeklärt werden.
An den Universitäten müssen im Fach Germanistik für alle deutschen Studienanfänger Nachhilfekurse über deutsche zeitgenössische Literatur eingerichtet werden, weil sie sonst gegenüber ausländischen Germanistikstudenten Wissenslücken haben.
Ob die Professoren das gut finden? Aber sie schweigen wohl auch dazu.
Die betroffenen Autoren dürfen sich als Dissidenten betrachten.
Wenn auch die Verlage sie ausschließen, müssen sie ihre Literatur als Samistad veröffentlichen. Parallelen mit den früheren Ostblockverhältnissen sind durchaus zulässig. Die DDR lebt weiter.Henning Upmeyer Freitag, 11.10.2002
Externe Setzereien
Wenn nur Standardrechtschreibprogramme verwendet werden und gezielte Eingriffe nicht erfolgen, können auch Setzereien in der Slowakei oder China beauftragt werden. Der Setzer braucht kein Deutsch können.
H. U. Donnerstag, 10.10.2002
Reform-Schriftdeutsch ist nur eine Schul-Fachsprache
Seit 1998 gibt es Schriftdeutsch nur noch in Form von Fachsprachen:
Die Fachsprache der Zeitungen, das Zeitungsdeutsch, ist die qualitätsmäßig schlechteste, weil sie nach alter und neuer Schreibweise sehr fehlerhaft ist. Zeitungsdeutsch ist ein Schimpfwort.
Die Fachsprache Kinder- und Jugendbuchdeutsch, die sich in etwa nach der reformierten Schreibweise richtet, ist die zweitunterste Qualitätsstufe, weil sie viele Fehler aufweist. Sie findet sich nur in diesen Büchern, nicht in den Büchern für Erwachsene (die sind in Literaturdeutsch).
Die Fachsprache Schuldeutsch ist das reformierte Schriftdeutsch, das die Lehrer unterrichten sollen. Dabei ist die Befürwortung der Reformschreibung umgekehrt proportional zu den Kenntnissen über diese: Befürwortung = 1 / Kenntnis. Diese Formel gilt auch für die Politiker und Minister und den Bundespräsidenten. Ausnahmen höchstens bei denen, die damit Geld verdienen, und das erweist sich immer mehr als der Sinn der ganzen Sache.
Ein Widerspruch in sich sind die germanistischen Fachbücher über die deutsche Wortbildung, die zwar pro Forma in Reformschreibweise gedruckt sind, in denen aber alle Beispiele in klassischer Schreibweise stehen, weil nur diese die Gesetzmäßigkeiten der deutschen Wortbildung richtig darstellt. In Reformschreibweise würden die Wortbildungsbeispiele den Ausführungen im Text widersprechen und wären unglaubwürdig und teilweise grammatisch falsch. Die Reformschreibweise widerspricht der deutschen Wortbildung. Die meisten Deutschlehrer merken das gar nicht, und im Unterricht kommt Wortbildung kaum vor, jetzt wohl erst recht nicht mehr.
Die traditionsreiche Fachsprache Juristendeutsch ist gerade von der Bundesjustizministerin zerstört und auf die Reormschreibung umgestellt worden. Es ist gut, daß sie gehen mußte.
Die Fachsprache Ingenieurdeutsch versucht verzweifelt, ihre althergebrachten Fachausdrücke zu retten, die von den Rechtschreibkorrekturprogrammen laufend zerstört und verfälscht werden.
Die Fachsprache klassisches Schriftdeutsch wird weiter von der überwiegenden Mehrheit der Normalbürger benutzt, die sich sehr ärgern, wenn ihre Leserbriefe in den Zeitungen durch Reformschreibung verfälscht werden. Sie betrachten das als Zensur.
Die Fachsprache Literaturdeutsch ist die der lebenden deutschsprachigen Autoren wie Günter Grass und Vergleichbaren, die die Verfälschung ihrer Werke durch die Reformschreibung verweigern, und die oberste Qualitätsstufe der deutschen Schriftsprache. Daher werden in ihr weiterhin die meisten Bücher für Erwachsene gedruckt. Die Schüler müssen sie dann neu lernen.Henning Upmeyer Donnerstag, 10.10.2002
Sticker zählen
Hallo
Einladung zu
Kunst bevor der Bagger kommt!
Samstag und Sonntag ab 11°° in der Plooheide Sonsbeck
01 62 / 85 66 32 5 http://www.braunsonsbeck.de
(Bitte je ein E-Mail an euere besten Kunstfreunde senden)
Bernhard Braun 47665 Sonsbeck braunsonsbeck@aol.com Dienstag, 8.10.2002
Dienstag, 8.10.2002
Fachsprachliche Wörter
Wer entscheidet, welche Wörter fachsprachlich sind und daher nicht der Getrenntschreibung durch die Rechtschreibreform unterliegen?
Die alleinerziehende Mutter ist ebenso ein Fachausdruck wie das schwerbehinderte Kind.Henning Upmeyer Dienstag, 8.10.2002
Untenliegende und obenliegende Nockenwellen
In der SZ v. 5.10.02 auf der Automobilseite über den Mercedes 300 SL:
eine unten liegende Nockenwelle ... mit oben liegender Nockenwelle
Laut Duden jetzt richtig, aber ein typisches Beispiel, daß in Fachsprachen zusammengesetzte Partizipien, zu denen es keine zusammengeschriebenen Infinitive gibt, wenn keine Tätigkeiten, sondern Zustände beschrieben werden, zu selbständigen Verbaladjektiven mit den vollen Eigenschaften von Adjektiven geworden waren und daß die Reformschreibung solche gewachsenen uralten Fachausdrücke vernichtet.
Im Motorenbau waren die untenliegende Nockenwelle und die obenliegende Nockenwelle seit langer Zeit feste und eindeutige Bezeichnungen. In den Wörtern untenliegend und obenliegend ist das Wesentliche die Betonung auf unten bzw. oben.
Aus unten liegend und oben liegend könnten Laien schließen, daß es auch unten oder oben stehende Nockenwellen geben könnte oder solche, die an ihrem unteren oder oberen Ende liegen. So müssen auch die dafür verantwortlichen Germanisten gedacht haben. Einer gut verständlichen technischen Beschreibung kann jetzt nichts Schlimmeres passieren, als daß sie von technischen Laien oder einem Rechtschreibprogramm überarbeitet wird.Henning Upmeyer Montag, 7.10.2002
Donnerstag, 3.10.2002
Ukrainische Grammatik
Zufällig lerne ich seit zwei Jahren als weitere slavische Sprache Ukrainisch. Es ist eigentlich eine Mischform zwischen Polnisch und Russisch, das ist geschichtlich bedingt. Ich habe zwei Grammatikbücher: Jaroslav Runyckyj, von 1992 und Svetlana Amir-Babenko, von 1999. In den Grammatikformen sind zahlreiche Unterschiede, und die Ukrainischlehrerin bestätigte, daß die Grammatik sich noch entwickelt und nicht amtlich festgeschrieben ist. Das kann ein Vorteil sein, weil viele historische Formen entfallen, die z.B. das Polnische und das Tschechische sehr erschweren, im Gegensatz zur slovakischen Grammatik, die erst 1918 festgeschrieben wurde und die einfachste von allen slavischen Sprachen ist.
Henning Upmeyer Mittwoch, 2.10.2002
Die Schulen und die lebenden deutschen Autoren
Die lebenden deutschen Autoren, die ihre Werke nicht durch die Reformschreibung verfälschen lassen wollen, werden bekanntlich in den Schulen nicht mehr gelesen.
Ich halte das für Zensur. Wir haben mit der Wiedervereinigung einiges aus der DDR mitübernommen, dessen wir uns erst allmählich bewußt werden.
Es ist etwa dasselbe, wie wenn der Geschichtsunterricht beim ersten Weltkrieg endet.
Im übrigen bestätigen die Politiker selbst die Meinung, daß mit vernünftigen Argumenten überhaupt nichts erreicht werden kann, sondern erst mit Riesen-Demos und Straßenschlachten mit der Polizei. Die Presse berichtet sowieso erst dann darüber, und was nicht in der Zeitung steht oder im Fernsehen berichtet wird, gibt es nicht.Henning Upmeyer Mittwoch, 2.10.2002
Dur, Moll, Äther, Ether, Oxyd, Oxid
Dur: von lat. durus hart; substantiviert: in Dur
Moll: indogermanische Wurzel (s)mel- zerreiben, zermahlen, mahlen
davon u.a. lat. mollis weich, sanft, mild; substantiviert: in Moll
Äther: indogermanische Wurzel *aidh- brennen, glühen;
altgriech. aithein brennen, glühen, leuchten; aithär das Brennende, Glühende, Leuchtende, Himmel, Äther, Luft;
lat. aestus Glut, Hitze
Ether: von den Chemikern als internatione rein chemische Bezeichnung durchgesetzt
Oxyd: altgriech. oxys scharf, spitz, sauer; vgl. Oxymoron
aus franz. oxyde und oxyder entlehnt
Oxid: von den Chemikern als internationale chemische Bezeichnung durchgesetztHenning Upmeyer Dienstag, 1.10.2002
Verben der Bewegung mit Akkusativobjekten
fahren ist transitiv oder intransitiv, je nachdem, ob man ein Fahrzeug aktiv steuert oder passiv mitbenutzt.
das Rennen fahren bzw. laufen, einen Weg gehen, die Bahn schwimmen, usw., meist Sportausdrücke, mit oder ohne Objekt gebräuchlich.
Andere Verben können als Verben der Bewegung benutzt werden.
Um einen Vergleich mit den slavischen Sprachen zu benutzen (die ja auch zur indgermanischen Sprachfamilie gehören und einen etwas älteren Entwicklungszustand aus der gemeinsamen Wurzel zeigen): Objekte und Präfixe machen aus einer unbestimmten Bewegung eine betimmte.Henning Upmeyer Dienstag, 1.10.2002
Ihr lernt Blödsinn nach Vorschrift
Werden die Schüler eigentlich psychologisch und dialektisch darauf vorbereitet, daß sie außerhalb der Schule von der überwiegenden Mehrheit der Erwachsenen gesagt bekommen: Ihr lernt Blödsinn nach Vorschrift ? Oder wissen sie als Antwort nur Dafür werden keine Rechtschreibfehler mehr gewertet ? Aber gilt das auch für die Arbeitgeber bei Bewerbungen ?
Henning Upmeyer Montag, 30.Sep.2002
Nachtrag: wichtige Stichworte im Beitrag von H.-Ch. Weißker
Weitere wichtige Sichworte:
Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit für die Beurteilung der Leistungen von Mitgliedern der eigenen Gruppe und von Nichtmitgliedern.
Unterscheidung zwischen Intelligenz und Rechtschreibfähigkeit.Henning Upmeyer Montag, 30.Sep.2002
Am 27.9. hier verschwunden: Lob für Hans-Christian Weißker
Ich möchte auch an dieser Stelle auf den hervorragenden Beitrag des Jenaer Physikers Hans-Christian Weißker aufmerksam machen, den (den Beitrag) Herr J.-M. Wagner dankenswerterweise am 26.9.im Forum zugänglich gemacht hat:
Die Rechtschreibreform und einige ihrer Argumente
Der Beitrag bestätigt meine (als Dipl. Ing. Univ. der Elektrotechnik)schon bisher bestehende Meinung, daß die deutsche Sprache ein viel zu wertvolles Gut ist, um sie allein den Germanisten und Deutschlehrern zu überlassen, und daß für sie auch naturwissenschaftliche Beobachtungsweisen und Untersuchungsmethoden notwendig sind.
Wichtige Stichworte in dem Beitrag:
Funktionieren der wissenschaftlichen Kommunikation nur auf der Grundlage einer entwickelten und lebendigen Sprache.
Bedeutung eines gemeinsamen Wortschatzes für die interpersonelle Kommunikation.
Dinge, die nicht vereinfacht werden können; Vergleich mit der Konstanten Pi.
Mustererkennung beim Lesen.
Strukturen einer lebenden und sich entwickelnden Sprache.
Sprachliche Identität und die kulturelle Geschlossenheit des deutschen Sprachraumes.
Freier Wettstreit der Ideen.
Vergleich mit der Physikdidaktik.
Verantwortungsbewußtsein für das selbstorganisierende Ökosystem Sprache.Henning Upmeyer Montag, 30.Sep.2002
Liest der Bundespräsident Zeitungen?
Entweder liest der Bundespräsident nur die FAZ oder er läßt sich vorlesen. Sonst müßte er die Tatsache bemerken, daß die deutsche Schriftsprache in den Zeitungen den Bach runtergeht. Wenn man Deutschland im Ausland vertreten will, darf man am Niedergang der deutschen Schriftsprache nicht vorbeisehen. Da sie bisher ein Teil der deutschen Kultur war, hat auch die deutsche Kultur (und die österreichische und schweizerische) Schaden genommen. Wie will man das im Ausland vertreten? Da man dieses neue Schriftdeutsch dort nicht vorzeigen kann, werden noch mehr Deutsche gleich in Englisch veröffentlichen. Andere Länder lassen ihre Sprache nicht mutwillig verhunzen.
Henning Upmeyer Sonntag, 29.Sep.2002
Gruesse aus Nikolaev*!
Die Ukraine ist ein Musterbeispiel dafuer, dass der Partei-Kommunismus vor der Perestroika h i e r seine Berechtigung hatte. Nach Gorbatschov ist das Land regelrecht auseinandergefallen, die Leute lesen kaum noch, in den letzten 10 Jahren haben 10 von 55 Mill. Leuten das Land verlassen. Derzeit geht, mit Ausnahme der Landwirtschaft, alles den Bach runter. Akademiker, Lehrer, die auf den Maerkten alles moegliche verkaufen, Kuerbiskerne, (leere!) Flaschen, undefinierbares Bratzeug (Gaensefleisch??), usw.
Intercitys: Ja, einmal pro Tag, mit 60 kmh - absolute Hoechstgewindigkeit. Dafuer gibt es immerhin heissen Tee, und man lernt im Zeitlupentempo Land und Leute kennen.
Was tun? Keine Ahnung. $$ jedenfalls helfen nicht, auch vom maennlichen Teil der Bevoelkerung ist nichts Enscheidendes zu erwarten. Und Frauen, die etwas koennen, haben hier nichts zu sagen.
Natuerlich denke ich auch hier ab und zu daran, was man in Deutschland so treibt. Gern wuerde ich z. B. einmal eine Kopie des letzten Exemplars des Rustschen Reformansatzes in die Hand bekommen...
Matthias Draeger MD, St. Goar reichl-verlag@telda.net Sonntag, 29.Sep.2002
Wo ist der Eintrag vom 27.9.02 geblieben?
Oder hat es ihn nie gegeben?
Ich erinnere mich anders.H.U. Sonntag, 29.Sep.2002
Zuerst stirbt die Rechtschreibung und danach die Grammatik
Gelesen in der Südd. Zeitg v. 26. Sept. 02, Feuilleton, Runter vom Leuchtturm, Bayerns Kultusminister Zehetmair über ein Bundeskulturministerium:
Hans Zehetmair: Das Amt des Bundeskulturbeauftragten ist überflüssig, wenn die Bundesregierung so weiter macht wie in den vergangenen vier Jahren.
machen und weiter machen verlangen ein Akkusativobjekt, was gemacht oder weiter gemacht wird.
weitermachen, wie es auch der Duden vorschreibt, braucht keines.
Beide Aussagen sind umkehrbar: mit Objekt Getrenntschreibung, ohne Ojekt Zusammenschreibung.
Da hier keines vorgesehen ist, ist die SZ-Schreibweise falsch.
Dazu eine Scherzfrage: Ist ein Bundeskulturminister ein Minister für Bundeskultur? Was ist dann eine Bundeskultur?
Bei drei- und mehrelementigen Substantivkompositionen sollten Gelegenheitsverbindungen durch einen Bindestrich von lexikalisch festen Verbindungen unterschieden werden: Bundes-KulturministerHenning Upmeyer Donnerstag, 26.Sep.2002
ß als Großbuchstabe
Ich erinnere mich ganz genau, weil ich mich damals sehr darüber gewundert habe, daß wir in der Grundschule gleich nach dem Krieg einige Schul-Landkarten hatten (die großen, die vor der Klasse an die Tafel gehängt werden), auf denen in Überschriften mit Großbuchstaben für ß SZ gedruckt war. Möglicherweise oder sehr wahrscheinlich waren es Bestände aus dem GROSZDEUTSCHEN REICH. Diese Schreibweise war wohl nur sehr vorübergehend (während des Tausendjährigen Reiches) üblich und wurde danach wieder aufgegeben.
Henning Upmeyer Mittwoch, 25.Sep.2002
Er schwieg viel sagend
In der Fernsehberichterstattung zur Bundestagswahl wurde erwähnt, daß die meisten Regierungschefs Gerhard Schröder mehr oder weniger enthusiastisch zur Wiederwahl als Bundeskanzler gratulierten, »nur US-Präsident Bush schwieg vielsagend«, wie es in einem Kommentar hieß.
In der neuen Schreibweise müßte es, wenn ich es richtig sehe, wohl heißen: »Er schwieg viel sagend«.
Was für ein unglaublicher Schwachsinn, der einem durch die Anwendung der sogenannten neuen »Recht«schreibung beschert wird! ...
Einmal abgesehen von dem Umstand, daß das Verhalten der US-Regierung zum Nachdenken Anlaß gibt, frage ich mich allen Ernstes, wie jemand viel sagend schweigen kann ...
Soll das irgendein geheimnisvolles Paradoxon sein oder ein besonders tiefsinniges Oxymoron? Oder ist es ganz einfach eine von zahlreichen unfreiwilligen Stilblüten, die uns die sogenannte »Recht«schreibreform inzwischen beschert hat?
Letzteres dürfte zutreffend sein.
Nicht die Richtigschreibung der deutschen Sprache wird durch diese Reform vereinfacht, sondern die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten werden durch sie eingeschränkt.
Ich bin davon überzeugt, daß sich die Folgen der Reform spätestens in einigen Jahren noch bitterlichst offenbaren werden.
Darum und immer wieder:
Weg mit dieser Schwachsinnsreform!!!
Niemand braucht sie. Niemand will sie.Thomas Rhaire Hamburg Thomrhai@gmx.de Mittwoch, 25.Sep.2002
Noch ein Tabu-Thema in Deutschland
Wenn Politiker wieder einmal öffentlich vor Volksbegehren und Volksentscheiden warnen, ist es für die Zeitungen ein Tabu-Thema, daß Volksentscheide ja gar keine bleibende Wirkung haben und schon wenig später vom Parlament aufgehoben werden können, wie 1999 in Schleswig-Holstein nach dem erfolgreichen Volksentscheid gegen die Rechtschreibreform geschehen. Vielmehr sollen sie verhindert werden, weil sie öffentlich beweisen würden, daß die Bevölkerungsmehrheit mit Entscheidungen ihrer gewählten Vertreter nicht einverstanden ist und daß diese gegen den mehrheitlichen Volkswillen regieren, wie es jetzt bei der Rechtschreibreform geschieht, was die Allensbach-Umfrage ganz klar und eindrucksvoll bewiesen hat. Deswegen auch die Bezeichnungen Plebiszit, in dem das abwertende Wort Plebs für Volk steckt, und Populismus, der an das Wort Pöbel denken lassen soll.
Henning Upmeyer Dienstag, 24.Sep.2002
Sonntag, 22.Sep.2002
Sonnabend, 21.Sep.2002
Sonnabend, 21.Sep.2002
Sonnabend, 21.Sep.2002
Nett !
Nette Seite !
die Sröberkiste http://www.diestoeberkiste.de Sonnabend, 21.Sep.2002
Sonnabend, 21.Sep.2002
Sonnabend, 21.Sep.2002
Wahl 2002
Ein Kanzlerkandidat, der den geregelten Atomausstieg wieder rückgängig machen will, einem rechtspopulisten Haider in Österreich persönlich zum Wahlsieg gratuliert, gegen Minderheiten hetzt, verbrecherische Machenschaften von Herrn Koch und Kanther in Hessen billigt (Spendenaffäre/O-Ton: Es handelt sich bei den Gelder um jüdische Nachlässe aus der Schweiz) und sich darüber hinaus dafür einsetzen will grundlegende demokratische Instituionen wie unseren Bundesrat aufzuweichen, kommt nach 57 Jahren bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung zwar wieder ganz gut an, ist aber von jedem
demokratisch, fortschrittlich und weltoffen denkendem Menschen abzulehnen.Michael Mertensen Sonnabend, 21.Sep.2002
Beitrag Wahl 2002
Hat der irgendetwas mit Rechtschreibung oder deutscher Sprache oder Sprache im weitesten Sinne zu tun?
Nach meiner ganz persönlichen Meinung sollten völlig themafremde Beiträge wohl besser gelöscht werden.Henning Upmeyer Sonnabend, 21.Sep.2002
Wahl 2002
Ein Kanzlerkandidat, der den geregelten Atomausstieg wieder rückgängig machen will, einem rechtspopulisten Haider in Österreich persönlich zum Wahlsieg gratuliert, gegen Minderheiten hetzt, verbrecherische Machenschaften von Herrn Koch und Kanther in Hessen billigt (Spendenaffäre/O-Ton: Es handelt sich bei den Gelder um jüdische Nachlässe aus der Schweiz) und sich darüber hinaus dafür einsetzen will grundlegende demokratische Instituionen wie unseren Bundesrat aufzuweichen, kommt nach 57 Jahren bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung zwar wieder ganz gut an, ist aber von jedem
demokratisch, fortschrittlich und weltoffen denkendem Menschen abzulehnen.Michael Mertensen Sonnabend, 21.Sep.2002
Wahl 2002
Ein Kanzlerkandidat, der den geregelten Atomausstieg wieder rückgängig machen will, einem rechtspopulisten Haider in Österreich persönlich zum Wahlsieg gratuliert, gegen Minderheiten hetzt, verbrecherische Machenschaften von Herrn Koch und Kanther in Hessen billigt (Spendenaffäre/O-Ton: Es handelt sich bei den Gelder um jüdische Nachlässe aus der Schweiz) und sich darüber hinaus dafür einsetzen will grundlegende demokratische Instituionen wie unseren Bundesrat aufzuweichen, kommt nach 57 Jahren bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung zwar wieder ganz gut an, ist aber von jedem
demokratisch, fortschrittlich und weltoffen denkendem Menschen abzulehnen.Michael Mertensen Sonnabend, 21.Sep.2002
Schreiben an Politiker?
Bringt es irgendetwas, in irgendeiner Sache als Einzelperson an einen Politiker zu schreiben?
Nein in allen nur denkbaren Varianten!
Ich habe es ausprobiert, als ich im Jahr 2000 mir von der US-amerikanischen Botschaft das vorbildliche neue US-amerikanische Gesetz gegen Altersdiskriminierung bei Beschäftigungen (für Arbeitgeber, Qualifizierungen, Gewerkschaften, Arbeitsvermittler, Stelleninserate, Bewerber) im Original habe schicken lassen, die wichtigsten Teile ins Deutsche übersetzt habe und es zusammen mit dem Original an den Bundeskanzler, den Bundesminister für Arbeit und Soziales, den entsprechenden Bayerischen Staatsminister, alle Bundestagsfraktionen und die Gewerkschaftszentralen geschickt habe. Geschehen ist garnichts, man scheint nur lästigzufallen und den Betrieb zu stören. Die Politiker sind nur am eigenen Vorankommen und der Machtergreifung ihrer Partei interessiert. An die angeschriebenen Politiker kommt es garnicht heran und wird vom Vorzimmer beantwortet. Vorschläge von außen sind sowieso unerwünscht.
Dagegen ist ein Musterbeispiel für erfolgreichen Protest die Verbraucherreaktion auf die überstürzte Euro-Bargeldeinführung und die absichtlich zu schnelle Abschaffung der zusätzlichen DM-Preisauszeichnung: Massenhafte Kaufzurückhaltung und drastische Umsatzrückgänge. Die Käufer haben sehr große wirtschaftliche Macht. Man muß sie ihnen nur noch bewußtmachen.
Was kann man daraus lernen: Sich nicht an die Politiker, sondern an die Verbraucher wenden. Die Nachteile der Reformschreibung muß man dem Volk erklären und nicht den Politikern. Die fühlen sich nur belästigt. Erst wenn das Volk unruhig wird, sehen Politiker Handlungsbedarf. Den Buchkäufern einfach zu lernende und zu merkende Testhinweise zum Erkennen der Reformschreibung an die Hand geben und sie zu dem entsetzten Schrei Igitt, das ist ja in Reformschreibung veranlassen und zu dem Wunsch Ich möchte Bücher in der klassischen, guten Rechtschreibung und Dann muß ich Kinder- und Jugendbücher im Antiquariat suchen und ihnen den Rücken stärken gegen mitleidige Blicke der Verkäufer wegen altmodischer Einstellung und Nicht-Lernfähigkeit. Wenn der Umsatz der Bücher in Reformschreibung drastisch zurückgeht, werden die Verlage reagieren, weil ihnen die Buchhändler zu recht die Schuld geben. Es geht nur über Umsatz und Gewinn oder Verlust. Diese Rgeln gelten ganz allgemein.
Henning Upmeyer Freitag, 20.Sep.2002
Sonntag, 15.Sep.2002
§ 61 Ableitungen von geographischen Eigennamen auf -er schreibt man groß
Als Diktat-Gemeinheiten empfohlen:
Ein deutscher und ein Schweizer LKW stießen zusammen.
Ein Deutscher stieß mit einem Schweizer LKW zusammen.
Ein deutscher LKW stieß mit einem Schweizer zusammen.
Ein deutscher Depp und ein Schweizer Depp.
Ist ein Deutscher deutscher Bürger?
Sind alle Schweizer Schweizer Bürger?
Wenn es auch richtig blöd aussieht, steht es doch im Duden.
Weil wir das schon immer so gemacht haben.
Das erklärt natürlich alles.
Gibt es eine bessere Begründung?
Henning Upmeyer Sonnabend, 14.Sep.2002
§ 61 Ableitungen von geographischen Eigennamen auf -er schreibt man groß
Sonnabend, 14.Sep.2002
Sachverständige werden nicht angehört
Es gibt mindestens einen herausragenden und wissenschaftlich anerkannten unabhängigen Sachverständigen für die deutsche Rechtschreibung: Herrn Prof. Ickler, der mehrere entsprechende Gutachten in Buchform veröffentlicht hat und über das Internet von einer Gruppe sehr kompetenter ehrenamtlicher freier Mitarbeiter unterstützt wird.
Das Problem ist, daß die Auftraggeber nicht etwa beide Seiten getrennt anhören, wie es seit dem römischen Recht als Rechtsgrundsatz gilt (audiatur et altera pars), sondern die Auswertung der Gutachten des unabhängigen Sachverständigen (Prof. Ickler) der begutachteten und daher nicht unabhängigen Seite (der Kommission) übertragen, was ein eindeutiger Rechtsverstoß ist. Es ist eine Schande für die deutsche Justiz, daß auch das Bundesverfassungsgericht so gehandelt hat.
Die Rechtschreibreform ist aber nicht das einzige offizielle Tabu-Thema:
Ein weiteres offizielles Tabuthema ist, daß es beim Eisenbahnunglück in Eschede wesentlich weniger Tote gegeben hätte, wenn die auf das feste Hindernis aufprallenden Waggons nicht zusätzlich dem schiebenden wesentlich schwereren Triebkopf als Knautschzone zur Vernichtung seiner Bewegungsenergie hätten dienen müssen. (Nur auf freier Strecke ist der Bremsweg unabhängig vom Gewicht und nur vom Reibungswert abhängig.) Bei der nächsten ICE-Generation wurde dieses äußerst gefährliche Prinzip eines geschobenen Hochgeschwindigkeitszuges aufgegeben durch auf alle Achsen des Zuges verteilte Antriebsmotoren und leichte Steuerköpfe.
Ein weiteres offizielles Tabuthema ist, daß es beim Einsturz des World Trade Centers wesentlich weniger Tote gegeben hätte, wenn die leichten Stahlgitterträger-Geschoßdecken ausreichenden Brandschutz gehabt hätten und nicht einfach von ihren Wandauflagern abgerissen wären und beim Herabfallen nicht auch die unversehrten Geschoßdecken einfach abgerissen hätten und nicht dadurch den Außenwänden die Knicksteifigkeit genommen hätten und wenn es zwei gegen Verqualmung getrennt geschützte ausreichende Fluchtwege gegeben hätte. Die beim Bau geltenden US-Normen scheinen gegenüber deutschen Normen aus Kostengründen unverantwortlich leichtfertig zu sein.
In allen diesen Fällen liegt fehlendes Verantwortungsbewußtsein der mächtigen Auftraggeber für die vielen von diesen Entscheidungen abhängigen Menschen vor. Das Schlimme ist, daß ihre Macht so weit reicht, öffentliche Diskussionen über ihre Fehlentscheidungen zu verhindern. Die sogenannte Pressefreiheit gilt nur gegenüber staatlicher, nicht gegenüber wirtschaftlicher Macht.Henning Upmeyer Donnerstag, 12.Sep.2002
Donnerstag, 12.Sep.2002
Antwortschreiben des Bayerischen Staatsministeriums vom 5.9.02
Als Ergebnis der Anfrage muß man feststellen, daß die Auftraggeber der Rechtschreibreform sich nicht für deren Fehler und negativen Folgen interessieren, aber sehr dafür, daß die Reformgegner mittels ihrer genauen Kenntnisse der Fehler und Folgen Unruhe in der Bevölkerung erzeugen. Diese Unruhe soll von Auftraggeberseite unbedingt verhindert werden, weil dadurch auch die Unfähigkeit der Auftraggeber offensichtlich würde, ihr in Auftrag gegebenes Werk kritisch zu prüfen.
Allein hier liegt die Erfolgs-Chance der Reformgegner. Sie müssen sich im Interesse des Kulturguts deutsche Sprache sowohl als exzelente Kenner, als auch als Unruhestifter und Aufwiegler betätigen. Das ist hier die benötigte Zivilcourage.
Öffentliche Vorträge wie von Herrn Gymnasiallehrer Stirnemann erreichen gerade viele Lehrer, die sich bisher nicht mit den Einzelheiten befaßt haben, und wirken so als doppelte Multiplikatoren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß nur in der Schweiz Lehrer das dürfen. Man sollte darüber nachdenken, wie in Deutschland solche öffentlichen Vorträge organisiert werden können, z.B. unter einem Titel wie Weiterbildung der Lehrer über die Folgen der Rechtschreibreform für die deutsche Sprache.Henning Upmeyer Mittwoch, 11.Sep.2002
Dienstag, 10.Sep.2002
Antwortschreiben aus dem Bayerischen Staatsministerium vom 5.9.02
Wiener Absichtserklärung 1996, Bertelsmann März 1999, Duden August 2000. Beide Nachschlagewerke sind zuverlässige Ratgeber in orthografischen Fragen.
Damit ist klar beantwortet, welche Bertelsmann- und Duden-Ausgaben von der Bayerischen Staatsregierung als zuverlässig anerkannt sind.
Alle späteten Ausgaben sind es nicht mehr.
An bayerischen Schulen dürfen folglich nur diese Ausgaben benutzt werden.
Folglich sind die Verlage verpflichtet, diese Ausgaben weiter für bayerische Schüler und Lehrer vorzuhalten.
Folglich muß man den Verlagen Täuschung der bayerischen Käufer von späteren, geänderten Ausgaben vorwerfen, weil diese von der Bayerischen Staatsregierung nicht ebenfalls als zuverlässig anerkannt sind.
Folglich braucht jede nach März 1999 bzw. August 2000 geänderte Ausgabe dieser Nachschlagewerke für die Benutzung in bayerischen Schulen die Anerkennung als zuverlässig seitens der Bayerischen Staatsregierung. Denn die Deutschnote und damit der berufliche Werdegang kann von den richtigen Nachschlagewerken abhängen.Henning Upmeyer Montag, 9.Sep.2002
Antwortschreiben aus dem Bayerischen Ministerium vom 5.9.02
Soweit erforderlich, erarbeitet die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung die Vorschläge zur Anpassung des Regelwerks.
Laut Duden-Taschenbuch Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, Kap. A 2, S. 21 ist das neue Regelwerk mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung vom 1. Juli 1996 in Kraft gesetzt worden.
Es hat noch nie eine Anpassung des Regelwerks an die vielen von der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung erarbeiteten Vorschläge stattgefunden.
Folglich gilt weiterhin die Fassung des Regelwerks von 1996.
Soweit also in neueren Wörterbuch-Ausgaben andere Schreibweisen als im amtlichen Regelwerk zugelassen auftreten, mögen sie zwar den Vorschlägen der Kommission entsprechen, sind aber illegal. Soweit diese Schreibweisen wieder der bisherigen Schreibweise entsprechen, sind sie bis 2005 zugelassen, andernfalls fehlerhaft.
Das fördert die allgemeine Verunsicherung, weil Schüler nicht wissen, was vorrangig gilt: das amtliche Regelwerk oder die Einträge in neueren Wörterbuch-Ausgaben.Henning Upmeyer Sonntag, 8.Sep.2002
Antwortschreiben aus dem Bayerischen Staatsministerium vom 5.9.02
Die führenden deutschen Rechtschreibwörterbücher entsprechen nach einer Erklärung der Kommission vom 17.8.02 der amtlichen Regelung.
Bezüglich der neuesten Wörterbuch-Ausgaben ist das eine Lüge, weil sie tatsächlich nicht mehr den amtlichen Regeln von 1996 entsprechen. Es scheint unbedingt und dringend notwendig, dazu dem Ministerium Beweise vorzulegen.
Sollten bei einzelnen Schreibungen Zweifel aufkommen, so besteht die Möglichkeit, sich an die Sprachberatung der Wörterbuchverlage oder der Gesellschaft für Deutsche Sprache zu wenden.
Soweit Wörterbücher während Klassenarbeiten benutzt werden dürfen und für die Korrektur der Klassenarbeiten und für Zeitungsredakteure und Korrektoren ist das zeitmäßig nicht durchfürbar und insoweit der Ratschlag Blödsinn.Henning Upmeyer Sonntag, 8.Sep.2002
der Korpus, das Korpus
laut Rechtschreibduden und Kleiner Wahrig:
der Korpus, die Korpusse - Grundkörper eines Möbelstücks
das Korpus, die Korpora - Sammlung von Texten, ResonanzkörperH. U. Freitag, 6.Sep.2002
Wie scheibt man das Korpus in Mehrzahl??? Der Korpus ist menschlich, das Korpus sachlich (Musikinstrumente)
Freitag, 6.Sep.2002
Man kann die schweizer Exportwirtschaft zum Eßzett zwingen
Deutsche und österreichische Verbraucher können die schweizer Exportwirtschaft zum Eßzett zwingen, wenn sie es ablehnen, Waren zu kaufen, aus deren Aufschriften ihre Kinder Rechtschreibfehler lernen könnten, die nach alter und neuer Rechtschreibung solche sind: Deutsche und Österreicher wollen z.B. Soßen kaufen und keine Sossen. Wegen der Rechtschreib-Gefährdung der Kinder durch in Deutschland und Österreich fehlerhafte schweizer Warenaufschriften sollte man die Verbraucherschutz-Organisationen einschalten und vor dem Kauf warnen.
Davon ausgenommen sind nur geschützte Produktnamen.
Hilfe für die Schweizer wäre nur möglich, wenn in die Rechtschreibwörterbücher bei allen Wörtern mit ß hinzugefügt würde schweizerisch: ss, so wie jetzt bei Wagen, Plur. südd. auch Wägen steht.
Henning Upmeyer Freitag, 6.Sep.2002
Die Wortfamilie wenden, die Wortwurzel wend
Auf Linguistisch: wenden ist die Implizite Derivation vom Grundwort winden. Die abgeleiteten Verben drücken ein Bewirken der im Grundwort genannten Tätigkeit aus. Meist ist ein schwaches Verb als Kausativum von einer Ablautform eines starken Verbs abgeleitet.
Auf Normaldeutsch: Das gemeingermanische Verb ist das Veranlassungswort zu winden und bedeutet eigentlich winden machen.
wenden gehört zu den rückumlautenden Verben. Die Verben wenden und senden bilden auch regelmäßige schwache Formen. Es hat zwei Vergangenheitsformen: schwach: wendete, gewendet; und stark: wandte, gewandt.
Abgeleitete Substantive: Wende, Heuwender, Wendel, Wendung, Wendehals.
Abgeleitete Adjektive: wendig, wetterwendisch.
Abgeleitete Verbaladjektive: ein gewandter Junge, ein gewendeter Anzug.
Übliche Präfixe: ab-, an-, auf-, be-, ein-, ent-, hin-, um-, ver-, weg-, zu-, zurück-.
Abgeleitete Substantive: Abwendung, Anwendung, Aufwendung, Aufwand, Bewenden, Bewandtnis, Einwendung, Einwand, Entwendung, Hinwendung, Notwendigkeit, Umwendung, Verwendung, Verwandter, Verwandtschaft, Vorwand, Wendigkeit, Zuwendung, Zurückwendung.
Abgeleitete Adjektive: aufwendig, notwendig.
Abgeleitete Verbaladjektive: abgewendet, abgewandt, angewendet, angewandt, aufgewendet, aufgewandt, entwendet, rückwätsgewandt, verwendet, verwandt, zugewendet, zugewandt,
Abgeleitete Adverbien: auswendig, inwendig.
Prof. Ickler im Kritischen Kommentar zu § 13: aufwendig wird durch die Reihenbildung auswendig, inwendig gestützt.
Es kann ebenso mit Aufwendung begründet werden. Das ä gibt es nur in den Pluralformen der Substantive mit der Singular-Endung -wand.
Das gemeingermanische Verb winden gehört mit verwandten Wörtern in anderen indogermanischen Sprachen zu der indogermanischen Wurzelform *uendh-: drehen, winden, wenden, flechten.
Von winden abgeleitet sind Wand (eigentlich Gewundenes, Geflochtenes; Wände wurden ursprünglich geflochten), Windel, Wendeltreppe, Gewinde.
Quellen: Duden-Herkunftswörterbuch, 2. Aufl. 1989; Fleischer/Barz, Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache; Deutsche Schulgrammatik.Henning Upmeyer Donnerstag, 5.Sep.2002
Donnerstag, 29.8.2002
warmlaufen vs. warm laufen; heißlaufen vs. heiß laufen
Jeder Maschinenbauer weiß, daß ein Benzinmotor erst die volle Leistung bringt, nachdem er warmgelaufen ist (seine Betriebstemperatur erreicht hat), und nicht erst, nachdem er eine Zeit lang warm gelaufen ist (wie lange denn auch im warmen Zustand?).
Jeder Eisenbahner weiß, daß ein heißgelaufenes Radlager (das zu heiß geworden ist) sofort geschmiert werden muß und auf keinen Fall weiter heiß laufen darf (in überhitztem Zustand), weil es sonst frißt und in Brand gerät. Das sind eindeutig unterschiedliche Betriebszustände.
Die Sätze der Motor ist 10 Min. lang warm gelaufen und das Rad ist 1 Std. lang heiß gelaufen sind zweideutig und unklar: Ist der Motor 10 Min. lang warmgelaufen und das Rad 1 Std. lang heißgelaufen oder ist der Motor warm 10 Min. gelaufen und das Rad heiß 1 Std. lang gelaufen?
Die Dazwischenstellprobe gibt Klarheit, ob eine Zusammenfügung oder eine Wortgruppe vorliegt: Ein Ergebniszusatz kann nicht durch etwas Dazwischengestelltes unterbrochen werden, wohl aber eine adverbiale Angabe. Nur die reflexiven Formen mit hat sich sind in beiden Schreibweisen eindeutig. Unverständlich bleibt, warum im Neuschreibduden, 21. Auflage, heißlaufen, aber warm laufen die Norm sein soll. Vielleicht soll warm zu heiß steigerbar sein.
warmlaufen und heißlaufen sind Fachausdrücke aus der Praxis des Maschinenbaues, möglicherweise orthographische Infinitiv-Rückbildungen aus den Verbalsubstantiven. Techniker schaffen immer wieder neue Fachausdrücke und fragen nicht erst den Googel, was die Statistik dazu hergibt. Wenn ein neuer Ausdruck gut ist, bekommt er später seine Statistik und wird dann oft auch normalsprachlich benutzt, wobei diese Benutzer oft die Herkunft nicht kennen. Der Hinweis Fakultativschreibung wäre in solchen Fällen falsch und irreführend, richtig muß der eine fachsprachlich genannt werden, auch wenn er normalsprachlich mitbenutzt wird. Problematisch wird es erst, wenn Fachausdrücke in die Standardsprache übernommen werden und dort statistische Minderheitsvarianten bleiben. Wenn sie als Minderheitsvariante der Standardsprache aus dem Verkehr gezogen werden sollen, muß vorher geprüft werden, ob die Minderheit der Fachleute diese Bezeichnungen braucht.
Techniker und andere Fachleute brauchen unbedingt bedeutungsunterscheidende Unterscheidungsschreibungen, damit ihre Beschreibungen und Bedienungsanleitungen lieber übergenau als mißverständlich sind. Vor allem Übersetzer in andere Sptrachen dürfen sie nicht mißverstehen. Sonst haftet der Hersteller für Schäden. Das ist die Wirklichkeit und keine Weltordnung vom Schreibtisch aus.
Man kann sogar den Umkehrschluß ziehen: Die Politiker und Parteien sind deswegen alle für den Neuschrieb, weil sie sich damit noch besser möglichst ungenau ausdrücken können.Henning Upmeyer Freitag, 23.8.2002
immerwährend
Von 1663 bis 1803 tagte der Immerwährende Reichstag in Regensburg. (Bis dahin tagte er von Fall zu Fall in verschiedenen Reichsstädten.) Interessant wäre, wie das damals geschrieben wurde. Man schrieb auf Früh-Neuhochdeutsch.
immergrün ist ein Dauereigenschafts-Adjektiv und immerwährend ein Verbal-Adjektiv. (Als Verbaladjektiv hieße es immergrünend.)
(Dagegen bezieht sich in Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen das immer auf bemüht und nicht auf strebend.)
Diese Getrenntschreibung ist ein weiteres Beispiel dafür, daß die Sprachentwicklung zu zusammengeschriebenen Verbaladjektiven von Amts wegen als Fehlentwicklung beurteilt wird und auch lexikalisch gefestigte Verbaladjektive zu Partizipien zurückgebildet werden. Wenn es dann dazu keinen zusammengeschriebenen Infinitiv gibt, wird Getrenntschreibung angeordnet (§ 36 (3)).
Bei fortwährend gibt es ein (wenn auch ungebräuchlich gewordenes) Verb fortwähren, und fort- wurde in die geschlossene Liste der mit Verben zusammensetzbaren Partikel aufgenommen (§ 34 (1)).
Beispiele für die Erkennbarkeit der Bestandteile (§ 39 (1)):
Immerfort kamen Anrufe, aber der Zuständige war immer fort.
Immerhin war sie immer hin, wenn er ihr in die Augen schaute.
Immer während des immerwährenden Reichstags waren die Herbergen voll.
Immerzu kamen Besucher, aber das Tor war immer zu.Henning Upmeyer Donnerstag, 22.8.2002
Gesellschaft für deutsche Sprache, Institut für deutsche Sprache
Laut Duden-Herkunftswörterbuch kann für vieles bedeuten:
für ist eng verwandt mit vor. Für die Schriftsprache haben erst die Grammatiker des 18. Jh.s den Gebrauch so geregelt, daß heute vor mit dem Akkusativ und Dativ räumlich und zeitlich, für mit dem Akkusativ nur übertragen verwendet wird. Der übertragene Gebrauch ist bei für schon früh entwickelt. Er gibt entweder Bestimmung, Zweck, Schutz an (ein Buch für dich ist eigentlich vor dich gebracht, ein Mittel für Husten eigentlich vor den Husten gestellt) oder Stellvertretung (für jemand eintreten ist (schützend) vor ihn treten; dazu auch für etwas halten, für Geld kaufen).
Welche Bedeutung das für im Namen dieser Gesellschaft und dieses Instituts hat, ergibt sich also jeweils erst aus ihren Taten.Henning Upmeyer Dienstag, 20.8.2002
Die Folge der Zurückbildung der Verbaladjektive zu Partizipien mit Akkusativ-Objekten: Das Verschwinden der Artikel und der Wandel von Gegenständen zu Begriffen
Bei der neuen Getrenntschreibung bisheriger lexikalisierter Zusammensetzungen wird im Singular oft auch bei Gegenstandswörtern (konkreten, wahrnehmbaren Gegenständen und Lebewesen) der bei der Zusammenschreibung weggefallene Artikel nicht wieder ergänzt: herzerfrischend wird zu Herz erfrischend, wohnungsuchend zu Wohnung suchend, schweißtreibend zu Schweiß treibend usw., obwohl die dazu finiten Formen den Artikel vor dem Akkusativ-Objekt im Singular brauchen (außer in Zeitungsüberschriften und -anzeigen).
Aus: Der kleine Duden, Deutsche Grammatik, Ausgabe 1988:
Ziffer 256: Der Gebrauch von Substantiven ohne Artikel
In bestimmten Fällen werden Substantive ohne einen Artikel verwendet, wenn mit ihnen etwas Allgemeines ausgedrückt werden soll. So stehen vor allem Begriffswörter oft ohne Artikel.
(Ziffer 183: Begriffswörter (Abstrakta) bezeichnen Nichtgegenständliches (Begriffe), z.B. Vorstellungen, Eigenschaften, Zustände, Vorgänge, Sachverhalte, Beziehungen.)
Auch Stoffbezeichnungen werden ohne Artikel gebraucht, wenn mit ihnen allgemein der Stoff (nicht eine bestimmte Menge dieses Stoffes) bezeichnet werden soll.
(Ziffer 186: Substantive, die Stoffe (Materialien) bezeichnen)
In festen Fügungen (z.B. Funktionsverb-Gefügen) und in Aufzählungen steht ebenfalls das Substantiv häufig ohne Artikel.
Artikellose Substantive findet man vor allem in Schlagzeilen, Anzeigen, Telegrammen, Kommandos.
Pluralformen von Gegenstandswörtern können schon bisher ohne Artikel eine unbestimmte Menge bezeichnen: Die Stadt baut Wohnungen. Der Helfer stapelt Sandsäcke. Der Bäcker backt Semmeln. Der Mechaniker repariert Autos. usw. Grammatisch korrekt muß der Plural dann auch in den Partizipien und Verbaladjektiven erscheinen: die wohnungenbauende Stadt, der sandsäckestapelnde Helfer, der semmelnbackende Bäcker, der autosreparierende Mechaniker.
Ziffer 254: Der unbestimmte Artikel hat keine Pluralform; bei einer unbestimmten Menge steht nur das Substantiv in dem entsprechenden Fall.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Montag, 19.8.2002
Steigerbarkeit der Verbaladjektive von Einfachverben
Fast alle sind höchstens in übertragener Bedeutung steigerbar:
Eine glänzendere Erscheinung; Eine glänzendere Farbe? Eine schreiendere Farbe; Ein schreienderes Kind? Ein brennenderes Problem Ein brennenderes Haus?
Zur Steigerbarkeit der Verbaladkektive von zusammengesetzten Verben sagt meine Schulgrammatik von 1952:
a) Wenn dieTeile eines zusammengesetzten Adjektivs eng miteinander verschmolzen sind und dadurch ein neuer Begriff mit übertragenem Sinne entstanden ist, wird das Grundwort gesteigert: in großzügigster Weise, vielsagendste, hochverehrtester, die großmütigste Unterstützung, der hochfahrendste Mensch.
b) Ist die Verbindung der beiden Teile aber lockerer, so wird derjenige Teil gesteigert, dessen Begriff eine Steigerung erfahren soll. Ein vielgelesenes Buch: nicht der Begriff des Lesens soll und kann gesteigert werden, sondern viel, also: das meistgelesene Buch. Ebenso z.B. naheliegend - näherliegend - nächstliegend, bestgehaßt, bestgelegen, meistgeliebt, leichtverständlich - leichter verständlich, ein höchstgestellter Beamter, die größtmögliche Eile, der tiefstgefühlte Dank.
Gelegentlich schwankt der Gebrauch:
schwerwiegendere neben: schwerer wiegende Bedenken
weitgehendste neben: weitestgehende Pläne
ein wohlschmeckenderer neben: ein besser schmeckender Apfel.
Weil im Laufe der Sprachentwicklung lockere Verbindungen zu festen Begriffen verschmelzen können, ist dieses Gebiet in dauernder Weiterentwicklung.Henning Upmeyer Dienstag, 13.8.2002
Modalverben
dürfen, können, (lassen,) (ver-)mögen, müssen, sollen, wollen
Kennzeichen für den Gebrauch als Modalverb: Im Perfekt statt des Partizips II des Modalverbs dessen Infinitiv, und die zugehörigen Vollverben mit dem Infinitiv ohne zu. Sehen kann Modalverb sein: ich sehe ihn kommen; ich habe das kommen sehen.
Einige Modalverben können selbständig als transitive Vollverben gebraucht werden: Er hat es nicht gedurft; ich hätte das nicht gekonnt; ich habe ihn nie gemocht; ich habe das nicht gewollt.
Einige Modalverben können mit Partikeln als Präfixe transitive Vollverben bilden: umgangssprachlich: etwas nicht abkönnen; ich habe das nicht abgekonnt.
lassen bildet mit Präfixen transitive Vollverben: ab-, an-, ran-, auf-, rauf-, aus-, raus-, durch-, ein-, rein-, hin-, hinter-, los-, mit-, nach-, über-, unter-, vor-, weg-, zu-lassen.
Wenn bei Bewegungsverben deren Präfix auch vor das Modalverb gesetzt werden kann, wird manchmal (wohl eher umgangssprachlich) das Bewegungs-Vollverb weggelassen und sein Präfix an das Modalverb vererbt. Zusammenschreibung, wenn das Präfix andernfalls auch als Präposition oder Modaladverb mißverstanden werden könnte. Diskussionswürdig ist, ob dann modaler Gebrauch mit einem weggelassenen oder nur gedachten präfigierten Vollverb oder selbständiger Gebrauch des Modalverbs als präfigiertes Vollverb vorliegt, also ob im Perfekt der Infinitiv oder das Partizip II mit ge- gesetzt werden soll: Sie haben nicht ...
mit-: mitdürfen, mitgedurft, mitkönnen, mitgekonnt, mitmögen, mitgemocht, mitmüssen, mitgemußt, mitsollen, mitgesollt, mitwollen, mitgewollt;
ebenso, aber eher umgangssprachlich:
durch-: durchkönnen, durchgekonnt, durchmüssen, durchgemußt, durchwollen, durchgewollt;
weiter-: weiterdürfen, weitergedurft, weitermüssen, weitergemußt, weiterwollen, weitergewollt.
Steckbrieflich gesucht werden: Beispiele für präfigiertes Modalverb mit Vollverb.Henning Upmeyer Montag, 12.8.2002
Amerikanisch
Ich empfehle: Ernst Leisi, Christian Mair, Das heitige Englisch, aktuell: Achte, neubearbeitete Auflage 1999, Kap. VI. Das Englische als Weltsprache, Das Amerikanische
H. U. Montag, 12.8.2002
Rückkehr zur klassischen Rechtschreibung, idealerweise unter Vereinfachung der Regeln
Sehr viele Leute, nämlich eigentlich alle, die ich frage, halten die neue Rechtschreibung für absoluten Blödsinn, aber die frühere ebenfalls für verbesserungsbedürftig. Hier könnte man ansetzen, indem man anhand der Google-Ergebnisse die klassischen Rechtschreibregeln überarbeitet und anpaßt. Die im Ickler-Wörterbuch enthaltenen Hauptregeln der deutschen Orthographie sollten zu einem vollständigen System ergänzt werden, um den Duden-Regeln etwas viel Besseres und Grammatik-gestütztes und vor allem leichter Verständliches entgegenzusetzen.
H. U. O-Dorf h@u.de Sonntag, 11.8.2002
Zusammengesetzte Adjektive
In meiner Schulgrammatik von 1952 steht: Über die Zusammenschreibung eines Adjektivs mit seiner vorangehenden Erweiterung entscheidet die Betonung. ... In prädikativer Stellung werden oft Adjektiv und Erweiterung gleich stark betont und daher getrennt geschrieben. Attributiv: eine buntbemalte Decke; prädikativ: die Decke ist bunt bemalt. Wird das bei der Google-Auswertung berücksichtigt?
H. U. O-Dorf h@u.de Sonntag, 11.8.2002
§ 34 Adjektiv + Verb
Satz (3) sagt ausdrücklich wenn das Adjektiv in dieser Verbindung erweiterbar ist, Was für hoch gilt, kann auch auf voll, leer usw. angewandt werden. Den Tank volltanken, den Keller leerpumpen ist nicht relativ, sonder absolut gemeint und bedeutet schon ganz voll bzw. ganz leer.
H. U. O-Dorf h@u.de Sonntag, 11.8.2002
Kleinschreibung der Substantive
Bevor man so etwas fordert, muß man prüfen, welche Nebenwirkungen es hätte. Die Dänen waren die letzten, die das eingeführt haben, als Angleichung an die übrigen festlandskandinavischen Sprachen. Für Dänisch, Schwedisch, Norwegisch und Isländisch gilt aber, daß bei zusammengesetzten Verbformen der finite und der infinite Teil bzw. Hilfs- und Hauptverb höchstens durch ein Adverb getrennt werden können und daß Haupt- und Nebensatz dieselbe Wortfolge haben. Es wäre interessant, ob die dänische Wortstellung vorher freizügiger war. Eine ähnlich freizügige Wortstellung im Satz und die Wortfolge in Haupt- und Nebensatz wie das Deutsche hat nur das Niederländische. Also müßte man das als Vergleich heranziehen, z.B. ob es auch dort verwechselbare, weil gleichgeschriebene Wörter gibt, die bei uns durch Groß- und Kleinschreibung unterschieden werden können, und wie die Niederländer das lösen.
H. U. O-Dorf h@u.de Sonntag, 11.8.2002
www.schuelerlexikon.de
Etappen der Rechtschreibreform
Am 1. Juli 1996 wurde in Wien von den deutschsprachigen Ländern ein Abkommen unterzeichnet, die deutsche Rechtschreibung zu ändern. Das Abkommen wurde in Wien unterzeichnet, weil von hier die Anregung zur Reformierung der Rechtschreibung ausging. 1983 hatte sich Österreich offiziell an die anderen deutschsprachigen Länder mit der Frage gewandt, ob es nicht an der Zeit sei, die 1901 beschlossene und 1902 in Kraft gesetzte Rechtschreibung zu überarbeiten.
Die Bundesrepublik Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik, Liechtenstein und die Schweiz griffen diese Anregung auf. In den folgenden Jahren setzten diese Länder jeweils Fachkommissionen bzw. Fachbeauftragte ein, um einen Vorschlag für eine reformierte Rechtschreibung auszuarbeiten. Die Fachkommissionen der Länder schlossen sich zu einem Internationalen Arbeitskreis für Orthographie zusammen und legten 1988 identische Neuregelungen vor. Diese wurden in der Öffentlichkeit gründlich diskutiert.
Der Umgang mit der Rechtschreibreform besonders in Deutschland
Es gab eine Anhörung im Bundestag, und viele Hinweise, Kritiken und Anregungen wurden von der Fachkommission ausgewertet und eingearbeitet. Die Mitglieder der Fachkommission der DDR wurden nach dem 3. Oktober 1990 in die Fachkommission der Bundesrepublik Deutschland berufen, ihre Mitarbeit und ihr Sachverstand blieben also der Kommission erhalten.
Im November 1994 wurden die Regelungen auf der 3. Orthographischen Konferenz von Wien abschließend beraten. Als Beobachter nahmen auch Vertreter der Länder teil, in denen Deutsch Minderheitensprache und teilweise Amts- oder Schulsprache ist, zum Beispiel Italien (wegen Südtirol), Belgien, Luxemburg, Rumänien, Russland, Kasachstan. Sie alle erklärten, der Neuregelung beitreten zu wollen.
In der Bundesrepublik wurden die Neuregelungen von der Ständigen Konferenz der Kultusminister und -senatoren am 30.11./01.12.1995 mit geringfügigen Änderungen angenommen. Österreich, die Schweiz und Liechtenstein hatten die Regeln schon vorher beschlossen. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer nahmen den Beschluss zustimmend zur Kenntnis.
Nach vielen positiven und negativen Kommentaren in der Öffentlichkeit im Herbst 1995 und Winter 1995/96 und nachdem das Bundesverfassungsgericht Beschwerden gegen das Verfahren nicht angenommen hatte, konnte das Abkommen am 1. Juli 1996 in Wien unterzeichnet werden.
Bild 2 Offiziell ist die neue Rechtschreibung am 01.08.1998 in Kraft getreten. In der Übergangszeit bis zum 31. Juli 2005 gelten noch Schreibungen nach den alten und nach den neuen Regeln. Viele Kultusminister hatten ihren Schulen bereits für das Schuljahr 1997/98 empfohlen, die neuen Regeln und Schreibweisen zu lehren, damit diese als richtig akzeptiert werden. In Schleswig-Holstein hatte sich am 27. September 1998 die Bevölkerung des Landes über einen Volksentscheid gegen die neue Rechtschreibung entschieden. Mit parteiübergreifender Mehrheit setzte sich im Dezember 1999 der Landtag in Kiel über den Volksentscheid hinweg und beschloss, dass auch an den schleswig-holsteinischen Schulen nach den neuen Rechtschreibregeln unterrichtet werden solle.
Die Menschen reagieren äußerst unterschiedlich auf die neue Rechtschreibreform, die Meinungen reichen von Zustimmung, über sie hätte noch schärfer ausfallen müssen (z. B. Kleinschreibung) bis zur völligen Ablehnung (die FAZ schreibt seit August 2000 wieder in alter Rechtschreibung).
Neue Wörterbücher und Arbeitshefte der Schulbuchverlage unterstützen die Durchsetzung der Rechtschreibreform. Auch die öffentlichen Verwaltungen in Bund und Ländern schließen sich nach und nach der neuen Rechtschreibung an. Die meisten Zeitungen und Zeitschriften sowie die großen Nachrichtenagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich spätestens Ende 1999 ebenfalls auf die neue Rechtschreibung umgestellt.
Die Änderungen der Rechtschreibung betreffen:
die Laut-Buchstaben-Zuordnung (einschließlich der Fremdwortschreibung),
die Getrennt- und Zusammenschreibung,
die Schreibung mit Bindestrich,
die Groß- und Kleinschreibung,
die Zeichensetzung und
die Worttrennung am Zeilenende.
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Sonnabend, 10.8.2002
deutsch Literatur vs. lateinisch litteratura und littera
Ich muß jedesmal überlegen, ob Literatur mit einem oder zwei t geschrieben wird. Ich habe einen Merkspruch gefunden: Literatur schreibt man mit nur einem t, weil es mindestens einen Liter Buchstaben (una litra litterarum) bedeutet.
H.U. O-Dorf h@u.de Sonnabend, 10.8.2002
Welches ist die gute Literatur für die Rechtschreibung?
Zitate aus dem Forum:
Herr Lachenmann am 6.8.02: ... diesem gesunden Menschenverstand oder besser: seinem im unbefangenen Umgang mit guter Literatur gewachsenen und insofern natürlichen Sprachempfinden ... Die Beschreibung des Sprachgebrauchs anhand von geeigneten Statistiken ist sicherlich die einzig seriöse Methode in der Sprachwissenschaft, wenn es um die reine Darstellung der Orthographie geht ... Welche Literatur ist da die richtige?
Herr Prof. Ickler am 6.8.02: Woher kommt der gesunde Menschenverstand denn, wenn es um Sprache geht? Doch nur aus den Texten, aus der Lese-Erfahrung.
Herrn Lachenmanns Frage ist sehr berechtigt. Literatur ist ein Sammelbegriff, und Text ist alles Geschriebene. Hier geht es nur um die Rechtschreibung, und die sollte für alle Literatur-Varietäten außer Mundartdichtung die gleiche sein. Also: aus welcher guten Literatur kann die nötige Lese-Erfahrung für die richtige Rechtschreibung kommen? Vorschläge bitte! Für Schüler, für Erwachsene, für Anwender der Standardsprache, der Fachsprache, der Literatursprache. Aus der Zeitungssprache ganz sicher nicht, vor der muß man seine Kinder dringend warnen, ebenso vor der Politikersprache. (Zur Vertiefung: Peter Braun, Tendenzen der deutschen Gegenwartssprache, Sprachvarietäten)Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching h@u.de Donnerstag, 8.8.2002
G.u.Z.: Sind auch Verbaladjektive Adjektive und auch Adjektive Nomina?
Vervalsubstantive sind Substantive mit allen Eigenschaften eines solchen, denn Verbal- ist nur das Bestimmungswort zur Wortart Substantiv. Sie dürfen mit anderen Wörtern feste Bindungen eingehen. Folgerichtig sind Verbaladjektive Adjektive. Wie Adjektive sind sie deklinierbar und nicht alle steigerbar. Nicht im Regelwerk, nur im großen Wahrig steht das Wort Verbaladjektiv: aus einem Verbum gebildetes Adjektiv. Adjektive dürfen mit anderen Wörtern feste Bindungen eingehen; neu: mit Partizipien nur noch eingeschränkt. Das Problem ist die Abgrenzung zwischen Partizipien als Verbform und Verbaladjektiven, zwischen Zustandspassiv (sein-Passiv) und Verbaladjektiv in prädikativem Gebrauch (früher: als Prädikatsnomen) mit sein.
Zu Nomen im Duden: Nennwort, Substantiv; häufig auch für Adjektiv und andere deklinierbare Wortarten. Im Bertelsmann: deklinierbares Wort. Im kleinen Wahrig: der Beugung unterliegende Wortart. Im großen Wahrig: deklinierbares Wort (Substantiv, Pronomen, Adjektiv). Letzteres habe ich vor langer Zeit im Gymnasium gelernt. Aber dann steht im Duden und im großen Wahrig: Nomen acti: Substantiv, das den Abschluß oder das Ergebnis eines Geschehens bezeichnet; Nomen actionis: Subst., das ein Geschehen bez.; ... Nomen qualitatis: Subst., das eine Eigenschaft bez. In dieser hier unlogischen Einschränkung der Nomina auf Substantive liegt der Hund begraben, denn auch Adjektive können als Verbaladjektive ein Geschehen bezeichnen: aktiv: der beutejagende Wolf, medial: die einstürzenden Neubauten, passiv: der hochverehrte Professor oder das Ergebnis eines Geschehens: aktiv: der studierte Herr, medial: die eingestürzten Neubauten, passiv: das zerstörte Haus, auch als prädikativ (als Prädikatsnomen) gebrauchte Verbaladjektive: die Sonne ging rotglühend unter, er kam braungebrannt heim und als Eigenschaftswörter eine dauerhafte Eigenschaft. Viele Verbaladjektive können auch adverbial gebraucht werden: das interessiert mich brennend.
Wenn man folgerichtig die Kategorien Nomen acti, Nomen actionis, Nomen qualitatis für alle Nomina gelten ließe, soweit im Einzelfall sinnvoll, also auch für Verbaladjektive, würde die neue Diskriminierung der Partizipien, nur dann mit anderen Wörtern zusammengeschrieben werden zu dürfen, wenn auch der zum Partizip gehörende Infinitiv zusammengeschrieben wird, für Verbaladjektive hinfällig und müßte im Einzelfall entschieden werden. Für Adverbien, die adverbial gebrauchte Verbaladkjektive sind, müßte dann bei Getrennt- und Zusammenschreibung mit anderen Wörtern logischerweise dasselbe wie für alle übrigen Adjektive gelten.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Mittwoch, 7.8.2002
bitte schön vs. bitteschön
Vielleicht könnte man von den Slaven lernen, wie es zweifelsfreier gemacht werden könnte:
Das tschechische Wort für bitte heißt prosim und ist eigentlich die 1.Pers. Sing. Präs. und heißt wörtlich ich bitte. Es wird stets in Kommata eingeschlossen, weil es eigentlich ein eigener kurzer Satz ist.
Entsprechendes ist mir für das Slovakische, Polnische und Ukrainische bekannt.
Bei uns werden zwar gerade die Kommata abgeschafft, aber hier wären sie angebracht, um Irrtümer zu vermeiden.H. U. Ihrwißtschonwer Ihrwißtschonwo h@u.de Montag, 5.8.2002
Weit nach der Rechtschreibreform
hi leute,
ich weiss garnicht, was ihr euch so aufregt.
ich bin jetzt in der 13. klasse und komme gut mit der neuen rechtschreibung klar.
so, muss nu auch ins bett...morgen is ja nun mal schule.
email: Sammy05@uboot.comHelge gehtkeinenwasSTR. 15 sammy05@uboot.com Sonntag, 4.8.2002
Zur Rechtschreibung des Englischen im deutschen Wortschatz
Aus: Ilse Sörensen, Englisch im deutschen Wortschatz, Volk und Wissen Verlag, 1995:
(in bisheriger Rechtschreibung und nach deren bisherigen Regeln)
Die Schreibung englischer Wörter in diesem Buch orientiert sich weitgehend am Duden und am Duden Oxford Großwörterbuch.
Bei Wörtern, die nicht oder in unterschiedlichen Formen in deutschen Nachschlagewerken erfaßt sind, ist es schwierig, eine bestimmte Schreibung festzulegen. Es fehlt an umfassenden Regeln. Selbst klassische Lexika verweisen in ihrem Regelteil für Fremdwörter nicht selten auf das Wörterverzeichnis, in dem wiederum nur ein Teil des Gesuchten ausgewiesen ist. Solange jedoch Regeln die Ausnahme und Ausnahmen die Regel sind, werden wir auf die unterschiedlichsten Schreibweisen stoßen und sind verunsichert. Hier sind Sprachwissenschaftler gefordert, besonders im Hinblick auf die ständig steigende Zahl neuer Anglizismen und Amerikanismen.
Grundsätzlich gilt - so der Rechtschreibduden -, daß Fremdwörter, die (noch) nicht angeglichen sind, in der fremden Schreibung wiedergegeben werden. Wann aber ein Wort als angeglichen gilt, bleibt offen, denn der Prozeß des Eindeutschens ist in ständiger Bewegung.
Die folgenden Punkte befassen sich mit den häufigsten Rechtschreibschwierigkeiten. Anhand von Beispielen wird die Komplexität veranschaulicht.
1. Zusammengesetzte Wörter
Bei Zusammensetzungen aus zwei Wörtern gibt es drei mögliche Schreibweisen:
- in einem Wort ohne Bindestrich
- in zwei Wörtern mit Bindestrich
- in zwei Wörtern ohne Bindestrich
Im Prinzip gilt folgende Schreibung:
- in einem Wort ohne Bindestrich (Beispiel: Airport),
wenn die Hauptbetonung auf dem Bestimmungswort liegt und das Gesamtwort in seiner zusammengeschriebenen Form gut lesbar ist;
- in zwei Wörtern mit Bindestrich (Beispiel: Air-condition),
wenn die Hauptbetonung auf dem Bestimmungswort liegt, das Gesamtwort aber ohne Bindestrich schwer lesbar und unübersichtlich ist;
- in zwei Wörtern ohne Bindestrich (Beispiel: Hard cover),
wenn beide Wörter betont werden.
Bei aus mehr als zwei Wörtern bestehenden Zusammensetzungen steht im Englischen fast immer ein Bindestrich zwischen dem ersten und dem zweiten Glied (gegebenenfalls auch zwischen dem dritten und dem vierten), während das letzte separat steht.
Beispiele: Four-wheel drive; roll-on roll-off ship; second-hand shop
Im Deutschen zeichnet sich folgendes Schema ab:
Alle Wörter werden durch Bindestriche verbunden. Dabei werden das erste und das letzte Wort groß, die dazwischenliegenden Wörter klein geschrieben.
Beispiele: Four-wheel-Drive; Roll-on-roll-off-Schiff; aber: Secondhandshop
2. Groß- und Kleinschreibung
Die Schreibung eingedeutschter Wortgruppen ist uneinheitlich.
Im Prinzip gilt folgendes:
- Bei aus zwei Wörtern bestehenden Ausdrücken, die für einen substantivischen Begriff stehen, wird das erste Wort groß und das zweite klein geschrieben.
Beispiele: Hard cover, aber: Hard Rock; Irish coffee, aber: Irish-Stew
- Bei aus mehr als zwei Wörtern bestehenden Ausdrücken, die für einen substantivischen Begriff stehen, werden das erste und das letzte Wort groß und die dazwischenliegenden Wörter klein geschrieben.
Beispiel: Duty-free-Shop, aber: Break-even-point
3. Pluralbildung
Bei Substantiven, die aus dem Englischen in den deutschen Sprachgebrauch gelangen, übernehmen wir zunächst die im Englischen üblichen Pluralformen.
Beispiel: Airbag, Plur. ...s
Im Laufe der Zeit entwickelt sich nicht selten eine zweite Pluralform, die der deutschen Bildeweise entspricht.
Beispiel: Test, Plur. ...s, auch ...e
Das betrifft vor allem Wörter, die sowohl englisch als auch deutsch ausgesprochen werden.
Beispiele: Lotion, Plur. ...s, auch ...en; Clan, Plur. ...s, auch ...e
Nach der endgültigen Eindeutschung bleibt oft nur die im Deutschen gebräuchliche Pluralform übrig.
Beispiele: Additiv (additve(s)), Plur. ...e; Gallone (gallon(s)), Plur. ...n
4. ss oder ß
Im Prinzip gilt, daß ein Wort bis zur Eindeutschung mit ss und danach mit ß geschrieben wird.
Beispiele: Boß, Busineß, Dreß - Cross, Bypass, first class
Bei Komposita stellen wir eine uneinheitliche Schreibung fest.
Beispiele: Business class, Big Business, Fancy-dress-Ball, Dressman; aber: Showbusineß
Die Schreibung von Dressman mit ss erstaunt um so mehr, als es dieses Wort im Englischen nicht gibt.
5. Verben und ihre abgewandelten Formen
Ins Deutsche übernommene Verben werden beliebig abgewandelt. Die Schreibung ist uneinheitlich und variabel.
Beispiele: gehandicapped - gehandicapt - gehandikapt; gemanaged - gemanagt; gesponsored - gesponsert; getuned - getuntHenning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching Henning@upmeyer.de Freitag, 2.8.2002
Getrennt- und Zusammenschreibung: Der Infinitiv - aus einem Substantiv aus der Verbwurzel
Prof. Ickler im Forum amm 25.7.2002: Das kommt von der Doppelnatur des Infinitivs, der ja ursprünglich ein Substantiv war und es in gewissem Sinne immer noch ist, d.h. nur unvollkommen ins Verb-Paradigma integriert. Es gibt kaum eine Form, die dem Sprachwissenschaftler so viele Rätsel aufgibt.
Robert SCHMITT-BRANDT, Einführung in die Indogermanistik, 1998, Kap. 3.5.6.1 Infinitive: Die Infinitive und Partizipien der alt-idg. Sprachen entstanden zweifellos aus Verbalnomina, die Infinitive und Supina aus verschiedenen Kasusformen von Verbalsubstantiven, also Substantiven, die von Verbalwurzeln aus gebildet waren. So diente der Akk., urspr. Kasus der Richtung, in der eine Bewegung erfolgt (vgl. lat. Romam - nach Rom), zur Bildung von Infinitiven nach Verben der Bewegung (vgl. lat. cubitum it - er geht schlafen). Der Dativ, urspr. Kasus zur Angabe der Person, zu deren Gunsten oder Ungunsten sich ein Geschehnis auswirkt, bzw. zur Angabe des Gegenstandes, im Hinblick auf welchen sich ein Ereignis vollzieht, entwickelt sich zu einem Infinitiv des Zwecks (um zu ...). Ebenso gibt es Infinitive aus Ablativ-Formen, aus Lokativ-Formen.
Solange solche Formen noch als Nominalkasus zu Verbalnomina betrachtet werden, kann man von keiner grammatischen Kategorie des Infinitivs sprechen. Erst nach der Loslösung aus dem Nominalparadigma entsteht ein Inf. bzw. Supin, d.h. die Situation ist mit der Entstehung von Adverbien aus erstarrten Kasusformen des Substantivs vergleichbar (z.B. lat. domi - zu Hause aus dem Lok. Sg. zu domus - Haus).
Da sich keine gemein-idg. Infinitive aus den Inf.-Bildungen der einzelnen Sprachfamilien erschließen lassen, können wir davon ausgehen, daß es keine g-idg. Infinitive gab.
Oswald SZEMERENYI, Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, 1990, Kap. IX.6. Verbum infinitum: An infiniten Formen besaß das idg. Verbum mehrere im System fest verankerte adjaktivische Formen, die Partizipien und Verbaladjektiva; dagegen scheinen Nomina noch nicht zu einem festen Bestandteil des Verbalparadigmas geworden zu sein: die späteren Infinitive existieren, wenn überhaupt, noch als unabhängige Nominalformen.
6.2: Die von den späteren idg. Sprachen her so selbstverständlich anmutende Kategorie des Infinitivs ist für das Gesamtindogermanische nicht zu erweisen und auch nicht anzusetzen. Denn im Vedischen herrscht noch ein früherer Zustand, in dem eine große Anzahl (16!) von Bildungen in der Funktion des späteren Infinitivs auftreten kann, und zwar in Kasusformen, die durch die Satzstruktur bedingt sind. In der Regel sind diese Infinitive Kasusformen von deverbalen Abstrakten. Morphologisch sind von besonderer Bedeutung die Abstrakta auf -tu-, -ti-, -(a)s- und -(v)an-.
Ebenfalls indogermanischen Alters ist der griech. Infinitivtypus auf -ein, das nach dem Zeugnis des Mykenischen auf -e(s)en zurückgeht und so mit dem Ved. Inf. auf -sani zusammenzuhalten ist.
Bei den lateinischen Infinitiven geht die allgemeine Aktiv-Endung -re des Präsens nach dem Zeugnis von es-se (und vel-le) und dem perfektischen is-se auf -se bzw. auf -si zurück. (s. Kap. 6. Spiranten: Im Lateinischen ist s innervokalisch zu r rhotazisiert.)
Dem altindischen Typus -taye von einem -ti-Nomen entspricht der balto-slavische Inf. auf -ti.
Einen anderen Weg schlug das Germanische ein, indem es für den Infinitiv den Akkusativ eines Neutrums auf (idg.) -no- verwendet: got. bairan stammt von idg. *bheronom.
Wilhelm STREITBERG, Urgermanische Grammatik, 1974, Abs. 198 Das Verbum infinitum: Infinitive sind errstarrte Kasusformen von Nominibus agentis. ... Das Germanische kennt nur einen Inf. Präs. Die Grundform für die Formen sämtlicher germ. Dialekte ist der neutrale Nom. - Akk. Sing.
Da die Nomina, die als Infinitive fungieren, von Haus aus mit dem Verbum gar nichts zu schaffen haben, so ist a priori zu erwarten, daß sie in der Stammbildung ursprünglich von dem Tempus, an das sie sich anschließen, völlig unabhängig waren. Der ursprüngliche Zustand hat sich im Slavischen noch ziemlich treu erhalten.
Die Partizipia sind Verbaladjektiva, die von Haus aus Nomina agentis sind.
Udo GERDES/Gerhard SPELLERBERG, Althochdeutsch - Mittelhochdeutsch, 1991, Absatz 95: Der Infinitiv ist der Form nach der (erstarrte) Akkusativ eines neutralen Verbalsubstantivs, und zwar eines Nomen actionis. ... Bildungssuffix ist -na-, das an die jeweiligen Präsensstämmen antritt. Im Deutschen geht der Infinitiv stes auf -n aus, nachdem der stammbildende Vokal -a-, ebenso wie die Akkusativ-Endung -m geschwunden ist.
In FLEISCHER/BARZ, Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache, 1995, gibt es sowohl die Infinitivkonversion zur Substantivbildung als auch die Substantivkonversion zur Infinitivbildung.
Sinn und Zweck dieser ausführlichen Zitate:
Weil der Infinitiv vom Verbalsubstantiv abstammt, das bekanntlich in festen Zusammenbildungen wie jedes deutsche Substantiv zusammengeschrieben wird, unabhängig von Steiger- oder Erweiterbarkeit eines Adjektiv-Teils oder von Partikel-Listen oder von Verbindungen mit sein oder anderen Infinitiven oder von Adjektiv-Endungen auf -ig, -isch, -lich, ist es eben keine Modeerscheinung, sondern eine unbewußte innere Logik (das früher hochgelobte und heute von den Reformern als störend verurteilte Sprachgefühl, das durch Nachsehen im Wörterbuch ersetzt werden soll), den Infinitiv des zugehörigen zusammengebildeten Verbs intuitiv ebenfalls zusammenschreiben zu wollen. Deswegen empfindet man das neue Getrenntschreibungsgebot für diese Infinitive als so unnatürlich und willkürhaft.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Mittwoch, 31.7.2002
Getrennt- undZusammenschreibung:
Mittwoch, 31.7.2002
Eingedeutscht Ängland nach neuer Rechtschreibung
Was können wir dafür, daß die in altenglischer Sprache schreibenden Schriftsteller wie auch der westsächsische König Alfred der Große die neue deutsche Rechtschreibung mit ihren Etymologisieungen nicht kannten und ihre Sprache von Anfang an statt anglisch englisch nannten und daß gegen Ende des 10. Jahrhunderts das Land statt Anglaland Englaland und ab 1100 England genannt wurde. (Quelle: Martin LEHNERT, Altenglisches Elementarbuch, § 6.) Andere Ländernamen wurden ja auch eingedeutscht wie Spanien, Frankreich, Italien, Polen, Rußland usw., also muß auch England in deutsch etymologisch richtig als Ängland geschrieben werden.
H. U. Olching h@u.de Dienstag, 30.7.2002
Bilder auf der Startseite laden nicht, Forum außer Betrieb, Seite des VRS aus dem Netz genommen ...
Was ist denn hier passiert?Christian Dörner Christian.Doerner@gmx.de Montag, 29.7.2002
Die spinnen, die Römer
In Rom vor der Einführung der Stellenschreibweise:
Eine Hand voll sind 5, als römische Zahl V.
Zwei Hände voll sind V plus V, als römische Zahl X.
Zwei Hände voll und ein Fuß voll sind X plus V, römisch XV.
Zwei Hände voll und zwei Füße voll sind X plus X, römisch XX.
Um mit Händen und Füßen zählen zu können, gingen die Römer barfuß in Sandalen.
Zum Weiterzählen brauchte man eine oder auch mehrere Kohorten.H. U. Olching h@u.de Montag, 29.7.2002
Schulbücher-Druckschriften
Obwohl wir in der Grundschule im Gegensatz zu meinem wenige Jahre älteren Vetter schon Antiqua in Fibeln und Schreibschrift lernten, wurden bis ziemlich lange nach dem Krieg die Schulbücher weiter in gotischer Druckschrift gedruckt (die hatte sicher auch einen bestimmten Namen), bis das Mitte der 50er Jahre verboten wurde. Z.B. die Deutsche Schulgrammatik von Rahn-Pfleiderer, Klett Verlag 1952. In der Lateinischen Sprachlehre von Schmidt/Wecker von 1950 sind die lateinischen Worte und Texte in Antiqua und die deutschen in gotischer Druckschrift gesetzt. Nachträglich bin ich dankbar, diese Schrift gelernt zu haben, denn ich bin immer wieder entsetzt, wenn meine Kinder sagen, Texte in gotischer Druckschrift können wir nicht lesen oder nur sehr sehr mühsam.
Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Sonnabend, 27.7.2002
Dreifachkomposita und Trennung am Zeilenende
Der kleine Duden, Deutsche Grammatik, 1988, Absatz 60: Auch bei den Teilungsregeln geht es oft darum, Wörter und Wortteile, die inhaltlich zusammengehören, nicht auseinanderzureißen. In solchen Fällen wird also nicht nach Sprechsilben, sondern nach kleinsten bedeutungstragenden Einheiten (Morphemen) getrennt.
Rechtschreibduden 1967, R 168: Vermeide Trennungen, die zwar den Vorschriften entsprechen, aber den Leseablauf stören.
Amtliches Regelwerk 1996, § 111, viel ungenauer: Zusammensetzungen und Wörter mit Präfix trennt man zwischen den einzelnen Bestandteilen.
Prof. Icklers Kritischer Kommentar 1999, Seite 209: Regeltechnisch wäre noch anzumerken, daß § 111 besser an den Anfang dieses Kapitels (Worttrennung am Zeilenende) gestellt worden wäre, denn die Zerlegung zusammengesetzter Wörter in ihre Konstituenten geht der weiteren Zerlegung in Silben voraus.
Noch besser wäre:
Auf Linguistisch: Bei der Komposition einer okkasionellen Wortbildungskonstruktion mit einer lexikalisierten WBK sollte entsprechend der Gesamt-Akzentuierung und der Sprechpause sinnvollerweise in der okkasionellen WBK und nicht in der lexikalisierten WBK getrennt werden.
Auf Normaldeutsch: Beim Zusammentreffen einer Gelegenheitszusammenfügung mit einer festen Zusammenfügung sollte entsprechend der Gesamtbetonung und der Sprechpause sinnvollerweise in der Gelegenheitszusammenfügung und nicht in der festen Zsammenfügung getrennt werden.
Begründung: Überraschungswirkungen beim Lesen und Vorlesen durch falsche Sprechpausen und falsche Betonung infolge sinnentstellender Trennungen am Zeilenende.
In einer Werbeanzeige für ein Fernrohr gefunden: Volles Sehfeld auch für Brillenträger durch individuell einstellbare Drehaugen-
muscheln. (gemeint waren vermutlich drehbare Augenmuscheln)
Weitere Beispiele dieser Art: Leinwandbier-
zelt, Klötzchenbau-
kasten, Aluhaus-
türe, Marmorfenster-
bank, Stadtauto-
bahn, Openend-Klavier-
abend, Blockkraft-
werk, Minikinder-
krippe, Baumwollbett-
bezug, Kopfbahn-
hof, Schachwelt-
meister
Beispiele der anderen Art: Haus-
türvordach, Auto-
bahnkreuzung, Straßen-
bahnschiene, Baum-
wollzelt, Eß-
zimmermöbel, Miet-
wohnungsblock, Futter-
mittelskandal, Partner-
stadtbesuche, Spiel-
straßenschild, Arbeits-
schutzbeauftragter, Roll-
schuhverleih, Fach-
werkhäuser, Staub-
saugerbeutel, Kranken-
hausparkplatz, Jugend-
stilmöbel, Lebens-
mittelmarkt, Land-
gerichtsdirektor, Kinder-
gärtnerinnenschule, Kinder-
gartenplatz
Ceterum censeo vocis sonum teutonicum esse scribendum, minimum ad prohibendum errores. - Im übrigen meine ich, daß die deutsche Wortbetonung geschrieben werden muß, mindestens um Irrtümer zu verhindern. (Mittellateinisches Glossar: teutonicus - deutsch)Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Mittwoch, 24.7.2002
Schattenwirtschaftsminister
In der Süddeutschen Zeitung vom 12.7.02, Wirtschaft, Thema des Tages:
... Kanzlerkandidat Edmund Stoiber und sein Schattenwirtschaftsminister Lothar Späth ...
Schattenwirtschaftsminister aus Ingenieurssicht:
Ein dreielementiges Wortkettenmolekül mit zwei Bindungen, von denen eine möglicherweise schwächer ist ist als die andere, aber welche, ist der Meinung des geneigten Lesers überlassen.
Schattenwirtschaftsminister aus Linguistensicht:
Nach Hans ALTMANN/Silke KEMMERLING, Wortbildung fürs Examen:
Kap. 1.4.5. Determinativkomposition (Zusammensetzung)
Determinativkomposita bilden den am häufigsten belegten und produktivsten Wortbildungstyp.
Das Letztelement ist kategoriebestimmend.
Der Hauptakzent liegt auf dem Determinans, das Determinatum weist Nebenakzent auf.
Reihenfolge: Determinans vor Determinatum. Die Veränderung der Konstituentenabfolge bewirkt die Umkehrung des Determinationsverhältnisses: Schrankwand vs. Wandschrank.
Indiz für die Binnengrenze bei drei- und mehrgliedrigen Bildungen ist die Usualisierung bzw. Lexikalisierung von zwei Konstituenten und die Intonation des Dekompositums, die die interne Struktur widerspiegelt.
(Nach FLEISCHER/BARZ 2.2.1.2.2. werden in der seit J. Grimm, Grammatik 2, 1878, üblichen Weise als Dekomposita solche Komposita bezeichnet, die aus mehr als zwei Grundmorphemen bestehen.)
Schattenwirtschaftsminister: Sowohl Schattenwirtschaft als auch Wirtschaftsminister wären mögliche Untereinheiten, beide sind aber bereits usualisiert und lexikalisiert (Duden), sodaß die Binnengrenze dem Leser freigestellt ist, ebenso die Akzentgliederung des komplexen Ausdrucks.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Donnerstag, 18.7.2002
Mittwoch, 17.7.2002
Lexikalisierung von Wortbildungskonstruktionen
Reformierte Wortgruppen, d.h. durch die Rechtschreibreform zu Wortgruppen zurückgestufte Zusammensetzungen hatten vorher als lexikalisierte Wortbildungskonstruktionen (WBK) besondere Eigenschaften:
Aus FLEISCHER/BARZ, Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache, 2. Aufl. 1995:
1.4.4.: Den Prozeß der Aufnahme in den Wortschatz bezeichnen wir als Lexikalisierung. Er hat zwei Seiten: Speicherung und Demotivation.
Der Ausdruck Speicherung erfaßt den Sachverhalt, daß die betreffenden Wortbildungsprodukte zu kollektivem bzw. gesellschaftlichem Sprachbesitz geworden sind und als reproduzierbare lexikalische Einheiten intersubjektiv verwendbar sind.
Der Ausdruck Demotivation erfaßt den Sachverhalt, daß die konstruktionsinterne semantische Beziehung der beiden unmittelbaren Konstituenten (UK) hinter ihrer Funktion als - ganzheitliches - Etikett für eine Klasse von Gegenständen zurücktritt.
Die Lexikalisierung stellt eine Einheit beider Teilprozesse dar; Speicherung ohne Demotivation bedeutet noch keine Lexikalisierung.
1.5.1.2. Komposition und Wortgruppe
Man kann die Grenze zwischen WBK, und zwar Komposita, und Wortgruppen nicht immer klar bestimmen. Unter Wortgruppen werden hier nichtprädikative Syntagmen mit substantivischem oder verbalem Kern verstanden.
Abgrenzungsprobleme ergeben sich vor allem bei zusammengesetzten Verben und Adjektiven bzw. Partizipien, weniger bei substantivischen Komposita.
Bei Fügungen mit verbaler oder adjektivischer/partizipialer zweiter Konstituente fehlen formale Unterschiede zwischen Wortbildungskonstruktion (WBK) und Wortgruppe, denn die Konstituenten stehen bei beiden Verknüpfungsarten jeweils in derselben Form und Reihenfolge nebeneinander.
1.5.1.3. Der Terminus Lexem bestimmt eine im Wortschatz gespeicherte semantische Einheit, die als Benennung einen Begriff repräsentiert und syntaktisch autonom ist. Entscheidend für die Bestimmung einer WBK als Lexem ist demnach ihre Lexikalisierung und ihre daraus resultierende intersubjektive Verfügbarkeit. Dabei sind Lexikalisierung und die Tendenz zur Demotivation in der Regel einander bedingende Erscheinungen.
Okkasionelle WBK werden nicht zu den Lexemen gezählt.
Zwischen Okkasionalismen einerseits und Lexemen andererseits muß man ein breites Übergangsfeld annehmen. Nicht alle Okkasionalismen festigen sich im Sprachgebrauch so weit, daß sie gespeichert werden. Ihre Lexikalisierung ist primär außersprachlich bedingt, und zwar hängt sie davon ab, ob in der Kommunikationsgemeinschaft eine entsprechende Bezeichnungsnotwendigkeit vorliegt und die WBK akzeptiert wird.
Aus Hans ALTMANN, Silke KEMMERLING, Wortbildung fürs Examen, 2000:
1.5.1. Wird eine Wortbildungskonstruktion usualisiert/lexikalisiert, so verliert sie ihre potentielle Vieldeutigkeit zugunsten einer festen, meist im Wortschatz fixierten Bedeutung; die anderen Möglichkeiten werden ausgeschlossen. Man nennt diesen Prozeß auch Begriffskonsolidierung durch Univerbierung.
Meine Meinung:
Diese von der Linguistik als für die deutsche Sprache charakteristisch bezeichneten Prozesse werden von den Rechtschreibreformern in vielen Fällen als Fehlentwicklungen verurteilt, die sie rückgängigmachen wollen. Durch die neue Getrenntschreibung werden aber seit langem stabile Wortbildungskonstruktionen zu okkasionellen WBK zurückgestuft und in sehr vielen Fällen in den Wörterbüchern gelöscht. Es besteht der Verdacht, daß durch das Löschen ihre erneute Univerbierung verhindert werden soll. Gute Wörterbücher sollten aber auch weiterhin alle stabilen Begriffe auflisten. Da der Gedankenreichtum anerkanntermaßen vom Vorrat an sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten abhängt, ist das Auslöschen bisheriger fester Sprachbegriffe eine Einflußnahme auf das Denken. Die Zunahme der Anforderungen an genaues Denken auf allen Gebieten hatte die Präzisierungen im Wortschatz und die Unterscheidungsschreibungen ja erst nötig gemacht. Ungenaues Denken in ungenauen Ausdrücken ist eine Art Rückfall in die Steinzeit.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Dienstag, 16.7.2002
Getrennt- und Zusammenschreibung: Ergänzung zu Partizipien
Gegen die Sonderbehandlung der Partizipien bei der Rechtschreibreform:
Zitate aus: Hans Altmann, Silke Kemmerling, Wortbildung fürs Examen, 2000 (Band 2 der Reihe Linguistik fürs Examen):
4.11. Grammatische Transpositionen
Regelhafte Wortartübergänge zum Adjektiv gibt es nur von der Basis Verb aus, und zwar:
1.) Partizip I: die Endung -(e)nd führt zu einem kompletten Übergang von Verben zu Adjektiven, da die entsprechende Form im Hochdeutschen nicht verbal gebraucht werden kann (anders als in den meisten Dialekten). Es wäre konsequenter, sie unter die Adjektivierungssuffixe zu rechnen, doch steht eine lange grammatische Beschreibungstradition dagegen, die sie zu den Flexiven zählt: reizend, bedeutend, treffend.
2.) Partizip II: anerkannt, gefragt, abgebrüht, ergriffen, verschwiegen, eingebildet. Im Gegensatz zum Partizip I ist diese Form (ge...(e)t, ge...en, bei präfigierten Verben ohne ge-) in Verbalformen enthalten, z.B. im Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II und in den Passivformen. Zusätzlich ist sie rein adjektivisch verwendbar. Die Trennungsproblematik zwischen sein-Zustandspassiv und Perfekt Aktiv mit sein sowie prädikativem Adjektiv zeigt die enge Verwandtschaft. Zudem haben sich viele Partizipien II vom verbalen Paradigma gelöst und eine eigene Semantik entwickelt, oder aber Adjektiva mit der Form des Partizip II haben keine verbalen Parallelen (sog. Pseudopartizipien wie bescheuert, benachbart). Für Adjektivhaftigkeit spricht die Komparierbarkeit und die Fähigkeit zur Präfigierung mit un-.
Bedeutung: Verlust der aspektualen Bedeutung und feste Bezeichnung einer Eigenschaft bzw. Relation (Habitualität).Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Sonntag, 14.7.2002
Deutsche Heldensagen: Vor langer, langer Zeit ...
Es waren einmal sieben Professoren in Göttingen, später bekannt als Die Göttinger Sieben, darunter die Brüder Grimm, die dem Verfassungsbruch ihres Landesherrn, des Königs von Hannover, widersprachen und deswegen von ihm aus ihren Ämtern vertrieben wurden und danach an anderen deutschen Universitäten sehr erfolgreich weiterarbeiteten.
Es waren einmal die führenden deutschen Atomphysiker, darunter Werner Heisenberg, Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik (bis 1958 in Göttingen), und sein oberster Mitarbeiter Carl Friedrich von Weizsäcker, die 1957 in ihrer Göttinger Erklärung die Mitarbeit an einer deutschen atomaren Rüstung verweigerten und deswegen von Bundeskanzler Adenauer als Ignoranten beschimpft, aber nicht aus ihren Ämtern vertrieben wurden.
Es war einmal Deutschland vor 1933 die internationale Hochburg der Wissenschaft und Forschung, gerade wegen fehlender staatlicher Eingriffe, bis die besten Wissenschaftler wegen nicht-arischer Abstammung von den Nazis vertrieben wurden und in die USA gingen. (Danach kam bekanntlich die Deutsche Physik des Herrn Stark, über die man heute nur noch lacht.)
Das sind deutsche Heldensagen aus meiner Gymnasialzeit in Göttingen; die geneigten Leser mögen sich an ähnliche sagenhafte Begebenheiten an anderen Universitäten erinnern.
Wenn heute viele Professoren bezüglich der Rechtschreibreform als Untertanen und Duckmäuser angesehen werden, muß man fragen, warum das jetzt so ist. Wissenschaftlich denken zu können ist sicher nicht an solche Eigenschaften gekoppelt, aber möglicherweise wissenschaftlich arbeiten zu dürfen und zum Professor und gar zum Fachbereichsleiter berufen zu werden. Möglicherweise gehen so viele begabte Wissenschaftler zeitweise oder für immer in die USA, weil sie dort nicht Untertanen und Duckmäuser sein oder werden müssen, um befördert zu werden. Von den emeritierten Professoren könnte man allerdings mehr Zivilcourage erwarten. Als Pensionisten dürfen sie doch ungeniert und gefahrlos ihre Meinung sagen. Aber vielleicht verlieren sie dann lukrative Nebentätigkeiten.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Montag, 8.7.2002
Getrennt- und Zusammenschreibung: Herkunft und Funtion von Partizip I und II
Partizip I und II sind zwar der Herkunft nach von Verben abgeleitet, aber der Funktion nach je nach Anwendung Verbformen bei Ersatz für einen Nebensatz oder Adverbien oder Nomina bei Gebrauch als Adjektiv oder Substantiv (daher die Namen Partizip und Mittelwort).
Ebenso wie sie bei substantivischem Gebrauch selbstverständlich der Wortart Substantiv zugeordnet und als solche behandelt, also großgeschrieben und mit Adjektiven, Adverbien und Substantiven zusammengeschrieben werden (weil es getrennt geschriebene deutsche Substantive nicht gibt), sollten sie bei adjektivischem Gebrauch konsequenterweise der Wortart Adjektiv zugeordnet und als solche behandelt, also bei Zusammensetzung mit einem weiteren Adjektiv oder einem Substantiv oder einem Adverb oder einem Verb (beim Verb als Adjektiv-Adverb) mit diesem zusammengeschrieben werden, wenn der Sinn es verlangt, und zwar als Erstglied und Zweitglied.
Die Rechtschreibung sollte sich nach der Funktion eines Wortes richten und nicht nach seiner Herkunft. Das wäre für die überwiegenden Normalanwender ohne linguistische Fachkenntnisse eine große Erleichterung, und das ist ja auch die Absicht der Reform, die aber hier durch die Sonderbehandlung der Partizipien zu einer großen Erschwerung führt. Für Anwender ist ganz allgemein nur die Funktion und Eigenschaft wichtig, nicht die Herkunft und Entstehung.
Auch mit verblaßten Substantiven verfährt man so und schreibt sie bei nicht-substantivischem Gebrauch klein.
Daher sollte in der Rechtschreibung die Wortart Partizip oder Mittelwort für die Anwendung als besondere Wortart aufgelöst und unflektierbar den Verbformen und den Adverbien und flektierbar den Adjektiven und den Substantiven zugeordnet werden.
Das Englische kann hier Vorbild sein: Viele englische Wörter und Wortformen sind je nach Anwendung Verb oder Adjektiv oder Substantiv und werden dann vollwertig als solche Wortarten behandelt.
Die westslavischen Sprachen unterscheiden bei Partizip I durch charakteristische Suffixe zwischen einerseits Verbform als Nebensatz-Ersatz und andererseits Adjektiv- oder Substantivform (Unterscheidung durch Großschreibung gibt es nicht).
(In den meisten lebenden indogermanischen Sprachen ist das Partizip I aktivisch und das Partizip II passivisch.)
Dieser Vorschlag zwingt niemanden zum völligen Umlernen, sondern bestätigt und vereinheitlicht nur den in der klassischen Rechtschreibung schon mehr oder weniger üblichen Gebrauch.
Fachliteratur: Ludwig Eichinger, Deutsche Wortbildung; Ernst Leisi, Das heutige Englisch.Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Sonnabend, 6.7.2002
Nachtrag zu brennend
brennend hat tatsächlich zwei Bedeutungen: physikalisch als in Flammen stehend und medizinisch als schmerzend. Die erste Bedeutung ist in Brennend heißer Würstchenstand und die zweite in Brennend heißer Wüstensand gemeint. Nur in der übertragenen Bedeutung als dringend kann ein brennendes Problem zu einem brennenderen Problem werden. Aber *brennender heiß gibt es nicht.
Henning Upmeyer Olching h@u.de Freitag, 5.7.2002
brennend heiß, glühend heiß, kochend heiß
Der Würstchenstand ist brennend heiß. - Na klar ist er heiß, wenn er brennt (wie heiß, hängt von seinem Material ab).
Das Eisen ist glühend heiß. - In glühendem Zustand ist Eisen nun mal heiß (über 500 Grad je nach Legierung).
Das Wasser ist kochend heiß. - Kochendes Wasser ist meistens heiß (außer bei sehr niedrigem Luftdruck).
Wenn brennend, glühend, kochend als Verbformen gemeint sind und für einen Nebensatz stehen, sind diese drei Aussagen überflüssig.
Wenn brennend, glühend, kochend als Adjektive und Steigerungsformen von heiß gemeint sind, sollten sie mit heiß zusammengeschrieben werden, um Verwechslungen mit obigen Aussagen zu vermeiden, also brennendheiß, glühendheiß, kochendheiß, denn als Adjektive sind sie selbst nicht steigerbar, *brennender, *glühender, *kochender gibt es physikalisch nicht.Henning Upmeyer Olching h@u.de Donnerstag, 4.7.2002
Außer-Icklersche Fachliteratur gegen die Reform
Als Zitate gefunden in der Magisterarbeit von Ulrike Sell aus Naila in Bayern, Johann-Wolfgang-von-GoetheUniversität Frankfurt, Institut für Deutsche Sprache und Literatur, 1999, Thema: Die aktuelle Rechtschreibreform. Ausgewählte Argumente des Für und Wider: Gutachter: 1. Prof. Schlosser, 2. Prof. Ossner (Die Arbeit wäre es wert, veröffentlicht zu werden.)
(Die Zitate aus ICKLER werden als bekannt vorausgesetzt.)
Zur Orthographietheorie:
Aus Utz MAAS, Grundzüge der deutschen Orthographie, 1992 (vergriffen):
S. 7: Wir schreiben also nicht Laute, sondern schreiben Worte, oder noch richtiger gesagt: wir schreiben in grammatischen Strukturen.
S. 5: MAAS konstatiert als primäre Funktion der Schrift, daß das Schriftsystem einem Leser Sinnerschließungshilfen geben soll.
S. 339: MAAS fordert eine systematische Rechtschreibforschung als Voraussetzung für eine Reform.
Zur Laut-Buchstaben-Zuordnung:
Aus Horst Haider MUNSKE, Orthographie als Sprachkultur, 1997:
MUNSKE zufolge geht es bei der Umlautschreibung nicht um die Kennzeichnung einer historischen Verwandtschaftsbeziehung, sondern um eine synchrone Analogie (S. 303). Beim morphematischen Prinzip, zu dem auch die Umlautbezeichnung gehört, sei zu unterscheiden zwischen einer Art historischer (=etymologischer) Richtigkeit und einer semantischen Zusammengehörigkeit (S. 19). Durch Lexikalisierung verdunkelte semantische Beziehungen sollten graphisch nicht wieder aufgehellt werden (z.B. neu: behände wegen Hand). Behende ist synchroner Audruck fehlender semantischer Verbindung (S. 303) zu Hand. Semantische Verbindung muß durch produktive Wortbildungsmuster gestützt werden, da für das orthographische Stammprinzip (...) die synchrone Wortfamilie maßgebend (S. 304) ist.
Zur Getrennt- und Zusammenschreibung:
Aus MUNSKE, s.o.:
S. 321: MUNSKE spricht vom semantischen Prozeß der Aspektualisierug, der durch die Zusammenschreibung signalisiert wird.
S. 323: Die Univerbierung ist dadurch gekennzeichnet, daß ihre syntaktischen Beziehungen versteinert und ihre semantischen Beziehungen häufig so verschoben werden, daß die Konstituenten nicht mehr den Regeln einer Wortgruppe entsprechen, sondern ein idiomatisiertes Ganzes bilden. Dies kommt syntaktisch u.a. in veränderter Valenz oder Attribuierbarkeit als Ganzes, morphologisch in der Flektierbarkeit als Ganzes, semantisch in spezifischen referentiellen Potenzen zum Ausdruck.
Aus MAAS, s.o.
S. 179: Im Deutschen haben wir offensichtlich eine fließende Skala von Abstufungen zwischen Wortfolge und Wort, mit Formen, die teilweise beides sind (so v.a. im Hinblick auf die Abtrennung der Partikeln). Die Sprachentwicklung zeigt hier die schon mehrfach angesprochene Tendenz zur Univerbierung von Syntagmen (Lexikalisierung).Henning Upmeyer Roseggerweg 10, 82140 Olching henning@upmeyer.de Donnerstag, 4.7.2002
Reformierte Wortbildung
Im Fachbuch Wortbildung fürs Examen (aus der Reihe Linguistik fürs Examen) von Hans Altmann, Professor für Germanistische Linguistik an der Uni München und Mitglied des Prüfer-Kommitees für Staatsexamina in Bayern, hat die reformierte Wortbildungslehre der Rechtschreibreformer schon zugeschlagen:
1.5.2. Nullrelation. Der Unterschied zum freien Syntagma liegt insbesondere in der Begriffskonsolidierung, z.B. eine handvoll vs. eine Hand voll.
1.5.14. tipptopp
2.2. Auto fahren, Man sollte sich dabei nicht von der Orthographie, insbesondere von der reformierten, irritieren lassen: die Orthographie folgt erst in relativ großem Abstand den morphologischen Entwicklun