3. Worttrennung am Zeilenende

Abschnitte 3.13.23.33.4


3.1 Trennung von Konsonanten

Der § 108 der bereits als amtlich bezeichneten Regelung der deutschen Rechtschreibung (Duden, 21. Auflage, S. 909) besagt:
„Steht in einfachen Wörtern zwischen Vokalbuchstaben ein einzelner Konsonantenbuchstabe, so kommt er bei der Trennung auf die neue Zeile. Stehen mehrere Konsonantenbuchstaben dazwischen, so kommt nur der letzte auf die neue Zeile.“

Nach dieser Regel müssen zukünftig laut Wörterverzeichnis des neuesten Duden (im folgenden bezeichnet als n-Duden) Trennungen wie folgt vorgenommen werden, kursiv hervorgehoben sind mögliche Trennungsvorschläge nach §§ 108/110/112 des amtl. Regelwerkes (nicht im Wörterverzeichnis des n-Duden, jedoch zu finden auf der CD-ROM „Deutsches Wörterbuch für Schule und Beruf mit der neuen Rechtschreibung“, Vertrieb: Rhein-Zeitung, Koblenz):

vor der Reformnach der Reform
Ag - gression
Al - brecht
Alge - bra
Apo - stroph
Aristo - krat
Agg - ression
Alb - recht
Algeb - ra
Apos - troph
Aristok - rat
beob - achten beo - bachten
Champa - gner Champag - ner
Demo - krat
Demon - stration
De - stillat
Di - plom (Di - plomat)
Demok - rat
Demonst - ration
Des - tillat
Dip - lom (Dip - lomat)
ex - akt
Ex - amen
ex - tra
Ex - trakt
ex - travagant
ex - trem
e - xakt
E - xamen
ext - ra
Ext - rakt
ext - ravagant
ext - rem
Fa - brik
Fe - bruar
Fab - rik
Feb - ruar
He - bräer
hy - brid
Hy-draulik
Heb - räer
hyb - rid
Hyd - raulik
im - plizit
Im - pression (Im - pressum)
Im - provisation
Indu - strie
Infil - tration
in- frarot
In - strument
inte - gral
Inter - esse (inter - essant)
imp - lizit
Imp - ression (Imp - ressum)
Imp - rovisation
Indust - rie
Infilt - ration
inf - rarot
Inst - rument
integ - ral
Inte - resse (inte - ressant)
Jugo - slawe Jugos - lawe
Ka - strat
Ko - blenz
Ko - bra
Ko - gnak
Kom - plize (kom - pliziert)
Kon - flikt
kon - kret
Kon - gruenz
Kon - frontation
Kon - struktion
kon - tra
Kon - trolle
Konzen - tration
Kast - rat (neue Dienstbezeichnung?)
Kob - lenz
Kob - ra
Kog - nak
Komp - lize (komp - liziert)
Konf - likt
konk - ret
Kong - ruenz
Konf - rontation
Konst - ruktion
kont - ra
Kont - rolle
Konzent - ration
Ma - gnet
mon - strös
Mag - net
monst - rös
neu - tral neut - ral
ob - skur
Ob - struktion
ok - troy - ieren
obs - kur
Obst - ruktion
okt - ro - yieren
Pam - phlet
Pa - trone
prä - gnant
Pro - stata
Pro - spekt
Pamph - let
Pat - rone
präg - nant
Pros - tata
Pros - pekt
Qua - drat Quad - rat
Repu - blik
Re - spekt
Repub - lik (aber: Pu - blikum)
Res - pekt
Sa - krament
So - pran
Sak - rament
Sop - ran
Ta - blett(e)
Teen - ager
Tab - lett(e)
Tee - nager (eine neue Gattung Nagetier?)
Ul - traschall Ult - raschall
Ze - bra
Zen - trum
Zeb - ra
Zent - rum (zentrifugiertes alkoholisches Getränk?)
dar - über (dar - um, dar - unter)
ein - ander
hier - auf (hier - aus, hier - über)
hin - ab (hin - auf, hin - aus)
her - ab (her - an, her - aus, her -ein)
vor - an (vor - aus, vor - über)
wieder - um
voll - enden
da - rüber (da - rum, da - runter)
ei - nander
hie - rauf (hie - raus, hie - rüber)
hi - nab (hi - nauf, hi - naus)
he - rab (he - ran, he - raus, he -rein)
vo - ran (vo - raus, vo - rüber)
wiede - rum
vol - lenden (n-Duden S. 910, § 112)

3.2 Trennung von Vokalen

n-Duden, S. 909, § 107 (E) der „amtlichen“ Regelung der deutschen Rechtschreibung:

Die Abtrennung eines einzelnen Vokals am Ende ist überflüssig, da der Trennungsstrich den gleichen Raum in Anspruch nimmt, zum Beispiel: Kleie, laue (nicht: Klei - e, lau - e).

Dazu kann angemerkt werden, daß diese „Regelung“ selbst völlig überflüssig ist!

n-Duden, S. 61, linke Spalte, Mitte:
Auch ein einzelner Vokal am Wortanfang kann abgetrennt werden.
A - der, E - ber, I - gel, A - bort, O - bacht, o - cker, E - cke, E - xamen

Zum Thema „Abtrennung eines einzelnen Vokales“ soll im folgenden ein Exkurs zu einem anderen führenden Rechtschreibwörterbuch, dem von BERTELSMANN, „Die neue deutsche Rechtschreibung“, Lexikographisches Institut, München 1996, unternommen werden.

Hier werden folgende neue Trennungsmöglichkeiten angegeben:

alla - bendlich, ane - keln, ausu - fern, Berga - horn, Berga - kademie, Feiera - bend, Grippee - pidemie, Maul - esel, Meeresu - fer, Musika - kademie, Nachtü - bung, Norda - merika (Süda - merika, Osta - sien), Packe - sel, Prachte - xemplar, Pressea - gentur, Pulsa - der, Radi - oa - mateur, Schlaga - der, Seee - lefant, Seei - gel, Seeu - fer, Spielo - per, tagsü - ber, späta - bends, Unterleibso - peration, Viele - he, vere - helichen, vere - lenden, vere - wigen, Walda - meise ...

Dazu sei die Anmerkung erlaubt: Es dürfte Unverständnis, ja Heiterkeit hervorrufen, wenn man nach diesem Vorbild die Liste der Trennungen fortsetzen würde bei Wörtern, die zwar im Wörterverzeichnis nicht ausdrücklich aufgeführt sind, deren Trennung aber in zwingender Konsequenz nach der neuen Regel so erlaubt sein dürfte:

Abschlusse - xamen, Bibele - xemplar, Bilda - gentur, eini - geln, Elbu - fer, Esse - cke, Etatü - berschreitung, Expresso - peration, Fuldau - ferweg, Gelda - del, Harta - luminium, Koche - cke, Newa - ge, Obero - der, Ostero - ratorium, Reisei - dylle, Renno - verall, Rossa - meise, Ruma - roma, Saunao - fen, Schlossa - potheke, Spiele - cke, tode - lend, Uro - ma, Uro - pa, Volli - diot, Winde - nergie

Die Abkehr von der traditionellen, auf Silben bzw. Wortstämme abgestellten Worttrennung erschwert nicht nur die Lesbarkeit, sondern sie verwischt die Durchsichtigkeit des Wortaufbaus und führt zu einer Sinnentleerung der Schreibungen. Diese Trennungsregeln sind ein großes Ärgernis.

Verheerend wirkt sich aus, daß durch diese vermeintlich geringfügigen Auml;nderungen dem Verfall des Sprachgefühls Tor und Tür geöffnet werden.


3.3 Trennung von st

st ist die häufigste Konsonantenverbindung. Vor und nach st können noch weitere Konsonanten stehen:

nstig, durstig, am spannendsten, gestrig, Instrument

Wie dabei die Silbentrennung aussieht, wäre ohne die st-Regel oft unklar:

dur - stig oder durs - tig, am spannend - sten oder am spannends - ten?

Die bisherige einfache Regel „Trenne nie st“ beseitigt solche Zweifelsfälle. Außerdem erledigt sie die Trennung des Superlativs lesefreundlich im Sinne der Wortbildung:

am billig - sten, am ehe - sten, am frech - sten, am fröhlich - sten, am häufig - sten, am lieb - sten, am modern - sten, am schön - sten, am spannend - sten, am tief - sten ...

Auch bei Fremdwörtern erhält man regelmäßige Trennungen:

Anti - stes, apo - stolisch, Kon - stellation, kon - sternieren, Ob - stipation, Pro - stata ...

Die Beseitigung dieser Regel erzeugt deshalb überhaupt erst Schwierigkeiten in diesem Bereich, u. a. lesefeindliche Trennungen bei Superlativen:

am billigs - ten, am ehes - ten, am frechs - ten, am fröhlichs - ten, am häufigs - ten, am liebs - ten, am moderns- ten, am schöns - ten, am tiefs - ten ...

und absurde, willkürliche Trennungen bei Fremdwörtern (nach n-Duden):

Antis - tes (neben anti - statisch!), apos - tolisch (neben Apo - stroph!), Kons - tellation (neben Kon - stitution!), kons - ternieren (neben kon - statieren!), Obs - tipation (neben Ob - struktion!), Pros - tata (neben Prost - ration) ...

ZUSAMMENFASSUNG:

Die Abschaffung der Regel „Trenne nie st“ erscheint auf den ersten Blick vernünftig, führt aber in Wirklichkeit zu wesentlich mehr Problemen als bisher.


3.4 Trennung von ck

Auf die alte Regel „Trenne nie st“ folgt die neue Regel „Trenne nie ck“!

Der n-Duden, S. 863, besagt dazu:

§ 2: Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstabens.

§ 3 (1) Statt kk schreibt man ck.

Und n-Duden, S. 910:

§ 109: Stehen Buchstabenverbindungen wie ch, sch; ph, rh, sh oder th für einen Konsonanten, so trennt man sie nicht. Dasselbe gilt für ck.

Also:

Beim langsamen, deutlichen Artikulieren (z. B. wenn ein Schüler im 1. Schuljahr den Doppelkonsonanten besser hören soll), muß
Zuk - ker“ gesprochen,
aber nach der geplanten Regel
Zu - cker“ getrennt werden!

Dies ist ein deutlicher sprachlicher Widerspruch!

Auf jeden Fall behindert diese neue Trennregel deutlich den Lesefluß eines Textes:

Am Ende der Zeile steht „Zu-“. Was steht wohl auf der nächsten Zeile? Man vermutet „Zu - kunft, Zu - lauf, Zu - ruf, Zu - satz, Zu - schrift“ oder ähnliches, spricht also das u lang. Anschließend sieht man am Anfang der nächsten Zeile „cker“ und muß dann „nachträglich“ das u kurz sprechen, weil es eben nicht Zuuucker heißt.

Hierzu zwei weitere Beispiele: Am Ende der Zeile steht „spu-“ / „ha-“. Wird nun daraus „spu-ken“ oder „spu-cken“ / „ha-ken“ oder „ha-cken“?

Wie man leicht sieht, ist der Informationsgehalt von blik-, juk-, spuk-, hak-, Zuk-, mek-, lek-, schik-, Stük-, stik-, Sok- usw. jedenfalls um ein Vielfaches größer!

Durch die Verdopplung des Konsonanten (und den bei der Trennung am Zeilenende sichtbaren Konsonanten) weiß der Leser sofort, daß der Vokal davor kurz zu sprechen ist.

Das wird durch folgende Beispiele deutlich:

Hü - te, Hüt - te / Ka - nu, Kan - ne / Ha - se, Ham - mer / tu - ten, tuk - kern / schmo - ren, schmol - len / la - sen, las - sen / Ha - ken, Hak - ke

Diese Unterscheidung fällt bei der Behandlung des ck als ein Konsonant weg und erschwert das Lesen. So könnte z. B. die folgende erdachte Zeitungsmeldung zu lesen sein:

Unfall auf dem Zubringer zur Bundesstraße 798

Auf dem Zubringer zur Bundesstraße 798 kam es in der vergangenen Nacht zu
zu einem Unfall, an dem ein Lkw und ein Pkw beteiligt waren. Der Unfallhergang
ist noch unklar, folgendes steht allerdings fest: Nachdem der Pkw auf den Zu-
ckertransporter aufgefahren war, drehte er sich um die eigene Achse.

Fast jeder, der diesen Text unvoreingenommen liest, stockt beim „Zu-ckertransporter“.

Denn wer vermutet nicht bei der Trennung von „Zu-“ den Fortgang des Textes etwa wie folgt: „Nachdem der Pkw auf den Zubringer aufgefahren war, ...“? Man ist gedanklich schon auf „Zu-“ mit langem u eingestellt. Beim Weiterlesen muß man aber erschreckt seine Fehleinschätzung eingestehen und nachträglich „Zu-“ mit kurzem u sprechen.

ZUSAMMENFASSUNG:

Die vorgesehenen neuen Trennungsregeln ergeben eine beträchtliche Einschränkung der Lesefreundlichkeit.

Wer die widersprüchliche Regel „ck ist kk, wird aber wie ein k behandelt“ aufstellt, wer also gegen die Regel „Auf kurzen Selbstlaut folgt ein doppelter Mitlaut“ verstößt, der muß sich fragen lassen, warum „Zucker“ dann überhaupt noch mit ck geschrieben wird, er könnte doch gleich „Zuker“ mit einem k schreiben!

Außerdem wäre wohl auch folgende Frage legitim: Wenn man Zu - cker trennen soll, müßte man dann nicht analog zu dieser offensichtlich falschen Regelung hä - tte, be - llen, be - tten, ne - nnen, Wa - sser usw. trennen?


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