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Der § 108 der bereits als amtlich bezeichneten Regelung der deutschen Rechtschreibung (Duden, 21. Auflage, S. 909) besagt:
Steht in einfachen Wörtern zwischen Vokalbuchstaben ein einzelner Konsonantenbuchstabe, so kommt er bei der Trennung auf die neue Zeile. Stehen mehrere Konsonantenbuchstaben dazwischen, so kommt nur der letzte auf die neue Zeile.
Nach dieser Regel müssen zukünftig laut Wörterverzeichnis des neuesten Duden (im folgenden bezeichnet als n-Duden) Trennungen wie folgt vorgenommen werden, kursiv hervorgehoben sind mögliche Trennungsvorschläge nach §§ 108/110/112 des amtl. Regelwerkes (nicht im Wörterverzeichnis des n-Duden, jedoch zu finden auf der CD-ROM Deutsches Wörterbuch für Schule und Beruf mit der neuen Rechtschreibung, Vertrieb: Rhein-Zeitung, Koblenz):
| vor der Reform | nach der Reform |
|---|---|
| Ag - gression Al - brecht Alge - bra Apo - stroph Aristo - krat |
Agg - ression Alb - recht Algeb - ra Apos - troph Aristok - rat |
| beob - achten | beo - bachten |
| Champa - gner | Champag - ner |
| Demo - krat Demon - stration De - stillat Di - plom (Di - plomat) |
Demok - rat Demonst - ration Des - tillat Dip - lom (Dip - lomat) |
| ex - akt Ex - amen ex - tra Ex - trakt ex - travagant ex - trem |
e - xakt E - xamen ext - ra Ext - rakt ext - ravagant ext - rem |
| Fa - brik Fe - bruar |
Fab - rik Feb - ruar |
| He - bräer hy - brid Hy-draulik |
Heb - räer hyb - rid Hyd - raulik |
| im - plizit Im - pression (Im - pressum) Im - provisation Indu - strie Infil - tration in- frarot In - strument inte - gral Inter - esse (inter - essant) |
imp - lizit Imp - ression (Imp - ressum) Imp - rovisation Indust - rie Infilt - ration inf - rarot Inst - rument integ - ral Inte - resse (inte - ressant) |
| Jugo - slawe | Jugos - lawe |
| Ka - strat Ko - blenz Ko - bra Ko - gnak Kom - plize (kom - pliziert) Kon - flikt kon - kret Kon - gruenz Kon - frontation Kon - struktion kon - tra Kon - trolle Konzen - tration |
Kast - rat (neue Dienstbezeichnung?) Kob - lenz Kob - ra Kog - nak Komp - lize (komp - liziert) Konf - likt konk - ret Kong - ruenz Konf - rontation Konst - ruktion kont - ra Kont - rolle Konzent - ration |
| Ma - gnet mon - strös |
Mag - net monst - rös |
| neu - tral | neut - ral |
| ob - skur Ob - struktion ok - troy - ieren |
obs - kur Obst - ruktion okt - ro - yieren |
| Pam - phlet Pa - trone prä - gnant Pro - stata Pro - spekt |
Pamph - let Pat - rone präg - nant Pros - tata Pros - pekt |
| Qua - drat | Quad - rat |
| Repu - blik Re - spekt |
Repub - lik (aber: Pu - blikum) Res - pekt |
| Sa - krament So - pran |
Sak - rament Sop - ran |
| Ta - blett(e) Teen - ager |
Tab - lett(e) Tee - nager (eine neue Gattung Nagetier?) |
| Ul - traschall | Ult - raschall |
| Ze - bra Zen - trum |
Zeb - ra Zent - rum (zentrifugiertes alkoholisches Getränk?) |
| dar - über (dar - um, dar - unter) ein - ander hier - auf (hier - aus, hier - über) hin - ab (hin - auf, hin - aus) her - ab (her - an, her - aus, her -ein) vor - an (vor - aus, vor - über) wieder - um voll - enden |
da - rüber (da - rum, da - runter) ei - nander hie - rauf (hie - raus, hie - rüber) hi - nab (hi - nauf, hi - naus) he - rab (he - ran, he - raus, he -rein) vo - ran (vo - raus, vo - rüber) wiede - rum vol - lenden (n-Duden S. 910, § 112) |
n-Duden, S. 909, § 107 (E) der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung:
Die Abtrennung eines einzelnen Vokals am Ende ist überflüssig, da der Trennungsstrich den gleichen Raum in Anspruch nimmt, zum Beispiel: Kleie, laue (nicht: Klei - e, lau - e).
Dazu kann angemerkt werden, daß diese Regelung selbst völlig überflüssig ist!
n-Duden, S. 61, linke Spalte, Mitte:
Auch ein einzelner Vokal am Wortanfang kann abgetrennt werden.
A - der, E - ber, I - gel, A - bort, O - bacht, o - cker, E - cke, E - xamen
Zum Thema Abtrennung eines einzelnen Vokales soll im folgenden ein Exkurs zu einem anderen führenden Rechtschreibwörterbuch, dem von BERTELSMANN, Die neue deutsche Rechtschreibung, Lexikographisches Institut, München 1996, unternommen werden.
Hier werden folgende neue Trennungsmöglichkeiten angegeben:
alla - bendlich, ane - keln, ausu - fern, Berga - horn, Berga - kademie, Feiera - bend, Grippee - pidemie, Maul - esel, Meeresu - fer, Musika - kademie, Nachtü - bung, Norda - merika (Süda - merika, Osta - sien), Packe - sel, Prachte - xemplar, Pressea - gentur, Pulsa - der, Radi - oa - mateur, Schlaga - der, Seee - lefant, Seei - gel, Seeu - fer, Spielo - per, tagsü - ber, späta - bends, Unterleibso - peration, Viele - he, vere - helichen, vere - lenden, vere - wigen, Walda - meise ...
Dazu sei die Anmerkung erlaubt: Es dürfte Unverständnis, ja Heiterkeit hervorrufen, wenn man nach diesem Vorbild die Liste der Trennungen fortsetzen würde bei Wörtern, die zwar im Wörterverzeichnis nicht ausdrücklich aufgeführt sind, deren Trennung aber in zwingender Konsequenz nach der neuen Regel so erlaubt sein dürfte:
Abschlusse - xamen, Bibele - xemplar, Bilda - gentur, eini - geln, Elbu - fer, Esse - cke, Etatü - berschreitung, Expresso - peration, Fuldau - ferweg, Gelda - del, Harta - luminium, Koche - cke, Newa - ge, Obero - der, Ostero - ratorium, Reisei - dylle, Renno - verall, Rossa - meise, Ruma - roma, Saunao - fen, Schlossa - potheke, Spiele - cke, tode - lend, Uro - ma, Uro - pa, Volli - diot, Winde - nergie
Die Abkehr von der traditionellen, auf Silben bzw. Wortstämme abgestellten Worttrennung erschwert nicht nur die Lesbarkeit, sondern sie verwischt die Durchsichtigkeit des Wortaufbaus und führt zu einer Sinnentleerung der Schreibungen. Diese Trennungsregeln sind ein großes Ärgernis.
Verheerend wirkt sich aus, daß durch diese vermeintlich geringfügigen Auml;nderungen dem Verfall des Sprachgefühls Tor und Tür geöffnet werden.
st ist die häufigste Konsonantenverbindung. Vor und nach st können noch weitere Konsonanten stehen:
günstig, durstig, am spannendsten, gestrig, Instrument
Wie dabei die Silbentrennung aussieht, wäre ohne die st-Regel oft unklar:
dur - stig oder durs - tig, am spannend - sten oder am spannends - ten?
Die bisherige einfache Regel Trenne nie st beseitigt solche Zweifelsfälle. Außerdem erledigt sie die Trennung des Superlativs lesefreundlich im Sinne der Wortbildung:
am billig - sten, am ehe - sten, am frech - sten, am fröhlich - sten, am häufig - sten, am lieb - sten, am modern - sten, am schön - sten, am spannend - sten, am tief - sten ...
Auch bei Fremdwörtern erhält man regelmäßige Trennungen:
Anti - stes, apo - stolisch, Kon - stellation, kon - sternieren, Ob - stipation, Pro - stata ...
Die Beseitigung dieser Regel erzeugt deshalb überhaupt erst Schwierigkeiten in diesem Bereich, u. a. lesefeindliche Trennungen bei Superlativen:
am billigs - ten, am ehes - ten, am frechs - ten, am fröhlichs - ten, am häufigs - ten, am liebs - ten, am moderns- ten, am schöns - ten, am tiefs - ten ...
und absurde, willkürliche Trennungen bei Fremdwörtern (nach n-Duden):
Antis - tes (neben anti - statisch!), apos - tolisch (neben Apo - stroph!), Kons - tellation (neben Kon - stitution!), kons - ternieren (neben kon - statieren!), Obs - tipation (neben Ob - struktion!), Pros - tata (neben Prost - ration) ...
ZUSAMMENFASSUNG:
Die Abschaffung der Regel Trenne nie st erscheint auf den ersten Blick vernünftig, führt aber in Wirklichkeit zu wesentlich mehr Problemen als bisher.
Auf die alte Regel Trenne nie st folgt die neue Regel Trenne nie ck!
Der n-Duden, S. 863, besagt dazu:
§ 2: Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstabens.
§ 3 (1) Statt kk schreibt man ck.
Und n-Duden, S. 910:
§ 109: Stehen Buchstabenverbindungen wie ch, sch; ph, rh, sh oder th für einen Konsonanten, so trennt man sie nicht. Dasselbe gilt für ck.
Also:
Beim langsamen, deutlichen Artikulieren (z. B. wenn ein Schüler im 1. Schuljahr den Doppelkonsonanten besser hören soll), muß
Zuk - ker gesprochen,
aber nach der geplanten Regel
Zu - cker getrennt werden!
Dies ist ein deutlicher sprachlicher Widerspruch!
Auf jeden Fall behindert diese neue Trennregel deutlich den Lesefluß eines Textes:
Am Ende der Zeile steht Zu-. Was steht wohl auf der nächsten Zeile? Man vermutet Zu - kunft, Zu - lauf, Zu - ruf, Zu - satz, Zu - schrift oder ähnliches, spricht also das u lang. Anschließend sieht man am Anfang der nächsten Zeile cker und muß dann nachträglich das u kurz sprechen, weil es eben nicht Zuuucker heißt.
Hierzu zwei weitere Beispiele: Am Ende der Zeile steht spu- / ha-. Wird nun daraus spu-ken oder spu-cken / ha-ken oder ha-cken?
Wie man leicht sieht, ist der Informationsgehalt von blik-, juk-, spuk-, hak-, Zuk-, mek-, lek-, schik-, Stük-, stik-, Sok- usw. jedenfalls um ein Vielfaches größer!
Durch die Verdopplung des Konsonanten (und den bei der Trennung am Zeilenende sichtbaren Konsonanten) weiß der Leser sofort, daß der Vokal davor kurz zu sprechen ist.
Das wird durch folgende Beispiele deutlich:
Hü - te, Hüt - te / Ka - nu, Kan - ne / Ha - se, Ham - mer / tu - ten, tuk - kern / schmo - ren, schmol - len / la - sen, las - sen / Ha - ken, Hak - ke
Diese Unterscheidung fällt bei der Behandlung des ck als ein Konsonant weg und erschwert das Lesen. So könnte z. B. die folgende erdachte Zeitungsmeldung zu lesen sein:
Unfall auf dem Zubringer zur Bundesstraße 798 Auf dem Zubringer zur Bundesstraße 798 kam es in der vergangenen Nacht zu |
Fast jeder, der diesen Text unvoreingenommen liest, stockt beim Zu-ckertransporter.
Denn wer vermutet nicht bei der Trennung von Zu- den Fortgang des Textes etwa wie folgt: Nachdem der Pkw auf den Zubringer aufgefahren war, ...? Man ist gedanklich schon auf Zu- mit langem u eingestellt. Beim Weiterlesen muß man aber erschreckt seine Fehleinschätzung eingestehen und nachträglich Zu- mit kurzem u sprechen.
ZUSAMMENFASSUNG:
Die vorgesehenen neuen Trennungsregeln ergeben eine beträchtliche Einschränkung der Lesefreundlichkeit.
Wer die widersprüchliche Regel ck ist kk, wird aber wie ein k behandelt aufstellt, wer also gegen die Regel Auf kurzen Selbstlaut folgt ein doppelter Mitlaut verstößt, der muß sich fragen lassen, warum Zucker dann überhaupt noch mit ck geschrieben wird, er könnte doch gleich Zuker mit einem k schreiben!
Außerdem wäre wohl auch folgende Frage legitim: Wenn man Zu - cker trennen soll, müßte man dann nicht analog zu dieser offensichtlich falschen Regelung hä - tte, be - llen, be - tten, ne - nnen, Wa - sser usw. trennen?
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