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Zitat: Ursprünglich eingetragen von Stephan Fleischhauer
Lieber Herr Beesk,
Sie müssen ja ein Anhänger der jetzigen ss-Schreibung sein. Das ß in „muß“ ist ja eigentlich sinnlos, wennt man es wirklich als Einzelbuchstaben betrachtet, der zudem durch sz ersetzbar ist.
Lieber Herr Fleischhauer,
ich musß gestehen, ich kann der jetzigen ss-Schreibung im Kern durchaus etwas abgewinnen (die Parallele treffen, trifft, traf und essen, isst, aß" finde ich durchaus nachvollziehbar und praktisch für Leser und Schreiber). Allerdings mit Bauchschmerzen in mehrerer Hinsicht. Zum einen, weil jetzt damit sehr häufig drei s aufeinanderstoßen, häufiger als bei andern Buchstaben (das hängt damit zusammen, daß im Deutschen s besonders oft und in vielfältiger Funktion am Wortende und -anfang gebraucht wird). Daher auch mein etwas ungewöhnlicher Einfall, weiterhin mit einer besonderen Regel die Funktion der Schlusßbuchstabigkeit des ß zu erhalten: am Wortende statt ss sß zu schreiben, also z.B. Nusßschale, Schlosßstraße.
Zum anderen, weil die Reform selbst nicht die Einzelbuchstabigkeit des ß ernst nimmt und zuende (!) gedacht hat. Die Regelformulierungen orientieren sich nach wie vor an dem alten Mythos, daß ß ein Sonderfall der s-Schreibung ist und führen sogar eine neue Sonderfunktion fürs ß ein, die dieses jetzt angeblich hat: es sei jetzt Dehnungszeichen, weil es nur noch nach langen Vokalen stehe. Daraus ergibt sich dann z.B. die hanebüchene Regelung, auch dass und miss-" zu schreiben. Das mißachtet aber die Tatsache, daß in kleinen Wörtern und Vorsilben (Präfixen) in der Regel unabhängig von der Kürze des Vokals nur der Einzelbuchstabe eines Konsonanten geschrieben wird (in, ab, um). ß hat in Wörtern wie Straße und Fuß" nicht mehr oder weniger die Funktion, die Vokallänge zu kennzeichnen, als f oder k in Strafe und buk. In all diesen Fällen wird die Vokallänge gerade nicht besonders gekennzeichnet; die Eindeutigkeit für den Leser entsteht nur dadurch, daß hier die bei Substantiven, Verben und Adjektiven notwendige Kennzeichnung kurzer Vokale durch die Konsonantenverdopplung (ss, ff, ck usw.) fehlt. Außerdem werden durch die Neuregelung auf diese Weise Schreibungen von geografischen Namen wie Darß" und Börßum zu Ausnahmen, was m.E. nicht einzusehen ist, und man darf auch nicht mehr Pußta schreiben, was ich ebenso unsinnig finde.
Auch die traditionelle Regelung der ß-Schreibung ließe sich imübrigen (!) mit der Einzelbuchstabigkeit des ß verbinden (wäre also nicht sinnlos). muß", Nuß" usw. folgen dann einer Sonderregel für Substantive, nämlich keine Konsonantenverdopplung bei ß am Wortende und vor Konsonanten anzuwenden, die sich an die oben genannte Sonderregel für kleine Wörter (Funktionswörter) anlehnt, Konsonanten trotz kurzem Vokal am Wortende ebenfalls nicht doppelt darzustellen. Die Funktion der Schlusßbuchstabigkeit wird ja durch die Einzelbuchstabigkeit nicht ausgeschlossen, im Gegenteil. Gerade ß nur als Ligatur (wie fi oder fl) zu sehen, schwächt m.E. die orthografische Relevanz einer solchen Funktion. Ob und wie viele Ligaturen verwendet werden, hängt in der Regel von der jeweils verwendeten Schrift (Schriftart) ab und hat normalerweise keine grundlegende Relevanz für die Rechtschreibung oder gar das Erlernen einer Sprache. Wer (außer Buchsetzer) kennt schon die Regeln für den Gebrauch der Ligaturen fi und fl im Deutschen oder gar im Englischen?
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Martin Beesk, Berlin
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