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Deutscher Lehrerverband
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Sigmar Salzburg
25.03.2020 18.36
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Zwei der zehn Todsünden

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, von 2004 bis 2017 Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes

Festvortrag „Die 10 Todsünden der Bildungspolitik“

Daraus:

Todsünde Nr. 3: Die Ideologisierung der Bildungspolitik

Todsünde Nr. 3 ist eine Bildungspolitik, die sich nicht an der Alltagsrealität, den Sachproblemen und der Erfahrungswelt vor Ort orientiert, sondern an Ideologien und Bildungsutopien. Nichts hat in der modernen Geschichte mehr Schaden angerichtet als Ideologien, für die Bildungspolitik gilt das leider auch. Kernpunkt ideologischer Bildungspolitik ist dabei die Vorstellung, dass Schulpolitik in erster Linie Mittel zum Zweck ist, d.h. ein Instrument, um eine bessere neue Gesellschaft durchzusetzen. Im Nachkriegsdeutschland, vor allem ab den 70-er Jahren verbindet sich das mit der Einführung von Gesamtschulen. Die egalitäre Einheitsschule als ein Weg, um eine egalitäre, letztendlich klassenlose, gerechte Gesellschaft herbeizuführen. Gemessen am eigenen Anspruch ist in Deutschland kaum ein Schulmodell so umfassend und klar gescheitert wie die Gesamt- oder Gemeinschaftsschule. Sie hat weder zu besseren Leistungen, noch zu mehr Bildungsgerechtigkeit noch zu den erhofften höheren sozialen Kompetenzen geführt. Gerade auch in Schleswig-Holstein hat es bildungspolitische Phasen gegeben, in denen Ideologie statt Vernunft die Schulpolitik maßgeblich bestimmt hat. Aktuelles Musterbeispiel ist allerdings Baden-Württemberg. Die vor allem ideologisch motivierte Abschaffung von Haupt- und Realschulen, die umfassende Etablierung von Gemeinschaftsschulen, die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung und die massive Ressourcenverschiebung weg von den traditionellen Schularten hin zu den so genannten Reformschulen haben zu einem bespiellosen Absturz Baden-Württembergs bei den Lernerfolgen im Rahmen von Schulleistungsvergleichen geführt. Zwar versucht die jetzige Kultusministerin wieder gegenzusteuern, der Weg zurück an die Spitze wird aber mühsam sein. Gerade in der Schulpolitik würde ich mir – orientiert an der Klassifikation von Max Weber – mehr Verantwortungsethik und weniger Gesinnungsethik wünschen.

Todsünde Nr. 4: Schulreformitis

Ein Ärgernis ersten Ranges in der Bildungspolitik ist die schnelle Abfolge immer neuer Schulreformen, welche Kinder als Versuchskaninchen missbraucht und Lehrkräften eine kontinuierliche Bildungs- und Erziehungsarbeit unmöglich macht. Es handelt sich um die Todsünde Schulreformitis, die unselige Tendenz der Bildungspolitik, immer neue Reformsäue durch die Schullandschaft zu treiben. Es gibt mehrere Ursachen, aus denen sich diese Praxis speist. Die Zuständigkeit für Bildung ist eine der letzten Kernkompetenzen der Länder, weshalb hier der parteipolitische Kampf zuweilen mit besonderer Härte ausgefochten wird. Zudem führt der verkürzende politische Zeithorizont der Legislaturperioden bei den Beteiligten zu der Neigung, „Action“ statt langfristige Perspektivpolitik zu machen. Die Folge ist ein bildungspolitischer Zickzack-Kurs bei jedem Regierungs- oder Koalitionswechsel. Beispiele für gescheiterte Bildungsreformen fallen uns genug ein, eigentlich ist Bildungspolitik geradezu die Geschichte mehrheitlich gescheiterter und nicht überwiegend geglückter Reformen, angefangen bei der Mengenlehre, über die Einführung von Gesamtschulen bis hin zur Umstellung auf G8, der Rechtschreibreform und dem Schreiben nach Gehör. Gemeinsam ist all diesen Reformen, dass sie in der Regel weitgehend ohne vorherige Erprobung, ohne Modellversuche und Evaluationsphasen eingeführt wurden. Bei der Methode „Schreiben nach Gehör“ dauerte es fast 30 Jahre, bevor in einer Studie in NRW das Desaster offenkundig wurde, das mit dieser Methode an Schulen angerichtet wurde. Umgekehrt gingen anerkannte Bildungsforscher wie beispielsweise Olaf Köller der Frage nach, was bei Vergleichsuntersuchungen erfolgreiche Bundesländer wie Sachsen und Bayern in der Bildungspolitik anders machen als die Rankingschlusslichter. Es ist die Kontinuität in der Schulpolitik, Verlässlichkeit und Beständigkeit als feste Koordinaten. In der Tat sehnen sich in vielen Ländern die Lehrkräfte nach einem ruhigen, sicheren Rahmen für ihr pädagogisches Handeln. Sie haben die Nase voll vom ständigen Wechsel zwischen rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln. Oder um es mit den Worten meines Amtsvorgängers Josef Kraus zu sagen: „Die beste Schulreform wäre es, mal eine Legislaturperiode lang keine Schulreform zumachen!“

https://phv-sh.de/wp-content/uploads/2020/03/2020_03_09-Gymnasium-heute.pdf

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Sigmar Salzburg
02.08.2012 05.20
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Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus

„Freiheit Vorrang vor Gleichheit“

Bad Mergentheim. Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus sprach in der Kopernikus-Realschule über Bildung und Erziehung im Wandel. Der prominente Redner hielt mit profilierten Ansichten nicht hinterm Berg.

Eine gerechte Schule „kann nur eine Schule der Leistung sein“ und Freiheit habe Vorrang vor Gleichheit. Josef Kraus, der Präsident des „Deutschen Lehrerverbandes“, führte das anlässlich des Jubiläums der Kopernikus-Realschule aus.
[…]

Verirrungen habe es aber, so der Referent, auch gegeben. Dazu zählte er die Verkürzung der Gymnasialzeit, die Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule in mehreren deutschen Ländern, den „Fetisch der Endlos-Testeritis und der Endlos-Evaluationen“ sowie die Rechtschreibreform und die Abschaffung der Schreibschrift. Verantwortlich für solche Irrwege seien die „ewig-morgigen bildungspolitischen Schlaumeier“ und ihre Ideologie, dass „alle Menschen, Strukturen, Werte und Inhalte gleich beziehungsweise gleich gültig seien“. Ihr „Wahn“ sei es, dass „jeder zu allem begabt und zu jedem Abschluss geführt werden“ könne – daher tappten sie in die „Falle der Spaß-, Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik“. Individualität, Leistung, Anstrengungsbereitschaft, natürliche Reifung und Qualität spielten für sie keine Rolle mehr.

Dem, das betonte Josef Kraus, müsse man Fakten gegenüberstellen. So sei die Gemeinschaftsschule nicht besser als die frühere Gesamtschule, das „Lieblingsobjekt ,progressiver Politik“, das aber „Jahrzehnte der Erfolglosigkeit hinter sich hat“.
[…]

Angesagt sei „eine Renaissance des konkreten Wissens“ und nicht nur der gerade moderne inhaltslose Erwerb von allerlei Kompetenzen. Das bedeute auch, dass man „Bildung statt Pisa“ brauche – beim Pisa-Test seien schließlich weite Bereiche schulischer Bildung wie Fremdsprachen, Literatur, Religion/Ethik, Geschichte, Kunst, Musik, Sport ausgeblendet geblieben. Schule dürfe nicht nur nach Rentabilitätsgesichtspunkten geführt werden – gerade das „unnütze“ Wissen mache den Menschen zum Menschen.

Anstelle der "üblichen Reform-Lyrik“ brauche man „eine rationale und realistische Schulpolitik“, die die Unterschiedlichkeit der Menschen akzeptiere und damit Ernst mache, dass „Bildung ohne Anstrengung und ohne Eigenverantwortung nicht zu haben ist“. Es müsse Schluss sein mit dem ständigen Herumexperimentieren an jungen Menschen. Gefragt sei „mehr Behutsamkeit und mehr Umsicht in der Bildungspolitik“.

swp.de 2.8.2012

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Sigmar Salzburg
25.07.2012 20.36
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Die Rechtschreibreform hat nicht zu mehr Schreibsicherheit beigetragen

Lehrerverband:
Schulpolitik ist verantwortlich für Vernachlässigung der sprachlichen Bildung


BERLIN. Im Zusammenhang mit der Kritik an den mangelnde Grammatik- und Sprachkenntnissen von Studenten, die eine Untersuchung unter Hochschullehrern ergeben hatte, wiederholt der Deutsche Lehrerverband (DL) seine Forderung nach einer Stärkung des Deutschunterrichts. Der Verband beklagt bereits seit Jahren die Vernachlässigung sprachlicher Bildung, heißt es in einer Mitteilung.

„Das Fach Deutsch hat in der jüngeren Schulgeschichte am meisten unter schulpolitischen Vorgaben gelitten“, sagt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Es hätte beispielsweise viele Stunden verloren, der vorgegebene Grundwortschatz von Zehnjährigen sei auf „lächerliche 700 Wörter“ reduziert worden und die Deutschlehrer seien gehalten, mit Texthäppchen statt mit Ganzschriften zu arbeiten. Dem Verbandschef zufolge werde auch das Schreiben von längeren Texten insgesamt weniger verlangt und Schulstoff würde oft nur durch Multiple-Choice-Tests abgefragt. Kraus: „Auch die Rechtschreibreform hat nicht gerade zu mehr Schreibsicherheit beigetragen, und einzelne deutsche Länder sind dabei, die bewährte Ausgangsschrift abzuschaffen.“

Auch international steht Deutschland dem Verband zufolge nicht gut da: Während in den meisten Ländern der Welt die Landessprache als Unterrichtsfach rund ein Viertel des Gesamtunterrichts ausmache, sei es in Deutschland nur rund ein Sechstel. Die Leidtragenden seien die jungen Leute, denen die Sprachkompetenz nicht nur durch ihre „verstärkte Mediennutzung“, sondern auch durch die Entscheidungen der Schulpolitiker vorenthalten würde, heißt es weiter. Deshalb fordert der Verband erneut, dass die 16 Schulminister dem Fach Deutsch mehr Bedeutung, mehr Unterrichtsstunden und verbindliche Inhalte zugestehen.
(25.7.2012)

news4teachers.de 25.7.2012

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Dominik Schumacher
10.08.2004 05.54
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abgeschrieben

Klaus Eicheler hat das Kraus-Interview abgeschrieben. Noch ohne Hervorhebungen.

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Detlef Lindenthal
09.08.2004 15.03
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Kann jemand diese 10 Minuten tippen?

Und die wichtigen Aussagen hervorheben?

Denn die Debatte findet nicht nur im Fernsehen statt, sondern auch bei wichtigen Verbänden, die sich oftmals im Hörfunk äußern.
__________________
Detlef Lindenthal

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Detlef Lindenthal
09.08.2004 14.10
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Deutscher Lehrerverband

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Gymnasium-Direktor Josef Kraus heute morgen, 9.8.2004, 8:20, im DLF (10 Minuten, 1,7 MB)
__________________
Detlef Lindenthal

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