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Forum > Beispielsammlung über Sinn und Unsinn
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Sigmar Salzburg
27.03.2014 11.20
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Hamed Abdel-Samad

Der islamische Faschismus
Eine Analyse


Hardcover, Droemer HC
224 S. 18,- €
ISBN: 978-3-426-27627-3

Aus dem Vorwort

»Wanted Dead«
Einmal sah ich auf Facebook ein mit Photoshop gefaktes Bild. Ein böse dreinblickender, bärtiger Mann hält ein Plakat hoch, auf dem geschrieben steht: »Enthauptet diejenigen, die behaupten, der Islam sei die Religion der Gewalt.« Ich habe herzlich gelacht über diese elegante und doch sehr treffende Beschreibung der bitteren Realität. Das Lachen blieb mir jedoch im Hals stecken, als ich plötzlich mein eigenes Porträt auf Facebook entdeckte, versehen mit dem Schriftzug »Wanted Dead«. Anlass für diesen Mordaufruf war ein Vortrag, den ich am 4. Juni 2013 in Kairo gehalten hatte...

droemer-knaur.de

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Sigmar Salzburg
26.02.2014 18.47
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Die Tugendterroristen in Aktion

Thilo Sarrazins Buch „Der neue Tugendterror“ (DVA) liegt seit gestern in den Buchhandlungen. Es ist, wie zu erwarten, in der „leichter lern- und lesbaren“ reformierten Rechtschreibung veröffentlicht. Der Teil des Tugendterrors, der zu ihrer Durchsetzung die „Leid tragenden“ Schulkinder instrumentalisierte, wird daher mit keinem Wort erwähnt. Sarrazin schreibt im übrigen:

„Ich analysiere das Glaubensbekenntnis jener, die im heutigen deutschen Meinungsklima auf der Seite des Guten sind und demgemäß immer Recht haben.“

Wer in diesem Forum mitgelesen hat, wird vieles schon kennen und bestätigen können. So recht der Autor hat – er wird von den Medien, die auch Zielscheibe seiner Kritik sind, erwartungsgemäß zerrissen. Spiegel online bietet gleich drei Schreiber auf, um den Autor standrechtlich zu erledigen.

Jan Fleischhauer behauptet, die hohe Auflage des Buches beweise, daß man sich um die Meinungsfreiheit in Deutschland keine Sorgen zu machen brauche. Nicht erwähnt wird, daß nur der hohe Bekanntheitsgrad den Autor schützt. Aber selbst er wird kurz darauf demonstrativ aus einer ARD-Gesprächsrunde ausgeladen, um dem Oberhaupt einer spanisch-marrokanischen Unterwanderer-Familie Platz zu machen. spiegel.de 13.2.14

Stefan Kuzmany schreibt unter dem Titel
„Der schon wieder“:
„Seine Taktik ist altbekannt: Erst wird ein Tabu konstruiert, um es dann mit großem Getöse zu brechen.“
Als ob nicht in den letzten Jahrzehnten Tabus wie nie zuvor aufgebaut worden sind, die man nur der Wirklichkeit zu entnehmen braucht. spiegel.de 24.2.14

Für Jakob Augstein ist Sarrazin schließlich ein
„Böser Geist der sozialen Kälte“, der die Gleichheit der Menschen ablehne:
„Nun nimmt Sarrazin nicht weniger als die Gründungsidee des Westens aufs Korn: die Gleichheit des Menschen.“
Dabei vermengt er rechtliche und soziale Gleichheit. Und auch er unterstellt wie Fleischhauer:
„Sarrazins Buch über den Tugendterror zieht seine Wucht nicht aus der Sorge um das Wohl der Welt, sondern aus der gekränkten Eitelkeit des Autors.“ spiegel.de 24.2.14

Der „Focus“ ist in seinen Unterstellungen noch dreister: Aus der Bemerkung, die Intelligenzquotienten wiesen bei Männern eine größere Streuung auf als bei Frauen, macht Focus die Behauptung, Männer seien intelligenter als Frauen. focus.de 23.2.14
:

Thilo Sarrazin: Männer sind klüger als Frauen

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Sigmar Salzburg
19.01.2014 09.48
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Keine Quäntchenwelten

Am 16.11.13 hatte ich auf die deutsche Ausgabe der Sammlung von Aufsätzen des Physikers John S. Bell „Sechs mögliche Welten der Quantenmechanik“ (Oldenbourg Verlag) hingewiesen. Da mich das Thema ungleich mehr interessiert als die Affenreform, habe ich mir das Buch kommen lassen. Dabei stelle ich wieder die in wissenschaftlichen Texten weit verbreitete Handhabung fest: Es werden nur die neuen ss beachtet bzw. maschinell erzeugt. Das meiste andere wird herkömmlich vernünftig geschrieben: im allgemeinen, des öfteren, als erster, im wesentlichen, im voraus, zur Zeit...

Da solche Texte keine Lyrik enthalten, finden wir dort auch wohl kaum die unpoetischen Fürze der „Reform“, wie „rau“, „belämmert“ „Quäntchen“ oder „Tollpatsch“.

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Sigmar Salzburg
25.09.2013 07.25
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Empirische Philosophie

„Quantenmechanik ist eine empirisch begründete Theorie (sonst wäre niemand auf so etwas Abwegiges gekommen)“

H.Dieter Zeh in „Physik ohne Realität: Tiefsinn oder Wahnsinn“ (Springer-Verlag 2012), S. 198

Wie erwähnt, hatte ich mir die Schriften von Prof. H.Dieter Zeh kommen lassen – aus philosophischem Interesse und weil sie auf seiner Homepage in traditioneller Rechtschreibung verfaßt sind. Leider wurden die Aufsätze für die Buchausgabe durchgängig in die reformierte ss-Schreibung übersetzt – alles übrige blieb aber unangetastet. Naturgemäß wimmelt es nun von „Messer-gebnissen“ und ähnlichem. Der Zeilentrennautomat teilte zudem den „symmetrieb-rechenden Phasenübergang“. Herkömmlich blieben aber „im allgemeinen“, „im wesentlichen“, „im folgenden“, „des öfteren“ usf. Ein verwendetes Wort habe ich im Duden nicht gefunden: Hinter „Win-win-Situation“ fehlt „Winzecke“ (S. 161).

Zum Inhalt: H.D. Zeh ist vertritt die Viele-Welten-Interpretation der Quantenphysik nach Hugh Everett (1957). Grundlage ist die Schrödinger-Gleichung ohne zusätzliche Hilfskonstruktionen wie Wellenkollaps u.ä. Die Welt wird verstanden als unendlichdimensionales Ganzes, von dem wir nur Teile wahrnehmen können. Während die gleichermaßen bedeutsame Relativitätstheorie vergleichsweise leicht verständlich ist, konnte in der Quantentheorie bis heute keine auch nur annähernde Einigung über deren philosophisch substantielle Aussage erreicht werden.


Siehe auch:
H.Dieter Zeh „Die sonderbare Geschichte von Teilchen und Wellen“
uni-heidelberg.de

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Sigmar Salzburg
26.08.2013 09.20
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Scheindemokratie

„Die Mitmachfalle“

Das Buch von Thomas Wagner mit diesem Titel wird in der „jungen Welt“ besprochen (die die Mitmachfalle „Rechtschreibreform“ weiterhin links liegen läßt):

Heiner Geißler gilt in der breiten Öffentlichkeit als unkonventioneller »Querdenker«; er ist zwar Christdemokrat, aber auch Mitglied von ATTAC, außerdem plädierte er als »Schlichter« im Konflikt um das Bahnhofsprojekt »Stuttgart 21« für die Bürgerbeteiligung bei großen Bauvorhaben. Daß Geißler ein parteiischer Vermittler war, der das Steuermilliarden verschlingende Baggerloch nicht hinterfragen, sondern im öffentlichen Dialog legitimieren wollte, merkten viele Stuttgarter erst im nachhinein. Die Bewegung gegen »Stuttgart 21« wurde ein Opfer dessen, was der Soziologe und jW-Redakteur Thomas Wagner im Titel seines neuen Buchs die »Mitmachfalle« nennt...

Ähnliche Drahtzieher stehen, wie Wagner zeigt, auch hinter anderen, angeblich bürgernahen Prozessen: Unternehmen inszenieren Bürgerinitiativen, um die Ansiedlung von Ikea- oder Aldi-Märkten durchzusetzen; kirchliche Gruppen gründen »Bürgerplattformen« und geben vor, die Einwohner eines ganzen Viertels zu repräsentieren. Finanziell unterstützt werden derartige Projekte insbesondere von der Bertelsmann-Stiftung...

Thomas Wagner: Die Mitmachfalle – Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument. Papyrossa Verlag, Köln 2013, 163 Seiten, 12,90 Euro

jungewelt.de 26.8.2013

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Sigmar Salzburg
02.08.2013 17.17
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Unreformierte Rezension in „Ossietzky“

Wer ist eigentlich der Staat?

fragt Daniela Dahn in ihrem neuen, überaus lesenswerten und glänzend formulierten Buch, und sie stellt die These auf, daß es heute nicht mehr ausreicht, eine Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat zu postulieren, sondern daß eine Zeit der Selbstermächtigung unweigerlich anbrechen müsse, da sonst die weltweiten Konflikte niemals zu lösen sein werden...

Mit ihren Formulierungen trifft Daniela Dahn den Nerv: »Ausgegangen ist die Macht vom Volk und nie zurückgekehrt. Auch bei den Abgeordneten hat sie nur einen Zwischenstopp gemacht. 80 Prozent von ihnen fühlen sich inzwischen ohnmächtig.« – »In Europa ist die Kluft zwischen arm und reich inzwischen so groß wie vor der französischen Revolution.« – ... »Die Parlamente haben Macht an die Regierung abgegeben, die hat die Macht an die EU, diese an die Weltbank, alle haben Macht an die Profitwirtschaft abgegeben.«

Doch Daniela Dahn ist auch zuversichtlich: Denn die heute unvollkommenen Demokratien seien dabei, neue Demokraten »auszuwerfen«, man könne das in allen Ländern sehen, diese Menschen sind unduldsamer und selbstbewußter als früher, sie verlangen echte Teilhabe an der Macht und eine freiheitliche, demokratische Grundordnung, die ihnen der Staat längst nicht mehr garantiert.

Der Staat selbst ist Teil des Problems. Er bedarf einer Veränderung. Parlamentarismus hat sich überlebt, neue Formen der Bürgerbeteiligung müssen entwickelt und durchgesetzt werden, das muß gesetzlich neu verankert werden. Die Staatsgewalt muß zu ihren Bürgern zurückgebracht werden, mittels Gesetzen.
Anja Röhl

Daniela Dahn: »Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt«, Rowohlt Verlag, 174 Seiten, 16,95 €

Ossietzky 15

Das Buch leider in Rowohlt-Reformschreibung

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Sigmar Salzburg
06.07.2013 10.28
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Gerechtigkeit für Igel

Christoph Pöppe rezensiert bei spektrum.de das Buch des Rechtsphilosophen Ronald Dworkin (1931-1913), „Gerechtigkeit für Igel“, das deutsch 2012 bei Suhrkamp in bewährter Orthographie erschienen ist. Sowohl die Gedanken Dworkins als auch die altertümelnde Reformschreibung Pöppes sind bemerkenswert:

... Für die Wahrheitsfindung nach Dworkin muss man in einem langen, mühsamen Prozess Erfahrungen sammeln und Argumente abwägen.

Vor allem aber müsse die ganze Interpretiererei von dem Bestreben geleitet sein, das einheitliche Gebäude der Werte herzustellen. Insbesondere seien Begriffe wie Freiheit, Gleichheit und Demokratie so zu interpretieren, dass sie eben nicht, wie häufig behauptet, im Widerspruch zueinander stehen.

Im zweiten Teil des Buchs setzt Dworkin dieses Programm dann in die Tat um, mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. So postuliert er, dass jeder Mensch zu einer gelungenen Lebensführung verpflichtet sei. Daraus ergibt sich die Forderung, dass niemand ihn an der Erfüllung dieser Pflicht hindern darf, und daraus die klassischen Menschenrechte, die im deutschen Grundgesetz auf die „freie Entfaltung der Persönlichkeit“ hinauslaufen.
Unter Dworkins Interpretation bleibt auch von der gängigen Vorstellung von Demokratie nicht viel übrig. Er zählt zahlreiche Fälle auf, in denen eine Mehrheitsentscheidung die – von ihm sehr extensiv ausgelegten – Menschenrechte beeinträchtigt, und setzt an die Stelle des „majoritären“ Demokratiebegriffs einen „partnerschaftlichen“, den ich mir näher ausgeführt gewünscht hätte.

Immerhin rechtfertigt er ausführlich die „judicial review“, jenes sowohl in den USA als auch hier zu Lande gültige Prinzip, nach dem ein Gremium von nicht gewählten, sondern nur der gemeinschaftlichen Wahrheitsfindung verpflichteten Richtern eine Entscheidung des Parlaments aufheben darf, selbst wenn es damit dem Willen des ganzen Volks zuwiderhandelt...

Ich gestehe, dass mich Dworkins monumentales Gedankengebäude fasziniert. Das gilt vor allem für die These, dass Wahrheit schon dadurch – und nur dadurch – zu Stande kommt, dass man ein großes, umfassendes und vor allem widerspruchsfreies Gedankengebäude errichtet.

spektrum.de 5.7.2013

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Sigmar Salzburg
18.04.2013 05.52
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Das sogenannte Gute

Woher kommt Altruismus und wie_viel Altruismus ist natürlich?
[Buchbesprechung]
Moral hat sich von innen nach außen, vom Kern der tierischen und menschlichen Gefühle zum komplizierten Regelwerk entwickelt. Und diese Gefühle erfüllen ein Bedürfnis, dass es dem Nächsten, zunächst dem familien- und gruppenmäßig nächsten, gut geht, und entsprechen einer Abneigung, ihm Schaden zuzufügen. Ohne Sollen.

Frans de Waal: “The Bonobo and the Atheist. In Search of Humanism Among the Primates“, Norton & Company New York, London 2013, 289 Seiten, Hardcover ab 16,83 Euro.

hpd.de 16.4.2013

Hier wollte der Rezensent unterscheiden zwischen dem sozial Nächsten und dem räumlich Nächsten. Die herkömmliche Kleinschreibung hat man jedoch meist die Reihenfolge beschränkt.

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Sigmar Salzburg
12.04.2013 13.04
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Gegen den „Neuro-Wahn“ – gewiß lesenswert

Rezension

Wohnt hier das Böse?

Berlin. (hpd) Der Wissenschaftler Felix Hasler hat den „Neuro“-Wahn untersucht und festgestellt, dass die Vorsilbe „Neuro“ seit der in den 1990er Jahren von George Bush ausgerufenen „Dekade des Gehirns“ jeden Wissenschaftszweig zum Medienereignis machen kann. Sein kritisches Buch „Neuromythologie“ wurde im Festsaal der renommierten „Berlin School of Mind and Brain“ vorgestellt…

Das Buch „Neuromythologie – Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung“ ist erschienen bei transcript und kostet 22,80 €.

hpd.de 12.4.13

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glasreiniger
11.04.2013 11.19
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Re: Gisbert Haefs

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
Historien-Autor Gisbert Haefs schreibt über Alexanders Erben

Von Haefs dürfte die Mehrzahl seiner etwa vierzig Bücher noch in der klassischen Rechtschreibung erschienen sein. Bei Neuausgaben werden die Verlage vermutlich auf Übersetzung in die „leichter lesbare“ Reformschreibung bestehen.


Der genannte Caesar-Roman erschien jedenfalls noch 2007 in ordentlicher Rechtschreibung (ich habe ihn in der Heyne-Taschenbuchausgabe von 2008).

Bei Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen: Auch Alexanders Erben kann man unbedenklich kaufen.

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Sigmar Salzburg
10.04.2013 19.29
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Gisbert Haefs

Historien-Autor Gisbert Haefs schreibt über Alexanders Erben

Der Autor Gisbert Haefs ist ein virtuoser Meister der Erzählkunst und findet seine Stoffe in allen Epochen. In seinen historischen Romanen bringt der dem Leser das Weltgeschichte nahe, so dass er es aus einer neuen Perspektive wahrnimmt. Jetzt schreibt er über „Alexanders Erben“…

Der Bonner Autor hat eine Krimiserie im antiken Karthago angesiedelt und eine weitere in der paranoiden Welt des 16. Jahrhunderts. Er hat die beste Romanbiographie über Julius Cäsar verfasst, die je auf den Markt gekommen ist, und er erfindet Krimis um den Bonner Universaldilettanten Baltasar Matzbach, den man manchmal als sein anderes Ich bezeichnen möchte …

Gisbert Haefs ist ein großer Erzähler, und seine Bücher ragen himmelhoch hinaus aus dem Einerlei der historischen Romane, wo Geschichte bestenfalls als Kolorit herhalten muss. „Im Übrigen muss man die Gebiete, auf denen man versagen könnte, so weit streuen, dass außer einem selbst sie keiner überblicken kann“, fasst der 63-Jährige im Gespräch augenzwinkernd seine Doppelrolle als Übersetzer und Schriftsteller zusammen…

Der Hillesheimer KBV-Verlag legt jetzt die Krimireihe um Baltasar Matzbach neu auf, den Querdenker und Rätsellöser, der eigene Bildungslücken sammelt und Besucher zum Nichtrauchen auf die Terrasse schickt. In „Finaler Rettungskuss“, dem 9. Fall des Antihelden, spricht sich Matzbach seinen Zorn von der Seele. „Also, was brauchen wir? Neues Steuersystem. Neues Rentensystem. Neues Gesundheitssystem. Vielleicht eine neue Außenpolitik. Bestimmt eine andere Wirtschaftspolitik – wozu sollen wir eigentlich Banken finanzieren! Ach was. Nein, was haben wir statt dessen gekriegt? Eine Rechtschreibreform und ein Rauchverbot!“ …

derwesten.de 8.4.2013

Von Haefs dürfte die Mehrzahl seiner etwa vierzig Bücher noch in der klassischen Rechtschreibung erschienen sein. Bei Neuausgaben werden die Verlage vermutlich auf Übersetzung in die „leichter lesbare“ Reformschreibung bestehen.

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Sigmar Salzburg
07.04.2013 06.18
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Timur Vermes

ER IST WIEDER DA
Roman
Eichborn Verlag 2012
… Preisempfehlung 1933 Cent

Der satirische Roman ist eine Zeitreisegeschichte. Der Autor versetzt den seiner Selbstverbrennung entkommenen Adolf Hitler, noch mit benzindurchtränkten Klamotten, ins Berlin von 2011. Dort berichtet er in Ich-Form von seinen Eindrücken, Erlebnissen und Beurteilungen.

Besonders stilecht wirkt der Roman dadurch, daß er die von unseren Kultusministern weiterentwickelte Reformorthographie des NS-Reichserziehungsministers Rust (Version 1944) verwendet, das heißt viel „ss“ und abweichende Groß- und Getrenntschreibungen. Dies gibt zwar den bombastischen Sprachstil des „Führers“ gut wieder, nervt und ermüdet aber auf die Dauer. Es wimmelt nur so von „als Erstes“ und „als Nächstes“. Wie der originale Hitler und sein Wiedergänger im Roman folgen bei der Durchsetzung solcher Schreibweisen auch die Kultusminister dem Machtkalkül: „Die Jugend ist die Zukunft“.

Ansonsten hier nur noch der Hinweis auf die Rezension in der „Welt“:


Das Buch, das abgeht wie Hitlers Hund
Sein Roman „Er ist wieder da“ ist ein Bestseller. Jetzt wundert sich Timur Vermes, warum so viele Leute die Welt durch die Brille seines Helden sehen wollen. Denn der heißt: Adolf Hitler…

Vermes lässt seinen Hitler einmal mehr die Demokratie demontieren. Er erspart seinem Leser nichts, der soll, sagt er, „seine Werte, so er denn welche hat, beim Lesen selbst verteidigen. Ich tue das nicht für ihn.“
Subtile Kritik oder plumpe Ressentiments?

Stattdessen gibt es Hohn und Spott für Hartz-IV-Empfänger („Jammergestalten, mit denen ich mir selbst unter Zuhilfenahme größter Fantasiereserven keinen Fahnenappell auf dem Nürnberger Zeppelinfeld vorstellen könnte“).
Und wenn Hitler sich freut, dass den jungen Türken in Deutschland „scheinbar nur die einfachsten Sprachkenntnisse beigebracht werden“, lässt Vermes ihn gewähren. Der Leser kann das als fröhliches Aufstampfen des alten Nazi-Rassismus verstehen. Aber eben auch als (in Satire verpackte) Kritik der bestehenden Verhältnisse.

welt.de 27.1.2013

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Sigmar Salzburg
04.04.2013 10.39
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„Der Kleine Prinz“ wird 70 Jahre alt

Mit seinem etwas wehmütigen Lächeln und seinen hintergründigen Bemerkungen hat „Der Kleine Prinz“ Millionen von Kindern und Erwachsenen in aller Welt berührt und zum Nachdenken gebracht.
Nun wird der Erfolgsroman von Antoine Saint-Exupery 70 Jahre alt …

1950 wurde „Le Petit Prince“ ins [damals noch unverschandelte] Deutsche übersetzt.

Weltweit wurden rund 134 Millionen Exemplare des „Kleinen Prinzen“ mit dem goldblonden Strubbelhaar und dem langen blauen Mantel verkauft. Die rund 100 Seiten lange Erzählung ist damit eines der am meisten verbreiteten nicht religiösen Bücher.

news.orf.at 4.4.2013

Siehe auch hier.

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Sigmar Salzburg
26.03.2013 07.03
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Bluff und Blöff

Theodor Much
Der große Bluff
Irrwege und Lügen der Alternativmedizin.

Goldegg Verlag 2013

Das vorliegende Buch kann als Wegweiser dienen, es enthüllt – wie der Untertitel sagt – die Irrwege und Lügen der sogenannten Alternativmedizin. Es bietet seriöse Aufklärung für offene, kritische Menschen, die gegebenenfalls auch bereit sind, bereits vorhandene „Überzeugungen“ und gegen Kritik gerichtete eigene Immunisierungen zu hinterfragen, bzw. aufzubrechen…

Der Autor, Facharzt für Dermatologie und ehemaliger Leiter der Hautambulanz im Hanusch-Krankenhaus Wien, versteht es – gut lesbar und leicht verständlich – über die Zusammenhänge und Hintergründe alternativmedizinischer Angebote sachgerecht zu informieren und vor deren oft sinnlosen und sogar gefährlichen Praktiken zu warnen…
hpd.de 25.3.2013

Aus dem Buchtext: „An dieser Stelle muss ich allerdings zu meiner Schande bekennen, dass auch ich vor rund zwanzig Jahren – gegen den Rat meiner skeptischen Frau – eine Zeit lang an die wundersame Wirkung der Homöopathie geglaubt habe …“

Titel und Thema entsprechen, bis auf die Rechtschreibung, dem im Stolzverlag erschienen Bändchen von

Claudia Ludwig und Karin Pfeiffer-Stolz,
Der große 'Blöff'

Stolzverlag 2005,

das sich mit einer Unterabteilung des Quacksalbertums befaßt – der „Rechtschreibreform“ und den Heilungsversprechungen ihrer Betreiber bei der Behandlung von Rechtschreibschwächen. Im Gegensatz zur Medizin kann jedoch jeder aufmerksame Normalbürger den Unsinn der hier angewandten Heilsmethoden erkennen. Die wenigsten haben an die wundersame Wirkung der „Reform“ geglaubt. Ihre Einführung ist von verantwortungslosen Politikern und Medien erpreßt worden. – Siehe auch hier

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Sigmar Salzburg
19.03.2013 06.51
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Marco Carini

Die Achse der Abtrünnigen
Über den Bruch mit der Linken,
Berlin 2012 (Rotbuch-Verlag)

(hpd) Der Journalist Marco Carini geht in „Die Achse der Abtrünnigen. Über den Bruch mit der Linken“ der persönlichen und politischen Entwicklung ehemaliger Kommunisten von Arthur Koestler bis Götz Aly nach…

Dabei wählt Carini eine historisch-chronologische Perspektive und widmet sich zunächst den „Renegaten“ der ersten Generation: Margarete Buber-Neumann, Arthur Koestler und Wolfgang Leonhard gehörten zu jenen früheren Kommunisten, die nach dem Hitler-Stalin-Pakt und den stalinistischen „Säuberungen“ den Bruch vollzogen.

Für die zweite Generation spielte dann die Erfahrung der Repressionspolitik in der DDR von der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 bis zum Bau der „Mauer“ am 13. August 1961 eine wichtige Rolle. Diese Ereignisse motivierten Heinz Brandt, Ralph Giordano und Alfred Kantorowicz in der Bundesrepublik Deutschland und Robert Havemann, Stefan Heym und Erich Loest in der DDR zum Bruch.

Die dritte Generation der „Renegaten“ reagierte schließlich auf den Dogmatismus und Fanatismus der Achtundsechziger und der „Neuen Linken“. Hierfür stehen die heute noch in den Medien allgegenwärtigen Publizisten Götz Aly, Henryk M. Broder, Jan Fleischhauer, Richard David Precht und Klaus Rainer Röhl.

Der zweite, kürzere Teil über die „Abtrünnigen“ widmet sich ihrer öffentlichen Präsenz in Debatten über politische Themen, wozu die polarisierten Kontroversen über Achtundsechziger, Antisemitismus, DDR, „Dritte Wege“, Frieden, Gender, Islam oder Sarrazin gehören. Der Autor veranschaulicht dadurch, welchen hohen Anteil die „Renegaten“ für das politische Meinungsbild haben…

Carini legt mit seinem Band eine überaus informative Darstellung zum Thema vor. Er schreibt aber mehr wie ein Historiker und weniger wie ein Politikwissenschaftler…

Armin Pfahl-Traughber
hpd.de 8.2.2013

Der letzte Satz dürfte nicht ganz zutreffen, denn Carini und sein Verlag zitieren alle Quellen – wie der unwissenschaftlich veröffentlichende Guido Knopp – in der reformierten Reformschreibung von 2006. Da die Mehrzahl der Texte davor, auch vor dem Jahre des Unheils 1996, entstanden ist, kann man schon von einer durchgehenden („unwichtigen“) Geschichtsfälschung sprechen. Besonders unangenehm fällt das bei Ralph Giordano auf, der sich ja deutlich gegen die „Reform“ ausgesprochen hat. Ansonsten wundert man sich, wer alles ursprünglich „links“ sozialisiert war, sicher nicht ohne Rückstände. Auch die pädophile Befreiungstheologie der 68er hat in der Diskussion um Gender, Röhl und Cohn-Bendit bis heute Nachwirkungen.

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