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Sigmar Salzburg
15.06.2019 04.17
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Hildebrandslied

Wie ich aus meiner Beschäftigung mit alten Musikhandschriften weiß, darf man sich nie auf neuzeitliche Wiedergaben verlassen. Oft fehlen darin Striche und Punkte, die übersehen oder für Fliegendreck gehalten wurden. Ein Wikipedianer hat sich nun bemüht, das originale „ƿ“ (v oder w) im Unicode nachzubilden. Man sieht jedoch im Faksimile, daß zum Zeichen meist noch ein längerer, leicht gebogener Accent aigue gehört. Aber darum soll es nicht gehen, sondern um folgenden Hinweis:

... die Verse 46–48 werden heute von der überwiegenden Zahl der Forscher Hadubrand zugeschrieben; die Platzierung nach Vers 57 wird befürwortet.
Mich störte bei der Deklamation ebenso der kurz aufeinander folgende, ähnlich klingende Beginn der Verse (46) „ƿela gıſihu ıh ın dınem hruſtım“ und (49) „ƿelaga nu ƿaltant got quad hıltıbrant ƿeƿurt ſkıhıt “ wie die Unlogik, daß Hildebrand nach seiner Toterklärung durch den Sohn dessen Rüstung bewundert haben sollte. Erinnerungspsychologisch ist klar, daß der Schreiber oder seine Gewährsleute durch den ähnlichen Anfang aufs falsche Gleis geraten sind. Allerdings scheint mir nach der Verschiebung hinter Vers 57 nun ein Übergang zu Vers 61 zu fehlen.



Hildebrandslied– Faksimile: Wikipedia

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Sigmar Salzburg
12.06.2019 10.32
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Hans Olde – Impressionist des Nordens

Dank an Peter Petersen für den Hinweis auf die bemerkenswerte Ausstellung. Hans Olde ist Nietzsche-Kennern vor allem durch sein Bildnis des Philosophen in verschiedenen Variationen bekannt. Zu dem Zeitpunkt hatte dessen geistige Erkrankung schon zehn Jahre angedauert. Oldes Darstellung vermittelt noch einen Abglanz des einstigen scharfen Denkers. Aber auch das übrige Werk und Wirken des Malers ist beachtenswert:





Hans Olde, Friedrich Nietzsche, ölhaltige Farben auf Pappkarton, 1899

Zu den herausragenden Erneuerungen gehörte außerdem, dass Hans Olde 1902 die Zulassung von Frauen zum Kunststudium veranlasste – ein Novum im Deutschen Reich. Im selben Jahr wurde auf Erlaß von Wilhelm Ernst die Kunstschule – die bisher großherzogliche Privateinrichtung war – verstaatlicht und erhielt den Namen Großherzoglich Sächsische Kunstschule. Die Anstalt erlebte aufgrund der Reformen eine neue Hochzeit. Bereits die Berufung des neuen Direktors sorgte für eine steigende Anzahl von Studierenden, von denen sich einige zu sehr erfolgreichen Künstlern entwickelten, darunter Hans Arp, Max Beckmann, Ivo Hauptmann und Otto Illies.

Zweifelsohne war Wilhelm Ernst und seinen Beratern mit Hans Olde ein Glücksgriff gelungen: Seine Berufung wurde sowohl von traditionellen als auch von modernen Kreisen begrüßt. Die Presse war allgemein voll des Lobes für den Direktor. So heißt es in einem Artikel über die Deutsche Ausstellung in Düsseldorf in der „Weimarischen Zeitung“ im September 1902 über den Künstler:

„Wie Recht die Künstlerkreise Weimars haben, Professor Hans Olde mit Stolz an ihrer Spitze zu sehen (…).“

Der Blogtext basiert auf dem Aufsatz „… eine das Leben bereichernde Episode…“ Hans Oldes Weimarer Jahre (1902–1911) aus dem Katalog „Impressionist des Nordens. Hans Olde“ zur Ausstellung auf Schloss Gottorf, die noch bis zum 20. Oktober 2019 besucht werden kann.

Zu Ausstellung “Impressionist des Nordens – Hans Olde d. Ä.”
Daß meine Anschrift 26 Jahre lang „Hans-Olde-Weg“ war, erhöht noch einmal den Reiz, mich von neuem mit dem Werk des Malers zu beschäftigen.

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Sigmar Salzburg
06.06.2019 18.03
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„Dante Alighieri – Einblicke in Leben und Werk“

Gestern, am 5. Juni 2019, war in der Kieler Kunsthalle ein Vortrag mit dem obigen Titel als Veranstaltung der „Società Dante Alighieri – Deutsch-Italienische Gesellschaft e. V. Kiel“ zu hören. Vortragender war Peter Petersen, Altphilologe, Kunstgeschichtler und ehemaliger Lehrer für Griechisch und Latein an der Kieler Gelehrtenschule.

Anlaß war die Verabschiedung des Vorsitzenden der Gesellschaft von 1978 bis 2019, Prof. Sebastiano Caso, der sich nun wohl in seine italienische Heimat zurückziehen will. Er war auch selbst zugegen und sprach eine kurze Begrüßung. Zu seinem achtzigsten Geburtstag vor zwei Jahren hatten die Kieler Nachrichten ein freundliches Lebensbild von ihm gezeichnet. Zugleich wurde Hermann Gmelins gedacht, der die Romanistik an der Kieler Universität bis zu seinem Tod 1958 vertrat und der ein Kenner, Übersetzer und Kommentator Dantes war.

Petersens Vortrag, auf eine gute Stunde berechnet, dauerte dann doch noch eine spannende Dreiviertelstunde länger und wurde, wie gewohnt, mit sachkundig ausgewähltem Bildmaterial untermalt. Dantes Lebensstationen waren, nach Petersen:

A. Heimat Florenz 1265 – 1302: Jugend, Schulzeit, Begegnung mit Beatrice, Lyriker und Familienleben, Studium in Bologna, politische Tätigkeit in Florenz, B. Exil in Oberitalien 1302 – 1321: Bologna, Treviso, Venedig, Trient, Padua, Verona, Lunigiana, Ravenna, ... Venedig; Tod in Ravenna.

Biographische Zeugnisse über das Leben Dantes gibt es fast ausschließlich nur in seinem Werk: „La Vita Nuova“ (1293), „Il Convivio“ (1304), De Vulgari Eloquentia Doctrina“, „De Monarchia“, Divina Comedia“ drei Teile, Epistolae/Ecloghe; Il Fiore — Detto d’Amore

Neben den schriftlichen gibt es eine Reihe von fast zeitgenössischen „authentischen“ Bildern: Giotto, Fresko im Barghelllo (ca. 1321) Boccaccio, Porträt und „Divina Comedia“, Luca Signorelli, Dom in Orvieto
Auch dies steht in dem zum Vortrag beigegebenen 24seitigen Leitfaden, den Petersen ausgearbeitet und reich bebildert im Farbdruck vervielfältigt hat, S. 9:
Italienisches Original [VITA NUOVA]
[...] sì tosto com'io imagino la sua mirabile bellezza,
sì tosto mi giugne uno desiderio di vederla,
lo quale è di tanta vertude
che uccide e distrugge ne la mia memoria
ciò che si potesse levare;
e però non mi ritraggono le passate passioni
da cercare la veduta di costei...

Deutsche Übersetzung
[…] sobald ich mir ihre wunderbare Schönheit vorstelle,
[ergreift mich] sogleich ein Verlangen [...] sie wirklich zu sehen,
und [...] dieses [ist] von solcher Wirkungsmacht [...],
daß es in meinem Gedächtnis tötet und vernichtet,
was sich dagegen erheben könnte
und deshalb halten mich die vergangenen Leiden nicht davon ab,
ihren Anblick zu suchen.

Die Erinnerung des Ichs reicht nur soweit, “dass es sich ein Bild davon macht, wie Amor es zurichtet.
La mia memoria movesse la fantasia ad imaginare quale amore mi facea
Diese Zeilen mögen genügen, um anzudeuten, welch ein literarisches und ästhetisches Vergnügen der Vortrag bereitete.

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Sigmar Salzburg
29.05.2019 12.39
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Gedenktag

Ich erinnere mich noch, daß 1953 der 500ste Jahrestag des Falls von Konstantinopel in allen Medien ausgiebig besprochen wurde. Heute darf in Österreich noch nicht einmal der Abwehr der Türken vor Wien 1683 gedacht werden, um nicht die zur Majorität strebende Ethnie in der Stadt zu verletzen. Die „Welt“ als eine der wenigen Zeitungen erinnert an den Sieg Mehmeds II.

29. Mai 1453: Die Türken erobern Konstantinopel

Nach achtwöchiger Belagerung erobern die Türken unter Sultan Mehmed II. am 29. Mai 1453 die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. Der letzte Kaiser Ostroms, Konstantin XI. Dragases, fällt im Kampf...

Bald nach dem Fall Konstantinopels fallen auch die letzten byzantinischen Besitzungen wie Trapezunt und Mistras auf der Peloponnes an die Osmanen.

Mehr über den Fall von Konstantinopel liest du hier.
Der dummduzende Hinweis führt auf die fulminante Darstellung von Jan von Flocken, wie der Westen das Bollwerk gegen den Islam im Stich gelassen hat, die Türken die Macht über den ganzen Balkan ergreifen ließ und, man müßte heute ergänzen, islamische „Schutz Suchende“ arglos einwandern läßt.
Roms letzter Kampf gegen die Heere des Islam

Über Jahrhunderte hinweg hatte Byzanz als Europas Bollwerk im Osten Europas gedient. Doch als im April 1453 das osmanische Heer den Großangriff eröffnete, kam aus dem Westen keine Hilfe.

Veröffentlicht am 30.01.2016 | Lesedauer: 7 Minuten

Von Jan von Flocken

Der byzantinische Kaiser Konstantin XI. Palaiologos (1405–1453) herrschte nur noch über eine schwindende Stadt, in der vielleicht noch 40.000 bis 50.000 Menschen lebten.

Gegen ihn zog der Osmanen-Sultan Mehmed II. (1432–1481) ein Heer von mehr als 100.000 Soldaten zusammen.

„Der plötzliche Lärm war schreckenerregend. Die Türken stürzten entlang der gesamten Mauerlänge zum Angriff vor und stießen dabei ihre schrill kreischenden Schlachtrufe aus, indes Trommeln, Trompeten und Pfeifen * sie ermutigend antrieben... Der letzte Tag von Konstantinopel als Hauptstadt eines mehr als tausend Jahre alten christlichen Reiches war angebrochen.

Dieses Europa aber sah 1453 tatenlos zu, wie Konstantinopel von einer Übermacht der Türken belagert und erobert wurde...

[Sultan Murads]... erst 19-jähriger Sohn Mehmed II. verstand sich als fanatischer Glaubenskrieger. Seine intellektuelle Bildung (er beherrschte sechs Sprachen) hinderte ihn nicht daran, alle Untertanen mit unerbittlicher Härte zu behandeln *. Schon im Sommer 1451 begannen seine Vorbereitungen zur Belagerung Konstantinopels.

Die türkische Artillerie war Furcht einflößend

Die Mauern der Stadt waren nur durch Artillerie zu bezwingen, eine Waffengattung, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. 1452 gelang es Mehmed, einen ungarischen Ingenieur namens Orbán zu bestechen, der ihm mehrere riesige Bronzekanonen goss...
Vielleicht fühlt der ungarische Präsident Viktor Orbán ja eine besondere Verpflichtung, die Schandtat seines Namensvetters durch Standhaftigkeit gegenüber den heutigen Islam-Apeasement-Politikern wieder gutzumachen.
Drei Wochen lang stürmten die Türken gegen die Stadt. Doch die präzisen Verteidigungsmaßnahmen des Giovanni Giustiniani erwiesen sich als stärker.... Am Morgen des 29. Mai wurden zwei heftige Angriffe der Türken zurückgeschlagen. Dann gelang es ihnen, die Kerkoporta, eine kleinere Ausfallpforte nördlich des Charisios-Tores, einzuschlagen und in die Stadt einzudringen...

Über die Stadt brach nun die Hölle los. „Am Mittag färbten sich Straßen und Gassen rot von Blut“, heißt es im Bericht eines venezianischen Gefangenen. „Die Häuser wurden geplündert, Frauen, Männer und Kinder vergewaltigt, gepfählt oder auf andere Art umgebracht, die Kirchen zerstört.“ Viele Einwohner flüchteten sich in die Kirche „Hagia Sophia“ (Heilige Weisheit). Sie wurden mitsamt ihren Priestern, welche die Messe lasen, erschlagen oder in die Sklaverei verschleppt...

Sultan Mehmed wartete das Ende der schlimmsten Ausschreitungen ab, dann zog er am 30. Mai 1453 in die Stadt ein, der er umgehend zu seiner Hauptstadt machte. Vor der Hagia Sophia angekommen, bestieg auf seinen Befehl der oberste Imam die Kanzel und verkündete den Sieg im Namen Allahs...
... und vollzog die Umwandlung der damals größten christlichen Kirche in eine Moschee. Ralph Giordano wies darauf hin, daß mindestens fünfzig in den letzten Jahrzehnten in Deutschland errichtete türkische Moscheen den Namen Mehmeds II. tragen.

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Sigmar Salzburg
14.05.2019 04.20
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Notre-Dame

Kuriose Vorschläge für ein neues Dach der Kathedrale

Vor fast einem Monat ist das Dach der Kathedrale in Paris in Flammen aufgegangen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau binnen fünf Jahren. Architekten posten auf Instagram eifrig – ausgefallene bis kuriose – Gestaltungsvorschläge ...

Bewahren und wiederherstellen oder die Chance zum Aufdrücken eines zeitgenössischen Stempels ergreifen? Architekten aus der ganzen Welt präsentieren in sozialen Netzwerken wie Instagram Entwürfe zum Wiederaufbau des Mitte April abgebrannten Daches der Pariser Kathedrale Notre-Dame...

Der Entwurf des Designers Mathieu Lehanneur würde das Toben der Flammen über der Vierung für alle Zeit festhalten. Eine bauliche Geste, in der ein Memento mori mitschwingt. [ ... eine feurige Sprechblase?]

Andere würden die Tradition der berühmten bunten, mittelalterlichen Glasfenster in der Fassade von Notre-Dame in die neue Zeit und in das Dachgeschoß weiterziehen...

Auf theologische Belange gehen die neuen Dachvorschläge indes wenig ein. Einige huldigen lieber der Natur und ihrem Reichtum an Tieren und Pflanzen. Etwa Clément Willemin, wie hier zu sehen ist. Man könnte sein Dach zudem als Besucher genießen.[... mit Erweiterung zum Freßtempel?]

Im Bild der Vorschlag vom Büro Vincent Caillebaut. Er will vermeiden, dass die Stadt ein Open-Air-Museum wird und plädiert für einen ökologischen, zeitgenössischen Aufbau.

#crosslaminatedtimber #woodenstructure [nun brandsicher?]

derstandard.at 9.5.2019

Frankreichs Parlament debattiert am Freitag über die Restauration. Die Opposition wirft Präsident Macron vor, ein modernes Projekt realisieren zu wollen.

derstandard.at 10.5.2019

Ideologische und egoistische „Stempelaufdrücker” sind leider unter Politikern und Architekten besonders häufig zu finden. Alte Baukunstwerke sind in erste Linie eine geistige Leistung, die Urheberschutz gehießen sollten, selbst wenn die materielle Wiederherstellung nach Katastrophen naturgemäß nie ganz gelingen kann. Die Abweichungen von den authentischen Stilregeln wirken für Kenner fast immer beleidigend.

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Sigmar Salzburg
01.05.2019 19.40
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500. Todestag Leonardo da Vincis am 2. Mai 2019

Giorgio Vasari, der erste Biograph der Renaissance-Künstler, schreibt über Leonardo:

Reiche Gaben sehen wir oft von der Natur mit Hilfe der himmlischen Einflüsse über menschliche Geschöpfe ausgegossen, bisweilen aber vereinigt sich, wie ein überschwengliches und übernatürliches Geschenk, in einem Körper Schönheit, Liebenswürdigkeit und Kunstgeschick so herrlich, daß jede seiner Handlungen göttlich erscheint, ...

Wer ihm gefiel, dem hätte er einen ganzen Tag nachgehen können, und seine Gestalt prägte sich ihm also ein, daß er, zu Hause angelangt, sie zeichnete, als ob sie vor ihm stünde. In dieser Weise hat er viele männliche und weibliche Köpfe ausgeführt, und ich besitze in meiner oft erwähnten Sammlung von Handzeichnungen verschiedene mit der Feder von ihm gezeichnet, darunter das Bildnis des Amerigo Vespucci, ...(nach Ernst Jaffé, Berlin 1920)
Es wurde berichtet, daß Leonardo sich nie zur Entdeckung Amerikas geäußert und daß er Amerigo vielleicht gar nicht gekannt habe. Ein Blick zu Vasari rückt das zurecht. Im letzten Jahr ist sogar ein Globus mit den Umrissen Südamerikas, auf ein Straußenei gezeichnet, entdeckt worden, zu dem es von Leonardo eine Vorzeichnung gibt, die bisher für ein Bild des Mondes gehalten wurde. (ansa.it 30.10.2018)
Er würde in Gelehrsamkeit und Kenntnis der Wissenschaften Großes geleistet haben, wenn er minder unbeständigen und wandelbaren Geist gehabt hätte; dies war die Ursache, daß er viele Dinge unternahm und die begonnenen wieder liegen ließ. So machte er in der Rechenkunst in wenigen Monaten reißende Fortschritte und trug seinem Meister so vielfache Zweifel und Einwendungen vor, daß er ihn oft in Verwirrung setzte. Auch die Musik begann er zu studieren, entschloß sich aber bald, das Lautenspiel zu lernen, und da sein Sinn erhaben und voll der schönsten Gedanken war, improvisierte er zu diesem Instrument wunderbar schöne Gesänge...

Zwischen Lionardo und Michelagnolo herrschte großer Widerwille, und die Konkurrenz zwischen beiden war schuld, daß Michelangolo Florenz verließ, wobei ihn Herzog Giuliano entschuldigte, da er vom Papst wegen der Fassade von S. Lorenzo berufen war. Als Lionardo solches hörte, ging er auch von dannen und begab sich nach Frankreich, wo der König mehrere Werke von ihm besaß und ihm sehr gewogen war ...
Das weitere Bekannte über Leonardo brauche ich hier nicht zu wiederholen. Der Lektor des Kieler Antikenlesekreises, Peter Petersen, machte noch auf Leonardos Proportionszeichnung des idealen Menschen nach Vitruv aufmerksam, die heute auf allen Scheckkarten zur Fälschungssicherheit beiträgt. Das Quadrat, das die Figur begrenzt, sei die Quadratur des Kreises, der die überlagerte Figur mit gespreizten Gliedmaßen umschließt – natürlich nur als Näherung, denn die exakte Konstruktion ist bekanntlich nach dem Beweis von F. von Lindemann (1882) unmöglich.

PS: heise.de 5.5.2019 bringt ein kurzgefaßtes, reichhaltiges Porträt – bis auf die mehrfache alberne Benennung Leonardos als „nerd“.

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Sigmar Salzburg
20.04.2019 05.17
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Re: Re: Leonardo da Vinci war beidhändig

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Detlef Lindenthal
Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
Frühe Umerziehung zur Rechtshändigkeit machte den Linkshänder beidseitig geschickt

Als Kind war ich selbst ausgeprägter Rechtshänder. Als ich dann Klavier lernte, wurde auch von der linken Hand Geschicklichkeit verlangt. Und beim Gitarrespiel braucht die Linke einiges mehr an Geschicklichkeit als die Rechte...

Viele alte Lautenintavolierungen verlangen der linken Hand wegen der Polyphonie mehr ab als die meisten Gitarrenstücke, so daß sogar Hochschul-Gitarredozenten daran scheiterten, z.B. bei „Seven Tears“ 1604 von Dowland. Obwohl ich das also lange praktiziert habe, bin ich mit links immer Schreibstümper geblieben. Auch Klavierspielen hat das nicht verändert. In Familie und Bekanntenkreis habe ich die Entwicklung der Links- oder Rechtshändigkeit bei Kindern beobachten können, wie angedeutet. Im Tierreich ist ähnliches bekannt.
„Bei den meisten Menschen wird Sprache vorwiegend in der linken Gehirnhälfte verarbeitet.“ Bei gerade mal einem Prozent der Bevölkerung liegen die Hauptzentren der Sprachverarbeitung rechts – ein Phänomen, das fast ausschließlich bei Linkshändern auftritt. (Max-Planck-Gesellschaft).
… ein Hinweis, daß beidem organische Entwicklungen zugrundeliegen.

Schöne Ostern allerseits!

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Detlef Lindenthal
19.04.2019 18.03
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Re: Leonardo da Vinci war beidhändig

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
Frühe Umerziehung zur Rechtshändigkeit machte den Linkshänder beidseitig geschickt

Als Kind war ich selbst ausgeprägter Rechtshänder. Als ich dann Klavier lernte, wurde auch von der linken Hand Geschicklichkeit verlangt. Und beim Gitarrespiel braucht die Linke einiges mehr an Geschicklichkeit als die Rechte. Ich habe das gelernt. Aus Spaß habe ich auch mit links schreiben gelernt – ist da was bei? Ich finde nicht.
Den Kult um Linkshändigkeit und Rechtshändigkeit verstehe ich immer weniger.
Wenn er berechtigt wäre, müßte man die armen Kinder ja einteilen in diejenigen, die wegen Links- oder Rechtshändigkeit keinesfalls Gitarre oder Klavier lernen dürfen, auf daß ihr Seelenheil nicht leide.

Kann jemand mir das bestätigen oder mir widersprechen?
__________________
Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
17.04.2019 17.23
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Leonardo da Vinci war beidhändig

Frühe Umerziehung zur Rechtshändigkeit machte den Linkshänder beidseitig geschickt

... über den Menschen da Vinci ist noch längst nicht alles bekannt. Eine Eigenheit des großen Künstlers könnten nun Forscher um Cecilia Frosinini vom Kunstmuseum der Uffizien in Florenz aufgedeckt haben. Sie stießen darauf, als sie eine der frühesten Landschaftszeichnungen da Vincis mithilfe moderner Analysemethoden näher untersuchten. Dieses nach seiner Inventarnummer als „8P“ bekannte Bild trägt zwei Inschriften.

Eine Inschrift ist von Leonardo da Vinci in Spiegelschrift geschrieben und gibt Namen und Datum des Bildes an. Auf der Rückseite existiert eine zweite handschriftliche Notiz in normaler Richtung. Die Analyse der Handschriften und der Vergleich mit anderen Schriften da Vincis ergab, dass beide höchstwahrscheinlich vom Künstler selbst geschrieben wurden.
scinexx.de 17.4.2019

Die zweite abgedruckte Zeichnung zeigt wohl die seitenverkehrte Jahreszahl 1473. Leonardo schrieb keine „Geheimschrift“, wie oft kolportiert, sondern folgte nur seiner Natur – in Spiegelschrift. Viele außerordentliche Künstler waren Linkshänder. Über die Erziehung zur Beidhändigkeit gibt es unterschiedliche Meinungen. Ein Kollege berichtete von einem Architekturprofessor, der seine Zeichnungen mit beiden Händen gleichzeitig an die Tafel brachte. Die eine Zeitlang verbissen betriebene Rudolf Steinersche Umerziehungs-Ideologie dagegen trieb etliche Waldorf-Schüler zur Verzweiflung. Manche in ihrer Händigkeit unentschlossene Kinder profitieren heute vom Tastaturschreiben – zulasten ihres handschriftlichen Geschicks.

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Sigmar Salzburg
12.04.2019 17.20
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Merkel hängt Nolde-Bilder ab

Eine Ausstellung in Berlin demaskiert den deutschen Künstler Emil Nolde als überzeugten Nationalsozialisten, Bundeskanzlerin Angela Merkel hängt Nolde-Bilder im Büro ab. Das sei „Tugendhysterie“, sagte der [jüdische] Historiker Michael Wolffsohn im Dlf. Große Persönlichkeiten hätten nicht immer eine weiße Weste...

„Hier zählt die Kunst. Zur Kunst zählt die Tatsache, dass die Kunst von Menschen gemacht wird. Kein Mensch entspricht dem Idealbild vom perfekten Menschen“, so Wolffsohn. „Bilder von Emil Nolde sind großartig.“

Dass die Kanzlerin die Nolde-Bilder im Kanzleramt habe abhängen lassen, sei ein bisschen viel Tugendhysterie.

deutschlandfunk.de 12.4.2019

Anders als Merkel: Kieler Ministerin hängt Nolde-Bild auf

Die CDU-Politikerin [Karin Prien, mit zwei jüdischen Großvätern] hängte am Donnerstag das Gemälde «Durchbrechendes Licht» des Expressionisten (1867-1956) in ihrem Amtszimmer auf. Sie begründete dies mit dem hohen Rang, den die Freiheit der Kunst für sie habe. «Kunst und Künstler müssen immer in den Kontext gestellt, müssen eingeordnet werden. Ja – es gibt großartige Kunst von furchtbaren Menschen», sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse Kunst auch jenseits einer notwendigen politischen Einordnung betrachten können.

welt.de 11.4.2019

Das Ziel der Kampagne gegen Nolde zum jetzigen Zeitpunkt ist wohl weniger die Vergangenheitsbewältigung, sondern vielmehr die Ausrottung des letzten deutschen Selbstbewußtseins. Verdrängt man alle Kunst, die von Leuten geschaffen wurde, die den Juden nicht wohlgesonnen waren, bleibt von der europäischen Kunst nicht mehr viel übrig.

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Sigmar Salzburg
30.03.2019 11.48
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Aussterbende Arten und klapprige Technikdenkmäler

Während in Deutschland die menschliche Vielfalt mitunter zuviel wird, schrumpft die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt durch menschliche Eingriffe auf den Wiesen des Landes. Viele Arten stehen kurz vor den Aussterben. Darauf will der Naturfilmer Werner Haft mit seinem 90minütigen Film aufmerksam machen:

Jan Haft zeigt „Die Wiese“ erstmals in Kiel

Der neue Naturfilm „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ von Jan Haft (52) wurde am Freitag, 29. März 2019, in der Sparkassen-Arena Kiel zum ersten Mal öffentlich gezeigt. 3500 Naturfreunde waren bei der Publikumspremiere dabei. Auch der Filmemacher war anwesend... Organisiert wird die Veranstaltung von den Kieler Nachrichten und dem Naturfilmfestival Green Screen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtier-Stiftung...

In nie gesehenen Bildern stellt die Dokumentation einige der schönsten, liebenswertesten und skurrilsten Bewohner unserer Wiese vor. Mit einem Hauptdarsteller auf vier Beinen: dem Reh. Mit enormem technischen Aufwand konnte Jan Haft eine Zwillings-Rehkitz-Geburt drehen, Insekten-Dramen aus Käfer-Perspektive und unbekannte Phänomene der heimischen Natur. Oder kennen Sie schon den „schießenden“ Pilz? Oder die Hummel-Ragwurz aus der Familie der Orchideen, die liebeshungrige Bienenmännchen an der Nase herumführt?

Aus 300 Drehtagen wurde ein einzigartiger 90-minütiger Naturfilm

„Mir ist es wichtig, dass mein Film dem Zuschauer auch eine Orientierung bietet“, sagt Jan Haft. „Ich zeige zwar eine prachtvolle Wunderwelt, aber die ist leider akut bedroht.“ Hunderttausende Hektar Wiese seien in den vergangenen Jahren in Äcker umgewandelt worden, und die noch verbleibenden Wiesen würden oft durch Düngung mit Gülle und kurze Mäh-Intervalle zu unbelebten Produktionsflächen gemacht. „Da muss unbedingt ein Umdenken stattfinden“, sagt der Filmemacher, der von der Deutschen Wildtier-Stiftung für dieses Projekt gefördert wurde.

Nach kn-online.de 29.3.2019

https://youtu.be/Xz-nP3WMyOw
Erwartungsgemäß klappte die Lindaunis-Klappbrücke über die Schlei wieder nicht und auch nicht der Schienenersatzverkehr, so daß ich mein nördliches Refugium erst nach Mitternacht erreichte. Berühmt wurde die Brücke durch den dritten Film aus der Werner Reihe, Werner – Volles Rooäää!!!

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Sigmar Salzburg
03.02.2019 05.33
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Alter Sinn und moderner Unsinn

Vor über 300000 Jahren haben Urmenschen, wohl vom Typ Homo heidelbergensis, mutmaßlich Vorfahren der Neandertaler, die Gegend um Schöningen in Niedersachsen durchstreift und acht Speere hinterlassen. Sie sind durch außergewöhnliche Umstände erhalten geblieben und damit die ältesten bekannten Holzwaffen überhaupt. Jetzt ist an Nachbildungen festgestellt worden, daß sie in Formgebung und Gewichtsverteilung optimal waren. Unsere Vettern (nicht „Vorfahren“) hatten aber auch schon die gleiche Zeit zum Üben. BILD meldet:

Schöninger Speere im Praxistest
Unsere Neandertaler waren Spitze
Forscher des University College London untersuchten Altsteinzeit-Waffen


London/Schöningen (Niedersachen) – Von wegen primitiv: Britische Forscher haben herausgefunden, dass unsere Vorfahren, die Neandertaler, technologisch extrem geschickt waren!
Wissenschaftler des University College London (UCL) nutzten dabei die Schöninger Speere. Die acht Waffen aus Fichten- und Kiefernholz wurden vor 20 Jahren bei Ausgrabungen im Braunkohletagebau Schöningen (Kreis Helmstedt) gefunden, seit 2013 im Forschungs- und Erlebniszentrum Paläon ausgestellt...

Paläon-Kurator Felix Hillgruber: „Die Studie erlaubt uns, ein besseres Bild von der Vergangenheit zu zeichnen.“

Und vielleicht kommen jetzt ja auch ein paar mehr Besucher ins Paläon, das wegen Gäste-Mangels zum Millionengrab wurde.

bild.de 31.1.2019
Und da wird auch schon der Unterschied unserer heutigen Politiker und sonstigen Wichtigtuer zu unseren urmenschlichen Verwandten deutlich: Mit bescheidenen Mitteln erkämpften die sich ihren Lebensunterhalt, während sich unsere Politiker 15 Millionen Euro genehmigen für ihr eigenes Denkmal, das in Form und Material aussieht wie ein riesiges gelandetes Raumschiff.


Paläon Schöningen

Von denselben Schweizer Architekten wurde auch das Museum von Nebra für die bekannte Himmelsscheibe entworfen. Offensichtlich hatten die Politiker und Preisrichter den gleichen Hang, das schlichte Gerät in einem überdimensionalen Sciencefiction-Palazzo-Prozzo hervorzuheben und sich damit wichtig zu machen.


Arche Nebra

Wie anders ist dagegen das Schleswiger Haithabu-Museum, das sich bescheiden in die Landschaft einordnet und sich bemüht, durch Auflösung in verschiedene bootshallenartige Gebäudeteile die inzwschen rekonstruierten Hütten von Haithabu nicht zu übertrumpfen.


Wikingermuseum Haithabu (Copyright Landesmuseen)
Bei Bekanntwerden des Neubauprojektes [Paläon] 2009 kam es zu Zweifeln an der Rentabilität und den zu erwartenden Besucherzahlen, auch wenn die Funde an sich von Forschern für die „Kronjuwelen niedersächsischer Archäologie“ gehalten werden. Der Bund der Steuerzahler und einzelne Politiker kritisierten den Neubau als „Geldverschwendung“.
wikipedia
Nun, ähnliches hatte erfolglos der Bund der Steuerzahler auch bei der nichtsnutzigen Rechtschreib„reform“ beanstandet, deren Kosten er auf das Tausendfache der beiden Museumsbauten geschätzt hatte. Das hat die Politiker in ihrem geschmacklosen Geltungsdrang nicht aufhalten können.

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Sigmar Salzburg
04.12.2018 07.31
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Pompeji

Im Rahmen der Lesereihe der Kieler Antikenfreunde hatten wir den Genuß, den seit einem Jahr amtierenden Custos der Antikensammlung der Kunsthalle Kiel, Dr. Manuel Flecker, über die Stadtentwicklung Pompejis und seine eigenen Forschungen am Ort hören zu dürfen. Besonders informativ wurde dies durch die Projektion zahlloser Stadt- und Hausgrundrisse und Ansichten des gegenwärtigen Zustandes mit zugehörigen Rekonstruktionszeichnungen. Es ging vor allem um die Entwicklung des pompejanischen Hauses und der Badanlagen.

Pompeji entstand seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert aus Ansiedlungen der umliegenden oskisch-umbrischen Bevölkerung, wohl auch unter etruskischem Einfluß. Bis 80 v. Chr, wurde die Selbständigkeit durch eine Stadtmauer gesichert. Dann wurde die Stadt unter Sulla gewaltsam dem römischen Staat eingegliedert und Tausende Veteranen zusätzlich angesiedelt. Die Oberschicht überbaute die Stadtmauer teilweise mit ihren Villen. Es gab aber auch „insulae“, Mietshäuser mit Obergeschoß („Geschooß“ lt. Flecker), für deren Vermietung in den Grafitti sogar noch zwei Anzeigen überliefert sind.

Die Entwicklung des Stadthauses und der privaten und der drei bis vier öffentlichen Bäder wurde ausführlich dargestellt. Ein Wasserleitungssystem aus Bleirohren mit Ventilen wurde vorgeführt, ebenso die allgemeine Wasserversorgung, die an öffentlichen Plätzen jedem den Zugang zu Frischwasser aus den an die Stadt herangeführten Aquaeducten ermöglichte.

Dr. Flecker erläuterte auch die Entwicklung der Stile der Wandfresken von der Mauerwerksimitation bis zur monumentalen Alexanderschlacht aus Millionen von Mosaiksteinen nach griechischer Vorlage. Auch erotische Darstellungen in privaten Gemächern gab es, deren Funktion aber unklar blieb.

Aufschlußreich war auch die Dokumentation früherer Wanddurchbrüche zur Antikengewinnung seit 200 Jahren, deren eine in Herculaneum durch einen Bergingenieur sogar die Lage der Fundstücke aufzeichnete, eine Ausnahme in früher Zeit. Insgesamt zeigt sich schon am Beispiel einer römischen Kleinstadt, daß die Kunst und technische Zivilisation auch 1400 Jahre später kaum wieder einen Gleichstand erreichte.

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Sigmar Salzburg
29.10.2018 13.36
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Wilhelm Lehmann in Eckernförde

Ausstellungseröffnung am 28.10.2018

Unter dem Titel „Der Wanderer und der Weg“ wird im städtischen Museum in Eckernförde des 50. Todestages des Schriftstellers und Dichters Wilhelm Lehmann am 17. September 1968 in einer Austellung gedacht. Lehmann, Sohn eines Lübecker Kaufmanns, 1882 in Porto Cabello, Venezuela, geboren, hatte es 1923 nach Eckernförde verschlagen, wo er als Lehrer seinen Lebensunterhalt sichern mußte, weil er sonst nie viele Leser hatte.

Dr. Beate Kennedy von der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft zeichnete kurz seinen Lebensweg und zitierte eine Bemerkung Lehmanns: „Alle meine Arbeiten sind unter freiem Himmel entstanden“, womit er seine Naturlyrik erklärte. Auf Betreiben Alfred Döblins erhielt er schon 1923 zusammen mit Robert Musil den Kleist-Preis.

Anschließend las der Schauspieler und Essayist Hanns Zischler Lehmanns Erzählung „Die Kastanien“ von 1939, die den gegenseitigen Austausch zweier Einzelgänger, Weishaupt und Oldenstedt, beschreibt. Darauf folgte als Abschluß zweimal das Gedicht „Der Dank“.

Die ausgestellten Autographe spiegeln auch den orthographischen Wandel der Zeit wider, von traditioneller Kurrentschrift über die ß-losen Lateinlettern hin zu der anerkannten und bewährten Traditionsrechtschreibung, wie Lehmann sie auch seinen Schülern beibrachte.

Eine biograpische Notiz von 1932 in Schreibmaschinenschrift enthielt die Wörter „anstoßende Handlung“, „Grossvater“, „riß“, „verließ“, „große Dichtungen“. In einem Gedicht liest man „Der Rauhreif läutet, die Hecken eilen.“ 1965 schreibt er „Laß nicht den Tod das Ende sein.“

1923 schrieb ihm Alfred Döblin: „Wissen Sie, daß Ihre Bücher auf meinem Regal in der Ehrenreihe stehen, unter den Büchern, nach denen ich immer greife, um in ihnen zu blättern, zu schlürfen, hier einen Tropfen, da einen Tropfen?“

Siehe auch hier, da und dort. Zeitungsbericht: shz 28.10.2018

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Sigmar Salzburg
17.10.2018 05.47
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Schreiben in der Antike und im „jüdisch-christlichen“ Abendland

Ein neuer Fund widerlegt nach Angaben von Experten die bisherige Annahme, wonach die berühmte Römerstadt Pompeji bei einem Vulkanausbruch am 24. August des Jahres 79 vor Christus unterging. Archäologen stießen in den Überresten eines Hauses auf die Inschrift eines Arbeiters, die vom „16. Tag vor den Kalenden des November“ datiert, wie Ausgrabungsleiter Massimo Osanna berichtete – das heißt vom 17. Oktober und damit zwei Monate nach dem bislang als Tag der Katastrophe vermuteten Datum.

Bislang gingen Forscher auf der Grundlage zeitgenössischer Berichte und archäologischer Funde davon aus, das Pompeji und die nahe gelegene Stadt Herculaneum am 24. August 79 vor Christus bei einer gewaltigen Eruption des Vulkans Vesuv verschüttet wurden. Allerdings deuteten laut Ausgrabungsleiter Osanna bereits im 19. Jahrhundert in den Ruinen gefundene versteinerte Herbstfrüchte auf ein späteres Datum hin.

spiegel.de 17.10.2018, ausführlicher: spektrum. de 18.10.2018

Noch etwas anderes zeigt die gefundene Inschrift, wenn die Vermutung richtig ist, ein Arbeiter sei der Urheber gewesen: Selbst Arbeiter und Huren konnten im Imperium Romanum schreiben. Dreihundert Jahre später, am 28. Februar 380, erklärte der Kaiser Theodosius den Wunderglauben einer kleinen, noch recht konfusen und zerstrittenen Sekte, des Christentums, zur Staatsreligion. Weitere dreihundert Jahre nach diesem Sieg war das Schreiben und Lesen eine Ausnahmefähigkeit in Europa.

Noch um 1200 war sie auch in der Oberschicht selten: »Ein ritter sô gelêret was, daz er an den buochen las« (Hartmann von Aue). Renaissance und Reformation beflügelten zwar die Alphabetisierung, aber erst die folgende „Aufklärung“ erreichte allmählich wieder die geistige Freiheit der antiken Philosophen.

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