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J.-M. Wagner
02.07.2002 19.07
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Inhalt, Stil und Handwerkszeug bei Diskussionen

Was kann man aus der Diskussion mit „Wolfgang 16“ im MAZ-Forum lernen? Mir fiel vor allem das Vorurteil auf, das „W. 16“ gegenüber Reformkritikern hegt:

Zitat:
Warum ich unter Pseudonym geschrieben habe, habe ich hier schon einmal erläutert. Jetzt muss ich es etwas deutlicher sagen: Ich habe einige Bekannte, die mich für einen völlig normalen Menschen halten. Aber sie werden nicht bei ihrer Ansicht bleiben, wenn sie merken, dass ich mich an einer Diskussion mit gerade mal einem Dutzend Menschen beteilige, die allen Ernstes glauben, dass die Reform von 1996 auch sechs Jahre danach noch völlig zurückgenommen werden kann, obwohl sie nach der Entmachtung des Duden keinen Ansprechpartner mehr haben, in Ermangelung eines solchen sich plakativ an „die Kultusminister“ wenden müssen (an welche eigentlich? An die 16 deutschen oder auch an die österreichischen, luxemburgischen, liechtensteinschen, belgischen oder schweizerischen?) und allen Ernstes glauben, dass die alle sich noch einmal zusammensetzen werden, um einen Beschluss zu zu fassen des Inhalts: „Was wir 1996 beschlossen haben, war alles Quatsch, wir nehmen es zurück und geben zu, dass wir Idioten sind.“

Ich möchte nicht, dass man mich für einen Sektierer hält, der solchen Illusionen anhängt oder glaubt, ihnen widersprechen zu müssen.
(„Wer bin ich?“, 29.06.2002, 16.10 Uhr)
Man mag es zwar nicht glauben, daß jemand so denkt, aber wenn das wirklich seine Meinung ist, dann wird er auch wirklich so reden, handeln, abstimmen etc.

So einer Auffassung kann man m. E. auf zweierlei Weise begegnen: mit Sachargumenten und mit einer generellen Haltung, die nicht in dieses Bild paßt. Mehr noch: Jedwede Polemik, die dazu geeignet ist, für dieses Bild passend gemacht zu werden (bzw. jede Argumentation, die dafür gehalten werden kann), sollte vermieden werden. (Nicht daß ich denke, daß dieser Hinweis gerade dringend erforderlich sei oder sich sämtliche „Oppositionellen“ im MAZ-Forum davon angesprochen fühlen müßten -- es geht mir mehr um ein Fazit als um eine Mahnung, aber um ein Fazit, das von der Beobachtung geprägt ist, wie leicht man es sich selber und anderen schwermachen kann.)
Es kommt darauf an, die Inhalte der eigenen Argumentation klar und glaubwürdig darzustellen; recht haben und recht bekommen sind verschiedene Dinge. Manche Gedanken, so richtig sie sein mögen, bringen nichts (oder schaden gar), wenn sie als Pauschalargument daherkommen; sie können dagegen nützlich sein, wenn sie im richtigen Moment und auf die richtige Weise geäußert werden. Mir hat die Diskussion im MAZ-Forum noch einmal deutlich gezeigt, daß es manchmal sehr darauf ankommen kann, seine eigenen Argumente, bevor man sie anbringt, nicht nur im Hinblick der Wirkung auf jemanden mit einer vernünftigen, sachbezogenen Grundhaltung zu betrachten, sondern auch mit einer vorurteilshaften Einstellung. Es geht mir nicht darum, Glacéhandschuhe zu propagieren, sondern Selbstsicherheit und Selbstbewußtsein, die auf ehrlicher Selbstkritik fußen: Würde ich mich als „notorischer Reformkritikergegner“ davon angesprochen oder abgeschreckt fühlen?

Viel wichtiger ist jedoch ein anderer Eindruck: Im MAZ-Forum wurde als „Beleg“ für bestimmte Argumente häufig pauschal auf www.rechtschreibreform.com verwiesen -- das hilft niemandem, denn um aus den vielen Einträgen die wirklich passenden herauszufischen, bedarf es einer Geduld, die den Willen, sich sachkundig zu machen, derjenigen, die man zu überzeugen versucht, meist übersteigt. Ich will keineswegs vom Prinzip des mündigen Bürgers abrücken, der sich selber informiert, aber das sollte man ihm leicht machen. Zur Unterfütterung der Diskussion, hier wie in anderen Foren, halte ich daher eine Argumentesammlung für sinnvoll, unter der man die zu bekannten und beliebten Thesen (verschiedener Couleur) bislang getroffenen bzw. widerlegten Aussagen thematisch gebündelt findet.
Dann kan man in einer Diskussion unmittelbar auf die zu verhandelnden Aussagen hinweisen, mittels Links, die direkt zu den jeweiligen Themen führen (so, wie Christian Melsa in seinem Beitrag „Uneinheitlichkeit“ vom 2.7. -- endlich einmal! -- direkt auf seine Analyse der Wörterbücher verwiesen hat). Diese Sammlung könnte zum Beispiel unter www.argumente.de entstehen, und mit den neu geordneten rsr.com-Beiträgen ließe sich die Außenwirkung der Rechtschreibreformseiten wesentlich erhöhen.

Ich weiß, daß das viel Arbeit bedeutet, aber da ich den Eindruck habe, daß momentan etwas auf Sparflamme und hauptsächlich im MAZ-Forum diskutiert wird (OK, beim „Spiegel“ und der „Zeit“ habe ich in letzter Zeit nicht oft nachgeschaut), sind evtl. Kräfte frei, dies in Angriff zu nehmen. Ich schlage als ersten Schritt vor, eine Sammlung von „Thesen“ und Themenüberschriften von Teilaspekten der Reformschreibungsprobleme zu beginnen. Als weiteren Schritt könnten sich dann einzelne dazu bereit erklären, als „Moderatoren“ für genau eines (oder mehrere) dieser Themen zu fungieren, was bedeutet, die Einträge unter rsr.com zu durchforsten und die passenden Texte neu zusammenzufassen. (Unter diesem Blickwinkel kan man ja bereits entsprechende Themenvorschläge im 1. Schritt machen.) In diesen Sammlungen sollten nur die Moderatoren etwas eintragen oder löschen dürfen, für evtl. Diskussionsbedarf kann auf die „Quellen“ unter rsr.com verwiesen werden bzw. ein Parallelstrang eingerichtet werden.
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Jan-Martin Wagner

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Elke Philburn
22.06.2002 22.34
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Aus dem Forum der Märkischen Allgemeinen

KLAUS KOLBE SCHRIEB AM 23.06.2002 UM 23:21:14 :

Reformer und ideologisch eingefärbte Träumer

Von der Studiengruppe Geschriebene Sprache war in einer öffentlichen Erklärung am 4. 6. 1997 zu lesen: „Eine Reform der Orthographie des Deutschen hat ihren Sinn darin, durch ein Regelwerk, das dem Stand der Forschung entspricht, das Rechtschreiben und sein Erlernen zu erleichtern, Rechtschreibunsicherheiten zu verringern und die Zahl der Zweifelsfälle zu minimieren. Das seit 1996 amtliche Regelwerk ist dazu aufgrund seiner Widersprüchlichkeiten ungeeignet.“
Das hat bis auf den heutigen Tag Bestand und muß eigentlich nicht mehr kommentiert werden. Viele, auch Schulleiterinnen und Schulleiter, die anfangs noch (aus Mangel an Aufklärung) der Reform zustimmend gegenüberstanden, sind mittlerweile eines Beßren belehrt worden. Es hat sich gezeigt, was für eine stümperhafte Arbeit die Herren Reformer abgeliefert haben. Zu diesem Urteil muß selbst ein neutraler Beobachter zwangsläufig kommen, wenn er mit den Auswirkungen dieser „segensreichen“ Reform tagtäglich konfrontiert wird. Wenn er dann noch den 3. Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung (der ja eigentlich für die Öffentlichkeit so nicht zugänglich sein sollte) gelesen hat, dann wird ihm das ganze Desaster offenbart, das diese „sogenannte“ Rechtschreibreform angerichtet hat.
Unsere Kinder, die diesen Murks in der Schule lernen müssen, und dann auch noch nach den Regeln von 1996 (so der Wille der Kultusminister!) Falsches gelehrt bekommen, da in der Zwischenzeit wieder und wieder an der Reform geändert wurde, an den Kultusministern vorbei, aber in den jeweiligen Wörterbüchern von Duden nachzulesen, haben es nicht verdient, als Mittel zur Durchsetzung dieser Reform herhalten zu müssen. Aber hinter dieser Bevölkerungsgruppe stehen ja leider keine Wirtschafts-, Interessenverbände oder politische Vereinigungen.
Dieses ganze Unterfangen ist und konnte nur auf der Basis von Geheimhaltung, arglistiger Täuschung und unverfrorener Machtausübung gedeihen! Von Demokratie ist hier auch nicht das geringste mehr zu erkennen.
Den Reformern und den ideologisch eingefärbten Träumern sein hier gesagt: „Wer des Deutschen vor der Reform nicht mächtig war, ist es nach der Reform auch nicht. Wer jedoch des Deutschen vor der Reform mächtig war, der ist es dank dieser Reform nun auch nicht mehr!“ – Das zum Thema „Herrschaftsinstrument Orthographie“ von Herrn Wernstedt und „Rohrstockersatz Rechtschreibung“ der GEW!

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Elke Philburn
22.05.2002 20.49
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Hier auch nochmal der Link zum Forum der Märkischen Allgemeinen.

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J.-M. Wagner
21.05.2002 08.19
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Im Nordclick-Forum

Kleiner Tip: Die Diskussion zur Rechtschreibung findet sich unter "Leserforum der KN“ > „Bemerkungen zu Artikeln der KN“ > „Rechtschreibung (Seiten 1 2 ) Der unendliche Reformunfug“.
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Jan-Martin Wagner

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Sigmar Salzburg
20.05.2002 23.50
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Zur Erinnerung

Diskussion bei den Kieler Nachrichten

http://www.nordclick.de/Dialog/Forum/

Als überwiegender Alleinunterhalter habe ich hier bereits bekannte Texte verwurstet. Aber sie sind schon 430mal aufgerufen worden, während von den andern zwölf Themen noch keines über 100 gekommen ist.

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Sigmar Salzburg

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Ruth Salber-Buchmüller
20.05.2002 16.27
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Prof. Eisenberg und die MAZ

Mitteilung Prof. Eisenbergs an die MAZ


Kann es sein, daß die angekündigte
„gründlich recherchierte Wörterliste“,
die „weder Prof. Augst, noch Prof. Ickler
recht gibt“, ein wohldurchdachter Schachzug
ist, einen Entschluß der MAZ zur UMKEHR
abzubremsen?



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Ruth Salber-Buchmueller

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Christoph Kukulies
20.05.2002 13.55
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Auf den Punkt gebracht

Carsten Zander hat es schön formuliert und in
http://heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=1582695&forum_id=27582 auf den Punkt gebracht:

„Ist doch klar, am besten liest es sich, wenn man gar nicht merkt, daß man liest.“
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Christoph Kukulies

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Reinhard Markner
20.05.2002 13.28
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Kein Forum, aber eine schöne Seite

http://www.mvmc.de/linkschreibung/

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Carsten Zander
01.04.2002 07.13
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Literativität, oder wie?

Der Artikel:
http://heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/12175/1.html

Ein Diskussionsfaden:
http://heise.de/tp/foren/go.shtml?msg_id=1580754&read=1&forum_id=27582&showthread=1

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Elke Philburn
18.03.2002 14.16
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(Schöne Sache. Was noch fehlt, ist ein Link hier ins Forum.)

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Theodor Ickler
18.03.2002 14.05
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Linguisten interessieren sich

Schauen Sie doch mal hier vorbei (seit heute):

http://www.linse.uni-essen.de/
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Th. Ickler

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Sigmar Salzburg
04.03.2002 06.41
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Kieler Nachrichten

Die Kieler Nachrichten haben ihr vor kurzem eröffnetes Forum wieder stillgelegt und lassen jetzt im

http://www.nordclick.de/Dialog/Forum/

diskutieren: Leserforum der KN. Man muß sich leider neu anmelden. Ich habe einen Beitrag zum 3. Bericht hineingeschrieben. Viel ist aber hier nicht zu erwarten. Die Medien in Schleswig-Holstein scheinen die neu aufgeflammte Diskussion um die „Reform“ totschweigen zu wollen – aus durchsichtigen Gründen. Wer die Zeit für ein paar Zeilen erübrigen kann, sollte helfen, das zu unterminieren.

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Sigmar Salzburg

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Elke Philburn
09.02.2002 12.45
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Ein paar weitere Zeilen von Alexander Virchow:

Der Staat normiert. Er normiert verbindlich.
Das ist seines Amtes nicht.
Der Begrenzung der Zwangsumerziehung aller Bürger auf die Beamten ist doch ausschließlich dem Umstand geschuldet, daß die Umerziehung über die Kinder erfolgen soll.
Es wird eine biologische Lösung der Altschreibung angestrebt.
Analog verhielte es sich, würde ich auf die Eliminierung aller Christen verzichten, weil ich glaubte, daß Problem über Gehinwäsche der Brut lösen zu können.
Der gemeinsame Nenner ist die vermutete Effizienz.
Die Rechnung wird natürlich nicht aufgehen. Wenigstens nicht: für die Sprach- und Schreibputschisten.

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Elke Philburn
09.02.2002 12.24
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http://debatte.zeit.de/

Auch der Strang ist wieder oben.

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Matthias Dräger
09.02.2002 07.39
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Lesenswertes aus dem Spiegel-Forum

Doug Patterson – 02:41am Jan 27, 2002 CEST (#2693 of 2703)

Gestern Abend, habe ich bei einem Fruend in seinem neuen Duden eine Erklaerung der Rechtschreibenreform gelesen.
Was Ich nicht verstehe, ist wie jemand sich ueber diese immateriellen orthographischen Aenderungen aufregen kann.


Sigmar Salzburg – 04:53pm Jan 29, 2002 CEST (#2694 of 2703

Weil damit eine kleine Mafia dummfurziger Schreibideologen, schnarchnasiger Politiker und profitgeiler Medienmoguln unter Milliardenkosten und durch Erpressung über das Schulwesen einen Bruch der Schreibtradition verursacht, eine durchgängige Verschlechterung mit dem Volksbetrug der Lernerleichterung propagiert, dafür Millionen intelligenter Schreiber zu Rechtschreibstümpern macht, den Volkswillen, die Demokratie mißachtet (1) und mit Juristentricks aushebelt (2), eine allgemeine Verwahrlosung der Rechtschreibung bewirkt, aber auch des Anstandes, der Höflichkeit und der wissenschaftlichen Redlichkeit.(3). Dafür ist die „neue“ ss/ß-Schreibung der Geßlerhut, an der jeder seiner Unterwürfigkeit, Beflissenheit oder Abhängigkeit offenbaren kann oder muß.

(1) In Schleswig-Holstein wurde die Bürokratenschreibe von 70 Prozent der Wähler abgelehnt. Alle Umfragen ergeben eine ähnliche Ablehnung, die nun durch eine flächendeckende Zwangsmissionierung abgebaut werden soll.

(2) Fast vierzig Gerichtsentscheidungen hat es gegeben, teils ablehnend, teils reformfeundlich. Das Bundesverfassungsgericht als oberste Instanz hatte jedoch keinen Passus in der Verfassung gefunden, die die Politiker hindern könnte, Regelungen für die Rechtschreibung zu treffen. Naturgemäß findet sich in der Verfassung auch kein Artikel gegen Politikerdummheit.

(3) Guido Knopp wandelt in seinen III-Reich-Bestsellern sämtliche Originaldokumente der Zeit in die Neuschreibung um; die große Dudenausgabe suggeriert, das sämtliche Schriftsteller des 20. Jhdts. die neue Stümmelschreibung verwendet haben; Artikel und Leserbriefe werden gegen den Willen der Autoren in den Neuschrieb konvertiert; die Schulen lehren, daß das höflich großgeschriebene „Du“ ein Rechtschreibfehler sei . (Umgangsformen fallen überhaupt nicht in die Regelungskompetenz der Kultusminister, aber wer bremst da die Politiker?)


Doug Patterson – 08:20pm Jan 29, 2002 CEST (#2695 of 2703)

Ich weiss, dass viele Menschen in Deutschland sich ueber diese Kleinigkeiten aufregen. Was ich gerne wissen wuerde, ist warum?


Sigmar Salzburg- 03:54pm Jan 30, 2002 CEST (#2696 of 2703)

Mißachtung der Demokratie – eine Kleinigkeit? Geldverschwendung – eine Kleinigkeit? usw. usw. Wer Kleindiktatoren zuläßt, wird auch irgendwann wieder Großdiktatoren zulassen!


Doug Patterson – 09:23pm Jan 30, 2002 CEST (#2697 of 2703)

Wir erzaehlen hier von Orthographie, nicht von Weltpolitik. Leben und Sterben ist nicht die Frage.


Beate Scharf – 09:01am Jan 31, 2002 CEST (#2698 of 2703)

Mein Leserbrief an den „Spiegel“: wie soll ich denn nun Ihre Überschrift „US-Justizminister lässt halb nackte Statue verhüllen“ verstehen? Welche Hälfte läßt er verhüllen? Die linke, rechte, obere oder untere? Und warum nur halb? Reicht das Geld nicht mehr oder handelt es sich um die Freiheitsstatue, die höchstens von Christo ganz bewältigt werden kann? Normalerweise werden Statuen doch von Ministern ENThüllt? Oder fürchtet man in Amerika (siehe ENRON) jetzt Enthüllungen zu sehr?

Jedenfalls möchte ich hiermit enthüllen, daß die sogenannte Rechtschreibreform die Lesbarkeit erschwert, den Wortschatz verringert und daß ausgerechnet der „Spiegel“ vor germanistischen Tieffliegern kriecht.


Beate Scharf – 09:02am Jan 31, 2002 CEST (#2699 of 2703)
Zu # 2697

Dihr mister Peatterson, ssi Ämeriken längwitsch schutt alsou häf a „Rechtschreibreform“. Du ju laik mai satschetschen?

Das ist die falsche Fragestellung: da die wichtige Politik und dort die unwichtige Rechtschreibung. Wie weit dürfen Politker in Kultur und menschliche Kommunikation eingreifen um geldgierige Verlage zu bedienen? Dürfen sie das sogar gegen eine große Mehrheit des Volkes und der Sachverständigen?


Doug Patterson – 09:05pm Jan 31, 2002 CEST (#2700 of 2703)

Unsere Politiker interessieren sich ueberhaupt nicht von Orthographie. In Amerika der Sprachdiktator war Webster mit seinem Woerterbuch.
Caxton in England hat unsere Orthographie zuerst etabliert; und Studenten der Englische Sprache haben ueber seine arbitraeren und manchmal bezarren Konventionen ihre Koepfe zerbrechen muessen: hoe, tow, sew, dough, etc.
Eine effektive Orthographie sollte einfach und und ausreichend sein. Sie sollte Kommunikation foerdern und nicht hindern.


Doug Patterson – 05:54am Feb 5, 2002 CEST (#2701 of 2703)

Mein Punkt war, dass Orthographie nur ein Instrument ist. Effektiv Kommunikation ist der Zweck. Die Orthographie der englischen Sprache koennte einfacher und dadurch effektiver werden. Bei uns waere Rechtschreibreform willkommen. George Bernard Shaw wollte sie rationalizieren; aber die Konservativer lieben ihren unsystematischen System – weil sie die Schulkinder damit quaelen koennen.


Beate Riemenschneider – 08:51am Feb 8, 2002 CEST (#2702 of 2703)

Dann können Sie ja den Frust der Deutschen über ihre reformierte Rechtschreibung verstehen: Nicht nur ist ein Umlernen erforderlich, was den Rechtschreibschwachen nicht gerade leicht fällt, sondern das neue System steht dem alten an Kompliziertheit in nichts nach. Das Resultat spricht für sich: Kaum jemand ist in der Lage, die neue Rechtschreibung fehlerlos umzusetzen. Es bleibt Stümperwerk.


Kojo T – 02:00pm Feb 8, 2002 CEST (#2703 of 2703)

zu #2701 Doug Patterson: Mein Punkt war, dass Orthographie nur ein Instrument ist. Effektiv Kommunikation ist der Zweck. Die Orthographie der englischen Sprache koennte einfacher und dadurch effektiver werden.

Wenn hier in deutschen Landen etwas derartiges wie eine Rechtschreibreform geschieht, dann handelt es sich nicht um etwas, das man als Bürger nachvollziehen oder bleiben lassen kann, nein, je heftiger die Gegenwehr, desto mehr muß der unmündige Unterthan(!) unter Kuratel gestellt werden.

Gut, man hätte schon frühzeitig über die einer absolutistischen Staatsform würdige Anmaßung stolpern können, den Unterthanen eine neue Schreibung zuzumuten. Aber obiges gilt durchaus auch für die deutsche Sprache, und deshalb war anfänglich kaum Protest gegen Reformbestrebungen zu hören, auch nicht von denen, die Sprache als Werkzeug nutzen. Nur, daß diese Änderungen von einem insgesamt de fakto völlig inkompetenten bzw. funktionsunfähigen Viele-Köche-Gremium ausgearbeitet wurden und den Betroffenen zwangsweise zugemutet werden. Das vorgegebene Ziel war eine Vereinfachung der Schreibung. Das Ergebnis ist ein Konglomerat aus vielerlei stümmelhaften Ansätzen (sogenannter „Regeln“), die über die völlig willkürlich erscheinenden Einzelfälle hinaus, für die sie geschaffen wurden, keinerlei Gültigkeit haben; genau diese allgemeine Gültigkeit aber wurde suggeriert. Insgesamt habe ich bis heute keinerlei Erleichterung festgestellt, nur willkürliche, sporadische Veränderungen, die insgesamt statt weniger eher deutlich mehr Chaos in die Schreibung bringen. Offenbar hat da ein Gremium (bzw. dessen politische Initiatoren), das an der Aufgabe einer Rechtschreibreform in grandioser Weise gescheitert ist, eines, das sich zu keinem einzigen(!) noch so einfachen Reformansatz wirklich durchringen konnte, sein offenkundiges Scheitern nicht zugeben können. Und das Ergebnis dieses Scheitern wird jetzt jedem Leser und Schreiber zwangsweise zugemutet. Darüberhinaus wird auf so perfide wie durchschaubare Weise scheinheilig so getan, als hätten die Deutschsprachigen jetzt selbst in der Hand, welche der Änderungen sie akzeptieren und welche nicht – dabei wird alles getan, diesen Willen des Volkes nicht feststellen zu können.

Das Ganze war überhaupt keine Rechtschreibreform, dafür sind die Änderungen völlig ungeeignet und völlig unzureichend, sondern ein Test auf Obrigkeitshörigkeit. Dies und die Frechheit und Hartnäckigkeit, mit der dieser Test durchgeführt wird, begründen den Protest. Das weitgehende Einknicken selbsternannter Kontrollorganen wie der „freien“ Presse mindern ihn nicht.

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