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Sigmar Salzburg
15.08.2022 08.01
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Sprach-Spekulationen

Mitten im ersten Weltkrieg bemerkte der österreichisch-tschechische Orientalist Bedrich Hrozný, daß er einen Satz in einer hethitischen Keilschrifttafen verstehen konnte: nu ninda-an ezzatteni wadar-ma ekutteni. „Ihr werdet Brot essen und Wasser trinken“. „NINDA“ ist das sumerische Zeichen für „rund“ und „Brot“, mit unbekannter Aussprache auf hethitisch. Auch andere Keilschriftwörter verstehen wir inzwischen: die älteste bekannte indogermanische Sprache.

Ein Sprung nach China: Wie nennt man „Brot“ dort heute? Witzigerweise heißt die westliche Form 面包 miàn bāo. Dabei bedeutet 面 miàn „Gesicht“. Man meint, daß es im Ursinotibetischen „s.mjal“ geheißen habe. Ob tibetisch མོག་ mog „Brötchen“ etwas damit zu tun hat? Dort heißt ངོས་ ĝos „Oberfläche” und angeblich auch „Gesicht”. Beides kann man mit sumerisch „muš“ verbinden, das auch „Gesicht“ bedeutet, wenn man weiß, daß der sumerische Emesal-Dialekt von „ng“ oder „ĝ“ oft zu „m“ wechselt. Überhaupt könnten die Sumerer einige indogermanische Wortwurzeln übernommen haben, so etwa „igi“ (Auge). Das Tibetische „mig“ kann noch mit einem instrumentalen Präfix m versehen gedeutet werden. Bei anderen ist es schwieriger. Aber selbst im fernen China hat man noch Indogermanisches gefunden – in der tocharischen Sprache, in der Auge „ek“ heißt.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
06.08.2022 06.00
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Nachtrag zum Sumerischen

Ein kleiner, aber feiner Beweis für den genetischen Zusammenhang der Sprachen Sumerisch und Tibetisch wäre auch folgendes: Das sumerische Wort „bar“ bedeutet alles mögliche, vor allem Abstand halten oder schaffen: . Aber es gibt auch das (seltene) Zeichen „bar7, das „brennen“ bedeutet. Daneben steht ein Wort „ma5 auch für „brennen“. Im Tibetischen finden wir neben བར་ bar „Zwischenraum“, བར་མ་ bar-ma „Mitte“ und allen phonetischen Varianten auch འབར་ à.bar „brennen“ und obendrein auch dort noch das Wort མེ་ „me“ für Feuer.
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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
03.08.2022 16.05
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Sumerisch, ein urtibetischer Dialekt ?

In den letzten achtziger Jahren stellten russische Sprachwissenschaftler die Hypothese auf, daß kaukasische, sibirische und sinotibetische Sprachen einer großen Sprachfamilie zuzurechnen seien und fügten ihnen noch das Baskische, die nordamerikanischen Na-Dené -Sprachen und schließlich das Sumerische hinzu. Das Gemeinsame ist, daß sie Ergativ-Sprachen sind, d.h. meist einen Kasus besitzen, um bei transitiven Verben den Handelnden zu bezeichnen – im Sumerischen beim „nga“ (ich) das „e“: „nga-e“.

Unabhängig davon legte ich zur gleichen Zeit eine 124seitige Vergleichsliste an, die zeigte, daß sumerische und tibetische einsilbige Wortwurzeln in Form, Lautung und meist auch in der Bedeutung einander entsprechen. Das führte zu dem Gedanken, daß eine gemeinsame Ursprache vor 10000 Jahren überwiegend isolierend gewesen sein müßte und daß Sumerisch und Tibetisch Entwicklungsstadien in verschiedenen Richtungen zeigen könnten:

„šu gur“ (aufrollen) von „šu“ (Hand) und „gur“ (krümmen) könnten zum tibetischen „sgur-ba“ སྒུར་ (biegen) geworden sein, wobei das Runde noch in སྒོར་ „s.gor“ (rund) oder གུར་ „gur“ (Zelt) erhalten sein könnte. So oder ähnlich könnten die berühmten Konsonanten-Kluster des Tibetischen entstanden sein, deren Information bei der Schrumpfung vom Altchinesischen bis zum Mandarin durch die Tonhöhen ausgeglichen werden mußte. འགྱུར་བ་ „à.gyur-ba“ (Veränderung) zeigt eine weitere Differenzierung, die aber in den Keilzeichen nicht zu erkennen wäre.

Eine Linguistin zeigte sich begeistert von einem tibetischen Dialekt in China, der noch kompliziertere Cluster bewahrt hätte und somit als Ursprungsort des Sinotibetischen angesehen werden müsse. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß dies ein Endstand ist, dessen Beginn im Sumerischen schon zu erahnen ist.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
23.07.2022 07.06
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Neues Altes aus der Provinz Ü

Während die rotgrünen Garden in den Redaktionsstuben die tausendjährig entwickelte deutsche Sprache schendernd umkrempeln und zugleich vorgeben, neue Erkenntnisse über Platon zu erwarten ...

Verkohlte Schriftrollen aus Herculaneum
»Da stehen Platons letzte Worte«

Vor fast 2000 Jahren begruben Glutlawinen des Vesuvs eine einzigartige Bibliothek der Antike. Mit neuen Scantechniken und künstlicher Intelligenz wollen Forschende das Schwarz auf Schwarz der verkohlten Schriften endlich entziffern.

spiegel.de 22.7.2022
... habe ich noch einmal im letzten Kapitel des handschriftlichen tibetischen Wörterbuchs des Orientalisten und Missionars Heinrich August Jäschke (1817-1882) zum Buchstaben ཨ་ (S. 628) gelesen:
ཨ་པོ་ Ü: Bau (= མཁར་ལན་), – - རྒྱབ་པ་ einen Bau ausführen.
„Ü“ ist gesprochen der Name der alten Kulturprovinz um Lhasa, heute noch geschrieben in der 1400 Jahre alten Orthographie དབུས (dbUs = ‚die Mitte'). ist der Stimmritzenverschluß zum folgenden ungeschriebenen „a“, ཨ་པོ་ „der Bau“ – also „’a-po“.

Die ARD-Gender-Tussie Nicole Diekmann müßte ihre Sprachstörung demnach schreiben „Politikerཨིnnen, Medizinerཨིnnen“ – viel zu schön für den Quatsch.

Die 1881 erschienene englische Ausgabe von Jäschkes Werk übersetzt schlicht „to construct a house“. Das läßt mir als Anhänger der sumerisch-tibetischen Sprachverwandtschaft blitzartig die Idee aufkommen, „A“ könnte das gesuchte Pendent zum sumerischen „E“ (Haus) sein, „e-gal“ (großes Haus = Palast des „lugal“, Großmensch=„König“), aber das Schicksal des Namens „Ü“ läßt diesen Gedanken sogleich begraben.

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Sigmar Salzburg
21.07.2022 13.51
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petû ša pī

In den „Zukunftsromanen“ meiner Schulzeit herrschte ein reger Verkehr zu den Sternen unserer Milchstraße, unter anderem zu Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch – فم الحوت fum al-ḥūt, „der Mund, das Maul des (großen) Fisches“.

Das Arabische hat hier eine Lautverschiebung durchgemacht, denn pûm (Mund) hieß es bei den alten Akkadern, ebenso wie pētu, heute fatah, öffnen, erobern. Seinen Mund aufmachen wäre heute فتح فمهfatah famaha. Die Akkader sagten dafür vor 4000 Jahren petû ša pī (reden)..

Gelernt hatten sie das Schreiben von den Erfindern der ältesten Schreibkunst, den Sumerern, und stellten nun ihre Sprache mit sumerischen Wortsilben und Bildzeichen dar. Bei denen hieß es aber „ka(g) bad“ den Mund öffnen, was die Tibeter 3000 Jahre später noch als ཁ་པ་ཕྱེ། k‘a pa p‘ye (öffne den Mund) hätten verstehen können.

Das führt auf die Hypothese einer anderen, einer sinotibetisch-kaukasischen Sprachfamilie, die sich bis nach Nordamerika hin ausgebreitet haben soll. Doch davon später.

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Sigmar Salzburg
16.07.2022 07.44
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Wie ein Volk seine Sprache verliert

Die Stellung der Frau bei den Kopten
Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
18 Seiten, Note: 1,0
Theologie – Vergleichende Religionswissenschaft
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Evangelische Theologie)

Jahr 2007, 18 Seiten, Buch 17,95 €
ISBN (Buch) 9783346259813

Arbeit zitieren: Else Gallert (Autor:in), 2007, Die Stellung der Frau bei den Kopten, München, Page::Imprint:: GRINVerlagOHG, https://www.hausarbeiten.de/document/933237

Leseprobe:

1. Einleitung
Das Thema meiner Hausarbeit ist: „Die Stellung der Frau bei den Kopten in Ägypten“.

Die koptische Kirche ist die älteste christliche Kirche in Ägypten.

Die Feststellung der Anzahl der in Ägypten lebender Kopten erweist sich als schwierig, da der Staat ein Interesse daran hat, seine Stellung in der islamischen Welt nicht zu gefährden und die Bedeutung der Kopten als Minderheit gering darzustellen...

Die Kopfsteuer und andere einengende Vorschriften für Christen, wie beispielsweise das Verbot des Waffentragens, das Verbot auf Pferden zu reiten, Einschränkungen im öffentlichen Auftreten und im Erb- und Zeugenrecht, führten im Laufe der Zeit dazu, dass ein großer Teil der Kopten zum Islam übertrat, zu dem sich wahrscheinlich schon um 900 die Mehrheit der Bevölkerung bekannte, so dass ihre Zahl im fünfzehnten Jahrhundert auf weniger als ein Zehntel der Bevölkerung gesunken war...

Als der Islam die beherrschende geistige Macht in Ägypten wurde, wurde auch die Stellung, die er der Frau zuweist, für die ägyptische Gesellschaft bestimmend...

1.1. Begriffsdefinition „Kopten“:

Der Begriff ,,Kopten“ ist von dem griechischen Wort „aigyptios“ abgeleitet. Da auch dieser griechische Begriff schon einen ägyptischen und assyrischen Vorläufer hat, stammen das Wort und der Name ,,Kopten“ schon aus weit älterer Zeit und wurden erst viel später zur Bezeichnung für die wichtigste christliche Kirche Ägyptens.

Die Kopten selbst bezeichnen sich im eigenen Sprachgebrauch untereinander nicht als Kopten, sondern einfach als Christen...

1.2. Ursprünge der koptischen Kirche in der koptischen Tradition

Das Christentum kam durch den Heiligen Markus, den Evangelisten, im Jahre achtundvierzig n.Chr. nach Ägypten und er wirkte als Missionar. Er wird als erster Patriarch der koptischen Kirche angesehen. Einige Quellen, vornehmlich Johannes Chrysostomus, sprechen auch davon, daß Markus sein Evangelium mit nach Alexandrien gebracht und dort ergänzt und übersetzt habe. Markus starb, der koptischen Legende nach, im Jahre achtundsechzig n.Chr. den Märtyrertod...

1.4. Arabische Eroberung und Frühzeit arabischer Herrschaft

Die arabische Eroberung Ägyptens war ein Wendepunkt in der ägyptischen Geschichte.

Aus dieser Zeit stammt dann auch, wie oben erwähnt, der Begriff ,,Kopten“, abgeleitet von „Qibt“ bzw. „Qubt“, der Bezeichnung der Araber für die Ägypter. Die Kopten mußten bestimmten Regeln folgen. Ihnen wurde die Wahl überlassen, entweder zum Islam konvertieren, oder die Kopfsteuer, die sogenannte „Jizya“ zu bezahlen. Hierbei handelte es sich um Steuern, die von allen Erwachsenen („dhimmis“) als Ersatz für den Heeresdienst gezahlt werden mußte, welcher nur den Muslimen vorbehalten war.

Diejenigen, die zum Islam übertraten, mußten die sogenannte „Jizya“ nicht mehr bezahlen. Wenn auch das wirtschaftliche Leben der Kopten in dieser Zeit litt, so gelangte dennoch das kirchliche und klösterliche Leben zu einer neuen Blüte, die den Grundstein bildete für das Überleben der Kopten in den kommenden Zeiten.

Während dieser Zeit verloren die Kopten auch ihre eigene Sprache. Die koptische Sprache war zur Zeit der arabischen Eroberung diejenige der Staatsgeschäfte, bis sie im Jahre 706 n.Chr. vom Omajjaden Vizekönig Abd-Allah Ibn Abd al-Malik durch das Arabische ersetzt wurde...

In koptischen Kirchen wird das Koptische als liturgische Sprache benutzt.

[...]

hausarbeiten.de 2007

Orthographie: 14 dass, 1 Anlass – 4 daß, 4 muß, 1 Schluß

Eigentlich suchte ich nur aus dem SPIEGEL das Zitat eines aus Ägypten geflohenen Kopten: „Arabisch ist die Sprache der Eroberer“. Es wurde mir trotz aller Versuche nicht angezeigt. Daß ein ganzes Kulturvolk seine Sprache verlieren kann ist keine Seltenheit. In Ägypten hat der Islam 400 Jahre dazu gebraucht. Deutschland als „woke“ amerikanische Kolonie braucht jetzt dazu weniger.

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Sigmar Salzburg
06.07.2022 05.36
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Mesopotamisch

Das mühsame Einsammeln älterer Daten infolge der Update-Übertölpelung mußte ich bei Hammurabi (oder Hammurapi) beginnen. Er herrschte von -1792 bis -1750 über Babylon und hatte im Verlaufe seiner Regierungszeit etliche Stadtstaaten Mesopotamiens zu einem Großreich zusammengezwungen. Das Akkadische verdrängte seit -2000 die sumerische Sprache, für die die ältesten Bildzeichen erfunden worden waren. Die heute übliche Umfälschung älterer Gesetzestexte war der erste Anlaß, an Hammurapi zu erinnern: Schreibfälschungen

Aber auch andere Rechtsetzungen in seinem berühmten „Codex Hammurabi“, nach der Vatikan-Ausgabe von 1950 als Zeichenabschrift und Transliteration, waren erwähnenswert, etwa zur Sklaverei, zur Abstammung, zum Eherecht und als Abschweifung zum Wort Menetekel.

Die Vorschriften über die Honorierung von Architektenleistungen und die Bestrafung von Bauschäden hatte ich schon erwähnt. Hier sei noch einmal der Paragraph 228 (moderne Zählung) vollständig nach der Transliteration von 1950 zitiert:

Šum-ma DIM (= iṭinnum) E (= bîtam) a-na a-wi-lim i-pu-uš-ma ú-ša-ak-li-il-šum a-na 1 SAR E (= išten sar bîtim) 2 GIN KUG.UD (= šine šiqli kaspam ...) a-na qi-iš-ti-šu i-na-ad-di-iš-šum.

Wenn ein Baumeister jemandem ein Haus baut und es vollendet, erhält er pro Flächeneinheit 2 Schekel Silber.
Das Schreibsystem wird klar: Einsilbige sumerische Wörter wurden zu akkadischen Wörtern zusammengesetzt, sumerische Wortzeichen konnten aber auch als Zeichen für akkadisch gelesene Begriffe verwendet werden. Das Zeichen DIM bedeutet hier eindeutig „Baumeister“ und wurde wohl (n. Vatikan) „iṭinnum“ gelesen – oder „bānum“ oder „šitimmāḫum“. Nun stellte ich fest, daß in der sumerischen Zeichenliste der Pennsylvania-Uni (2006) acht Bedeutungen für „dim“ aufgeführt sind, unter anderem eine Fischart, aber kein Baumeister. Das müßte nachgetragen werden. Die insgesamt aufgeführten über hundert Fisch- und Pflanzenarten wird man aber wohl nie identifizieren können.

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Sigmar Salzburg
21.06.2022 13.47
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T-Online schreibt Blödsinn:

Über unser ehemaliges Ostpreußen behauptet T-Online:

Wie eine Insel liegt die russische Exklave Kaliningrad in der EU, umschlossen von Litauen, Polen und der Ostsee...

Mit der Eroberung Ostpreußens beendete die Rote Armee ein koloniales Projekt, das im 13. Jahrhundert seinen Anfang genommen hatte. 1231 begann der Deutsche Orden, eine religiös-militärische Ritterorganisation, das von slawischen Prußen bewohnte Gebiet zu erobern... 1255 erreichten die Eroberer das Samland und errichteten am Fluss Pregel die Burg Conigsberg...
Da ist der T-Online-Schreiber der stalinistischen Propaganda aufgesessen. Die alten Prussen waren Verwandte der Litauer und Letten und sprachen eine ähnliche indogermanisch-baltische Sprache. Wikipedia erklärt:
Ein altes Sprichwort findet sich im Onomasticum von Leonhard Thurneysser aus dem Jahre 1583:
Deves does dantes. Deves does geitka.
Gott gibt Zähne, Gott gibt Brot.


Dieses Sprichwort entspricht dem bekannten litauischen Sprichwort:
Dievas davė dantis. Dievas duos ir duonos.
»Gott gab Zähne, Gott wird auch Brot geben.«
[In Latein und Sanskrit hieße das:]
Deus dedit dentes, Deus dabit panem.
Devas adat datas, Devas dasyati dhanas.
Das ist dem Russischen kaum ähnlich. Im übrigen muß festgehalten werden: Der Deutsche Ritterorden, arbeitslos nach dem Sieg des Islam im Heiligen Land, wollte christianisieren – nicht vertreiben, wie es die Sowjets mit den zur deutschen Sprache gewechselten Ureinwohnern getan haben. Der Familienname Wowereit (Eichhörnchen) zeugt davon, die Vorfahrennamen meiner Ehefrau auch.

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Sigmar Salzburg
08.06.2022 12.38
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Limmu

Als ich mich vor Jahren mit Keilschrifttexten beschäftigte, behauptete jemand, Sumerisch sei strukturell eine austronesische Sprache. Außerdem sei das Zahlwort lima „fünf“ im gesamten pazifischen Raum verbreitet. Ich hielt dagegen, daß es im Sumerischen „vier“ bedeute, bewiesen durch den „Vierbeiner“ ning-úr-limmu (Hund), und ging dem Verdacht nach, dies sei eine dem Tibetischen verwandte Sprache.

Nach einem Tip der damaligen Kieler Sinologin Gudula Linck1) wandte ich mich 1991 mit meiner 124seitigen „prima vista“-Stoffsammlung an Prof. Ulrich Unger (1930-2006), der bestätigte, daß er zurückhaltend den gleichen Ansatz verfolge.

Daß das Sumerische, wie noch heute meist behauptet, eine „isolierte“ Sprache sei, glaube ich widerlegt zu haben. Selbst wenn viele der vorgefundenen Parallelen verworfen werden müßten, reicht der Rest noch aus, eine Verwandtschaft zu belegen, auch wenn die genauen Lautwerte der Keilschriftzeichen unsicher sind.

Verwendet man allerdings zum groben Vergleich die willkürliche Checkliste mit 206 Wörtern nach Morris Swadesh (1909-1967), dann wird das weitere Bedeutungsumfeld nicht erfaßt. Daher schnitt Malaiisch kürzlich scheinbar besser ab als die Hochgebirgssprache.

Die Zeichen bur und buru4,5 sind als „Krähe, Rabe“ erschlossen und könnten im Tibetischen nach älteren Wörterlisten mit བྱ bya „Vogel“, als འཕྱར་བ་ à.pyur-ba „in die Höhe steigen“ und als འཕུར་བ་ à.pur-ba „fliegen machen“ identifiziert werden.

Im Austronesischen findet man so aber nur noch burung „Vogel“. Das ist außer dem fraglichen lima und kutu/uku „Laus“ (s. Ukulele) nach sum. uh3 in dieser Methode fast die einzig verdächtige Übereinstimmung mit der 4000 Jahre alten Vergleichssprache.

1) Sie und Prof. Unger stehen sogar in Icklers Liste der über 700 Professoren gegen die Rechtschreibreform.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
03.03.2022 08.56
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Nicht bedrohlich genug?

„Charkow“, das ich seit meiner Kindheit so kenne, wird jetzt bei Spiegels immer beflissen „Charkiw“ geschrieben, aber „Tschernobyl“ – nicht „Tschornobyl“.

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Sigmar Salzburg
19.01.2022 15.59
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Gotisches Mißverständnis in der russischen Sprache

Schon als kleiner Junge faszinierte mich die gotische Sprache, aber es dauerte, bis ich mehr davon verstand: „Vasuth than Iohannes gawasiths taglam ulbandaus jah gairda felleina bi hup seinana, jah matida thramsteins jah milith haithivisk “. „thramsteins“ und „ulbandus“ blieben mir rätselhaft. Erst Dürers „Helffandt“ brachte mich auf die verschrobene Volksetymologie des letzteren. Jetzt stieß ich auf dessen Fortsetzung im Russischen durch den Slawisten etc. Stefan Speck (gekürzt):

Stefan Speck, Dr. phil. I, Universität Zürich
Beim Russischlernen ist mir das eigenartige russische Substantiv „verbliud“ (Kamel) aufgefallen. Was hat dieses Wort für eine Geschichte?

Die Bezeichnung für „Kamel“ im Russischen, верблюд / verbljud, hat eine höchst spannende bzw. kuriose Geschichte.

Es ist ein Lehnwort aus dem gotischen ulbandus, welches wiederum aus dem griechischen ελεφας, Genitiv ελεφαντος / elephas, elephantos bzw. aus dem lateinischen elephantus, Gen. elephantī entlehnt wurde. 1).

Die guten Goten hatten schlicht das Kamel mit dem Elefanten verwechselt. Gotisch ulbandus ergab im Altrussischen вельблудъ / velьbludъ , велбудъ / velbudъ , und вельбудъ / velьbudъ 2). Die Variabilität ist für ein Lehnwort typisch.

Die erste Silbe vel- oder velь- ist sicher volksetymologisch entstellt in Anlehnung an die slawische Wurzel vel'-=gross (vgl. russisch великий / velikij=gross). Ausserdem trat im Neurussischen eine Ferndissimilation ein /l/…/l/ > /r/…/l/. Zusätzlich wurde das /l/ „erweicht“: /l'/ > верблюд / verbljud. [...]

Das Wort lebt auch in westslawischen Sprachen fort: Polnisch wielbłąd und tschechisch velbloud.

Das Südslawische entlehnte griech. καμηλα 3)/ kamila (neugriech., im Altgriechischen καμηλος). Vgl. slowenisch kamela, serbisch, makedonisch, bulgarisch камила / kamila. Das Kroatische zeigt kurioserweise deva < türkisch deve.

Griechisch καμηλος / kamēlos seinerseits ist ein sehr altes Lehnwort aus dem Semitischen: Vgl. hebräisch גמל gamal und arabisch جمل ğamal(un).

[Text vollständig hier]
Letzte Nachfahren der „Krimgoten“ verschwanden wohl erst im 18. Jahrhundert. Dank an Herrn Speck für die interessante Aufklärung.

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Sigmar Salzburg
30.12.2021 05.28
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Amerika: Schon vor Kolumbus in Genua bekannt

Italienisches Manuskript von 1345 zitiert Seefahrer-Gerüchte vom „Markland“ jenseits von Grönland
... schon um 1345 existierte in Italien sogar das schriftliche Zeugnis von einem Land jenseits des Atlantiks und westlich von Grönland, wie [Paolo] Chiesa [Uni Mailand] herausgefunden hat. Entdeckt hat er dies in einem Manuskript aus dem 14. Jahrhundert, das ein unvollendetes Werk des Mailänder Domikanermönchs Galvaneus Flamma enthält. Dieser hatte in seiner „Cronica universalis“ den Versuch unternommen, die komplette Weltgeschichte darzulegen.
scinexx.de 30.12.2021

Marckalada: The First Mention of America in the Mediterranean Area (c. 1340)
Paolo Chiesa
Pages 88-106 | Published online: 16 Jul 2021
• Download citation
• https://doi.org/10.1080/00822884.2021.1943792

Et dicunt marinarii qui conversantur in mari Datie et Norvegye quod ultra Norvegiam versus tramontanam est Yslandia. Et inde est insula dicta Grolandia ubi tramontana stat a tergo versus meridiem, ubi unus episcopus dominatur. Ibi non est granum nec vinum nec fructus, sed vivunt de lacte et carnibus et piscibus. Habent domus subterraneas in quibus habitant, nec audent clamare vel aliquem rumorem facere ne bestie eos audirent et devorarent. Ibi sunt ursi albi magni nimis, qui natant per mare et naufragos ad litus conducunt; ubi nascuntur falcones albi magni volatus qui mittuntur ad imperatorem Tartarorum de Kata.¹) Inde versus occidens est terra quedam que dicitur Marckalada, ubi gigantes habitant et sunt hedifitia habentia lapides saxeos tam grandes quod nullus homo posset in hedifitio collocare nisi essent gygantes maximi.²) Ibi sunt arbores virides et animalia et aves multe nimis. Nec umquam fuit aliquis marinarius qui de ista terra nec de eius condictionibus aliquid scire potuerit pro certo.

https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00822884.2021.1943792 (... mit engl. Übersetzung)

¹) Einschub aus Marco Polos Erzählungen
²) Gerücht der „Skrælingar“ über Mittelamerika?

Und vor 1945 mußten die Truthahn-Fälschungen des „Restaurators“ Lothar Malskat im Schleswiger Dom noch den Beweis dafür liefern, daß die Wikinger schon vor Kolumbus in Amerika waren.

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Sigmar Salzburg
17.11.2021 15.37
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Zum letztenmal: Etruskisch

Bis 1996 beschäftigte mich auch die etruskische Sprache, bevor die elende Rechtschreib„reform“ alle Kraft abzog. Schon zu Zeiten von Ambros J. Pfiffig gab es viel Anlaß zur Verwunderung. Wie ich sehe, ist das heute kaum anders. Ich finde das so witzig, daß ich drei phantastische Deutungen von 2005, 1996/2011 und 2019 hier untereinander vorstellen möchte.

Massimo Pittau (1921-2019) war ein Experte für Etruskisch und Sardisch, der Anonymus der engl. Wikipedia (2005) kundig in Altsemitisch und Luwisch, Fred Woudhuizen (1961-2021) in anatolischen Sprachen.

Die Übersetzungen aus dem Italienischen und Englischen habe ich frei angepaßt, um sie vergleichbar zu machen (fett – einigermaßen verstandene Wörter):

ITA · TMIA · ICAC · HERAMAŚVA · VATIEXE · UNIALASTRES ·

[P] Dieser heilige Bau und diese Hera-Statue sind gewidmet Juno-Astarte,
[A] Dieser Tempel und die Hermesidole sind geweiht Uni-Astre,
[W] Dieser heilige Ort und diese Altäre hat gebaut für die Herrin Astarte

ΘEMIASA · MEX · ΘUTA ·

[P] Beschützerin des geregelten Staates
[A] gebaut vom Clansvolk,
[W] der Gesetzgeber von Senat und Volk,

ΘEFARIEI · VELIANAS · SAL [CL] CLUVENIAS · TURUCE ·

[P] von Tiberius Velianas‘ zwei [Söhnen] aus Cluvenia. [Dieser] gab Opfergaben
[A] Tiberius Velianas hat die gefällige Cella gestiftet.
[W] Tiberius Velianas, hat (sie) als heilige Gaben gegeben am 1. (des Festes) Cluvenia

MUNISTAS · ΘUVAS · TAMERESCA · ILACVE · TULERASE

[P] zu jeder Zeit der Kapelle auf dem Lande
[A] Das eigene Grab wurde vom Priester mit Idolen umgrenzt.
[W] wegen zweier Dankverpflichtungen, weil sie (ihn) siegen ließ zu Lande

NAC · CI · AVIL · XURVAR · TEŚIAMEITALE · ILACVE · ALŚASE

[P] drei Jahre lang unter seinem Befehl, Opfer in Alsium
[A] Im dritten Jahr im Opfermonat Churvar wurden die Idole begraben.
[W] im Jahr drei im Tanz-Monat des Begräbnisses, weil sie (ihn) siegen ließ zur See:

NAC · ATRANES · ZILACAL · SELEITALA · ACNAŚVERS ·

[P] durch den Tempelvorsteher an [Juno,] die Förderin der Nachkommen;
[A] während der Regierung des Prätors hatte er unter Ihrer Hand Erfolg
[W] während des Prätoriats von Artanès (und) dem Sultanat von Xerxes.

ITANIM · HERAMVE · AVIL · ENIACA · PULUMXVA ·

[P] und für diese Herastatue (seien) Jahr(e) so viel wie Sterne.
[A] und die Statue [der Göttin] möge Jahr(e) wie Sterne bestehen
[W] und mögen diesen Altären Jahr(e) wie Sterne bringen.
„Heramve“ deutet W., nach luwisch „àrma-“, als „Altar“. P. stellt die Verbindung zur gr. Göttin Hera her; ich halte „Herme“ für möglich, den gr. Stelentyp. A. liest „themiasa“ als „gebaut“, verw. mit „tmia“ (im pun. Text „bt“) Haus, Tempel. Ich vermute eine Ableitung v. gr. „Themis“, Göttin von Recht und Ordnung. P. und W. scheinen ähnlich gedacht und auf Uni oder Tiberius bezogen zu haben.

„sal/zal“ und „thu“ werden allgemein als „zwei“ und „eins“ verstanden, von W. umgekehrt indogermanisch hergeleitet – so daß die buchstäbliche Beschriftung der Tuscanischen Würfel irregulär würde. Allein „ci“ (drei) ist wegen pun. „šnt šlš III“sicher erkannt.

„Tanz“-Monat ist wohl von den Puniern als „krr“ falsch verstandener „Churvar“. Bei „ilacve“ mogelt W. und macht daraus ein Verb „ilace“ im Perfekt. „Idol“ v. pun. „ila“ wäre denkbar – oder eben rel. „Festtag“.

Die I-Endung in ΘEFARIEI gilt allgemein als Schreibfehler. Und wenn es ein als Dativ verwendeter etr. i-Lokativ wäre?

Die Deutung erscheint bei A. etwas pedantisch, während sie bei W. abenteuerlich ist.


Der punische Text lautet übertragen (Worttrennung zugefügt, ʻAin nach IPA):
l rbt l ʕštrt ʼšr qdš ʼz
ʼš pʕl w ʼš ytn tbryʼ wlnš mlk ʕl kyšryʼ
b yrḥ zbḥ šmš b mtnʼ b bt
w bn tw k ʕštrt ʼrš b dy l mlky šnt šlš III
b yrḥ krr b ym qbr ʼlm
w šnt l mʼš ʼlm b bty šnt km h kkbm ʼl
Meine bisherige Übersetzung ändere ich dahingehend, daß Astarte Tiberius mit ihrer Hand zum Herrscher über Caeseria erhoben (ʼrš) hat:

Für die Herrin, für Astarte (ist) dies der heilige Ort; den machte und den übergab Tiberius Velianas, König von Caeseria, im Monat Opfer der Sonne als Geschenk für den Tempel, und er baute (ihr darin) die Kammer, weil Astarte erhob (ihn) mit ihrer Hand über ihr Königreich im Jahr drei III, im Monat Churvar am Tage der Grablegung der Gottheit. Und (es seien) die Jahre der Statue der Gottheit in ihrem Tempel ebensoviele wie Sterne am Himmel.

Tiberius hat zu seinem bisherigen „sal“ den Titel „zilac“ (pun. „König“?) drei Jahre nach seiner Schenkung der Cella für die Göttin bestätigt bekommen. Die beiden Texte stimmen in dieser Fassung besser überein als alle bisherigen Übersetzungsversuche: Fertigstellung der Cella (TAMER=Kammer, TAMERESCA = Kammeranlage?) im Monat Opfer der Sonne (yrḥ zbḥ šmš). Der Tag müßte dann „Tulerase“ sein, Bedeutung unklar („tul“ etr. „Stein“, „tular“ Grenze; Tag/Nachtgleiche?). Nach drei (Probe-)Jahren folgt die Erhebung des Tiberius zum Herrscher im Monat Churvar am Tage der Grablegung der Gottheit, (krr b ym qbr ʼlm) etr. dann wohl „Alśase“. Ich spekuliere daher:

ITA · TMIA · ICAC · HERAMAŚVA · VATIEXE · UNIALASTRES ·
Dieser Tempel und jene Götterstatuen sind geweiht der edelsten Frau [=Uni],

ΘEMIASA · MEX · ΘUTA ·
Rechtsgöttin über Adel und Plebs.

ΘEFARIEI · VELIANAS · SAL CLUVENIAS · TURUCE ·
Tiberius Velianas, Fürst der Cluvenier, gab

MUNISTAS · ΘUVAS · TAMERESCA · ILACVE · TULERASE
aus eigenem Vermögen die Kammeranlage am Festtag Tulerase.

NAC · CI · AVIL · XURVAR · TEŚIAMEITALE · ILACVE · ALŚASE
Nach dem dritten Jahr im Begräbnismonat Churvar am Festtag Alśase

NAC · ATRANES · ZILACAL · SELEITALA · ACNAŚVERS ·
(und) nach der Regierung als Zilac (wurde er) durch (göttliche) Handzeichen erwählt/erhoben.

ITANIM · HERAMVE · AVIL · ENIACA · PULUMXVA ·
Deshalb mögen dieser Götterstatue die Jahre währen Sternen gleich.

Geä. 30.12.21

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
31.10.2021 07.40
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Nochmal „Etruskisch“

Bei der Internetsuche sehe ich, daß der niederländische Sprachwissenschaftler Frederik C. Woudhuizen (*1961) am 28. September verstorben ist. Sein Arbeitsgebiet waren die anatolischen Sprachen, d.h. die indogermanischen Sprachen Kleinasiens, die dort heimisch waren, bevor Perser, Hellenen und schließlich die islamisierten Türken das Land eroberten. Bekannt sind Hethitisch, Luwisch, Lykisch...

Woudhuizen versuchte nun, auch die etruskische Sprache dort anzuschließen, nach der bekannten Meinung Herodots, ihre Sprecher stammten ursprünglich aus Kleinasien. Zuletzt beschäftigte Woudhuizen sich auch mit den Goldblechen von Pyrgi und zog viele erstaunliche Parallelen zum Luwischen, die ich aber nicht nachprüfen kann. Umwerfend ist allerdings seine Spekulation zum letzten Teil des Textes A, die eine Bedrohung „zu Wasser und zu Lande“ durch die Perser herausliest:

nac atranes zilacal seleitala acnašvers itanim heramve avil eniaca pulumχva.

„during the praetorship of Artanès (and) the sultanate of Xerxes. And may what (ever number of) stars yield to (whatever number of) years for these altars.”
Ich hatte laienhaft versucht, auf schlichtere Weise einen Sinn zu finden und dabei an den punischen Text „k ʕastart ‘rš b.dy (أَيْدٍ ) lmlky“ anzuschließen: „Die Regierung des Fürsten war (gnädig) beschützt erfolgreich, deshalb mögen die Jahr(e) der Statue (der Göttin) den Sternen gleichen.“

Geä. 1.11.21

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Sigmar Salzburg
26.10.2021 03.33
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Das wirklich Interessante

Der etruskische Tempel von Pyrgi, dem Hafen des antiken Caere nahe Rom, aus dem 6. Jahrhundert war im griechischen Stil in Holz erbaut. 16 + 2 Säulen trugen ein flachgeneigtes Satteldach, das eine Cella überdeckte. Erhalten ist nur der steinerne Sockel. 1964 wurden links neben dem Eingang drei aufgerollte Goldblättchen mit Nagellöchern gefunden, die in etruskischer und punischer Sprache an ein Weihe-Ereignis erinnern. Der punische Text ist einigermaßen verständlich:

l rbt l ʕštrt ʼšr qdš ʼz
ʼš pʕl w ʼš ytn tbryʼ wlnš mlk ʕl kyšryʼ ...
w bn tw ...


Für die Herrin, für Astarte (ist) der heilige Ort dies; den machte und den übergab Tiberius Velianas, König von Caeseria, ... und er baute (ihr) die Kammer ...
Nun wäre es aufschlußreich, den Inhalt des etruskischen Paralleltextes zu verstehen, der einige zusätzliche Informationen liefert:
Ita tmia icac heramašva vatieχe Unial-Astres, θemiasa meχ θuta. Θebariei Velianas sal cluvenias turuce...

Dieser Tempel und die Götterstatuetten [wurden] geweiht Uni-Astre, gebaut [von der] Volksgemeinde; Tiberius Velianas [hat] die heilige Cella [?] gegeben...
Der Übersetzer in der englischen Wikipedia errät „sal“ als „pleasing“; „heilig“ wäre eher angemessen, obwohl das sonst „sacni“ ist (lat. Lehnwort?). Unbefriedigend ist gegenüber dem punischen Text, daß Tiberius nicht mit seinem Titel genannt wird.

Nun hat Lorenzo Marsili etruskische Texte ausfindig gemacht, die nahelegen, daß „sal“ tatsächlich so etwas wie „König“ oder „Fürst“ bedeuten könnte. Dann wäre „cluvenias“ nicht mehr „Cella“, sondern eine bisher unbekannte Orts- oder Gruppenbezeichnung. Der Satz würde unvollständig, und „turuce“ (hat gegeben) müßte auf das vorhergehende „meχ“ oder das folgende „munistas“ (Grab?) bezogen werden. Fragen über Fragen ...

PS 1.11.: „θemiasa“ könnte auch Uni meinen, abgeleitet von Themis (gr. Göttin für Recht & Ordnung), oder gleichsinnig Tiberius als Regent über Volk und Familien. Es kann auch (s. „tmia“) oberster „Bauherr“ o.ä. bedeuten.

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