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Rat für deutsche Rechtschreibung
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Sigmar Salzburg
24.08.2018 06.49
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Uwe Pörksen

Wikipedia: Für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung saß er im Rat für deutsche Rechtschreibung. Wegen Meinungsverschiedenheiten (Zitat: „Unsere Orthographiegeschichte ist in den 90er Jahren verunglückt, weil ein Gremium, das in den 50er Jahren gegründet wurde, um die Idee einer Kleinschreibung nach englischem oder dänischem Vorbild zu prüfen, sich, als die Idee zu den Akten gelegt wurde, nicht aufgelöst hat.“) reichte er 2008 seine Austrittserklärung ein – in unreformierter Schreibweise.

Das Schreiben kann hier nachgelesen werden.

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Sigmar Salzburg
08.06.2018 04.42
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Der 40-Köpfige tagt wegen Fliegenschiß *

Der eigentlich ohnmächtige „Rat für deutsche Rechtschreibung“ soll wieder seine Existenzberechtigung beweisen! rp-online schreibt:

Streit um Geschlechtergerechtigkeit : Vom Ringen um gerechte Sprache

Düsseldorf Für die einen ist es notwendige Anpassung, für die anderen Sprachzensur: Die Frage nach geschlechtergerechter Sprache spaltet. Gegenstand der Auseinandersetzung ist vor allem das generische Maskulinum.

Von Dorothee Krings

Am Freitag trifft sich in Wien der Rat für deutsche Rechtschreibung zu seiner nächsten Sitzung. Das Gremium, 2004 geschaffen, wurde vom Staat [der eben die Einheitlichkeit zerstört hatte] beauftragt, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu wahren und die Regeln weiterzuentwickeln...

Seit der großen [sogenannten] Rechtschreibreform 1996 hat wohl kein Sprachthema die Öffentlichkeit so gespalten wie nun die Frage nach der angemessenen Vertretung der Geschlechter im Deutschen. Gegenstand der Auseinandersetzung ist vor allem das generische Maskulinum, also Wörter mit männlicher Endung, die je nach Zusammenhang alle Menschen bezeichnen sollen – unabhängig von ihrem Geschlecht. Immer mehr Frauen [durch Ideologinnen aufgeputscht] fühlen sich nicht mehr selbstverständlich mitgemeint, wenn von Kunden, Studenten, Künstlern die Rede ist... [Was für ein Quatsch! Fühlen sich Männer, wenn von „Personen“ (die Person!) die Rede ist, nicht mitgemeint?]

Von Hebammen und Entbindungspflegern

Schon in den 1970er Jahren meldeten sich darum Frauen zu Wort, die nicht mehr als Lehrer oder Arzt angesprochen werden wollten. Und zwar nicht aus linguistischer Spitzfindigkeit, sondern weil Sprache Vorstellungen prägt und ein grammatisches Geschlecht so wirksam sein kann wie soziale Stereotype.

Es gibt [scheinlogische] Experimente, die das belegen. Wenn Menschen etwa Texte vorgelegt werden, in denen von Gästen, Autoren oder Touristen die Rede ist, beschreiben sie anschließend Szenen, in denen Männer aktiv sind. Frauen werden eben nicht selbstverständlich mitgedacht.

Für Begriffe, die es historisch nur in weiblicher Form gibt, wurden hingegen im Zuge des gesellschaftlichen Wandels durchaus männliche Wortneuschöpfungen gefunden.[Nur wo die Diskrepanz zu deutlich wurde, siehe hier!] So gibt es neben der Hebamme den Entbindungspfleger, neben der Krankenschwester den Krankenpfleger. Auch das kann man als Zeichen männlicher Dominanz in der Sprache werten.

Sprache ist eben auch Gewöhnung

Doch wie ist darauf zu reagieren? Zum Teil ist das längst geschehen: So ist es etwa gebräuchlich geworden, wenn möglich neben männlichen auch weibliche Formen in Texte einzustreuen, in Begrüßungen von Sängern und Sängerinnen, Studenten und Studentinnen zu sprechen oder neutrale Verlaufsformen wie Studierende zu verwenden.

Ungenauigkeiten werden in Kauf genommen: Studierende etwa sind streng genommen Menschen, die in einem bestimmten Augenblick studieren, die grammatikalische Form gibt eigentlich keine generellen Bezeichnungen her. Doch ist Sprache eben auch Gewöhnung, und wenn von Studierenden die Rede ist, zucken inzwischen nur noch Puristen zusammen. [Eben: die zwanghafte Volksverblödung durch „Experten“, Polit-Ideologen und Medien ohne Sprachverantwortungsgefühl!]

Schwieriger ist es mit Formen, die nur geschrieben wirklich brauchbar sind, also alle Schräg- und Bindestrichformulierungen sowie das Binnen-I.

Autor*innen oder Autor_innen

Weil Sprache auch gesprochen werden will, haben sich Doppelformen wie Mitarbeiter/-innen im Sprachgebrauch als Gesamtwort etabliert und werden je nach Stellung im Satz auch gebeugt. Das funktioniert jedoch nicht mit Schreibweisen, die nicht nur Männer und Frauen gleichermaßen berücksichtigen wollen, sondern alle biologisch möglichen Geschlechter [nur zwei! Alles übrige ist hormonelle oder cerebrale Fehlschaltung!]. Dafür gibt es die Möglichkeit, ein Asterisk * oder den Unterstrich _ in Wörter einzufügen. Dann heißt es Autor*innen oder Autor_innen, und die Irritation durch die Leerstelle ist durchaus beabsichtigt.

Noch weiter geht ein Gramm[a]tikprojekt, das alle geschlechtlichen Endungen durch x ersetzt. Dabei entstehen unlesbare Sätze wie „einx schlaux Sprachwissenschaftx liebt Bücher“. Für die Erfindung dieser geschlechtsneutralen Sprache, die auch Menschen berücksichtigen soll, die sich weder als Mann noch als Frau empfinden, ist Lann Hornscheidt fachlich scharf kritisiert worden. [Was es für skurrile Persönlichkeiten unter den universitären Reformneurotikern gibt!] ...

Sprache als Mittel politischer Auseinandersetzung

Sprache, das zeigt sich auch an der aktuellen Debatte, ist nun mal Teil der Identität des Menschen, und so stoßen Versuche, Sprachsysteme von oben herab zu verändern, stets auf erheblichen Widerstand. Das war bei der Rechtschreibreform so. Das ist in der noch stärker unter Ideologieverdacht stehenden Geschlechterdebatte erst recht so...

„Das Deutsche hat alles, was man zu einer geschlechtergerechten Ausdrucksweise braucht, ob man diese Mittel einsetzt, ist eine persönliche Entscheidung“, sagt der Linguist Peter Eisenberg, Verfasser des Standardwerks "Grundriß der deutschen Grammatik“. Kritisch wird es für Eisenberg hingegen, wenn Menschen vorgeschrieben werden soll, wie sie Sprache zu benutzen haben. Noch kritischer sieht er den Fall, wenn die Sprache selbst verändert werde, „etwa durch ideologisch motivierte Zeichen wie den Genderstern oder den Unterstrich“.

Sprachregelungen sind ein tiefer Eingriff nicht nur in den Alltag...

rp-online.de 6.6.2018
Anmerkungen S.S.

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Sigmar Salzburg
22.05.2018 14.59
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Geschlechtergerechte Sprache

Kommt das Gendersternchen jetzt in den Duden?

... Am 8. Juni will der Rat für deutsche Rechtschreibung, der die amtliche Schreibweise von Worten festlegt, sich bei seiner Sitzung in Wien mit „geschlechtergerechter Schreibung“ befassen. Mit auf der Tagesordnung steht das Gendersternchen.

Es wird bei Personenbezeichnungen zwischen den Wortstamm und der weiblichen Endung eingefügt: „Kolleg*innen“. Damit wollen viele Schreiberinnen und Schreiber auch Frauen sprachlich sichtbar machen. Ursprünglich soll der Stern aber auch auf die Fülle anderer Geschlechter verweisen, ebenso wie der „Gendergap“ (deutsch: „Geschlechterlücke“): „Kolleg_innen“.

Warum befasst sich der Rat für Rechtschreibung mit dem Thema?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Aufgabe, den Schreibgebrauch zu beobachten [„Reformdurchsetzungsforschung“] So geraten auch orthografische Phänomene wie das Gendersternchen in seinen Blick. Sprachpolitisch will der Rat aber nicht wirken, wie Heinz Bouillon, Linguistikprofessor in Louvain und Vorsitzender der zuständigen Arbeitsgruppe des Gremiums, betont.

Vielmehr reagiert der Rat aktuell auf eine Anfrage des Landes Berlin vom April, nämlich der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, genauer: der dort angesiedelten Landesstelle für Gleichbehandlung. Diese hatte um eine Formulierungsempfehlung gebeten: Wie lässt sich angemessen über Personen jenseits der beiden klassischen Geschlechter Mann und Frau schreiben? Gemeint sind einerseits Intersexuelle (also Menschen, deren angeborene Geschlechtsmerkmale, von der herrschenden Norm nicht als „eindeutig“ akzeptiert werden) oder solche Transmenschen, die sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren.

Der Rat hat nach dem Karlsruher Urteil vom November noch weitere Anfragen registriert, bei denen es um die Möglichkeit ging, ein drittes Geschlecht angemessen abzubilden. Das Bundesverfassungsgericht hatte festgestellt, die bisherigen Regelungen des Personenstandsrechts, die bloß „männlich“ oder „weiblich“ sind und keine dritte Möglichkeit zulassen, verstießen gegen das Grundgesetz.

Allerdings sei dieses Thema zuallererst „sprachpolitisch und erst in zweiter Linie orthografisch“, sagt Sabine Krome, die die Geschäftsstelle des Rats für deutsche Rechtschreibung vertritt und das Positionspapier zur geschlechtergerechten Schreibung für die anstehende Sitzung in Wien vorbereitet. Möglicherweise werde der Rat also abwarten, wie Bund und Länder sich in der Angelegenheit verhalten.

www.tagesspiegel.de 17.5.2018

Es gibt genetisch nur zwei Geschlechter: Frauen mit vollkommenem XX-Chromosomensatz und singulärem X-Satz (0,02 Prozent) und Männer mit XY- sowie weniger gelungene mit XXY-Chromosomen (0,2 Prozent). Es war ein Trick der Gender-Lobby, das Verfassungsgericht zu übertölpeln, ein „drittes Geschlecht“ zu fordern und dafür auch noch die Sprache umzugestalten.

Da es seit langem zulässig ist, Leute mit Identifikationsstörungen ihr Geschlecht selbst definieren zu lassen und sich sogar einer „geschlechtsangleichenden“ Operation zu unterziehen, könnten sich die genetisch Betroffenen mühelos einer der beiden Gruppen anschließen oder einfach Xo oder XXY in ihren Paß eintragen lassen.

Ob die Anrede „Mensch“ o.ä. sich anstelle von „Herr“ oder „Frau“ gegen die überwältigende Mehrheit der Sprachnutzer durchsetzen läßt, ist sehr die Frage. Aber das hat man ja auch bei der Rechtschreib„reform“ kaum glauben können. Der nichtsnutzige „Rat“ ist sicher dankbar, wieder Aufgaben zugewiesen zu bekommen, da er die verbliebenen Albernheiten der „Reform“ nicht abändern darf und will.

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Sigmar Salzburg
29.06.2017 11.51
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Der nichtsnutzige „Rat“ tut was:

Ab sofort gelten neue Rechtschreibregeln

29.06.2017, 12:50 Uhr | dpa

Als der Rat für deutsche Rechtschreibung 2004 antrat, den „Sprachfrieden“ herzustellen, herrschte ein wahrer Rechtschreibkrieg. Der ist inzwischen vorbei – nun hat der Rat erneut Änderungen beschlossen.

21 Jahre nach der umstrittenen Rechtschreibreform ist das amtliche Regelwerk erneut an einigen Stellen geändert worden – aber in viel kleinerem Ausmaß. Nun gibt es das Eszett, das „scharfe S“, auch offiziell als Großbuchstaben. Es sieht aus wie ein Mittelding zwischen dem bisherigen, klein geschriebenen "ß" und einem groß geschrieben B.

Korrekte Schreibung von Eigennamen

Vor allem für die korrekte Schreibung von Eigennamen in Pässen und Ausweisen sei dies wichtig, teilte der Rat für deutsche Rechtschreibung mit. Bisher hatten zum Beispiel Menschen mit dem Nachnamen Oßner ein Problem: Wenn in einem Ausweisdokument wegen der Großschreibung der Buchstaben anstelle des "ß" ein Doppel-„S“ steht, bleibt unklar, ob sie „Ossner“ oder „Oßner“ heißen.

Großschreibung einiger Adjektive

Amtlich zulässig ist jetzt auch die Großschreibung des Adjektivs in Fällen wie „Goldene Hochzeit“ und „Neues Jahr“. Darüber hinaus passte der Rechtschreibrat einzelne Wortschreibungen an den weit überwiegenden Schreibgebrauch an. Er strich zum Beispiel die eingedeutschte Schreibweise „Ketschup“, die kaum verwendet wurde – zulässig ist jetzt nur noch Ketchup.

Auch andere ungebräuchliche Varianten fallen weg, müssen also zum Beispiel bei Schuldiktaten als Fehler angestrichen werden. Zum Beispiel „Grislibär“ (amtlich erlaubt ist nur noch Grizzlybär), „Yoga“ (nur noch: Joga)*), „Komplice“ (Komplize), „Roulett“ (Roulette), „Varietee“ (Varieté), „Wandalismus“ (Vandalismus).

Streit seit Rechtschreibreform von 1996

Die Rechtschreibreform von 1996 hatte zu leidenschaftlichen Debatten geführt. Jahrelang tobte ein Streit um die richtige Schreibweise von Delfin oder Delphin, Fuss oder Fuß, Schifffahrt oder Schiffahrt. Der daraufhin eingesetzte Rechtschreibrat suchte nach Kompromisslösungen und sollte dafür sorgen, dass der „Sprachfrieden“ wiederhergestellt wird...

t-online.de 29.6.2017

Hergestellt wurde nur ein Diktatfriede unter Geiselnahme der Schüler und Mithilfe der parteiischen Medien. Das fatale Disziplinierungmittel war die fehlerträchtige ss-Regel, die noch nicht einmal in allen Ländern eingehalten wird und von etlichen „Reformern“ als Fehler betrachtet wird. Ohne sie wäre die „Reform“ mausetot.

*) Wohl ein Irrtum: „Joga“ wird gestrichen.

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Sigmar Salzburg
27.05.2017 06.31
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Großprojekt Groß-ß

Austausch mit Josef Lange

Achammer trifft neuen Vorsitzenden des Rates für Rechtschreibung


Donnerstag, 25. Mai 2017 | 14:20 Uhr

lpa/Dietmar Pattis

Bozen – Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist als zwischenstaatliches Gremium mit der Aufgabe betraut, die einheitliche Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu gewährleisten und gilt somit als maßgebliche Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung. Dem Rat gehören 18 Vertreter aus Deutschland, jeweils 9 aus Österreich und der Schweiz und jeweils einer aus Südtirol, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Liechtenstein an; Luxemburg ist mit einem Beobachter ohne Stimmrecht vertreten. Zuletzt stand etwa die Einführung des Großbuchstabens für “Eszett” (ß) auf der Agenda, welche das Land Südtirol bereits gutgeheißen hat.

Der neue Vorsitzende des Rates, Josef Lange, kam gestern nach Bozen und stattete Bildungs- und Kulturlandesrat Philipp Achammer einen Besuch ab. Am Treffen nahm auch der Direktor des Bereichs Innovation und Beratung, Rudolf Meraner, teil, der Südtirol im Rat für Rechtschreibung vertritt.

“Gerade für uns als sprachliche Minderheit ist es wesentlich, die regelmäßigen Kontakte und den ständigen Austausch mit dem großen deutschen Sprachraum aufrecht und lebendig zu erhalten”, erklärt Landesrat Achammer, “Sprachförderung und Sprachpflege sind für uns von zentraler Bedeutung. Daher ist es auch wichtig, dass wir in die Festlegung der gemeinsamen Rechtschreibung, die im gesamten deutschen Sprachraum Gültigkeit hat, mit eingebunden sind.”

Josef Lange ist seit Januar 2017 Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung. Er studierte Katholische Theologie und promovierte in Geschichte und Politische Wissenschaften. Unter anderem war er Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz sowie Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in Berlin, Leiter der Abteilung Ressortkoordinierung in der Thüringer Staatskanzlei und Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Mitglied verschiedener akademischer Gremien.

suedtirolnews.it 25.5.2017

Ich habe bisher noch kein ansprechend gestaltetes Groß-ß gesehen. Man sieht allen die Notlösung an. Der Bedarf entstand bei der unnötigen Großschreibung von Eigennamen in amtlichen Dokumenten und wurde durch die „Reform“ vestärkt.

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Sigmar Salzburg
13.12.2016 22.34
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Der Dummstolz der Durchsetzer

3. Bericht des Rechtschreibrates:

Wesentlich im Bereich der GROSS- UND KLEINSCHREIBUNG neu geregelt mit der Reform wurde die Schreibung formaler Substantivierungen, die seitdem einheitlich in Großschreibung angesetzt sind (vgl. auf dem Laufenden, im Großen und Ganzen). Diese Neuerung hat sich durchgesetzt ...
3. Bericht S. 23
... z.B. in der devoten Presse:
Wissenschaftler haben eine Studie zur sich verlangsamenden Rotation der Erde geschrieben – und stützen ihre These auf Tonscherben der Babylonier.
Vor allem die Gezeitenkraft des Mondes bremst die Rotation der Erde. Aber auch alle Massen, die auf der Erde in Bewegung sind, verändern die Drehung – etwa Gletscher, Magma, ja selbst fallendes Laub. Doch der Mond wirkt bei Weitem am stärksten.
spiegel.de 13.12.2016
Nein, nach dem Gravitationsgesetz F = G • M • m / r² wirkt der Mond bei größeren Weiten schwächer und könnte bei weitem nicht die unterstellten Wirkungen hervorrufen.

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Sigmar Salzburg
13.12.2016 16.48
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3. Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung

0) Zum Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung

Nach 2006 und 2010 legt der Rat für deutsche Rechtschreibung zu Ende 2016 seinen dritten Bericht vor, der die Jahre 2011 bis 2016 umfasst. Stand der erste Bericht ganz im Zeichen der Findung eines Konsenses zwischen den die Reform befürwortenden und den der Reform kritisch gegenüberstehenden Parteiungen*), so spielten im zweiten Bericht Fragen der Umsetzung eine zentrale Rolle. Der nun vorliegende dritte Bericht ist der Erste, in dem Fragen der Schreibgebrauchsbeobachtung im Vordergrund stehen ...

rechtschreibrat.com

*) Offensichtlich waren neben den Befürwortern und Kritikern die 56 bis 90 Prozent Gegner der „Reform“ in diesen Gremien überhaupt nicht mehr vertreten.

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Sigmar Salzburg
10.12.2016 11.24
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Rat für Rechtschreibung: Der 40-„Köpfige“ hat wieder zugeschlagen!

Recht schreibt der Rat, nicht gut
Daniel Goldstein / 08. Dez 2016 – Ohne Absicht zeigt der Rat für deutsche Rechtschreibung, wie man buchstäblich schlecht und recht schreiben kann.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung spielt dieses Jahr den leicht verspäteten Sankt Nikolaus: Er beschert Deutschen und Österreichern ein grosses Eszett, also zum ß das ẞ. Zudem hat er bei der Gross- und Kleinschreibung weitere Lockerungen gewährt: «Diese betreffen die Schreibung von Funktionsbezeichnungen (wie z. B. neu der erste/Erste Vorsitzende statt aktuell nur der Erste Vorsitzende) sowie von Benennungen für besondere Anlässe und Kalendertage (wie z. B. neu die goldene/Goldene Hochzeit statt aktuell nur die goldene Hochzeit).»

So weit, so gut, mehr oder weniger. Leicht hat sich der Rat die Arbeit nicht gemacht, und leicht macht er auch nicht die Lektüre seiner Pressemitteilung: «Das nach dem Statut des Rates vorzunehmende Anhörungsverfahren zu diesen Vorschlägen bei Vertretern der Schulen, insbesondere Lehrer- und Elternvertretungen, sowie den für die Verwaltungssprache zuständigen Behörden und Vertretern von Einrichtungen, die aufgrund ihres Umgangs mit Sprache und Rechtschreibung deren Fortentwicklung beurteilen können oder an der Umsetzung der Beschlüsse des Rats beteiligt sein werden, hat eine allgemeine Zustimmung zu diesen Vorschlägen ergeben.» Aber wer will denn da schon meckern: Der Rat muss ja nur recht schreiben, «gut» steht nicht in seinem Statut.

Weiterführende Informationen
Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung
Pressemitteilung dazu

infosperber.ch 10.12.2016

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Sigmar Salzburg
18.08.2016 05.27
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Die Duden-Verdrängung durch die „Reform“ ist mißlungen

Gestern erwähnte Th. Ickler eine interessante Beobachtung:

Wenn ich die neueste Liste der Ratsmitglieder durchsehe, finde ich naturgemäß keinen Gegner der Rechtschreibreform, aber auch keinen der alten Reformer mehr; Gallmann gehört noch am ehesten dazu, aber sonst lauter Leute, die mit Rechtschreibung nichts zu tun haben und denen das alles im Grunde gleichgültig ist. Nur die Wörterbuchfraktion (Krome) weiß, was sie will, die anderen nicken dazu. Was sollen sie auch sagen? Zur Sache selbst können sie nichts beitragen, sondern sich nur zu den erwartbaren geschäftlichen oder organisatorischen Folgen einer Änderung äußern.
Die wenigen Sprachwissenschaftler müssen in einem solchen Gremium ziemlich frustriert sein. Ich wundere mich, wie lange sie es aushalten.
Wikipedia weiß:
Der Verlag der Wahrig-Nachschlagewerke, der zu Bertelsmann gehörende Wissen Media Verlag, stellte seine Geschäftstätigkeit im Buchhandel zum 1. Februar 2014 ein. Lediglich die Online-Aktualisierungen verschiedener Werke sollen für Käufer noch ein paar Jahre erhalten bleiben.
Das heißt: Der Rechtschreib„reform“, von Bertelsmann (Krome) zur Verdrängung des Duden stark gefördert, ist damit eins ihrer wichtigsten Ziele abhanden gekommen. Wäre das am Anfang klar gewesen, dann hätte es möglicherweise gar keine „Reform“ gegeben.

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Sigmar Salzburg
09.08.2016 04.53
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Der „Rat“ betreibt nur noch Durchsetzungforschung

Nochmal zur NWZ-Meldung v. 2.8. über das Wirken des Rechtschreibrates:

Zehn Jahre nachdem das amtliche Regelwerk – die reformierte Reform – als verbindliche Grundlage für den Unterricht erklärt worden ist, wird sie auch „überwiegend angewandt“. Das ergab eine Studie des deutschen Rechtschreibrates, die jetzt in Mannheim veröffentlicht wurde...

Der Studie zufolge stimmt die Anwendung mit den festgeschriebenen Regeln „im hohen Maße überein“. Dies gelte auch für Normen, die vor einem Jahrzehnt umstritten waren, wie etwa die Großschreibung bei „im Folgenden“ oder „des Öfteren“.
Th. Ickler hat diese Betriebsamkeit des „Rates“ schon vor sechs Jahren (Auszug hier) präzise aufgespießt:
Der Rechtschreibrat verbucht die Durchsetzung der Reform als Erfolg, die Qualität des Durchgesetzten spielt für ihn keine Rolle. Die Sprachwissenschaft hat abgedankt zugunsten einer geschäftsrelevanten Durchsetzungsforschung…
(Ein Beispiel gelungener Durchsetzung hier.)

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Sigmar Salzburg
02.08.2016 05.45
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Der Schreib-Unrat beobachtet die Korrektur-Automaten

Reformgegner auch am zehnten Jahrestag kritisch
„Einheitlichkeit verloren“ – Studie mit positivem Ergebnis


Mannheim/Oldenburg Wieder ein Jahrestag zur umstrittenen Rechtschreibreform: Zehn Jahre nachdem das amtliche Regelwerk – die reformierte Reform – als verbindliche Grundlage für den Unterricht erklärt worden ist, wird sie auch „überwiegend angewandt“. Das ergab eine Studie des deutschen Rechtschreibrates, die jetzt in Mannheim veröffentlicht wurde. Die Reformgegner jedoch sind auch nach zehn Jahren nicht verstummt.

Der Studie zufolge stimmt die Anwendung mit den festgeschriebenen Regeln „im hohen Maße überein“. Dies gelte auch für Normen, die vor einem Jahrzehnt umstritten waren, wie etwa die Großschreibung bei „im Folgenden“ oder „des Öfteren“.

Um die Reform wurde seit deren Einführung 1996 heftig gestritten. Zu den Reformgegnern gehört die Oldenburgerin Gabriele Ahrens, die mit ihrem Mann die Initiative „WIR gegen die Rechtschreibreform“ gegründet hatte. Heute beklagt sie die „verlorene Einheitlichkeit der Orthografie“. Durch zahlreiche parallel geltende Schreibweisen und nicht identische Wörterbücher sei sie der Beliebigkeit preisgegeben.

nwzonline.de 2.8.2016

Der Rechtschreib(un)rat beobachtet die Automatenkorrekturen „des Öfteren“, um die assholistische Rechtschreib„reform“ zu rechtfertigen – welch erbärmliche Manipulation!

Siehe auch noch dies.

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Sigmar Salzburg
03.06.2016 12.20
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Wechsel im Scheinparlament der Rechtschreib„reform“

Vorsitzender im Rat für deutsche Rechtschreibung

Als der Rat für deutsche Rechtschreibung 2004 antrat, den „Sprachfrieden“ herzustellen, herrschte ein wahrer Rechtschreibkrieg. Der ist inzwischen vorbei – nun nimmt „Mr. Rechtschreibung“ Hans Zehetmair seinen Hut. Bald wird ein Nachfolger gewählt.


Hannover/München – Der ehemalige niedersächsische Staatssekretär Josef Lange soll den Rat für deutsche Rechtschreibung leiten. Er ist einziger Kandidat für die Nachfolge von Hans Zehetmair an der Spitze des Gremiums, das seit 2004 die maßgebliche Instanz in Fragen der Rechtschreibung ist. Das geht aus der am Mittwoch versandten Einladung zur nächsten Sitzung des Rats am 24. Juni in Vaduz (Liechtenstein) hervor. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des neuen Vorsitzenden.

Die Kultusministerkonferenz und die zuständigen Institutionen der anderen deutschsprachigen Länder, die im Rat vertreten sind, haben sich demnach auf Lange geeinigt. «Ich freue mich über das Vertrauen der staatlichen Stellen im deutschsprachigen Raum und bin gern bereit, diese Funktion zum Wohl der Allgemeinheit wahrzunehmen», teilte Lange mit. Der Historiker und Theologe war von 2003 bis 2013 Staatssekretär im niedersächsischen Wissenschaftsministerium. In den 90er Jahren war er Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz.

Der ehemalige CSU-Politiker Zehetmair steht dem Rechtschreibrat seit der Gründung des Gremiums im Jahr 2004 vor und gilt als„Mr. Rechtschreibung“. Zum zehnjährigen Bestehen des Rates 2014 hatte er seinen Rückzug für Ende 2016 angekündigt.

Die Rechtschreibreform von 1996 hatte zu leidenschaftlichen Debatten geführt. Jahrelang tobte ein Streit um die richtige Schreibweise von Delfin oder Delphin, Fuss oder Fuß, Dampfschifffahrt oder Dampfschiffahrt. Der von den staatlichen Stellen beauftragte Rechtschreibrat sollte den «Sprachfrieden» wiederherstellen. Er hat 40 Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

«Damals gab es Leute, die Angst hatten, die Welt bricht zusammen, wenn man ein Wort so oder so schreibt», sagte Zehetmair zum zehnjährigen Bestehen des Rates. „Dabei gibt es längst ganz andere Herausforderungen: Sprache ist verkommen. Sprache ist zu sehr dem Konsum gewichen, der Passivität, und ist zu wenig schöpferisch.“

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Josef Lange in der internationalen Wissenschaftsszene zu Hause. Der am 20. Februar 1948 im westfälischen Ahlen geborene Theologe und Historiker gilt wegen seiner zahlreichen früheren und aktiven Ämter auch über die Grenzen Deutschlands hinaus als gut vernetzt.

Lange lebt in Hannover und bezeichnet sich selbst als „Exot“, der im Laufe seiner Verwaltungs- und politischen Karriere seine Heimat verließ, um in vielen Orten in Deutschland zu studieren, zu leben und zu arbeiten: „Münster, Regensburg, Bayreuth, das Rheinland, Berlin, Erfurt – überall habe ich die dortigen Menschen sowie ihre Formen der Sprache kennengelernt.“ Dadurch habe er ein eigenes Verständnis für Sprache entwickelt.

Dies dürfte ihm im Amt als Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung mindestens ebenso helfen wie seine in den unterschiedlichsten Ämtern gesammelten politischen Erfahrungen – sei es als Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, als Mitglied in zahllosen Ausschüssen, Beiräten sowie Arbeitsgruppen oder als Staatssekretär in Wissenschaftsministerien. Von 2000 bis Mitte 2001 hatte er den Posten in Berlin inne, von 2003 bis 2013 in seiner Wahlheimat Niedersachsen.

Zwischenzeitlich beriet Lange auch die serbische Regierung bei der Vorbereitung eines neuen Hochschulgesetzes im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung und arbeitete als Abteilungsleiter in der thüringischen Staatskanzlei.

Eigentlich hatte der zweifache Vater seiner Frau versprochen, im Ruhestand kürzer zu treten. Doch aus seinem Umfeld heißt es, das sei noch nie seine Stärke gewesen. Lange gilt als emsiger, geradliniger, zielorientierter sowie bescheidener Denker und Arbeiter im Hintergrund, der im Schmieden von Kompromissen sehr erfahren ist.

Neue Presse Coburg 2.6.2016

Zu dem seit 20 Jahren öffentlich ablaufenden Kulturschurkenstück Rechtschreib„reform“ fällt einem nichts mehr ein.

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Sigmar Salzburg
18.09.2015 15.36
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Uwe Pörksen

Zuletzt hatten wir den Germanisten Uwe Pörksen hier und da erwähnt. Bei der weiteren Suche sind wir auch auf seine aufschlußreiche Austritterklärung aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung gestoßen:

Austrittserklärung

Prof. Dr. Uwe Pörksen
Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

An den Vorsitzenden des Rats für deutsche Rechtschreibung
Herrn Staatsminister a. D.
Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair
Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Lazarettstr. 33
D-80636 München


An die Mitglieder des Rats für deutsche Rechtschreibung
Geschäftsstelle am Institut für Deutsche Sprache (IDS)
R5, 6-13
D-68161 Mannheim


Freiburg, 4.10.2008


Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ratsmitglieder,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,

mit diesen Zeilen kündige ich an, daß ich zum Termin der nächsten Sitzung aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung ausscheide.

Die Aufgabe des Rates habe ich zur Zeit meines Beitritts vor etwa drei Jahren so verstanden, daß er die Baustelle Rechtschreibung in den wichtigsten Bauabschnitten einer Revision und einem Rückbau unterzieht. Unsere zunächst sehr zurückhaltende Akademie hat sich daran beteiligt, als der Rat ihrem Vorschlag entgegenkam, Arbeitsgruppen – u.a. zum Thema Zusammen- und Getrenntschreibung – einzurichten, und diese in der Folge überzeugende Vorschläge vorlegten. Im Frühjahr 2006 kam es zum erfolgreichen Abschluß eines ersten Kapitels, zugleich wurde die Weiterarbeit in einer Sitzung, an der ich teilnahm, auf eine nicht unbedenkliche Weise unterbunden bzw. auf ein St. Irgendwann vertagt.

Inzwischen vermag ich kein klares Programm zu erkennen, weder was Inhalt und Gewichtung der noch zu erledigenden Kapitel, noch was den Zeitplan, noch was die einzusetzenden Arbeitsgruppen angeht. Statt dessen scheint mir der Rat dazu überzugehen, sich neuen, weitergehenden Aufgaben zuzuwenden.

Das widerspricht meinem Verständnis seines Auftrags und seiner Möglichkeiten. Ich habe ihn als Aushilfe in einer verfahrenen Situation begriffen. Als Dauereinrichtung halte ich ihn für eine Fehlkonstruktion. Unsere Orthographiegeschichte ist in den 90er Jahren verunglückt, weil ein Gremium, das in den 50er Jahren gegründet wurde, um die Idee einer Kleinschreibung nach englischem oder dänischem Vorbild zu prüfen, sich, als die Idee zu den Akten gelegt wurde, nicht aufgelöst hat.

Die Reaktion bzw. die fehlende Reaktion auf das letzte Schreiben unserer Sprachkommission bestärkt mich in meinem Entschluß. Die Kommission unserer Akademie ist über meine Entscheidung unterrichtet und hat für sie mehr als Verständnis. Ich bitte darum, daß die Gründe meines Austritts in der kommenden Sitzung diskutiert werden. (Sollte es bei dem ursprünglich angekündigten Termin 23. Oktober bleiben, müßte ich mich leider schon um 13h verabschieden).

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
(Uwe Pörksen)

[Anmerkung S.S.: „die Weiterarbeit ... auf eine nicht unbedenkliche Weise unterbunden“. Damit gemeint ist sicher die Verfügung der KMK-Präsidentin Erdsiek-Rave gleich nach ihrer Amtsübernahme 2006, alle weiteren Arbeiten zur Korrektur der „Reform“ einzustellen, um schon im März den „Rechtschreibfrieden“ verkünden zu können.]

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Sigmar Salzburg
19.06.2015 17.37
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Kontroverse zu Edmund Jacoby

Zum untenstehenden Artikel von Edmund Jacoby

Wie Autoren schreiben,

bei uns hier eingetragen, gibt es im Börsenblatt eine interessante, von Mißverständnissen und Unkenntnis getragene Kontroverse unter den Lesern, aber bisher keine Verteidigung der Rechtschreib„reform“:


Theodor Ickler 18.06.2015 12:51h

Ich verstehe nicht, warum die Reformer so großen Wert auf den „Rechtschreibfrieden“ legen statt darauf, daß wir wieder eine sinnvolle Rechtschreibung bekommen. Aber auch der Ratsvorsitzende Zehetmair redet so, wie ich als ehemaliges Mitglied des Rates noch genau in Erinnerung habe. So wurden denn auch von Anfang an die Kritiker der Neuregelung als Störenfriede gescholten. Nur sehr widerwillig haben die Kultusbehörden anerkannt, daß die zahllosen Einwände sachlich berechtigt waren, und zehn Jahre hat es bis zu den Korrekturen gedauert, die aber bei weitem nicht das Ende sein sollten. Lange Mängellisten liegen noch unbearbeitet in der Schublade.


Lektor 18.06.2015 13:05h

Ein Sechstel der Schreiber hält sich also an die neuen Regeln (sofern man von solchen sprechen kann), das andere Sechstel hält die Reform für Unsinn und zwei Drittel machen, was sie wollen.
Wenn Jacoby behauptet, daß eine „Hausorthographie“ ein „weiterer kleiner Schritt zum Rechtschreibfrieden.“ sei, ist das dreist. Einen weiteren Schritt ins Chaos als Frieden zu bezeichnen, ist nur eine Verschleierung dessen, daß das, was die Reformer bezweckt haben, fast erfüllt ist. Nämlich daß man an der Schreibung nicht mehr die Bildung des Schreibers erkennen können soll.


Journalist 18.06.2015 15:26h
@Theodor Ickler,
Nein Herr Ickler, Sie irren. Wir brauchen keine neue Rechtschreibung. Was Sie und Ihresgleichen gemacht haben, ist pure Anmaßung, weil die deutsche Sprache nicht das Eigentum von Ihnen und Ihresgleichen ist, sie gehört uns allen. Und es gibt keinen Grund, daß Sie und ihre »Mitstreiter« daran herumpfuschten und -pfuschen. Seit 1901 gibt es eine sinnvolle deutsche Schreibung, die hätte gereicht, kein einziger der Vorschläge der Kommission war berechtigt.
Herausgekommen ist Chaos, ein eindeutig durch die Reform begründeter, bis heute anhaltender schlechterer Abverkauf von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften und mehrere Schülergenerationen, die die Regeln, die ihnen in der Schule gelehrt werden, täglich auf das Gröbste verletzt sehen.
Aber wie immer gilt in Deutschland, daß Fehler von den Politikern nicht eingestanden werden. Man strampelt emsig weiter, auch wenn’s dabei bergab geht. Darauf brauchen Sie nicht stolz zu sein.


Theodor Ickler 18.06.2015 18:16h

Aber Herr Journalist! Da haben Sie mich gründlich mißverstanden. Ich gehöre doch gar nicht zu den Reformern, sondern war von Anfang an ihr entschiedenster Gegner, habe fünf Bücher gegen die Reform veröffentlicht und die Volksinitiativen sprachwissenschaftlich beraten. Im Rechtschreibrat habe ich weiter für die Rücknahme der Reform gekämpft, nicht ganz erfolglos, aber als es nicht mehr weiterging, bin ich ausgetreten.


Journalist 19.06.2015 11:18h

Herr Ickler,
es gilt der alte strafrechtliche Grundsatz: Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.
Zuerst mitmachen, dann aufgeben und am Ende dagegenwettern ist das, was diese Reform so weit gebracht hat. Am Schluß will es keiner gewesen sein, aber wir alle leiden darunter. Das gilt für Sie, Zehetmair und alle die anderen, die in irgendeiner Form mitgewirkt haben, gleichermaßen.


Frieda 19.06.2015 11:36h

Der mantra-artig beschworene „Frieden“ ist der Frieden des Todes: „R.I.P.“. Seit „voraus“, „nachhinein“ und andere Worte von irgendwelchen dahergelaufenen Schlauköppen als Substantive festgelegt wurden, so wie einst die Kirche die Erde als flach und die Sonne um die Erde kreisend festgelegt hatte, ist Rechtschreibung in Deutschland tot. Grammatik, Etymologie, Wortarten sind damit abgeschafft, und die breiige Masse folgt stumpfsinnig den blödsinnigen DUDEN-Empfehlungen („seit Langem“, „von Weitem“, „Recht haben“, „Leid tun“, „weit reichend“, „Saxofohn“, ...).


Theodor Ickler 19.06.2015 18:18h

Nein, Herr Journalist, Sie irren sich schon wieder. Ich habe zu keiner Zeit „mitgemacht“. Aus meiner Feder stammte einer der allerersten Zeitungsartikel gegen die Rechtschreibreform, in der FAZ 1996. Ich habe unter großen Opfern völlig kompromißlos gegen die Reform gekämpft, auch als Gutachter vor dem Bundesverfassungsgericht 1998. In den Rat für deutsche Rechtschreibung wollten die Kultusminister zunächst nur Reformbefürworter aufnehmen, mußten sich dann dem Druck der Kritiker beugen und wenigstens einen Reformgegner dazunehmen. Den „Kompromiß" von 2006 habe ich nicht mitgetragen. Ich habe nur die Rücknahme einzelner Neuerungen bewirkt. Wenn Sie die jahrelange Entwicklung mitverfolgt hätten, wüßten Sie das alles, denn es stand in den Zeitungen, auch mein ausführlicher Bericht „Aus dem Leben eines Rechtschreibrates“ über die unsäglichen Verhältnisse im Rat. Noch jetzt diskutieren wir unter „Schrift & Rede“ weiter, und dort können Sie ebenfalls an meinen vielen tausend Beiträgen sehen, daß ich niemals mitgemacht habe. Für meinen kompromißlosen Kampf wurde mir 2001 der Deutsche Sprachpreis verliehen. Wollen Sie die Logik wirklich so verdrehen, daß sie von jemandem, der eine Sache bekämpft, behaupten, er habe eben dadurch „mitgemacht“?

boersenblatt.net

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Sigmar Salzburg
16.06.2015 12.48
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Aus der Arbeit im Un-Rat

15. Juni 2015 Rat für deutsche Rechtschreibung

Wie Autoren schreiben

Aufwändig oder aufwendig? Wo gehen Autoren mit den amtlichen Regeln der Rechtschreibreform konform und wo nicht? Edmund Jacoby, Verleger im Verlagshaus Jacoby & Stuart, sitzt für den Börsenverein im Rat für deutsche Rechtschreibung – Einblicke aus der letzten Sitzung des Rats: VON EDMUND JACOBY


Jetzt ist sie bald schon zwanzig Jahre her, die große Aufregung um die Rechtschreibreform von 1996. Seit der Rat für deutsche Rechtschreibung im Jahr 2006 ein Regelwerk vorgelegt hat, in dem manche „reformierte“ Schreibweisen abgeschafft und die traditionelle Schreibweise in vielen Fällen wieder zugelassen wurde, herrscht einigermaßen Frieden in deutschen Schreibstuben. Aber die amtliche Schreibung besitzt längst noch nicht wieder die fraglose Autorität, die der Duden und andere Wörterbücher einmal hatten.

Dies wurde in einer ziemlich repräsentativen Umfrage des Interessenverbands österreichischer Autorinnen und Autoren deutlich, die auf der letzten Tagung des Rechtschreibrats vorgestellt wurde: Nur 16% der Befragten bekennen sich uneingeschränkt zur gültigen reformierten Rechtschreibung, während fast ebenso viele an der alten Rechtschreibung von vor 1996 festhalten. Die große Mehrheit gab an, von Fall zu Fall zu entscheiden und eigene Regeln zu befolgen. In den meisten Fällen akzeptieren die Verlage diese individuellen Orthographien.

Und wo gehen die Autoren nun mit den amtlichen Regeln konform und wo nicht?

Das seinerzeitige Hauptärgernis der neuen Rechtschreibung, die vorgeschriebene Auseinanderschreibung zusammengesetzter Wörter, ist dank der Reform der Reform weitgehend beseitigt. Zwar empfiehlt der Wahrig etwa immer noch die Schreibweise „schwer wiegend“, aber 80% der Befragten schreiben „schwerwiegend“, entsprechend der alten Faustregel „nur eine betonte Silbe – ein einziges Wort“. Bei „kennenlernen“ ist das Votum für die Zusammenschreibung noch eindeutiger.

Problematischer ist es mit der Groß- und Kleinschreibung: Ausdrücke wie „auf dem Laufenden“ sollen großgeschrieben werden. Nur scheinbar eindeutig ist in diesem Fall, dass es sich bei „Laufenden“ um ein Substantiv handeln müsse, weil es dazu einen Artikel gibt, und nur 65% der Befragten waren vom Substantivcharakter des Worts überzeugt. (In vergleichbaren Fällen wie „ohne W/weiteres kann auch offiziell wieder kleingeschrieben werden.)

Womit die österreichischen Profischreiber sich auch nicht recht anfreunden können, sind reformierte „ä“-Schreibweisen. „Aufwändig“ wird inzwischen auch von den Wörterbüchern nicht mehr empfohlen, da das Wort nun mal nicht von Wand, sondern von wenden kommt. „Schnäuzen“ statt „schneuzen“ ist dagegen zwar vorgeschrieben, aber dennoch nicht mehrheitsfähig. Wer denkt denn schon beim Sich-Schnäuzen an Schnauze?

Auch außerhalb Österreichs hadern die Schreibenden noch mit einigen Reformschreibungen. So geht vielen das vorgeschriebene „nummerieren“ oder gar „nummerisch“ ebenso gegen den Strich wie „platzieren“. Das eingedeutschte Portmonee statt Portemonnaie wird inzwischen von den Wörterbüchern nicht mehr empfohlen, obwohl die ideologisch vorbelastete Auffassung, dass „Fremdwörter“ eingedeutscht („integriert“) gehören, noch nicht ganz tot ist. Im Fall von „Tollpatsch“ hat sich die „Integration“ des migrantischen, aus dem Ungarischen stammenden, Worts durchgesetzt, weil die meisten Schreibenden wohl vermuten, dass das Wort von „toll“ kommt; bei Nougat dagegen hält sich kaum jemand an die Duden-Empfehlung „Nugat“ …

Woran die österreichischen Autorinnen und Autoren mit gutem Grund erinnert haben, ist dieses: Rechtschreibregeln haben nicht nur den Zweck, Schülern das Schreibenlernen zu erleichtern, sondern auch den, Texte möglichst lesbar zu machen. So plädieren sie für eine möglichst klare Satzgliederung durch Kommata, anders als die Reformrechtschreibung, die versucht hat, die Zahl der Kommata zu reduzieren.

Übrigens: Der österreichische Verband hat jetzt beschlossen, künftig nicht mehr die alten Rechtschreibregeln anzuwenden, sondern eine Hausorthographie auf der Grundlage der geltenden Regeln zu nutzen. Ein weiterer kleiner Schritt zum Rechtschreibfrieden.

boersenblatt.net 15.6.2015

Der letzte Absatz war wohl das, was der Verfasser eigentlich mitteilen wollte: Daß auch der Autorenverband zu Kreuze kriechen will in diesem übelsten Schmierenstück der deutschsprachigen Kulturapparatschiks der letzten hundert Jahre.

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